Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1894-05-06 · 109 (6.5.1894) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
109 (6.5.1894)
Date
1894-05-06
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
80% known words query
IRI
…/4886575-5439163-5441517--1256-4887723
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 109. Lr « alt die Wiener. Hätte hier ei» Fortschritt»»»»»! gewagt, dergleichen in einer Anlisemiieuversammluiig vorzubringc», wie Professor Tr. Lüß in Baden, so wäre er von „Ordnern" einet Anderen belehrt worden, und zwar in'ei »er Weise, die ein gerichtliches Nachspiel herbeigeführt hätte. (Bon den „freisinnigen" Iunglschechen.) Zn einer kürzlich zuZaron-ör in Bödmen-abgehaltenen junglschechifchen Berfainnrlnng verlangte der Borsitzende Dr. Morawec aus Siönigiuhos, die Iunglschechen möge» ein solches Pro grainin ausarbeiten, ivelchcS sich am meisten dein Programm der aiitisem li scheu Partei nähern wurde. ErnstBergani gehl momentan mit seinem „Wiener Programm" Hausire». Tie Herren werden sich ja leicht über einige Grundsatz ändernngeu einigen, denn Principienreiter sind nun einmal beide nicht. lAusiösiiug einer Brrsammlung. 1 Zn Mährisch-Lchöiiberg sollte Tr. Lueger am 1. Mai im Locale des „.katholischen GeielleiivereiucS" in e uer Bersaminlung des dorligen „Ehristlich sociale» VolkSvereiueS" sprechen, 'am iSdoch nicht dazu, weil der RegierungSvcrircter die Beriammlnng wegen e ne» Formfehlers bei der Anmeldung anslöste. Am 2. d. M. wurde wegen dieser Auslösung eine Znierpelloiion im Abgeerdnetenbaulc eiugebracht. lAhlwnrdtigna.s Man erinnert sich »och, wie Ahlwardt seinerzeit im deutschen-Reichstage einen ganzen Waggon von aetenniätzigei» Bewcismaieriale für die von ihm vorgebrachten Verleumdungen verhieß. Ta» Fiaseo, da-: er bisher jedeSmal mit seine» „Acten" erlebte, scheint ihn keineSivegS von ferip reu BerlenmdungScainpagnen adgeschreckt zu haben. Zn einer Versammlung;» Forst in Ricderlausitz sprach der „Ex Rector aller Tcutschen" am 27. April über den „VerzweislungSkamps der arische» Völker gegen baS ZukeuiKum" i,»d kündigte „Enthüllungen" über die Vorgänge bei der Bildung der Renieng »er an, wogegen die VcrösfenllichuUg bezüglich.der „Zudenslinien" eine stleinigkeit iei: er habe hundert Zeugen und werde viele amilich gesleinpelte Actenstücke vorlcgen. Tie gleiche Verheißung macht er in dem seit k. April d. Z.!vo» ilnn herauSgegebene» Blatte „Ter Buudschnh". Leine Entdülluinge», schreibt er dort, „würden einen Lctnei der Entrüstung durch alle Gaue de» Vater laude» Hervorrufen". Leine Freunde hätten ihm wieder einmal abgeraineu, „aber sei» ManneSinuth übernehme voll und ganz jede VeranlivorUichleit". Vielleicht hat der „Er Rector aller Tcutschen" mN seinen „Acten" wieder da» selbe Malheur wie in frühere» Fällen und wie mit seinem jüngsten Tebui i» >!rojan 1 e im preußischen sikegierungsbezirke Pkarienwerder. Tie-dort von ihm arrangirte antisemitische Versammlung verlies nicht ganz zu seinem Heile, denn »er Blatt. der Lehrer Lehsinani! und einige andere Herren aus »trojanke iraie» öffcnllich entgegen. An der Hand gründlichen AbwchrinaierialS vermochte ihm sich Herr Lehmann den lebhaften Beifall zu erringend Rach einer Entgegnung Ahl wardt'S meldete sich ei» jüdischer Handwerker, der Gerberineisier M go liuSki, zum Wort. Ter biedere Meister meinte, AKlwardt behaupte, daß die' Zuden kein Handwerk betreibe» und nicht arbeiten wollen. Taß er, Rev ier, arbeiten könne, beweise seine schwielige Faust, er verstehe es sehr iiu hl, ein Fell zu gerben und sei gern bereit, eS Herrn Ahlwardt zu beweisen. Ablwardk, der Mann der Bcwei'e, bestand nicht aus der Erbringang diese» »rpuuieututu a>i Iiominom. — Ai» I. Mai hatte sich Ahlwardt aier inalS vor dem Berliner Landgerichte wegen einer Hcprede zu verantworte», die er vor Zahr und Tag in einer Aiiliseniitenverlainmlung zu Eise» gebo ten batte. Ta» in dieser Ltrasiache gefällte Unheil war. nämlich wegen eine» F-o :m fehler» vom Reichsgerichte caisirt worden. Ahlwardt ivurde jetzt neuerlich der Beleidigung preußischer. Ltaaisbehörden schuldig erklärt und zu drei monatliche in Gesangniß verurthcilt. 