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Freies Blatt · 1894-05-06 · 109 (6.5.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
109 (6.5.1894)
Date
1894-05-06
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Freier Blatt. Urschgerechnet, ein Pcrcenk Juden unter ihren Bewohnern zählt, in deren Umgebung weit und breit nur vereinzelte Juden sind, welche sich amtlichen Nachweisen zufolge, auS denen diese Daten zumeist geschöpft sind, an der Fructificirung diese» traurigen Zustände gar nicht detheiligcn. Der Wiener Antiscmitenmoniteur, der ja so thut, als ob er sich die Bekämpfung deS Menschenhandels zur Aufgabe gemacht Kälte, fände hier ein reiches Feld für eine solche Thätigkeit, und die sonst mit „'Nachdruck" arbeitende Schriftleitung sollte sich einen solchen' Fall nicht entgehen lasten. Antisemitisches Capital läßt sich aus der Rcchaniyer Affairc allerdings nicht hcrauSschlagcn. X. R. (Wie Gerüchte cntfteben.) Mit welcher Leichtfertigkeit man auch in dem angeblich vom Antisemitismus sich freihaltcnden Galizien unbewiesene Beschuldigungen gegen die Juden erhebt, beweist folgender Borfall: Bor etwa vier Wochen verschwand aus dem Städtchen BolSzowee der BolkSschullchrer Das; ynSki, ohne 'seiner Frau 'Nachricht über seinen Aufenthaltsort zu jgcben. DaSzynSki, welcher mit seiner Frau im Zerwürfnisse lebte und mit seiner Stellung in BolSzowee nie recht zufrieden war, scheint offenbar einen geringfügigen Anlaß benützt zu haben — er halbe kurz vor seiner Abreise aus BolSzowee ein Rencontre mit dem HaujSeigenthünicr, bei dem er eine Wohnung gcmieihck Kat — um ein seit Längerem geplantes Borhaben auSzutühren. ÄlS aber Tage verstrichen, ohne daß'er ein Lebenszeichen von sich gegeben Kälte, verbreitete sich bald daS Gerücht, er wäre er nwrdcl worden. DaS rulhenischc „Dild" benützte sofort die Gelegen Ken, um -nach bewährtem Muster antisemitischer Hetzblätter dieses Gerücht auszuschmücken und gab seinen. Lesern die haarsträubende Erzählung zum Besten, die Inden iu BolSzowee hätten den armen Leb rer zuerst auS sein fr Wohnung vertrieben und mißhandelt und dann aus Ang st vor den Folgen seiner drei Kinder an seine Frau zu zwing m. 'Tr. Schnutz ist mehrfach genannt worden wegen seiner Prügeleien mit seinem „Hausfreunde' . dem antisemitischen ReichStagSadgeordnetcn Leuß. (Wieder eine „Ritualmord"-Gtschi«t te.) Die antiseuiitische Hetzagitation hat kurz vor dem jüdischen Ostereste, wieder „Oberschlcsischc Anzeiger" berichtet, in Oswiecim bei F önigShütte einen Epceß hervorgerufcn. Durch ein Gerücht, wonach die jüdische Händlerin Czernasewski in Oswiecim von Königshütte ei i kleines Kind zu Ritual zwccken nach Hause gebracht hätte, entstand in Oswiecim eine größere Aufregung. Hunderte von Landlcuten sammelten sich vor den Häusern der dortigen Inden, und mußte die Behörie, um Ausschreitungen cnlgegcnzutreten, die Gendarmerie der Ilmaegfnd rcquirircn. Eine bei der Händlerin CzernajewSki vorgenommene Haussuchung förderte ein Zicklein zu Tage, welches die Händlerin zull Ostcrbratcn nach Hause mitgenommen hatte. . (Sind „Zudc" und „Antisemit" Schimpfwörter'?) Wie wir berichteten, erkannte kürzlich ein sächsisches Gericht durch sein llrtheil die Bezeichnung „Jude" als Injurie. Da i Gegenstück zu dieser Frage H a m b u r g. In einem denen nach einem Wonwurdc dieser vom Schöffen Kläger auf Grund einer vcr urtheil l, weil er g gegen d e n A n d e r c n denselben a l S Anti Nr. 109. 