Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 110 (13.5.1894)
- Date
- 1894-05-13
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr 110 Freier Blatt. An die mit stürmischem Beifall aufgcnommene Rede deS Tr. schöpf reihte sich der treffliche Bortrag einiger Lieder seilend unseres Sänger chorS unter der Leitung des Oberlehrers. Sodann brachte Herr Forst ratb Fahrn er ein Hoch dem Gefeierten, daS derselbe mit einem solchen auf daS Gedeihen der Anstalt erwiderte. Herr Bezirksarzt SanitätSrath Tr. P ö I l hielt hierauf nachstehende Ansprache: 'Hochverehrte Versammlung! Gestalten Sie mir einige Worte, nin der Freude Ausdruck zu geben, Zeuge deS heutigen FestaeteS zu sein. Tie viele» und große» Verdienste deS Herrn EonsiftorialralbeS Tr. Schöps sind mit großer Warme anerkannt worden, ich will nur hinznfügen, daß ich bei jedesmaligem Betrete» der Schwelle diese- Hauses der Zeit gedenke» muß, i» der das Gnigler Spital in einem armselige» Gebäude untcrgebracht war,, wo die .graulen in engen niedrigen, lichtloien ttammmi, die nur über eine halsbrechernckie Stiege zugänglich waren, ihr Dasein fristete»; wo der Besuch deS Gartenibpen versagt war, weil sie. eine Bergpartie nicht mache» koimle»; wo die Schwestern i» einem engen Pferch zulaininengedrängt waren. Es-'war daS in der Tdrn kein Spital, sondern ein ,'terler. Und nun diele schönen, lustigen .sttanlenzi,inner, dio'e breiten Borrämne, dieser berrliche Garten! Woher dieser-Wandel? Prosessor^Schöpf, geleitet von Hmnaniiät und Aächstcnliebe, und ich darf ivob.l sage», auch durchdrungen von Kngienischer Einsicht, ging, »in Wandel;>e schasse», ans die Wanderschaft und tarn nicht mit leeren Taschen zurück. Er schuf mit thatkräsliger Unlerstützung eines anderen WobllhälcrS und der betbeiligte» Geineiiiderorstehniigen das heutige-St. Anna-Spilal. ä?r ist datier mit Recht als der Nettgründer und Schöpfer desselben zu betrachten. Und wenn beule in diesem Hauie eine Marmortafel znin ewigen Gedächtnisse angebracht wurde, so ist die» ein Zeichen, daß die Gemeinden der hervorragenden Berdienste des Herrn EonsistorialratheS sich bewußt sind und der Psticht der Tantbarkeii genüge» wollte». Aber nicht bloß die Gemeinde», auch die Bebörte fühlt die Psticht der Taulbarleit, und ich fühle mich glücklich, derselben an dieser Stelle und in diesem Momente Ausdruck verleihen zu lönnen. TaS St. Anna S vital ist eine dringend nolbwendige hugienische Einrichinng geworden, wie daS Land »nr wenige bcsivl. ES ist nicht bloß ei» Hort für Kraule >l»d Gebrechliche, es ist »och weit mehr, nämlich eine Sckintzinaner gegen Mc»schcnstuchcn. Schon zweimal wurde durch Unterbringung n»d F!olirnng von Blatternkranken an der Psoric desselben der dlrankheil zngerusen: «Bis hiebet und'nicht iveiier" und Gesundheit und Lebe» von Hnuderlc» von -Menschen gewahrt Ich spreche daher namens der Staatsbehörde dem Herrn Eonsistorialrath meine» verbind lichsten Tank für sei» segensreiches Wirken aus. Möge 'das Andenken a» dasselbe Niemals erlösche» und diese Gedenlrasel ei», Ansporn sein, der Anstalt wettere Freunde und Spender zuzuführe». Und nun ein dreimaliges kräftiges Hoch! dem Gefeierlen. Tic Thciluahmc der Bevölkerung an der Fcstfeier war ebenso großartig als warm.' Tic rohen Schimpfereien der Antiscmilen über den Herrn Eonsistoriälrath haben demnach feiner wohlbegründelen Reputation nicht den geringsten Eintrag gelhan. (Tic Brüder der Finsternis,.) In der abgelanfencn Woche fand vor cinein AuönahinSgerichte in Prag die Lchlußverhandlnug gegen 'jene Personen stall, welche