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Freies Blatt · 1894-05-20 · 111 (20.5.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
111 (20.5.1894)
Date
1894-05-20
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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freies Blatt. Nr 111 Wahrung des guten deutschen EharakicrS des Heiligcnhasucr Bades" jüdische Kurgäste von dem Besuch demselben noch Kräne» forn;iihaltcn. ES wird bcehalb den diesjährige» und späteren Änzeigen die Be incrkung bcigcsügt werden: „Israelitischer Bciuch nicht erwünscht." Tic Badcvcrwaltung wird, wie die Erfahrung lehrt, bald weiter -• gehen und zur Bewahrung dessen, was sie unter „gutcin deutschen Elrarokter" versteht, ihre Anzeigen mit der Bemerkung versehen müssen: ,,-?>nr antisemitischer Besuch erwünscht." Ä'ichiantisciniien tonnen übrigens auf den Bciuch dieses WinkelbadeS getrost verrichten. t.l>'cfälirdilng der militärittbcit Tisciplin. > Ter Änltfcniiiismus bat im deutsche» Heere bereits zu einer Gefährdung der militärische» TiSeivlin geiübrt. In Böttingen ereignete sich nenlich, wie ein dortiges Blatt berichtet, der /fall. das; ein Vandwehrmann einem indischen Unterossieier, der ihm eine Änordnnng gab, den Gehorsam verweigerte mir der Begründung, er lasse sich von Juden keine Be fehle geben. Ä'atüilich wurde er wegen Insubordination sofort in Haft gesubri. TaS Bergeben der GehorsaniSt-criveigcrung wird nach dein vren i'chen Miliiärstrcrsgefepe' mit Tunkelarrcst nicht unter vierzcbn ragen oder Gesärgniß bis zu d:ei Jahre» lind, falls es vor rer »ammelicr Mannichast erfolgt, mit Gefängnis; bis zu fünf Iabren bestra't. Tic Stellung dcr Äcruc bei den %\llDCH.'' Geheimraih Tr. v.' Ziei!i"en in Bi NN che» sprach kurrlich IN einem Bortrage über die Prellung dcr Äerzle bei den Juden. . Er führte Stellen ans dem Talinnd an, welche beweisen, dag die Juden den Kerrien stets'mit der größten Ächtung gegeuübcrtraten. „Eine solche," fuhr er dann fort. „genießen die Äerzte auch jept noch bei de» Juden, denn sie schenken dem Ärzte daS größte Benrauen: die Houorirnng in durch ans angemessen. TiefeS Bcrhalte» dem Ärzie gegenüber Hai seine Ursache in dem überaus innigen ^i,niui»u,itlcbn, der Iamilie. Böen» ein (fainilienmiiglied erkrankt, sind die Änderen in höchster Besorgnis; B>an wendet sich sofort an den Är;i. Hali sich uiis ängstlicher r"e ,'anigkeik an alle seine Änordnungen. um nur ia nicht den erlranlten Viebling irgend welcher Gestillt durch Beruachläfstguiig aiisznsepe». In der 01 ranke genesen, dann beweist, die (familie .dem Ärgt die größte Tankbarkeit. TaS «vamilienleben der Inden in gerade-,» ela'st>ch, eine solche Änhänglichkeit der. Elter» an die Kinder und nnigekelirt riiitel man gar nicht bei den Ehristen Tiefe guten Teilen der .Jude» werden jepl bei /den antisemitischen Tiradcn gan-, übersehe». Ter ÄiitisemitiSmuS in eine Listige Epidemie- und wird mit' der ^eii wieder ver'chwiziden. wenigstens wird der Kampf der Äntiieiniien, der eigentlich gegen daS jüdische Eapilal gerichtet ist, in der Iorni, wie er jcpi^ geführt wird, aushöre», und es werden Juden und Innler zugleich bekämpft werden, wie eS jept schon in Tstprerißen der Ja 11 iii." i iJiircti (Vftuolmlicit ucrbilDctc* llrtliril. Äus M >,,, ch e» 'chreibt inan uns: In einer kleinen banetiichen Stadt glaubte ein Kaufmann -seiner ailliscmiti'cheii Gestnnring dadurch Vnft machen -,n müssen, daß er im Schaufenster seines Badens das B.