Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 109 (6.5.1894)
- Date
- 1894-05-06
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. ' $ ttlts Blatt. Nr. 109. edeSmal eint Schändung und Entwürdi >ung gegen die Heiligkeit des EhristenthumS. Am klarsten geht dies hervor beim Vaterunser, daS, abgesehen von der Srylisirung des EinleitungSsatzeS, ein gutes jüdisches liebet ist, d. h. aus Wendungen;usamriengestcllt worden ist, die dem Judenthum geläufig sind. So naheliegend diese Erkenntniß auch ist, gebührt doch Herrn Tr. Kroner daS Verdienst, den genauen Nachweis dafür erbracht zu haben. Es verlohnt s^ch, die Stelle unverkürzt hier abzudruckcn: . Für das Berzeichniß der Monographien zum Berständniß de» Neuen Testainenie» Eap. VIII, K 7, e) sind wir Herr» Professor Strack zu vielem Tank vcrpüicknet. Wa» werde» nur die atrlisemiliichen SLeinchristen dazu sagen, dag eine stanlickie Zahl christlicher Gelehrter zu vollem Berständniß de» „arischen" Neuen Testamente» „semitische" Hebraiea und Thalmiulica zu berücksichtigen für »ötdig erachtet, ja, dag sogar die „teutiche" Sprache dazu nngbrauchi wirk, ..rabbinische Quellen und» Parallelen zu neutestamentlichen Schriiistellen" darzubieten. Tie Welt gehl unter! Auch da» „arische^ Neue Testament ist „verjudei"! Zn wie hohem Grade c» da» ist, möchte ich Unein geiveihien am ..Baleniiiier" zeigen, da» in letzter Zeit io viel besprochen, aber in seinem jüdischen Uripniug so wenig beleuchtet wurde! Nicht nur der Eha- > aller de» „Baterunier" ist jütisch, sagt Gstörcr, der bekanntlich kein Jude war. wildern auch die ei»;el»en Sätze, die an verschiedenen jüdischen Gebeten ivicterkebren. Grwei'en wir unsererseits dific Behauptung Gfiörcr'» durch je eine der zahlreichen entsprechenden Stellen kqs jüdischen Schrisllhunis, wie sie ,!,!» gerade beikoninii: „Unser Baler nn HsiiiNicl" — Atänn .-ehe-l.asebaiiiasiin iS-.;.,!, l.'<:' rergl. in der Eulogie vor Soh'ma: Unser Barer, barmherziger Ba:e. i. ..GeKciligl werde Tein NainG - .lithkad.lasch srli meh ral>ba (im xaddUch Gedeiä „Zu uns komme Tein Noch" Wi-jamln-li iiiak-lmteh (da oder im Munavh Gebet der hohen Feienage: rialleli sich-),! malcliutoolia >..»». „Tein Wille geschehe wie im Himmel,l also auch aus Erden" — laasoll, r. /.-n h.< U.-l-ab '^liali'iu (im Festgebet mN Einigung der Menschheit; vergl Talmud. Traeiat Beracholh 'A«b, wo berichtetwird, dag Rabbi Elicker zu deren rstegte: Tein Wille geschehe im Himmel, und Hcr;tli»frieteii werde denen, die Tich au' Erden ebrsürchien. Bergl, auch Pi. 13-ä, 61. „Unser täglich Brot gib nn» beul" — Jophamessenu bVh»l<..l (im Tischgebete vergl. Ilatrii!<•-hi iu c-lnu'ki. Prov. 30, 6. „Und vergib nii» unstre Schuld, wie wir vergeben uniern Schuldiger»" S’iaorh lanu abin» xp. (im Achtzehn Gebe:: iiiimiilclbar auf dic'e» folgt: Mein Go»,' bewahre meine Zunge vor Bö ein, meine Livpeil vor trügerischen Rcdenz und denen, die mich schmähen. last iiieiiie Seele schweige». Bergt. Beracholl, 17 a». , Und führe un» nicht in Berinchuiig, ionkern erlö'e uv» von dem Uebpl" — IVval t'bb;nn . . . lide vv. .au» dein Morgcngcbet, vergs. Berachoth 601.. beziehung-wci'e 1 vergl. auch Malm lül, 7: „Ter Her» bewahre Tich vor jedem Uebel" ..Te,:» dein ist da» Reich vv " 'Xi Iia-uiallltiik --oliol'.