51: ihre r li-ut e rmorde l. Ja, tiu borgencn Augenzeuge deS Mordes getpeijen, aber er fürchte vor dem auer wäre un Berwürden sich ebenso Mutig an ermordet baden. Fehlte nur, Pastak war vor der Thüre, i Ekristenknabcil" zu machen, Logik wohl auch nicht schwer von der gcsanimken galizischciz Preise nachgebeiete die Juden in BolSzowee schlimme Folgen haben ß in BolSzowee und dieser der-Kündigung gcriclh die eist in Streit, wobei der in- Frau des Reist tbürlich be : stch inS Mittel, nadm seine 'Kleiner zu erscheinen, denn die Juden ihm rächen, wie an Dasznnski, den sie käst mau von einem Rttnalmorde sprach und aus dem Lehrer einen „unschuldige chare der wundertbätigen antitciuiriidmt angckouiincn. Das (^erüchl Kälte für _ ... . . w 0 können, wenn nicht ein Christ auS ^rzczaiui LkamenS Franz Kli mowskl, .voni Gerechtigkeitsgefühl gedrängt, endlich im „Kurzer Livowski" der gleichfalls die Geschichte dem „Dilo" nachgedruckt baue folgende Aufklärung, des Sachverhaltes gegeben hätte. „Dasznnski woliure bei kern HauSeigcinhümer R c . kündigte ihm die Wohnung. In Folg Frau TaSznnski'S mir der Frau des d> zwischen hinzngekommene Dasznnski die leidigle. Der berbeigernfene Reist. legt Frau :n Schutz und hielt Dasztmski vo»i weiteren Schlägereien zurück. Einige Tage daraus begab sich DaSzisnski nach Slanislau. Seine Frau erb:el: keine 'Nachricht mehr von ihm. Böfe Zungen streuten das Gerücht ans. daß Reiß den Dasznnski auf 'dem Wege nach Slanislau ermordet habe, und dieses Gerücht balle sofort ein anderes zur Folge, daß ein Bauer selbst gesehen, wie Reist den Dasznnski ermordet. Das Bezirksgericht in BurSzina leitete über Anzeige der Frau DaSznnSka die Untersuchung ein, verhaftete Reist als den mnthmaßlichen Mörder und lieferte-ihn nach einigen Tagen dem Kreisgerichle in Brzczanv 24 Slunkeu da es 'ich h er a u s st e.llt e. da st Dasznnski hier mit feiner Frau ganz vergnügt lebt." Ter vorliegende Fall zeigt) wie leicht es :st, daS unbewiesenste Gerücht gegen die Juden in Umlauf zn f-etzen : bcre:lwiüig glaubt daS belktric Bolk die haarsträubendsten Beschuldigungen. Ader besonders auffaflend ist eS, däst auch die Behörden. welche lii.t jenes Gerücht wissen, den wahren Thatbestand kennen und denen die Gefährdung der -^idjcxbett der Juden in Folge ■oictir. Berdächliguugen nicht entgehen i kann, nichtsdestoweniger sich n'.chi zu einer autoritativen Richligstellsrng beinüssigt sehen, sondern inb.il znwarlen. bis stch biefür ein Priparmann bereit erklärt. Abgcordn'ter B v k Konnte diesbezüglich, wenn sich auch dieser Fall gegen die T enlsch Liberalen ab''olur nicht verwenden läßt, neuerlich seine S'.iii'.ine im Polenclub erbeben. ' Ilirtligcbrannt. Wir le'en in deutschen Blättern: Ter Antisemit Tr. Schnur-, der frühere Directoe dxs Lebensmittel UntersuchungSaulkcs zu Hannover, welcher'stch in Latigcnhagcn niedergelassen hatte, -st' von dort plötzlich verschwunden. Es wird vermulhet, daß derselbe ins Ausland gegangen ist, um stch einejr vierzehntägigen Hast zu entziehen. weiche gegen ihn erkannt worden! ist, um ihn zur Herausgabe beschäftigte letzthin das Schöffengericht BeleidigungSproccsie zweier Kaufleute, von streit der Eine;n Thätlichkciten überging, gericht frcigcsprochcn, dagegen wurde der Widerklage zu 100 Bk ark Gcldstraf sich einer gröblichen B c l c i d i g u n schuldig gemacht habe, indem er semit