Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 109 (6.5.1894)
- Date
- 1894-05-06
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Freies Blatt. den Purpurvorhängcn, besah seine eigenen reichen Kleider, die goldene Krone, die goldenen Deller und Dchale^t, die beträchtliche Anzahl von Wächtern, und war cS so wunderbar, wenn der König wirklich glaubte, daß er ewig leben wurde? Moralisten wollen beobachtet Hab n, daß derlei glücklicherweise ialtenc Augenblicke, wo sich die 5ccl: in vollkommener Ruhe und stille besindct, in vollster Delbstgefällü kcit und gänzlich ihrer eigenen Zukunft versichert, daß derlei Momci te kommendes Unheil bedeuten Aber inan bat noch eine andere Beobachtung gemacht. In solchen Augenblicken ungetrübten.GlückeS dort man in verborgenen Winkeln des HerzeuS eine stimme, welche uns Wahrheiten znflüstcN, die wir gerne vergenen würden. 2o flüsterte iie'cr Dante eine Dtiinme leite, aber klar und deutlich;u:. Tu bin eit e große Führerin einer großen Dache Bergiß nicht, daß dein Geld 11 Rauchfleisch, Dchweinctleitch und Zwieback erworben wurde. Bergis nicht, daß du nicht bist, waS kn zu 'ein vorgibst, eine t'vanit'che M> urin, sondern eine abtrünnige Jüdin — eine Jüdin — für alle Wel erkennbar, lind dann vernahm i'rc eine andere, eine sinsiere und drohende Dtinune -— cS war die Dtiinme ibreS ManneS — und diese tief: „DaS Gesetz deS Herrn! Das O'eiet» des Herrn! Die fallen niedcrgeworfcn werden, die eS ver suchen. dits t^e'ep deS Herrn zu brechet!" — — — Unter den vor ihr liegenden Briefei war auch, ein großer, amtlich anstehender Brief mit französischer Bia ke und dem Poststempel Baris. Dte ergriff ihn vor allen Ankerett snd ot'itete iltn mit Hilfe eines Baviermesiers : Dben stand: .I'r,'t',-.-tnra >i>- I'e-!'te,- -I>ir»-stsur >l.> In >nt>ts i;. ii.'-r:i!••Der Briet war. ebeuio >wie das beiliegende Doenment, 'ranzotjich abge'aßt, und der Inhalt dieser beiden Dchri'stücke folgender: .- ..Biadame, ich habe d:e Ebre. |olutcu die Eovte eines Briefes zu üvertenden, welcher am Tt'che des :>»iutnS X-Itille I>esiat>Itn<. li»>- N;u;tii 1’iTtts t'h.iiups, gefunden tvrtrde Dchreiber d.t'es Brte'es wurde tobt in feinem Zimmer aufgefnnden, geiödtet kurest' eine gegen den äiov' abgeteuerte Btsiole. E in v'an gen Die, Biad.'tne, die Bersicherung tuet «er tte'sten Ebr'urcht Bclleau, Bolizei eoutmittär " Achills Desiardins ein Delbstmorde:? Äckille DeSjardinS tddt? f'etodtet durch einen Pistolenschuß? Achille DesiarkinS war ibr Agent gewe'en — it-v■ tS'e'ch.r'tstrager - 'e;t rwanzig Jahren. Er betaß a.te ibre Barne re. er nabnt ihre getatninten Renten ein: er tankte ihr e'sild. sobald sie welches rrerlangte, er invesiirte die großen Dummen, welche sich alifabrlteli anbä:t>'ten und ibre Ausgaben weit übersiiegeii. Dte'er Biann war nun todi. Din schrecklicher kalter Dätauer überlief tte am ganzen Korver. Dte. t'chauderte an allen Gliedern. WaS konnte das bedeuten? - . Es konnte nichts bedeuten. D-Z Biann konnte weder etwas von tbrer.! E'.gentbnnw verkaufen, noch vertauschen, noch überliauvt irgend etwas mit llnent Besir-e tnackten Litchis konnte ohne ihre' Unterschrift Nr. 109. ist belohnt worden durch eine Achtung gegt n Die, die nur mit meinen colosialcn