im Tcccmber vorigen Jahres in Rakonitz »ichrcre Bolnbenattenlate verübt hatten. Im Berlanfe der Berhandlung stellte eS sich heraus, daß die „Brüder der Finsterniß", wie sich die Bombeiimänncr von tlrakonitz »annteri, vorwiegend durch cxcessivtschechisch nationale und antisemitische Beweggründe inS .Berbrcchcn getrieben wurden. Mit Bezug darauf sagte auch der Klagevertretcr, Staatsanwalt Substitut By>in, in seinem Plaidoycr: Tas Motiv der Unthatcn liege in gewissen, heute leider weil verbreiteten Schlage Worten, welche jedes ethischen oder Humanitären Hintergrundes entbehre» und lediglich auf eine schlecht geleitete Erziehung oder Irreführung zurückzuführen seien. Tiefe Schlagwortc heißen Anarchismus und A »lise in it isin ns. Hiezu komme noch eine ganz verkehrte Auffassung des Begriffes der Rationalität. Bon diesen Schlagwoncn seien auch die auf der Anklagebank Sitzenden beherrscht gewesen; darauf weisen die unterschiedlichen Drohbriefe hin, die alle in die Aufforderung aüSklangcn: „Fort mit den Inden, fort mit den Teutj'chcn!" Tic Angeklagten wurden zu sterkerstrafen in der Tauer von drei Jahren, rcspective 16 Monaten verurtheill. Tas Urthcil, welches der Staatsanwalt über die anliscmilische Bewegung überhaupt und auch über die moincntan nicht in strafrechtlicher Untersuchung befindlichen „Brüder der Finsterniß" aller Schattirungcn fällte, tan» sich an gerechter Schärfe mit obigem Urtheilc vergleiche». (Crleiiniß cincs Wiener 'Jlittifcmitcii in £ Inuit;.) Bor Sturze», weilte ein Wiener Anlisciüilcnführcr in Olmütz und besuchte ein Gasthaus, von welchem er vcrmuthcte, daß dört Antisemiten verkehren. Er solltejedoch bitter enttäuscht werde», denn als er den Kellner fragte: „Kommen auch Antisemiten hicher?", erhielt er zur Antwort: „Antisemiten? Was ist denn das'?" Wir glauben, daß der Olmützer Kellner den Wiener Äntisemitenführcr zum Besten gehalten hat. T Seite b. ('JlidltjiiDijrilC Monil.) Man erinnert sich noch der -empörenden Brutalität, mit welcher eine nichtjndiiche Bäncri» bei Rekawinkel dem sterbenden Bütsicrmeistcr Tr. P.rir die Thiirc ihres Hauies, des letzten Rcltungsportcs, verschloß. Tieier Tage ereignete sich ein ganz, ähnlicher Fall gefühllosesten Egoismus. In dem fogenann'len Lugloch bei Semriach, in einer liegend Stcicrmarts, die vollständig. unberührt - von dem „unsittlichen Einstnf; des Iudeulhuins" ist, verunglückten sieben Höhlenbcsucher, indem sie durch das steigende Wast'er eines BachcS in der Höhle cingefchlosien wurden. In den weitesten streifen zeigte sich die größte Thcilnahmc für dje lebendig Begrabenen: auch, an Ort niid Stelle wurden die umsaüeudsteu Reliiiiigsiilastiiahnieii - getroffen: -nur mehrere Bauern von Semriach erhoben gegen die auf i h r c m G r u n d e n » l c r n o in in e n e» st, e t t u » g s a r beit e u E i n i v v » d| u n d verlangten vorher die Z n > i ch er u n g eine r E n l s ch ä d i g n n g. Wäre die Hilfsactio» nur vom guiem Willen der biederen Bauer» abhängig gewesen, io hätte» die Höhlenbesncher nicht mehr das Tageslicht erblickt. Auch an folgendem moralisch nicht de . sonders erhebenden. Borsalle, ans letzter Zeit waren keine Judenbc^ thciligt. Tie -ll «jährige Köchin des Pfarrers Ehrist in der T cz schasl Luggan nächst Znaini, Katharina Müller, schnitt sich mit dem Rafirmesier des Pfarrers die Kehle durch. Bei -der vorgenoiu menen Obdnelio» der Leiche wurde durch die Gerichtsärzid Tr. Aino» T obitsch und Täruberl festgesetzt, das; die Leiche an verichiedenen ' Stellen des Körpers blntunterlgilfene Striemen