2tus antisemitischen Blattern.! (VaterlaudSlos.j Anknüpsend a» den Ausspruch eine» hiesigen Zesuiken, welcher sagte, sein Herz gehöre Roi», verlangt ein „nationales" Antifeinite»- blatt, man möge es auch seinen Patronen nicht verübeln, daß ihr Her; All deiitschland gehöre. Rom, Alldeutschland — vaterlandsloS aber sind nur die Juden. (Vom ofsiciellen Organ der Fiakergcnostciischaft.) Wo Alle» aniiseniiieit, wo da» hauptsächlich für den Geschmack der Fiaker und Einspänner berechi eie „Witz"-Blatt „Äitfriti" wieder eine» To» anichlägt wie untcr dem selige» O. F. Berg zur Zeit, als sein Geist schon umnachtet war, glaubte auch >a» ofsicielle Organ der Fiakergenostenschast in AnlisemiliSmuS machen z» uiüi'c» und brachte zwei Artikel, welche allen Regel» der Racen- und ConfessioiiSh tze entsprachen. ES wurde jedoch von der Fiakergenosienschasr gründlich desavou rt. Zn der dieser Tage abgehalteuen Generalversammlung derselben ergriff »er Vorstehcrstellvcrtreter Putzer das Wort, um einen Antrag aus entschied-ne Mißbilligung dieser Haltung de» GenosienschafiSorgane» zu stellen und zu begründen. „Wir Fiaker," sagte er untcr Anderem, „kennen keine Parteipoli ik, bei uns ist Zeder gleich. Wir haben am allerwcnsigste» Ursache, u r« dem Antisemitismus anzuschließc», der geeignet ist, unser Gewerbe zu ruinire». Daher identificire» wir uns mit de» beiden Artikeln nicht und sprechen dem Organe unsere entschiedene Mißbilligung aus." Ditse Rede Paper'» wurde öfter durch stürmischen Beifall unterbrochen und sein Leite 7. Antrag ciiisl'iuimig zum Beschlüsse erhoben. Ta» „Tcuisäie B.olkSdlait" fällt in Folge dessen -über Herr» Patter!hcr und ivirii ihn, vor, er Kälte einen „judcnliberalen Lchwefel loSgcbrannt" ünd vollständigen Mangel a» Verständnis; für die Znteresse:, der GenossciischastSmitglieder bekundet. Taß Patter'S Antrag stürmischen. Beisatz sa»d und init Lliinineneinhelligkeit aiigkiioinmen wurde, da» wird von dem Vcrgaiii'sche» LügenI lattc selbstverständlich verschwiegen. ' «Tie „Srcnzzeitung" und die jüdischcn Eapitakisien.i Tie „nrcuzzeitung'^ brachte neulich solgende 'Notiz: „lieber jüdische Fabrikanten wird' in socialdemokratischen Verkanpnliingen oft stlage gesührt. Auch eine Ver-aii»»lu»g von" Wäsche und Cravatten-Arbeitern und Arbeiieiiniirn. die kürzlich i» Berlin tagte, beschäftigte sich mit'einer solchen 'Firma Ein .Genosse' besprach die Miß stände in dieser Fabrik. Lehrmädchen, ,^>e statt-geübter Arbeiierinne» angestelli würde,bekämen Kantig nur drei bi» leilnng belege am meisten mit Ltrafen Firma 'ollen einer 21>ährigen Eartonir-rin, die eine alte Mutter zu erinibren kalte, 10 'Marl Monäislolm grboie» n-irden 'ein, und die Ltr.lle. sei bald von einem siebzekiiiäkrigcn Mädchen be-etzt Arbeiierinne» alle Tage zu spät koinmei, wenn sie!10 Psennige Ltral'e ivöcsk'Nt lich cnirichte»." Hicrans antwortete d'r social denioliatische „Vorwärts": „TaS GeKeunniß de», anliieinitischeu T niagogetttk.ttuis befiel,l darin, daß die wirkliche» Greuel der capitalistiichen Asirthschast in grellsten Farben gemalt, Zude als llebelthäier kingestelli wird, sich der Zakl, nach zu den ieiuiti>ch, »nd daß dann, statt de» Eapitalisten, de Tie christlich germanische,i AuSbeiler, jüdischen verbauen ivie 2 > zu 1 scinitisch jüdische» Eoltegeu, wie denn Elassencharalter de« Zndwidnuin» ganz überbaupl die Ralionaliiät aus den ohne Eiiislnß ist, io daß der französische Bourgeois, trotz, aller Erb'eindschast, deui teuiichen Bruder im goldenen .stallbi» in die Ileiiisten Züge hinein ähnli perfide iaschenspieler-.stu»ststnttcheu, den h ist ivie ein Ei dein ander». Tie-eS EapiialiSuius in eine indische