Ansprüchen verglichen werden änn. Sie, und nur Sie allein — denn meine anderen Clienten waren nicht zahlreich "und arm — haben mich in den Dtand gesetzt, jeden Wunsch, den ein junger Mann hegetz. konnte, zu befriedigen — l, aurvro ilo Ja vie i J Appartient aux Anwi r Ich habe daS luxuriöse Pariser Leber CrasiuS getionen. Es' ist mir in dtcscin nahe meinem Ende, wo die Arithmetik ein wäre, zu berechnen, wie viele Millionen Dpser sielen, Ich kiuin kaum annchmcu eines solchen Lebens, wie ich cS zu ßührcn könnte. Ich für meinen Theil zittere, . indem ich zurückblickcnd denke, mit den HtlfSquellen eines lngenblickc nicht möglich, so abgeschmackter Eindringling inctncn 'Bcrgnügnngen znm daß eine Dante den Reiz in der Lage war, begreifen ich hätte führen müsicn, Ihrer Millionen gewesen. welch unanfehnlicheS, unbefriedigtes Leben wäre ich nicht im unverdächtigtcn Besitze - „Meine Millionen!" wiederholte Madame Elvcda, bleichen An gesichts. „Im Besitze meiner Millionen!" - „ — Und in diesem, dem letzten Angtnblicke meines Lebens sehe ich zurück mit Dankbarkeit und Befriedigt! tg über den glücklichen und ganz einzig dastehenden Zufall, zwanzig Jahre lang imstande gewesen zu sein, Ihre Millionen zur Befriedigung meiner Gelüste verwenden;u können. Wie elend muß daS LoS dcrc sein — und eS gibt derer viele Tausende — welche keine solchen "Hi fSgnclleu haben und zuscden müssen durch die geschloffenen Fenster bk! dem Bankett deS Lebens! Glückliches Leben! Zwanzig Jahre lang bin ich als glücklicher, früh sicher Zecher an dieser Tafel gcicffen. Ic> habe Biele cingcladen zum Riedersepen Ich bin selbn glücklich gewesen, und ich habe Anderen Glück gebracht. Endlich erhebe ich mich wider meinen Willen; ich möchte noch fortsetzen, allein ich kann nid it — Mais guanll on n’est > >u.« >ropre a neu. > I.'ou ><• retire, et I on i'ait bien lton ieir.!a ooinpawnte.- Bl'eine Mittel — Ihre Millionen- - haben ein Ende erreicht Ich habe, Madame, alle diele Millionc t verausgabt. RichtS bleibt übrig " Madame Eiveda ließ den Brief falle t und tah rund um sich. Dte deittlichen, scharfen Umrisfe der solidin Einrichtung erschienen ver wilcht, die soliden Bücher mit ihren (*o drücken lehnte» sich gegen einander, der Bibliotbekstiich neigte sich i nd ächzte, als sic ihren Arm darauf stützte, eS war, als pb die Di tgc vor ihren Augen alle in RichtSzertsießen würden. Die schauderte fuhr in der Lesung desselben fort, ivahrebd sie daS Gefühl hatte, als ob ihr Herz ikalt wie ein Dtein wäre. ..— Auper dem Bankett, welches msine Abende auSfüllte,' genoß ich mit Hille Ihrer Millionen den ganz' welche das Dveenliren an der Bör'e mit ea Lag über, die Erregung, sich bringt. Ltalürlich liebte ge'cheben Und >ie veränderte ihre Anlagen nie, tie bettanden alle in ig, auch daS Dpicl vor Allem. Lknn huren Die daS Unglück, daS . ' . \ ... ... .v *»<»»• i« ..4» r * »f nie4ir.ni ttt. rti4t ’ tt .1 .- x . j »>.i <_i_i I j. ^. v . a . 