-ori „Ind" im Tuch auf anderSfarbigein EU und auslegie. Tie Polizei schritt wegen groben UnsngeS ein, und dcr Biedermann wurde in allen Instanzen vernrlbeilt. ÄuS dcr UrtheilSbegründung könnten die Äniiiemilen aller . Vänter viel lernen, wenn fic das wollten oder könnten. TaS Unheil hebt besonders hervor, daß, selbst wen» die Thai des Ängeklagie» nur gegen die Juden der betreffenden Stadt sich gerichiet hätte, ohne daß der nichkjüdische BevölkerungStheil daniit getroisen war, die Merkmale des groben Unfuges vorliegen würden, weil eS '«ich nicht aini einen individuell begrenzten PcrsoncnkrciS handeln würde, sondern wegen der unmeßbaren Zahl und wegen deS Mangels näherer Beziehung zu ein ander alS der der Gla»bc»Sgciioste„schast ein nnbegre»-,ter Personen kreis getrosten wäre. Ä'och interessanter fährt daS Uriheil weiter fort, eS sei ganz ohne Belang, ob die Borübergebenden die Tarstellnng deS BäorreS „Iud" als Scher, betrachtet und belacht liäilen. ^weil grober Unfug auch da slaiisinden kann, wo er in (folge eines durch Gewöhn heit verbildete» Unheils, B. der antiiemikischen (Besinnung cinzelncr Bevölkerungsichichicn, als solcher nicht empsunden ivird. Zur Sälächtfragc.1 In der am Mai siaitgehabien Sipung des Tanziger ThierschuyvercineS wurde nach cinmonatlicher Beraihnng die (frage deS jüdischen SchächtcnS erledigt. Er wurden hiebei folgende (fragen formulirt: 1. Iß daS Schlachten der ahicre iniitelit vor hergchcndcr Betäubung dem Schächten vorzuzicden? und weiter: - In daS Schlachten mitlclsd HalSschuineS alS Thicrgnälerei zu betrachte»? Tie erste (frage wurde mit U gegen - Stimmen mit ja, die zweite /frage einstimmig mit nein beantwortet. —- In tockho 1 m hak der PctitionSauSschuß dcr ersten Kammer eine Petition deS dortigen ThierschutzvcrcineS um obligatorische Einführung dcr Betäubung bei asten Schlachtungen, - d. h. rin Bcrbor des SchächtcnS. mit allen gegen 2 Stimmen abgcwicsen - ' > Stitt f> (Gitic lliftoriidic iKcmilliimu. Im Jahre I'i.stT. tnr-, vor dem Tsterst-ste, fand man i» stcn,ana die Reiche eines chrjstlicheii >1 indes, denen Tod schcn einige Tage früher slaitgesnnden haben miißle Bald verbreitete sich das N'erücht, die Inden batten das aiind zu riinellen Zwecken ermordet, und die fanatische Bevölkerung schrie nach Bache. Schon waren einige indische stHänier gevlnnderi worden, als der Be uper des Ileckens, ein polnischer B-ojewode, den, Pinnd rn Einhalt aebot. indem er ei klärte, daß die teS Mordes beschuldigten Jude» vor daS (.Bericht geladen und strenge gerichtet würden. T:e damalige polnische E'erichisbarkeit hatte stets erklärt, daß die Äst:tage des r i I n c N c n M o r d e s g e g e'n d i e I i, dene i n e ' f ch a n d 1 i ch e B e r 1 e n m d n n g n » d ein b 1 ö d > i „ ,i: g e S -B o r n r. i h e .1 i e i, nnd verlangte, daß t-’i-r christliche und drei jüdi'che Zeügeis die Äii klage bcstäiigten: im /falle, wo der ailäger nicht die vdtl.»g:ei: Z.pgen stellen konnte, sollte an ihm die Hauptstrate völtstrect: wer e:> Tab.-r waren die Proeeste iiber rituelle» Bc'ord >ebr seitens in Polen. Zn-e: Jahre vergingen 'eit der Entdeckung devt'eich>- krS chtistlichen Vindes Es ist .-nicht belännk, ob in die'er Zeit eine U. lersnchnnA. eingeleite: worden und mit welchem Ergebnis;. Es ist wabiicheiniich'.' daß dw gegen die Juden erhobene Ä»klage als;u weiiig begründet erachtet wurde und daß die Behörde» die Untek'iichuug iiicht eiiimal reran laßtrn. Bom gerichtlichen Standpunii ans schien die^Sache :..l u.-i» gelegt;» sein, nie es beißt Tie Juden bauen sie ver.ge>>en. aber die Bürg r, von Haß gegen die Juden beberr'äit. vergaßen ste nicht. Äst:', di: t^egenivaii d:S B.'oiewoden störte ste. Sie warteten den geergneien Ängenblnk ab, niu ginn-,ende stceranäie;i: nehmen Tie/er Ängenbu.! er'chien. Im September 1 *st nach der Äbrei'e des Baoiewodbn nach B.