Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1894-05-06 · 109 (6.5.1894) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
109 (6.5.1894)
Date
1894-05-06
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/4886575-5439163-5441517--1257-4887724
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 8 Frei«, der einen „Deutschbund" stiften will, ein ,neues Päpstlein in einem neuen siircbensiaate". und er macht ihm den Born itrf her Charakterlosigkeit mit den Worten: „2 m .neuen CourS' aber haßt er (Tr. Lange) neuerdings — sehr neuerdings, d. h. seit ihm die Herren v. Plötz und Liebermann v. Sonnenberg auf die Schulter grklovft haben." Bauer cheint ferner, Langes „Teutschdund" babe einen „unangenehmen freisinnig-demokratischen Aufputz" und fährt dann >ort: „Ter .Teutichbund' Friedrich Lange's ist nach unserer Ansicht vollkommen überflüssig, fast noch, überflüssiger als der.Allgemeine Deutsche Verbands Aber er birgt auch die Xeime einer großen inneren Gefahr für die deutsch nationale Bewegung in sich. Tieie Bewegung, für die wir schon in einer Zeit freudig kämpften, als die .Tägliche Rundschau' ihr nationale« Herz noch nicht entdeckt batte, kan» nur siegen, wenn sie gilt christlich ist und sich bemüht, der christlichen Weltanschauung an -Stelle des mittelalterlichen Ideals der Askese endlich das ursprüngliche Ideal der socialen Gerechtigkeit und Beriöhnung, im Rahmen unserer nationalen Eigenart geläutert, wiederzugebeu. Friedrich Laiige aber ist . innerlich und äußerlich mit der christliche« Weltanschauung längst fertig; er will an.ihre Stelle das Pbaniom einer-.Tciutschrcligion', .eines in Allein gleich starken und zu religiöser Glmh verklärten Aeutichideals' setzen, und das ist ein verbäugnißvvUes. ein verderbliche« Beginnen. Ein .Teutschbnnd', der ans die Berwirklichung dieier Uiovie ausgehtwürde geradezu ein Feind der sittlichen Gesundung unseres BolkeS und der religiösen Befreiung und Bertiesung der deutsch nationalen Bewegung sein, und wch müßten auf diesem Gebiete der zukünftige»-.Rund'chau-Cullurgemeintc' voll vorneherein den sirieg Hs aufs Melier erklären. Aber auch sonst sieben wir' zu ihr in vollster Gegnerschaft, ireil die Laiige'sckiei: .Teutschbuiid'-Bestrebung ans der.Ovvasilion gegen die Politik des ,n — nicht wie ne vor zwei Iabren war, den Eouric' freundlich gegenüber und wir bekänipsle» ihn, sondern wie diese Politi beule ist, und nachdem sie in die rechten Bsabnen einzuleuken begonnen hat- Tie .Tägliche Rundschau' bat sich mit einem unfreiwilligen Opfer des InleUects in die Reiben jener;-o!ct lestiiiii-Opvosition Igestellt, die ihre höchste Blüthe in der agrarischenSrnrincolonnc der Herren h. Hammerstein, v. Plötz und Genoss,'n getrieben bar, und sie hat dadurch! in unseren Augen nicht nur die Fühlung mirder rechten deutich-nationalen ^Bewegung verloren, sondern auch den Berus verscherzt, die in de» letzte» Blonden ukurpirte Führung in unseren .streiken weiterzubebalten. Tas lsü-ein Capitesl, über das wir n»S mit Herrn Friedrich Lange ei» ankeresmal noch ausführlicher unterhalten werden. Tenn u>u- und durchaus nicht gesonnen, ,;»« dürch die Großmeistergelüste deutschbegeisterter Gründer die Wirten Fäden verwipren und zerreißen zu lauen, die sich mübiam und langsam.zwischen der kaillerlicheii Politik und der nationalen