'Süden Aet.cn Es war nichts zu fürchten — ab'olutnichts. Doch sie ,'lfnete den anderen Brief ntit klovlendem Herren und bleichen Wanzen Und nun las sie dielen Brief — die unglückliche Iran! Es toack das etuttich? Bekewntntß eines Geschäftsmannes. der dem Ber awngen gelebt batte — ..Madame! — Es :si meine Bsitcht —eine 'chtnerzliche Pflicht - - weiche ich allen tneinen Elienten, und insbesondere. Ibtien. als der iv'enans w-.chtigsien und reichsieu Eltentin schulde/ einzttgestebe», daß die (^e'ammtbeit aller von Ihnen . inetner Berwaltnng an veruanten Uonks gänzlich verschwunden m “ Blakatne Enseda legte den Briel weg und lab rund uin sich Die Dondnat der Etnrichinug. und vor Allem dte Größe des Bibltotlieks tt'ch.s. 'chter.en tbr daS 'l'esübl erneuter Dtckterbeit zu gebeut sie lächelte nn.r.s.nbts, und nahm den Briel wieder an'', ganrl.ch verschwunden tsi " „Metue." dachte sic, ..konnten nicht verschwinden, weil meine U::t. .'chr'.l: not! trendig war. damit nur irgend etwas berührt werden durfte." .' .''an:.ich "verschwunden tsi A.leS,. in der Tbat, gäntlich verloren, t ..f'chvsettket und rerwieltX— . B>eine ntäit," sagte sie. „meine ntcktt " It r nngereueres Berntogen, das größte, das eine Dame in gan; Irank'-.etch be'aß — bat nur eine lange Reibe von Jahren. deS Ber ann tens»nnd der Unterhaltung gewährt Mit vierzig oder fünfzig :...enen F-.anes kann man tauge Zeit leben selbst bei lortgefetztem Un.zl-.tck tu Be-.'eneveraf.onen. Ich bekenne, um einer weiteren Untersuchung rotznbengen - - was >'ebr viel kosten würde und nichts offen raren könnte — daß ich mit fürstlichen Anivrüchen und Geschmäckern .zeteren wurde, aber ohne die Mittel, dieselben zu belriedigcn, bis eS um gelang. Irr Bertrauen zu gewannen. Madame, Ihr Brrtraucn einzige Unglück meines Lebens. Obwohl Bergnügen ''and, verfolgte mich fortdaue ich am Spiele das größte titd das Mißgeschick! Dies war fo arg, daß ich vor fünf oder t'cchS Ja wen deutlich erkannte, was das Ende lein würde, wofern ich nicht ach! Man kann el>enfowenig die Börte auigeben kann Der GewohnkeitSfäufer t''ewohnheitssvieler, und ein Zustand ist >'i hoffnungslos wie der andere. ijifK Leidenschaft ansgab. Aber nfgcben, als man die Flasche ist nicht übler daran als der Alio. ich t'ukr fort, an der Börse zu t'tee Dviel ein Ende. Ich habe den ganzen Re eS war nicht mehr viel — und daS ist weg". Run will auch ich hinwcggcdcn, Icdor'ich daS Elend verkostet habe, ein Bettler, ein Bankerotter, ein Morbleu! tua pips si Xe z lenree pa#. Xe pleurez pas." ..Er verkaufte Alles. Wie aber konnte-er nur Alles verkaufen?" 'ragte sich daS unglückliche Dvier; baut „— Eine Betrachtung aber tröstet DicieS vlbr Geld, tdaS Ihr Großvater Beninktilarkrieg erworben hat, indem er dicst Iu''nlaner befähigte, unsere LandSltute zu vertreiben, dieses Geld des Feindes ist solchermaßen durch mein: Bermittlung meinen Lands leuten zugute gekommen. WaS aber D ie betrifft, liebe Gnädige, so fürchte ich. Ihnen keinen Drost anbietei zu können, der stark genug wäre. Die-haben kein Geld mehr/ au ger Die haben sich, waS aber nicht wahrscheinlich ist, von den erhalt> neu Beträgen etwas zurückgelegt. ES waren keine großen Beträge im Bergleiche zu Ihrem verfügbaren Einkommen, und ich glaube nicht, daß Die etwas davon ersparen konnten " euliren. Endlich hatte daS est Ihrer Aeticn verkauft — auch verloren, Alles ist nun ertappter Bcrbrccher zu sei». I eteinte. laS sie weiter: mich, als guten Franzosen, als Lieferant ber Briten im Rauchfleisch lieferte, welches