Haut zu sinbeii. lind — da wiederholen ivir Zu'nkerblalt schon früher einmal inachtei Gcichäste hineinschicken und — mit sind bereit, ihr Tutzende von Firme» -zu wo die au Scheu te r ki ch eite» AuSb Ausbeuter B e r 1 i» S ivä K r e W a i scheu L chutz.N'upve oe» Herrn hören. Ta kann die ..strenzzeitnng' e gleich einem Romane TurgeiiiewS den Grafen Eaprivi, die andere aber fünf Mail WochenloKn. Tie Fabrik», die NäKerinne». Von einer anderev ivordcn. Bei einer Firma löunien die stecken und ikni eine jüdische Nase vorzubinbeii. -wird beute wieder von der .strcuzzeiluin^,geübt, 'die in ihrem Feuilelo» über dieHniigcrtöhne po» Frauen und Mädcheit „i jüdischen Geschäften daß Alles, was die ..stienzzeiiuiig' ich, christlich gcrniauische Zunkeruaie i» chri ilich germanische t^e-chäste der gleiche» oder ähnlichen Branche Kineinsteckt, ivtzd sie genau dieselben Abschenlichjeilen zetert. Wir ivollen unbesehen zugeben, eilst, ivabr ist. Wenn sie aber, ihre neu Vorschlag, den - wir dem edclsteü weun c» der ..strettzzeilnng' in der Tkat ernst ist mit ihrer sittlichen-Entrüstung über solche Zustände, da»» soll sie einmal ikre» Berichterstatter iu^ christlich germanische, ja iogaV aittiiemiiische itzeichein EmrüstniigSuiaß - messe» Wir neunen, namentlich auch in Lachsen, n i e r, gegen iv e 1 ch e dies ü d i > ch e n enluaben Und. zur auti seinili• von u nd zu Hgin i» er sie in ge inmal -.fürchterliche Musterung' kalten." (Erwin Baucr gcgcu Flöckcr unit LangcZ Zn einer Wochenschrift^, die iilaud" -betitelt ist, verludst der Rusze Erwin Bauer, uachdeni die „Reue Teuische Zeitung" verkracht ist, ivieder sein joiirualistischc» Glück. Leinen Liuu für eine» Humor, der jedem Wiener Lttttipcnballe zur Zierde gereichen möch e, bclundct Bauer, indem er im „Neu laut-" zwei seiner Lchrffie» untcreinai der anzeigt, 'von denen die eine-gegen für denselben ist Es u-ud deir Lcse.rn die Eouscrvoiiveu Ein Wort zu de» »tage Zu noch sst-bere:» isirade aber ist er batte in der Tentscheu Evangelische» einpsohleu: l. t'nvsnk }>o|>utus i (Ten»' Ke» Volk, iei auf der' Hin! „Wider den neue» CourS". 2, Gras Eaprivi und HandelSvertragSverhaiidluiigeii im Reick- 'Bauer'rachsüchtig und bosbaft, Ltöck .stircheuzeillliig ei» Bauer'scheS Pampblel „TaS luerari'che Berlin" nicht besonders günstig beurlbeilt. und gesagt: „Leider können, seitdem der Herausgeber zu ciuein Eapriviinaiiu .--au- >->,r,u-o geworden ist, seine früheren Arbeiten über daS Judenlbum nicht' mebr de» Werth uiid da» Aii-eheu kMben, wie sonst." Bauer rächt sich, indem er schreibt: „Hm eine Erklärung für, die BoSheil zu finde», um.'der der Lchlußiav der Besprechung.in der .Tcutschen Evangelischen .'iii-chciizeitnug' - offenbar Herrn Bauer .zerschmettern' will, -bleibt nur die Aiinadinc übrig, daß nach den Begriffen de» kritisircude» LiöckernianucS nur Terjenige in Teunchlaud noch jmstaiidc und beruseu sei, literarische siritik zu üben, der ividerspruchSloS aus alle Offenbarungen der potitjschen Llöckerei schwört.' Taß mau zu dieiein RonsenS, der einer geistigen Bankbruch- Erkläruug deS geiuiidcil deutsche» llsiciiicheilverstandes gjeichkomiiit, nur durch eine» logische» Bocksprung sondergleichen gelangen kann, da» liegt so sehr aus der Hand, daß wir uns mit dieser Charakieristik füglich begnüge», könne»!" Auch Tr, Frisbrich Lauge muß etwas augcstcllt haben, was Bauer'S Rachsucht reizte; vielleicht will die „Tägliche Rundschau" nicht mein- Bauer'iche Romane drucken. In seinem „-Neuland" wirs! Bauer dem Tr. Lange vor. dieser sei, „als die Aussicht auf eine mühelosere Ernte eintrat, plötzlich. .sührcud' auf dem Plane erschieucii. . . . Wir konnten lächelnd beobachten, wie nonchalaiit und selbstsicher er sich nach und »ach auf den Locke! stcllie, denen Ecküeine der deiilsch-socialeAntisemilisinus rc. zusainmengctrageii haben." Er nenui Tr . Lauge, /

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.