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Freies Blatt · 1894-05-20 · 111 (20.5.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
111 (20.5.1894)
Date
1894-05-20
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Freie, ÖHicbcnir.g dcr Menschheit ist nur eine Gliederung in Abarten, die man mkt dem freilich etwas unbestimmten Worte Racen bezeichnet . . . Oiitnit wir die Einheit dcS Menschengeschlechtes behaupten, widerstreben wir auch jeder unerfreulichen Annahme von höheren und' niedere» Memchenraccn. Es gibt bildsamere, höher gebildete, durch geistige Eultur veredelte, aber keine edleren Volksstämme. Alle sind gleichmäßig zur Freiheit bestimmt, zur Freiheit, welche in roheren Zuständen dem Einzelnen, in dem Staatslebrn bei dem Genuffe politischer Institutionen der Gcsaiumlbeit als Berechtigung zukommt." Für die Schriftgclchrten, deren Geschicke von dem Wohl- oder Uebclwollen des „besten Mannes der Ostmark" obhängen, ist jedoch Alexander v. Humboldt nur eine „judenliberale Größen von welcher sie sich die Krei'e der Raeenthcorie, die sie verfechten müssen, nicht stören lassen. „Siöte meine Eirkel nicht!" — sagte einst dcr Forscher zum Krieger; beule - sagen dies jonrnalistischc Landsknechte des Antiscmit^mus zur deutschen Wissenschaft. Mit dcr politischen Moral, wie sic der cjnsi Pradc und Vergani, ,epl aber schönerer dienstbare Macher der „Ostdeutschen Rundschau" anssaßr, verträgt sich indessen eine widerwärtige Bettelei. In derselben Rümmer, in welcher cS auf dcr ersten und zweiten Seite so racenstol; il;ui, beklagt das Crgan zur Wahrung arischer „ZuchthäuSlerhohcit" gegenüber dem semitischen Erbfeinde' wieder einmal die „Kargheit dcr Rergler" und stellt aus dcr vierten nnd fünften Seite den antisemitischen t''eldprol?en, bei denen nichts oder nur blutwenig zu holen ist, „arme «''cliissen" als Mutter di». „Wir möchten oft," heißt eS in einem Appell au die Brieslaichen der Antisemiten nationaler Färbung, „allen den vielen wohlwollenden Ralbgebcrn. die bald Ties, bald Jenes an der Haltung und Führung unseres Blattes ausznsetzen wissen, einen Einblick in die' Zn'ch'.iilen gestalten, dir fast täglich in verschiedenster die Begeisterung, Opfcrfreudigkcit nnd bedingungslose Zuversicht ibrer Absender in ungekünstelten, oft kindlich rührenden Worten ausspreckien. Eie Betreffenden würden nicht eben mit stolzgeschwellter Brust von dannen zicben, wenn sie z. B. sähen, wie ein xirmcr Gehilfe, der «ich vielleicht die Kreuzer nicht vom -Biere, sondern von dcr Mahlzeit abdarbr, einen für seine Berbältnisse namhaften Betrag als .schwaches Entgelt' tür die bei Beantwortung einer einfachen Anfrage gehabte Mülic. einiendei, als ob sich das so von selbst verstünde. Solche teilte können es niemals fassen, wenn sie hören, auf welchen Unverstand, aut welche Mißgunst selbst der redlichste Willc-bei so manche» Freunden siöül, nicht begreifen, daß daö einzige wahrbaft deutsche Tagblatt Wiens, das national politisch führende in Oesterreich, noch immer nicht -ene Mine! besipl, die es benölbigt, niu aus einem »othwendigerweise g ackueteii Blatte ein gefürchteter und cinsiußrcichcr Machtfaetor zu ive.ken " Bei Blättern, dcnc» eS an Berständniß für Anstandsbegrisfe iitchl inangeli, läßt man sich.von arinen Gehilfen nicht für Auskünfte etttlel-nen. und dieselben dürften auch nnr dort eine Spende anzub'e:e!i wagen, wo deren Annahme in Wirklichkeit selbstverständlich tst. Eine Roihwcndigkcit, die „Ostdeutsche Rundschau" zu achten, best.'.-! siche.lick, nicht, nnd an die Möglichkeit, ein Wiener Blau, welches :st neulick, den österreichischen BatriolismuS unverfroren für eine ..^'.'ckniiacks'ackie" erklärt balle,' könnte je im Rzichc dcr Habsburger .rnuiiUit und cinstußrcich werden, glaubt wohl daS armselige 'Echreibeilein selbst nickn, wenn es sich auch, wie der Wiener sagt, ..."nnim st.lli". t, der Belobung der freigebigen arinen Gehilfen betont die E 'st.nl'.l-e Rundschau" nachdrücklich, daß sie auf die „geldliche Spfcr- :!’u-r ,r renn de noch weniger verzichten kann als etwa die a.e od'r social demokratische Presse und rückt dann mit folgendem .'. stb.ag heraus: „Bon der Berwaltung unseres Blattes werden von nun an kleine Spendeub.-fre mit Bescheinigungen über den geringen ö'.l: i von l>> si-.enzern ausgegeben. Hier ist dem Ovfcrnnne unserer '^estnnungsgenosscn, denen Gelegenheit zu anderen Diensten für die Lacki/ f.-hlk. -Per rwangloieste und weiteste Spielraum geboten." Die >. .der lpstd.