Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 109 (6.5.1894)
- Date
- 1894-05-06
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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7 ■pn'pjr Nr. 109. $ r t i»s Nlat t. “fite 11. Dieder legte Madame Elvcda de» Brief weg und zog ilir Easiabuch aus der Lade heraus. ^ic fad, daß ihr Credit sich (wische» vier- und fünfhundert Pfund belief, so viel also besaß sie noch gegen die Armuih, den Mangel. Nun zitterte und schauderte ne. Die Vuft schien ilir zu EiS zu erstarren. Kaum konnte sic noch de» Brief halten, die V-orrc liefen in einander. „— Sie hielten sich für ganz sicher, weil Sie dachten, daß nicht» ohne Ihre Unterschrift verkauft werden konnte. Nichtig. Ader Sic vcrl gaßen, daß man eine Unterschrift anch iiachmachen kann. Ja. Madame, die Kunst der Nachahmung — gemeinhin Fälschung genannt — ist eine sehr einfache Sache undleicht erlernt von einem geschickten Menschen, der sich etwas Müde gibt, dieselbe zuwege zu bringen. Ihre Handschrist ist so deutlich und charaktervoll, daß sic sehr leicht nachzuahmen war. Sie ist auch so ausgeprägt, daß Jeder denkt, ez könne sic auf den ersten Blick erkenne». 0c ausgeprägter die Hand, desto leichter die Fälschung. DaS ist nicht allgemein bekannt. Da ich für diese Dbatsachc keine-weitere Berwendung liabe, mache ich Ihnen selbe zu wisicn. DaS ist mein Berniächtniß für 'Sie Die einzig schweren Unterschriften sind jene in der geivölinlichen, schwachen Hand schrift, welche weder Eharakler »och Untericheidniig bcsipt. Das ist meine Entdeckung. Ich wieder!,olc, daß ich Ihnen dieselbe aiibiete, als kleine Erwiderung dafür, daß Sie mir den nngestörtcn Genuß Ihrer Millionen gewährt haben. Die Kunst der Nachahmung oder Fälschung ist eine der »üblichsten und schönste» aller Künste. Sie ist vielleicht unter allen schönen äiüiisten die feinste. Ich bitte Sie nicht, Madanie, mir zu vergeben. Es wäre übcrflü'sig, erstens, weil selbst unter Ehristen Niemand, der unter dem Nangc des Papstes in Nom stellt, eine so ungchenrc Beleidigung wie diele vergeben könnte und Sie sind, keine Christi»: zweitens, weil ich, ob Sie mir verreiben oder nicht, weder jemals wisien. werde, noch mich darum sorge, denn eist Mann, dem daS Hirn auSgeblasen ist. ist jenieitS jedes PIuuiches »ach Bcrgcbung aller Gewisiensbisie, Beniilteidniigen »nd was foitJC noch, bar. Ich sage mit Boltaire j Aiiien. je v.-ii< eil ee ,>;us /! I>'oti ne revint point itn rn.ni {■V-re. j Sclbft in diciem letzten Augenblicke kühle ich nicht die geringsten Gewissensbisse. "Nein, ich fühle keine. DaS sind Ihre beiden beim! Berlustc IhreS Geldes im Vergleiche zu den meiuigen, da ich dieses Gastmahl des Lebens verlane» muß'? Sie können nicht mit den mcinigen verglichen werde». Ach! .Vlien, >mnisr. >>>-- knitss. Vor vielen Jahren, als Sie die Unmenge Ihrer Nenlen dem crnllen, jungen Advocaien anvertranten, halten Sie wohl keine Idee, Empfangen Sie, iiirchl. daß er l^edanten und V.-üniche hegte, welche fähig wären, selbst alle Ihre Millionen;n verichlingep. Hätten Sie es nur gewußt.' Doch .ich werde weitschweifig. Ich bade' nietsts mehr zn sagen »S la ,ia>“ ä'N.i.