deutschen Bewegung geknüpft, haben. Wir wollet^ Herrn Friedrich Lange dadurch nicht kränken, daß wir seinen Rainen mit dem hon 'allen Teutschen außer Tienst ee'.vten Reetor Ablwardk in einem Albemzujge nennen, aber wir geben ihm doch zu bcdenkep, ob es iür seine .Tentschbuiid'-Gründiing nicht ein böses Omen iei. daß sie zeitlich mit der .Bundschuh' Gründung Ahlwardl's zusammenfällt'?!" Ter Rune Bauer Kalt sich iür berufen, hem Tr. Lange echtes Teutichthum abu.lsvrcchen: der Antisemitismus bringt wirklich die unglaublichsten Tinge zustande. und mit Recht fand ihn Birchow rätselhaft. n nach seinein eigenen Geständnisse tuen CourieS' hervorgegangen sind ii damals stand Lange dem .neuen L-cullictmi.!lli>slilisilms, JJiftisnius, Xnlilcmitisiiius aut Ende des neun zehnten Jahrhunderts. Eine oulrur-philoiopb^'che Studie E U. IenKer. 5. Vornetzung.) v. äx-ir möchten, Da wir einmal bei einer Schilderung der verschiedenen religiösen Regungen unserer' Tage sind, nicht zu den L.l.liißsi'lgernngen schreiten, ohne vtzrher noch einiger — vorwiegend in Frankreich und Deutschland gedeihender — Erscheinungengedacht zu haben, die allerdings nicht so hervorstechende Ebaruklerzüge zeigen, wie die „Theosovhie" oder die „Heilsarmee", »lchlddcsioweniger in einem Gesammlvilde des religiösen Millieus noiliwendige . (^lieber bilden. Vielleicht wird man an Ihnen wenigstens das Eine sehen, daß in eiiser religiös gestimmten Zeit, wie die unirige, sich selbst der RatioiialiSmus, selbst der wissenschastliche Radiealismus in religiösen Formen ausleben muß, daß sich selbst der natürliche Gegensatz deS religiösen Denkens, der ereessive Individualismus, in die zehgemäße Kutte zu begeben Blatt. r »d eineS di: dn versucht, um aus seinem Eroberungszu; zu können. Es ist eine der natürlichsten, und gegangenen Scheidung des Geisteslebens seit dem Momente der Trennung zwi schaft das mächtigste Verlangen bestand, sätze wieder auszusöhnen, theoretisch, int) klärerin und Stütze der anderen zu maiji man die unabhängig, von der sogni wonnenen ethischen Grundsätze im Gewl i dem autoritätsbedürftigen Volke darzubie nicht deistische Rücksichten, sondern wtit Wägungen, welche oft die radikalsten brecher auf dem Gebiete der Wissenschaft! Kritik, wie Rousseau und David Strn einer neuen, der Vernunftreligion, w fälligste unter diesen scheinbar paradox der ersten Hälfte unseres Jahrhunderti! Positivismus, August Comte. Wie bekannt, kam August Comte, Soeialmystikers Saint-Simon begönne Ruf des äußersten, rücksichtslosesten Most in der zweiten Periode seiner philosophi die im gewissen Sinne mit dem Wege besaßen und vom Mysticismus nicht Er, dessen Denken früher im höchsten dividualistisch gewesen und in der AbleH Zweckbegriffs, jedes Ordnungsbegriffs zum religiösen Denken" bezeichnete, er. als ein mehr oder minder verwickeltes suchen begreifen wollte, gelangte jetzt Zusammenhanges, einer Ordnung, schninmgen, lenkte den Blick auf erklärte dieses als das Resultat und Einheit, zu welcher Alles zusammenlai dem Alles zustrebt. In dieser Einheit. Zwecke, und der Endursache sollte das gelegen sein. Dieser höchste synlhetischl menschlichen Natur, wie er sich in der des Menschengeschlechtes darstellt. Comte hielt zwar nach wie vor con Positioiömus festen Staad, er beharrt lehnung des. teleologischen