bczeichncte. In der Bcschw rdc-Jnstau; wurde auch der andere Theil bestraft, wenn auch mit eine! geringen Geldbuße. (Gin Tucll aus Pritschen.) In deck Flecken Kreise Zikomir, hat, wie dem „Revaler ein ganz absonderliches Duell zwischen Intelligenz, 'einem Lehrer und cinem Duellwaffe, init der die Gegner, die jeß gebsacht, aufeinander losgingcn, waren dicke Peitschen. Dem Lehrer gelang e", seinen Gegner mit dem ersten Hiebe zu entwaffnen, worauf er ihm zwölf wohlgczühlte Peitschenhiebe I ersetzte, für besiegt erklärte, wovon die Stcüildant durchgepeilschte Jurist setzte sich sodann ii nach Hause. Bei der Borlicbe unserer Lljiitiscmitcn für russische Zu stände und Sitten dürften auch diejrnicen unter ihnen, die sonst ducllschcu sind, sich mit. dem nerhältnißmü sig ungesährlichcn Duell ans Peitschen befreunden und sich fürder dcS^ tragung der Streitigkeiten', in welche sie iortwährcnd miteinander ver wickelt sind, unerschrocken bedienen Galijewka, im Beobachter" gemeldet wird, wei Bcrtretern der dortigen I triften, stattgefunden. Die er seinen Sceundanten mitbiS der Jurist sich n Kenntnist nahmen. Der seinen Wagen und suhr i. Hier führte der StaarSanwalt energisch binnen weitere Untersuchung durch und entließ dann Reist, 2hi5 antisemitischen!?er!einen und Oersannnlunacin. «.„Kauft nur bei Gksinnullgsgenosskil ") Im „.stalboli'äi politischen Pereine M a r ga r e rh e n", welcher Montag t ine Persanimlung abbicli, >ag:e der amiiemiiische Getneinteratb Strobaäi: Der Satz im „Deutschen Bolks blau": ^stau't mir bei Tbriüenl" sei unroUki mnien: eS sollte besser heißen: „.staun nur bei Gesinnungsgenossen!'*) Die Ar iiiemiien ipielen mit dem Fever deS BoncoitS, wissen aber nicht, daß sie siä dabei die Finger verbrennen können. So kan'kräilig als die aniiiemiiiicheiiHerrschaften sind trotz ..christlicher Socialrewritt' noch viele jener .stresse, welche die anliiemiii'che Hetze verpönen, unk e? erginge io manchem Hetzer übel, wenn ineS Tages bei einer stramme» Parieicrgani'aiion die Parole anSgegeben werdin tollte: „Kauft nur bei Nicht anli'emiten!" Schön beme, obwohl noch ke ne wirihicha'tlichc Gegenaciion eingeleitet wurde, müssen eS nicht wenige Handwerker und Ge'chäftSleule schwer büßen, daß sie sich von gewissenlo'en BolkSverfi brern dazu verleiten ließen, die verderbliche Blöde deS Antisemitismus tnitztimajchen. ((Gesitteter als ill Wicu.l AuS ämitemnischeu Blättern erfahren wir, daß am 29. Avril in der Schweselsiadl L a d e z ,eine Antisetnitenvetsaw.nlnng siatlsand, in welcher der Wiener Bemchlmatin seine Künste auf dem Gebiete der Judenbetze vroducirte, aber auch einer abfätigen Kritik ausgesetzl war. Der in der Beriammlung. anwesende Proiesior Dr. Franz Süß war io frei, daS Jongleutstüc lein, welches aus der Balntareform eine Lache deS JudemhumS macht, zu antiiemitstchcn Action überhaupt gebührend zu Badener Antisemiten ein Lompliment machen. *) Meister Bergani war dieser Belehrung des „Deut ichen BolkS bl arte L" prangt vo ...staust nur bei Christen!" die dem erweiterten ziehung von freisinnigen Christen in die Proicri „Kauft nur bei GesinnungSgenosien!" am Badener Realgvmnasium beleuchten und den Werid der taxiren. Wir müssen nun den Sie sind jedenfalls gesitteter zugänglich, und an der Spitze n 2. Mai an stau des Laves: Kampfprogramme, der Einbeibtionslistr, entsprechende Loiung:

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