Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 110 (13.5.1894)
- Date
- 1894-05-13
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Freies Blatt. antiscliiitischcn Kreisen onen ftaltgcbcn werde, ge Sprache gegen die die allen Lügen wider iTic Zildk»auswcis»llgcll aus Rußland und ihre Folgen.) "Man schreibt uns auS Petersburg unterm ö. Mai: Das „Freie Blatt" baltc bereits gemeldet, daß die orthodoxen Kaufleute und die Börscncouiit-S ron Astrachan, Zarizyn und Saratow die Gouverneure um Belasiung der Juden in den Städten der genannten (Gouvernements angegangen haben, weil, wie die Petitionen besagen, eine Entfernung der Juden aus den Städten einen Niedergang der Industrie und des Handels nach sich ziehen wurde. Diese Petitionen wurden von den (Gouverneuren vorschriftsmäßig dem Ministerium des Innern zur Entscheidung unterbreitet. DaS Ministerium entsendete hierauf nach Astrachan, Zarizun und Saratow einige Beamte, um an Srr und Stelle die Angaben der Petenten zu prüfen. Nunmehr verlautet, daß die Beamten, welche inzwischen nach Petersburg zurückgckcbrt und, die Petitionen der weitestgehenden Berücksichtigung empfohlen haben, da sic sich überzeugten, daß die jluSwcisung der Inden aus einigen Städten der Gouvernements di^ orthodoxen Arbeiter lehr hart betroffen hat. So wurden z. B. jiu Zarizyn in Folge der Indenansweisnngcn einige dKaphrhafabrikeq geschlossen,- wodurch mehr als 1.V HJ Arbeiter brotlos wurden.. In befürchtet man, daß das Ministerium den Per und .ihre Organe führen jetzt eine sehr Heft Inden, über deren angebliche „Schädlichkeit" ftcj holen. — In einem zweiten Petersburger Briefe vom ds. Mai wird uns geschrieben: Schon I^>4, gleich nach den ersten Indcnauswcisungen aus den "'ouvcrneinenls Kursk und S re l, wurde unwiderlegbar erwiesen, daß die-Industrie und der Handel in vielen Ortschaften der genantsten «^onverneincnkS unter der Wirkungl der Iudenvcrtrcibung einen rapiden Niedergang zu verzeichnen hatten! So wurden z. B. in Ielexe in Folge der Iuüenausweisungcn eine Glaö- und eine X erzenfabvif gc'chlc'fen, waS die Entlassung von I>Ol» orthodoxen Arbeitern herbei'ührte. Aiich >'ank seither der Getrcidchasrdcl im Gouvernement Siel aut' ein Miiiimitin herab, während er früher tauienden und tausenden non Personen als Erwerbsancllc dienfe. Bon antisemitischer Seite wurde die Schließung von Fabriken, ter Rückgang der (beschatte .v. eiinach kodlge'cknvicgeu. '.'iimmclu' abet werden ausofficiellcr S.iie.le Palen perö freut lieht, welche die Anlistinilcn nicht ignorircn tonnei! In erüer Reibe stehen in dieser Hini'Ätt ,die Berichte der ossieiellen Hrgaue des russischen Finanziiiinislgnuins, der „Dorgowo Ptomv'ckilcnnasa Gazeta", über den Niedergang der Manusacturindnstrie in der Stadl und im Bezirke Moskau. Das ministerielle Srgan eonstariri mit seltener Dsseichesk, daß die Ausweisung dcr Iuden ans Moskau der dortigen Manufaclu industrie einen großen Schaden zngesügr bar. Dadurch haben die Moskauer Fabrikanten ihre , .