-Ila bi pv. (au» dem tägliche» Schlustgebek Alenu; Nach dem' Zeruialcincr Talmud bildeten de» Schlust aller -Gemiichen Gebe» die Worte: liaruob sob-iu k'l-tnl malehuto ■' i.! Gevrit'en sei der Name der Herrlichkeit seine» Reiche» für und 'ur> — ’ K. olir Astairr Ttlkrrt.s Tie anrisemiriiche Kanzelberediamkeit, welche der Wemliauier Pfarrer T eckc rl in der letzten Zeit entfaltete, hat tiefen Freund de» in Strafhaft befindlichen Paulus Meyer neuerlich i'.r den Vordergrund des öffentlichen Interesses 'gerückt. Wenn auch ei» großer Tbeil der veranlisemitclren Katholiken die sonderbaren Gottesdienste in der Weinbaurcr Volivkirche mik leidenschaftlichem Znllrcife verfolgte und wenn sich .auch die katholischen Kirchenbehördcn u:chr veranlaßt iahen, im 'Namen der von ihnen verlrclenen Confessio» gegen dag würdelose Vorgehen eines ihrer Priester energisch cinzuichreikcn. >'o gibt es doch in Wien »joch genug Katholiken, welche gerade in tiefer Eigenschaft sich anders zu denken erlauben. So stellten mehrere christliche, aber freisinnige Bezirksausschüsse in Währing in der am -7. Avril stattgehablen Sitzung des Bezirksausschusses folgenden Antrag: I r.:.'.h eie .Predigten, welche P'arrer Teckert in der letzten Zeit > ::: der Wemramer B'ar»kirche gehalten bar, ist die römisch - katholische I Berelkernva unstre-: Bezi-.ke». iueboov.dere aber de» BezirkSlbeile» Weinbau» wer--.ich be.::o:i worden. Ticke Predigte« widersprechen dem Hauptl de» E'o.stster.'lmm», der Nächstenliebe: ne wenden sich sowohl gegen die! ^o: eines anderen Bekenntnisse», al» auch gegen alle jene Katholiken, st'.e in Neberetnsttmmnng mir der christlichen Lebte, mir den Postulalen der :a: unt den von unserem Monarchen 'anclionirten SiaaiSgrundgesetzen nn tdrev. :’rat»it:sdKn Mübürgern in Kneten und Eintracht leben und jeden eor.'eistouellen Hader mißbilligen. Pfarrer Teckerr brandmarkt diese Katholiken al» Zudenknechte und 'orderle seine Zuhörer auf, bei denselben nicht» zu kauie» und mit ihnen jeden geschäftlichen Berkehr abzubrechen. Tie Betreffenden 'V:. sich durch wiche Bezeichnungen und Aufforderungen in ihrem Erwerbe, :i \n Brer Es'.stenz ge'ährd«, und dazu gehr ibre Aechrung von einem Manne au«, der al» ihr Seelenhirt berufen wirr, versöhnend, tröstend und aufrichtend zu wirke». Tie im Bezirk»cheile Weinhau» wohnenden Katholiken seien auch dadurch in ihrem Gewiffen da Pfarrer Teckert al» Religionslehrer fürchten müssen,, daß ihre Kinder mit mach! werden, die im Widerspruche steh sittlichen Anschauungen der Eltern Staate», zu dessen tüchtigen Bürger» werden sollten. Au» allen diesen Gründen Antrag: Ter Bezirksausschuß Währinp möge bei de», fürs! erzbischöslichcn Consi storium um die Pfarrer» Teckert einschrcilen. Wie bei der Zusammensetzung des W zu erwarten war, beschloß die antisemitische Majorität, über diese» in hohem Grade beunruhigt, wirke und sie daher be- Grundsätzen bekannt ge n mit den religiöse» und und de» Gesetzen de» die Kinder doch erzogen stellen die Unterzeichneten den irafwcise Bersetzung de» ihringcr Bezirksausschusses che», natürlich nicht ohne '», die mir vom. Wiener Nufe: „Pfui!", „Oho!", Antrag zur Tagesordnung überzuc eine jener turbulenten Sccncn aufzuführ Gcmcindcrathr her nur zu wohl kennen. „Judcnliberale!", „Judenkncchte", und iranisches Gelächter erschollen während und nach der Verlesung des AntiageS. Besonders der Passus desselben, der von der Thätigfeil Tcckcrt's wurde höhnisch belacht und mit lärmenden Zwischenrufen aufgenommen. Auch daS Auditorium blieb nicht müßig l^nd warf wiederholt einig. Kraftworte des antisemitischen Schimpflexivons in die Versautmlung waS' den Vorsitzenden B a u m a » n zu ciiiem allerdings sehr matten Appell vcranlaßte, doch Ruhe zu halten »Ab die Bcrathungcn nicht zu frustrircn. Bezirksausschuß Kerner rief: „Namen verlesen! Wer hat den Antrag unterschrieben? Tie Bcvölkersing soll miste», wer das unterschrieben hat." Tic Verlesung der fünf Unterzeichnete» Namen erfolgte nun, was die Anti-Liberalen vcranlaßte, ironisch zu rufen: „Sehr schön!.DaS ist echt christlich!" Bezirksausschuß Mayer erbat sich hierauf daS Wort zur Begründung sc neS Antrages. 