Principes, Grundcharaktcr alles religiösen Denker greifende Wandel in der Anschauung nach der Richtung des Letzteren gelegen, sich dieser Wandel gleichzeitig mit der Betrachtung der socialen Erscheinungen Allmälig ging denn auch seine ligion über, allerdings in keinen Cul unsterblichen Seele, wohl gber in ein die er zum Unterschied von dem rtre genen Jahrhundertes, das „Große We Das „Große Wesen" hat seinen Urssi allgemeine Ouelle aller Dinge, die die man den „Großen Fetisch" nennen Raum, dessen Gesetze die ersten Bedir und dem der Name „Großes Medialst Medium, der Große Fetisch und das Dreieinigkeit, welche der positivistische lt Medium sah in sich zuerst den Große sämmlliche Glieder ursprünglich ein Hs Kraft halten als jetzt; der Große niedrigte sich, opferte sich, um dem machen. Dieses Opfer verdient unsere in der Menschheit ehrt die Menschhe für welches der Große Fetisch selbst Menschheit ist die vollendetste Form Gemüthsanlagen vorherrschen"'!» Da e einen Kreuzzug machen ins der erst später vor sich folgende Erscheinung, daß chen Theologie und Wissendie entstandenen Gegen« em man die eine zur Eren suchte, praktisch, indem annten Offenbarung geude einer Vernunftsreligion en suchte. ES waren zumeist mehr sociologische ErrücksichtSlosesten Bahn ichen und gesellschaftlichen uß, zugleich zu Propheten ejrben ließen"). Die auf« n Figuren war gewiß in der berühmte Vater des (icr Phil das n) Bergleiche aus neuerer Zeit: T. F. Glaube. (II. Austage. Bonn 1881); M. I der Tarwin'ichen Lehre (deutsch von R. Scbfi Traper: Geschichte der Conflicte zwischen Rel 1*75); C. F. Ratzer: Tie nalunvifsenichaft Ideale, ein Ersatz für daS religiöse Togn.a (Le Monismus als Band zwischen Religion und Wii "» Ravaisso» F. Tie franzöfische Phil Deutsch von E. König, Eisenach 1889, p. 86 f. Ur. 109. welcher als Schüler deö sich aber nachher den erialiS'mus zugezogen hatte, chen Thätigkeitauf Bahnen, seines Lehrers Aehnlichkeit mehr weit entfernt waren. Sinne atomistisch und in nung jeder Synthese, jedes den extremsten Gegensatz der früher die Welt nur Aggregat einzelner That zu der Erkenntniß eines Fortschrittes in den Er- Jdee eines Ganzen und ii Ausdruck einer gewissen fe und die das Ziel bilde, in diesem Ziele, in dem Heheimniß des Oranismus Begriff ist abeg der der geschichtlichen Enrtwicklung tas equent auf dem Boden des nach wie vor in der Ab so recht eigentlich den lts bildet, aber der durch nte's war doch entschieden and es ist bezeichnend, daß ' Zuwendung Comte'S zpr. vollzog. osophie ganz in eine Re der Gottheit oder einer Religion der Menschheit, tziipröme des vorangeganen" (Orauci Etre) nannte, rung durch die Erde, die ter aller einzelnen Fetische, kann. Die Erde ist ein gungen aller Existenz sind " zukommt. Das Große Große Wesen bilden die ultus verehrt. Das Große n Fetisch entstehen, dessen heres Leben, eine höhere Fetisch beschränkte sich, er- Großen Wesen Raum zu dankbare Verehrung; aber t die höchst«" Vollendung, sich opferte; und in der s'Weib, weil in ihm die nun aber die Menschheit rauß: Ter alle und der neue avage: Tie Religio» im Lichic amm, Leipzig 1886-; I. W igion und Wissenschasl (Leivz'g iche Weltanschauung und ihre pzig 1890); E. Haeckel: Ter 7enichaft (Bonn 1892». osophie im XIX. Jahrhundert.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.