zeige, welche vö» Hieben herrühren müßten. Ter Pfarrer gab über Befragen" des Geineindcansschuffes Herr» F reib e r g c r an, erhöbe d e r K ö ch i » sieben oder a ch t H i c b c mit eine in s v a n i s ch ezpi o h r h e i gebracht! ,Znr Pfarre gehörende Bewohne.r d,er Orr schäften Milleschitz, B-aumöhl und. L u g ga n ' sagen - i n ungünstigem Sinne über den Pfarrer ans Tie O'aiu'nibc ausschüsse dieser C rtjchaneii haben daher -beschlosie», an das Eon fistoriiim das Ansuchen zu stelle», de» Pfarrer zn -versetzen, liegen den Pfarrer wurde übrigens eine llnieriiichung ciugclcitel. — Wie würden a»ki>'e»iilifche Blätter diese Fälle eomineiil'rcn, wenn die be theiligten Personen nicht gut christliche, vielleicht elcricale Bauern und ein katholischer. Pfarrer, sondern etwa galizischc Juden nnd ein mährischer Rabbiner gewesen wären? v 10(1 'Verteilt Zillssteigerung. > Ein Leser unseres Blattes schreibt uns: Im' Iilscratcnthcilc enies Wiener Journals fand ich am I. d. Pf folgende Anzeige: „In einigen Tagen muß wegen fast l-nN Pereenl Ziiissteigernng im Fürst Liechtenstein Palais. Wien, I. Bez, Herren gassc 6, niein seit 1 < > Jahren daselbst bestehendes Flaschenweingeichätt geräumt sein . und sind nur noch kleine Partien vorrälhig . . . -es folgte hierauf eine Preisliste>." Was würden Prinz Alois Liechtenstein.' Lueger :c. lagen, wenn sie Achnlichcs von einem jüdischen Hausherrn clfahrcn würden? (15'ttvill Bauer »Ild Gras Cilprivl. In einer der Avril- '.«c'nnlincrn des „Borwärls", des Haiiptorgans der ioei-al deinötr-alischen deutschen Fraetion. wird Erwin Bauer von einer „ansgezeichnei unter richteten Seite" wie folgt charakierisirt: Erwin Bauer hat .in den Achizigeriabce» als H.-.nr:eeire:eiideni des «Hainburgifche» Eorrefponkenien" hieran den Hanr:: er:::-'» Bismarck s gehört. Ec selbst rühmt sich »och-Heine, d.ns Schlemme» bei l!lU, T rei'el :e. erst beifeinei» engere» Protecror Heddert Bisinaick ae.e.rr: zn habe».' Er bnrachiel daS als eine Art liiiut.- <-c-»!.-. llebrigenS 'ist er r.e! b:s etwa vor^eincin Fahre ullrabiSmarckn'ch gewesen. Tenn er irmte im Jänner ivegen schwerer Verunglimpfung Eaprivi's und Miinei'd in dem Jahrhundert" zil sechs Wochen Festung veidenirerl, dieer in Glatz abbüsne. T-abetreüente Artikel strotz.c von Bismarck Becliimnilickniige» fchngisten Eaiibers ' Seine Um lind Einlehr ist. atö' jüngsten'TiumilS. Tie Thavache, l-aß inan im Auswärtigei; Aini eins» Mann -empfangt nnd inspirirt. der kur; vorher-nock> den Reickislanzlcr bejckninp'i baue, laßt «es blicke», llevrigcns ist eS Tliariackie, daß Eavrivi und Ebinaner Nur damals zuerst cmp'angen laben. Er haue sick unter dem Borwande cingeführl, ihnen einen großen Tienil leisten zu kontier:. Weicher Art der gewesen, soll nicht'.weiter erörtert werden. Ader rS ist eine bc wußte Unwahrheit, wenn dieser Saurier «Repüiärl) behauptet, er habe i»-. feine Preßleistiiugen vom Auswärtigen Amt kein Geld bekoininen. Es ist viel inehr bekannt, daß ici» Blatt sich mit der ihm bewilligten Subvention noch bat einige Monate über Wasser batten können'. Wieviel eS geweien äst, lau» aus Wunsch gesagt werden. Allerdings war damals wegen der Militärvoitagc daS Geld elwa» knapp im Auswärtigen Anne-, allein er erhielt dock, eine er lleckliche Summe als Entgelt fiir. die von ihm angclragenjn „großen Tienste" Er war übrigens nicht der einzige Antiieinil, 6er tamäH.im AuS>värligen Ainl e „anS der Hand" ge'ntler t ward. Weder Bauer noch die „Norddeutsche. Allgenieine Zeinmg" ha: bis jetzt auf diese schwere Beschlildignug etwas geantwortet..