'Seine ersten Worte gleich cntfeffcltcn einen Sturm bei der Majorität, und erst als der Vorsteher Baumann über l!as Eindringen der liberalen Bezirks auSschüste halb widerstrebend Ruhe schaffte konnte sich Bezirksausschuß Mayer einigermaßen Gehör verschaffen, lfr sagte: „Warum wollen Sie uns denn eigentlich unseres .Antrages wegen an den Pranger stellen? Wozu sind wir denn Vertreter dcS Volkes ^Rufe: Ter Juden!>, wenn wir nicht frei unsere Mcinuilg sagen dürften? Es ist lange her, seit wir in die Schule gegangen sindda gab cS noch kein Rcichs-Volksfch ilgesctz. Uns hat man aber imiiicr nur gepredigt: Liebe, Liebe, Liebe! Es ist unsere heiligste Pflicht, nnS zu lieben. Einer den Andern zu unter stützen ohne Unterschied der Rcl gion." (Laute Pfui Rufe der Ankiscuiitcu.) Bezirksausschuß Tr. Vrenn erwiderte, cip guter Hirt liebe seine Heerde, er betreut sie und suche jeden Schade» von derselben fernzuhalten.. Tr. Teckert sei ein solcher Priester, ein auSgezeichneter, wistcnschaftlich gebildeter Mann. „Sie," sagte der Redner, zur Minorität gewendet, „behaupten, das christliche, römisch-katholische Volk wolle ihn entfernen. Ich werde mir näher zu beleuchten erlaube», was für ein Volk daS ist. Tr. Teckert ftat die Wahrheit gesprochen. Wenn er seiner Gemeinde erzählte, wie daS Volk von Fremden de trage» und beraubt werde, hat er die 'Wahrheit gesprochen und nur seine Pflicht erfüllt. Er nannte daS Kind beim Namen, und das hak in der judeuliberalen Eliquc eine solche Wulh «ffzeugt. Ich habe mit Bedauern gehört, daß dieser Antrag von Ehriste» unterschrieben sei. Sie haben abr kein Recht, namens der Ehristen zu sprechen: denn das christliche l'olk steht nicht hinter Ihnen. Ich bin überzeugt, daß neun Zehntel der in W'einhauS lebenden christ lichcn Eltern ihre Kinder jetzt erst recht zum Pfarrer Teckert in die Schule schicken werden: denn er ist ein 4 erkündcr der Wahrheit. Wir können den edlen Priester nicht bester chrl n, als wenn wir über den- Ankrag zur Tagesordnung übergehen." Stürmischer Beifall bei den Antisemiten und im Auditorium begleitete die Ausführungen des anti semitischen Redners, worauf besten Antreg mit allen Stimmen gegen diejenigen der Liberalen angenommen wur>e. — Leider muß sich auch das Parlament mit Pfarrer Teckert weit mehr beschäftigen, als mit der Bedeutung seiner Person nur irgend vie vcrcinbgr ist. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 27 April richtete Ageordnctcr NoSke und Genostcn an den Ministerpräsidenten die folgende Anträge: I» der am lü. April vom Abgeordneten Wrabetz an den Justizministcr gestellten'Anfrage wurde bereits die Aufmerksankeir der Regierung auf die vcrhetzcnde.Thätigkeit eine» karholischen Priester» in Wien, de« Pfarrer» Teckerr in Weinbau», gelenkt. Seither hat den hierr ber werter» in die Leffentlichkeil gelangten Berichten zufolge, deren Richtigkeit d:e Regierung durch ihre Organe zu constatire» in der Lage ist, diese verhetzet de Thätigkeil in mehreren Predigten eine Fortsetzung erfahren, welche, die l Dichtigkeit der die»sälligen Tar