ßee ' *' l'auvre löaiüs .l. -s. <*i'u v.t' Biadame, die Verstcherinig, meiner lie'sten Ehr 1 Des>ardinS." . Madame Elve da las dieses Dchrinstnck dreimal. Und selbst »ach dem dritlenmale konnte sie noch nicht die volle Bedeutung dieies» Briefes ermessen - Daß ihr gesammleS Vermögen dahin sein sollte I verloren, gestohlen.— war unglaublich iiii sie. Ebenso gnl lonnle der . Ezar von Nnßland eines Morgens , answachc» und Horen, daß der Kaspiiee. das Schwarte und das Aiow'i'che Meer ausgetreten ieien. ' »nd alles darwiichen befindliche Land überichwemml haben Madame Eiveda iah .wieder im Zimmer Hern»,, inihrem soliden .-Zimmer, mit i'seinem schweren suche, seinen massiven Sliihlen, seinen festen Bücher stäilde», seinen ernsten Bücherreihe». Dal Zimmer alhmele Solidiläl, Slandsestigkeii und Dauer. Sollte diese»' Zimmer und Alles, was darin stand, wieN'in s raninbild verschwinden? Sie schloß die Angtu j und dachte,n» das solide HanS, das von der Alliea bis zum Kelle,' ' geschoß jaul sagte, das; da. wenigstens da Sbandsestigleil herrschte. Foriniia möchte ,lir ü,ad drehen, doch dieses Zimmer stand mit den« üiade.in keinerlei Verbindung Das Falnm' mochie Unglück ansgießen über andere Häuser, über dieses nicln Allein, wo Neichthümer ans! gehäufte sind, da tommen' immer Dieb/ und veriiicheu -eiiizudringen! »nd stehlen. Früher stiegen ne beim Fenster hinein und hohen die Herdplatte ans, unter welcher der Sckiap lag Nun. fälsche:, ne die i Name» und machen die Handschriften nackl. 'Madame Elveda wandte ' sich wieder dem amllikhen Doenmenie zn. re, Verfasser desselben, der Poli;eieommi>'sär, tlieilte ilir einsack, mjl, .daß der Mann DesjardinS, ihr Agent und (Geschäftsträger, lodlwar: er halle nach Absassnng des an ,'ie gerichielc» Brieses den Selbstmord begangen. V.-aS dieser sagte, 'mußte ,vahr sein. Der Nander hatte seine Beichte mii seinem Blnlc! besiegelt.- Es konnte kein Zweifel mehr obwalten l Doch »iußie etwas geschehe». Sie mochte die Angelegenheit in die . Hände eines Anwaltes übergeben mit der Gewißheil,.-daß nickus dabei! lseranskäme. VIenn alles' Geld verausgabt und der Betrüger gestorben! war,- wozu nüpte da ein Anwalt? Aber sie mußte sich ans irgend! eine Art vergewissern, daß die Mitllieilnngen -deS Mannes wahr I lvbUfll. ' ,rt,'||il-''HII.1. 101-1!. > K, k. privilegirte Kaiser Ferdinands-Mordbahn. KUNDMACHUNG. ' Die LXXIV. Generalversammlung il.-r Aetionüre -l.r k. k. >» irll« irivtvn Kaiser Ker«lin:iu«l—Nortihultu lin l.-i XXitt'wodh. den 30. ZMIa.1 1894, Vorm. IO XJÜnr , im iit-iioii Ailiiiinistrntioiisgcliäutlo zll. »* öO, in "ii-n -- «l«*r Voi'liuiulliiuu:: 1. Entgegennahme des Jahresberichtes des Verwaltnnffsr&thest - Bericht des Revlalonsaussohnps** und Besohlassfajsunff über die Bilanz. , ' 3. Beschlussfassung über die Verwendung des Reingewinnes. 4- Anträge des Verwaltungsrathes. betreffend.die Erwerbang von Coacesaionen für deu Bau und Betrieb neuer Locatba^Unlinlen. Wahlen in den Vorwaltnngsrath. 6. Wahl des Revislonsanssohosses § 24 llt k der Statuten . Jene Herren Acjionäre. welche drei M»uate \or Abhaltung der General dem Nominalbeträge per UMKH) ri. CVM. glcichkoimucndeu A»tion/ahl in »len Buche i 1«» der Statuten*' eingeladen, diejenigen .Veiten flammt rüek*iehi lieh \v« leher *ie »la- MimmrerM 12 l*hr Mittags, bei der ge*ell*chat'tlioben Haupt, asse zu depouiren. ' l>io At'tien elu«t mit zwei aritbm^ti^eb geordneten utul v,*tn Kinreielier eiireul iitnli« untev/eielnetei» l.