(innd'chasien an .die Eoiieiirrenken in BI a r - d> a u und Lodz verloren : die Manntaetursabriken in den letztgenannten Städten mußten in Folge der Anhäut'nng von Bestellungen jüdischer Eominissionärc die Zalil :brer Arbeiter verdoppeln, während die M »stauet Fabriken die Zahl ihrer Arbeiter bedeürcnd redneiren mußten. Einige Moskauer Fabrikanten, wie M or oiow, nsncz owr :o., waren sogar gezwungen. den aiisgewiesenen Inden in das - Niederlaisungsgebict zu' folge» und dorr Filialen ihrer 'I'eschäslshänser zu eröffnen. Boas daS ot't'ieielle Drgan Wine's jcpk berichtet, das haben die Moskauer Fabrikanten schon vor Jahren dem Ministerium des Innern eröffnet, ohne daß Herr Durnowo ihren Beschwerden Gehör geschenkt hätte. Daß Beine nimniebr dic'-en lagen Publieitär verleiht, ist von nicht zii lunerschäpenser Bcdculnng. Aus wirihschaillichen (Gründen hat der Fiiianzmi-nister sich >eplhin auch zu Gunsten der Juden im Turkcslangebiete ansgesprochen. Das . Kriegsiiiinisterinm halte bereits 18*.< 1 ein Projce: ansgcarbcilek, wvliach die Rechte derselben beschränkt werden sollten. Dieses Prosecl mußte dem Finanzniinisterinin unterbcitcl werden, weil die darin vorge'chlagencn Beschränkungen die Interessen dieses Renorks berührten. Ans Grund dreijähriger Beobachtung der industriellen Dbäligkeit der utiitelasialischen Juden seitens der Organe des Finanzininistcriliins gelangte Bitte zur Ucbcrzcugung, daß die vorgeichlageue 'Be:ation der Juden eine Schädigung des Handels und der Industrie des Durkestangebictes nach sich ziehen würde. Dem Projeete Wannowskij's wurde deshalb die Zultiijlitlnng dcS Fiiianzniinisterinuis verweigert. Bemerkenswcrlh ist auch eine Acußerung der .'.unlieben „Iekaterinoslawskija Gubernskija Wjedomosti", welche über d :: völligen Niedergang des Gerreidchandels in Daganrog Folgendes scki. ie:::: „Mit Ser Einbeziehung des Bezirkes Rostow in das Gebiet d.r Donko'aken. wodurch die.Juden auS demselben auswandcrn mußte», har dis Stadl Daganrog, dieses frühere Füllhorn für die Getreide- Händler tieies «^surernements, jede Bcdcutüng verloren, die nunmehr die Sladt Marinhpol, wo den Juden der Aufenthalt gestattet ist, zu erwerben beginnt " Deutlicher kann man sich über die vcrhängnißrollen Folgen der IudenanSwciiungen für Handel und Industrie nicht Ostermontag fanden große Diinepsioncn äußern, als eS im Organe des Gouvernements geschieht. (Excesse in Jekatcrinoslaw.) Am russischen in Jekatcrinoslaw Excesse gegen Juden statt, welch« anzunehmen drohten, da die Ruhestörer für den wichsten Tag tausend Arbeiter von der nahen BrjanSker Fabrik erwartete t. Am Ostermontag begannen um 4 Uhr Nachmittags AuSschtcitun >cn gegen einzelne jüdische Händler. Erst als die Menge bei cinb 'cchender Dunkelheit von berittenen Polizisten auScinandcrgetrieben >m rde, singen Excesse in verschiedenen Straßen an. Ein jüdisches WirtIshauS und mehrere Buden wurden demolirt sowie die Fensterscheiben j idischcr Wohnungen zertrümmert. In einer Straße zerschlugen die "■ Petroleumfaß und zündeten das Petroleum a». wurde durch einen Steinwurf der Schädel gespalten. Tumultuanten em (Hinein Revieraufscher Schließlich machte daS Erscheinen von Militär dem Unfug ein Eildc. Am folgenden „Hauptaction" anatc» umstellt und dessen nnterblicbcn verhafteten Ruhc- Züchligung nntcr- Tagc, für welchen die Tumultuanten' laut die kündigte», wurde die Brjanskcr Fabrik ron Solid! kein Arbeiter in die Stadl gelassen. In Folge weitere Unruhen. Bon hundert am Ostcrinonkae störcrn wurde eine große Zahl einer körperliche! zogen und sodann srcigelasien. (Zn den Jildciivtrsolgnngcn in Rumänien.) unS: "Nach einer Meldung des „Evcninicntul" Alan schreibt haben die Juden in B a c a »,. LN oi»cj,chti und T.