-utschen Rundschau", welche sich diei'eS „bescheidenen, Blatt. Nr. IN. ciden aber wirksamen Mittels" bedienen wollen, w alltäglich und allstündlich" des „hohen „nicht ganz zu vergessen", welche ein „anerkais anerkannt armes Blatt" um feines „guten ®:n muß. Anerkannt tüchtig? Wer hat dies ancrkana Eigenlob gehört ebenso zu den Merkmalen dcr Berunglimpfung und Verdächtigung dcr Geg» erkannte Armuth betrifft, so ist cs ein beredte, wir Gesetze haben, auf Grund deren ein arb«i GreiS als Vagabund gcbrandmarkt werden tan gehende um Almosen zur Stillung seines H ganz gesunde Individuen im kräftigsten Maiiii Tage betteln dürfen, um zur Herausgabe eiiv S zutrcibcn, das wahrlich eine nützlichere Vcrwend auch nur zur Vermehrung dcS deutschen Bier o Tie gesetzlichen Schutzvorkehrungcn gegen' Bettflc zeigt, dringend einer einschneidenden Reform. ermahnt, „jederzeit, Ernstes" der Mission nt tüchtiges, aber ebenso wissenS" willen erfüllen t? Doch übelriechendes Antifcmiterci wie die Weis aber die an Zeichen dcr Zeit, daß itSunfähiger, bresthaftcr wenn er Vorübcranflcht, während icSaltcr am helllichten Hetzblattes Geld aufung fände, wenn cS »funiS dienen würde, i bedürfen, wie Fkgura u fgcrS (Verein zur Abwehr des Aiitisemitisinlls.l Mittwoch, dc„ 23. Biai 1894, um 7 Uhr Abends, findet im Ronacher Laale (I., Schellinggasse 4) die diesjährige Gcneralvcrf a m in l u ii g deö Vereines zur Asb w e h r d e s Antisemitismus statt. Man rechnet auf;ahlr<ichen Besuch Tagesordnung:!. Eröffnung und Begrüßung ’> Rechenschaftsbericht deS VereinScafsier^ 3. Antrag des Vorstandes, betreffend die Ernennung, von Ehren Mitgliedern. 4. Ansprachen. 5. Neuwahl der offieiellcn Versammlung findet ein geseliger Abend statt. Fricdr.x E^ci der am (Tic Ncuschulc und dcr conftssionclle 1«,. d. M. veranstalteten Festfeicr anläßlich deck fünfundzivaiizigjührige» Jubiläums dcS RcichS-BolkSschulgesetzeS beleuchtete dcr Abgeordnete Tr. Krona wett er die Segnungen der Reu sonderen Standpunkte dcr Eonfessionenfiagc. Hauptcrsordcrnisse einer gesunden Schule isst ai Neutralität. Was hat die Eonfefsion mit trahircn, dem Multiplicircn und Tividiren zu ph'culralität ist von unendlich sittlichem und er c S - i st t i cT; u bedauern, daß sogar eia schafl, deren sociale Stellung ver so erheblich gebessert worden ist, niist durch den Präsidenten. Herrn A. Bciling. dcS Vorstandes. fliach chulc auch von dem bc- Er sagte: „Eines dcr ch die confcssionclle dem Addiren und Sub hun?! Tic confessionellc ziehendem Einflüsse, und heil der 2chrerdientcrmaßcn doch in dcr Reihe derjenigen steht, die gegen d a S V o l kss ch u lg esc tz an kämpfen." lebhafte Zustimmung begleitete diese Worte dcS um die Äbwchrbewegung hochverdienten Abgeordneten. (TaS „christliche Volk" gcgcn den Pflirrcr Tcckcrt.) Während vor. einigen Tagen in Währing ein paar clericale Antisemiten namenS des „christlichen Volkes" ein fulminantes LertraucnSvotum für de» Pfarrer Tcckcrt beschlossen, haben sich am Pingstmontag die Arbeiter — welche doch auch mit zu dem sogenanntei hören dürften — in der schärfsten Weise gc< en Pfarrer Tcckcrt ausgesprochen. Arbeiter Schrammel erklärte d< Partei in dieser Affairc noch für zu milde. Würde eines Priesters für vereinbar gehalten, mittel von der Kanzel herab zu benützen. ganz anders auf die Zehen treten sollen. gewähren. Es könne den Arbeitern nicht gleit isgiltig sein, daß . Pfarrer Tcckcrt Schulkinder zum cklolportiren jciner schritten verwendete; Pfarrer Tcckcrt möge sein „Vaterunser" selbst feilbietcn, nicht aber hiezu verleiten. Es ist hervorzuhebcn, daß dcr Zeichnung deS Vorgehens Tcckert'S vom ch egierungSvcrtrcter unter .christlichen Volke" gc- S Vorgehen dcr liberalen Tcckcrt'habe cs mit der die traurigen AgitationStiefem Herrn hätte man allein man ließ ihn ruhig chmicr- und Schandsich selbst hinstcllcn und unerfahrene Schulkinder Redner in seiner Kcnnn, welche Herrn Tcckcrt Leumund nicht schaden, brachen wurde. — In jenen frommen Kreis! als „cdlep Priester" verehren, wird cS feiner i daß er am 17. d. M. bei einer GcrichtSvcr>and>.uiig, in welcher er wegen Mitschuld an verbotener Eolportage u einer Geldstrafe vcrurtheilt wurde, Gedacht, ißschwüchc zeigte und die, Frage dcS Richters, ob er noch unbeanstandet sei, so ungenirt bejahte, als ob er noch niein Gemeinschaft mit Paulus Meyer angeklagi gewesen und vcrurtheill worden wäre. (Gehören die Juden zur Menschheit?) In Oesterreich ist cs am Ende des neunzehnten Jahrhunderts glücklich so weit gekommen, daß die Frage, ob in dem Worte „Menschheil." die Juden einbegriffen seien, nur durch obergerichtliche Entscheidun zcn beantwortet werde»

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