^iguati"»«'!» ln Der l)ep»*nent erhält hietür eine I<egitim;itionskarto und ein Kvetnplar der >' -n-,gnati"nen mit d«*r Kmpt.tng'!*: Genera,voriammluni; .Ile Aelieu gegen KürkMellimg dieser Cmuignatlonen aiKgef..,.' Wünicbt ein Actionär sein Stimmrecht durch einen anderen <ti,timberee des gewählten Vertreters lautende Vollmacht auf der KUckscite der I.egit mati.msk;i Diejenigen Herren Actimiäre, woleb,“ hiernach in deu lle*.»tz von »htr« I^egitfmatlonskane mit den an sie übertragenen I^gitimationskarton .Voiln>ael,t«ur»u r*.itnmJtii>g. »I. i ,t .b-:-, i'e' :» der 1 titernebmung oin.',-tr.»ge», . 1 1. .1 I-'i. uthiirni r von tnoid- -U>ncin'-r. «t r*lcn hi m»t Im Sinne «!»•<* - Idl.ingstt-n- 9 Mal 1. J., Itiidamr cinzureii lieii. - den mich uh^ehalteimil iter go.*«dl-el,;t<lHel»e,i I j„,' \ er^chon. und w. welche ihnen hiefdr eine die Gesammtzahl der von ihnen zu führenden stimmen aiiM\oUcndc 1.» rritiht.tr,, n-k:t> t»';ui-t'«dgt itUt.ui Acti.'Nlti' :tniluhen 1* un»1 1" d«-r St.iiutt--n rte :tu»/u«tellett und ,-tgenh.tndig /,t unU-r^clireihen. V.dlm:tcht iiberlragoueii Slintirn n gelangen, halfen di»- auf ihren Namojr lautn ie vlen «iprit,-I, Ndrei l .th'.' 1 or deri.-n,'ra!ver.-.t>,fmlt»ng de,' l.-.zuidatn'' , h,.-ul,.tud' n. . Der Geschäftsbericht nehnt dem RechuungsitbschltMse wird a» ht i’ajje \« gelegt und jedem Actionär, der sein Stimmrecht t/achgewieteit hat. in einen K%emj WIEN, den 29. April lsd»4. ter G,“m*r;tl'ei;-«amfultmg l*e plare auf Verlangen :u,sg»,f»'lgt betrage von lO.OOl* fl. t’.-M. gleicbkommen«lon Anzahl Actiep in d.-n HUehorn »K r t Generalversammlung, dass von detnselbon die diesem Nominalbetrag»* ent-prcch»'u<(et anfbeüe k 20U fl. C.-M. drei Wochen vor Abhaltung der Geiu-ralvertamnilung l ei. nach abgehaltener Versammlung wieder zurückerhält. *•) Der I 17 der Statuten lautet: Je lO.tH't» fl. IVM. Nominalworth in Stimme. Jedoch darf ein Actionär ira eigenen Namen uu»l als bevollmächtigter and Actionär, dem er dazu schriftliche Vollmacht crtheilt hat, eine Ui'eolluchaft durch e Pflegebefohlene Persou durch ihren gesetzlichen Vertreter (Vater. Vormund. Vurator . hat er die auf den Nomon d»*r I i-iuidatur auf dem ^< 7dl-.»l..lh.-f- ,h*c st ifutcn). in Wi*-u auf- XD er "V"erwalttlinge»ratHl>er ß lt» der Statuten lautet: Jeder Actionär. welche? »Irel >f«u»aien v.-r Abhaltung der Generalversammlung aU Kigenthünn r \-»u » n,. , «U::u Weid..,!* Il-. h.ift v»“rg«*-chri»‘ben erscheint, i-t unter »1« r Bedingung Mitgli«-1. >U*r j» w< . auf -einen Natneti lautenden oder v«irgemerkten ganzen. alben A< tn tt; A t; a ler ge«ellschaftli» hen llauptea«.*»1 g«*gen Empfangschef!) «lep«^iirt w-r-l» n. welche er Acticn geben nach Maßgabe des vorherstehenden Paragraphen »la- Recht auf KI:,«* •rer stimmberechtigter Actionäre zusammen nur 50 Stimmen iu sich voreifilgcn. Der g 18 der Statuten lautet: Das Stimmrecht in der Generalver-ammlu ug übt ein stimmberechtigter Actionär persönlich "der durch einen »tiinnilfcrochtjgfeii / non ihrer registrirten Vertreter, eine Körperschaft durch einen jhrer, Vorstände, eine .c