-arichan, beschloß eine geheime Persammlnng von. 'Biiignn', daß die jüdi'che k^enieiiide des riinellen Mordes .schuldig i... Tie Bürger forderten weder Zeugen noch Beweise. Einige unter de» -.ststnabeln von Ästtiaua wurden ge'olreri, doch verrieiben ire nichts, da ste »ichrS;n verraihen bauen. Ta .beichlonen die Bürger, saß alle Jude», Männer, Tianen i:nd inder, lungerichtei wp-.deri'. wenn die k^enieinde nicht die schuldigen Juden ansi:e'e:e Zive: Iüd.n genagten. Böer wird sich nn» 'für die tÄ-meiude v'ern'ä. rlr-.i.h.s werden die Märtnrer >e:n> ES.-bandelte stäi liier »ich! a.l. in d.rinnt. 'stir die, niosäiiche-stre ligion;u sterben, sondern -um br ge'an'.mie Est-nieinde strstiiana vor, unvermeidlichem Tode zu reue» Tie Vage war eine verzweifelte. Tie Est-meindc ber'aminekiesich in der Snnagoge, und es wurde »m die beiden Bist.tglieber gelost, welche stch, für die Ällgemein^eii opfern sollten .Ter Zufall bereichnete stcabbi Israel bei: Schlome sind strstrbbi Tobia den Io'evli. Sobald'sie ihre Ä'amen vernahmen, begaben sich die Heiden Bezeictin.eten zum U>st-ineiiideraih nnd erliä^ken sichals die beiden einzige» Schuldigen an dem B.st'rde des christlichen >iindes Starr /iber den ÄnSgang.der Äugelcgenheii. beschlossen die Bürger, daß d:e Schnldigen gerädert »nd danü geköpft würden. Tie Hinrichtung f.-.nd ani zweiten Tage Roich Haichanah > -.stenjahrI statt Ter Sobn-em.-s der beiden Tpser, Sunon bei: Israel, wohnte dem Tode der Märu-.er bei, lind in c.i»er"chö»e»- Elegie, die sich bis auf den de::!-gen Tag j erhalten, beschreibt er die schmerzlichen -Phasen des Ti.ni .i-.- T:e i Inden von strujana haben die rührende Sitte beibeba'.::::. -.'.'ras i ihrer zu verehren. Älljährliäi am zweiten Tag - ->-?.-'ch.'.'a'.ch rnah! sprechen sie besondere knebele für die Rübe de: 2. Schlome nnd Tobia ben Joseph, *! i.Tcr Äiuiitiuilismiis in Bulgiiiici!. T - ^0 , 7. w.- Ämi - seinikiSmnS in Bulgaren bat einen 'ch>v.-..-i-. S.r.a.: ....uei'. indem sein Hanptsaisenr Äst Miiak.'w k:e'.-. Ta-ge,w.g-:- Ä:st-e:;-.ing 'znm Elassenkampfe nnier Änstage gestc..: n::d re:de. Herr Miiakow, denen Judenhaß a::' den ::st.:::d;'.ir::.kzu'::'.--:en ist, daß: ihm ein Jude eine Schuld von l'>""r>. sfraucs 'am:::: den durch viele Jahre anfgelau'.-ueii Z:::'en nnd Zmf.szui'en nicht erlanen wollte, ist/der Herausgeber des Blattes .'B^garien ohne die Inden", in den Mnßestttiide» aber, d:e ibin. die I.fvnihepe läßt, nbi er die in -Bulgarien ver>Nn:blich noch n;ctrr- >o triviale äinust des — Straßenpflastern^ ans. Miiakow baue an den Ereignissen von Borazza her "vorrageirden Änklieil: .nnmilielbaren Änlaß zu feiner Berhaslung dürfte aber ein.lienerlicher Berfuch, eine „-ststlnalrnordgesetstchte" in Sofia iti Seene izu sepen, gegeben haben. Äm TonncrStag vor dem jüdischen Tsterfeste kam die I-rau eines Est-mciirdeeommissärS i» die Spceercihandlung-der E'ebrüder Benbaca. um dort die »ölhigen Specereiwaaren zu kaufe». Ä1S dcr Einkauf besorgt war, stellte die (frau an den Kaufmann die (frage, wo ihr Kind sei . Tiefe sfrac^e wiederholte sie cinigemale mit ungebÄdigem Bcrkangen nnd. beschuldigte dann Bearbaea, daß er ihr Kind zurückhalte, um cs „für die sfeierrage zu schlachten", woraus ste sich zu Boden warf uiid Varm schlug, in. sfolgc dessen die breite Straße deS Boulevard Tondokow stch alsbald, mit Menschen füllte. Zum Glück wurde daS Kind bald -daraus von.

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