-O c n a aus Anlctß der Bcrfolgnngcn denen die jüdischen Bewohner Runiäiiiens, namci Nr. 110. von Jekatcrinoslaw tlich ' in dcn Land- :oßc Gcbctnianifcsta cs Markttag war. gemeinden ausgcsctzl sind, am 3. d. M. eilte „g: tion" veranstaltet. In Bacau blieben, trotzdem sämmtliche jüdischen Magazine gesperrt, und die Inden zogen m Schaarcn nach der hcUbelcuchtetcn Snnagoge, wo sic dcn ganzen Dag fastend und betend znbrachten. Die rumänische „Eultnrliga" würde sich nm ihr Baterland verdient machen, wenn sie dcn traurigen Zuständen, die zu einer solchen „Gebctiuanifcstation" führen, einige Auf merksamkeit schenken möchte, anstatt ihre Zeit ntit lächerlichen Kn»dgcbliiigcn gegen die angebliche Bedrüngniig von Ruinäncn im freien Ungarn zu vergeuden. Abgesehen von allem Anderen haben die Herren von der „Eultnrliga" nicht die Macht, die ungarische Regierung an der Bestrafung nngarischcr Staatsbürger, die DcsetzcSvcrächtcr sind, zu hindern. Wohl aber wären sie, wenn sic den guten Willen hätten, imstande, die Ruiiiünicn zur Schande gereichenden Willkür- und Gcwaltacte rumänischcr Localbchörden zu vereiteln. 2[us antisemitischen vereitle,r und!?ersatmttlungen. l tviuc Zugkraft aus EalizicnI Während die christlich »ocialen Parlanien tarier sie-(äceankeii jüdiichcr Bimetallislen, so weil sie dieselbe» verstehen, als christlich sociale Reform aufti'chen, der Biendimciisioiiale inbcnbei von Galgen für in liier. die einen jüdisäien Banauier bestichc», faselt, wird in Borstadl wirlhshäin'ern ein East ans Galizien als Zugkraft verwendet. Es ist dies «in Geistlicher, der Stojalowski heißt. Ter hochwürdige Herr, ein ehemaliger Ieiuil, ist eine gericklsbelannle Persönlichkeit; seine Slänkereien mit dcn ihm vorgc'evlen kirchlichen Behörden, seine journalistisch« Thäiigkeit zur „Aufklärung" des V'andvotkes und namentlich seine wirlbschasiliche Gcbahrnng haben ihn schon häutig aur die Anklagebank geführt, und wenn wir uns recht erinnern, Hai ein lüdiicher Bmheidiger in Lemberg sich seiner sehr warm angenommen. Für Slojalowski bezeichnend ist auch die Art, wie er einmal seine Insolvenz entschuldigt Hane: er berief sich auf die Auslagen, die ihm ans der Beivirthung geistlicher Wülteniräger, die ihn inspicirl hälicn, erwach'en wären. Ter galjzische Episcopai warme das V'andvolk vor die'cm „Retter", aber anc^ ein Bauernverein in Westgalizicn belaß genug Einsicht, tun ihn von seinen Rockschößen abzuschülieln. Ans den Bortrügen, die Stojalowski den Wiener Antisciniten hält, verdienen zwei Geständnisse hervorgehoben zu werden: 1. „Ans Rom habe ich Ihnen eine frohe Botschaft zu bringen. Ich bringe aus dem Munde eines hohen uatieani scheu WürdenträgeiS einen Gruß an die christlich-sociale Partei: Man kennt im Batican die Oiameit Ihrer Führer sehr gut und ist mit deren Erfolgen für da» Wobt des christliche» Bolkes sehr zufrieden. Ich glaube, da« ist doch gewiß eine frohe Botschaft, die ich Ihnen da auS der ewigen Stadt bringe." 2. „Leider hat das Bolk in Galizien, oft nur zu in Juden Bert rauen." Sehr interessante Geständnisie! iNadcr für dir Abänderung der Staatsgrundgcscyc.) Im „Verein christlicher Handels- und Gew erbet reibe »der für R jeder österreich" hielt letzthin der antisemitische Gemeinderaih Dr. Räder eine Rede, in welcher er die Zustände von heule mit jenen vom XIV. Jahrhunderte verglich, in welchem die Pest, Flagellanten und Judenbrände grassirt haben. Heule,- sagte Räder, stehe cs „ganz ähnlich" (!) und >'o wie damals sich das Bolk geholfen hat, müsse es sich heule helfen, „natürlich nicht in der Weise, wie es damals geschah, sondern