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Freies Blatt · 1894-04-29 · 108 (29.4.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
108 (29.4.1894)
Date
1894-04-29
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 10«. Seite 9. Freies endlich segenbringendeö Ding, Gott zu dienen, iviihrend ihr durch Tciifelsdicnst nncndlich und ewig elend werdet."! Bon dein mütterlichen Methodismus unterscheidet sich die! Heilsarmee wohl hauptsächlich durch die vorwiegend' sociale Leite! und durch die militärische Organisation. Lowie WcSlcy einst keine > neue Lehre der anglikanischen Mutterkirche gegenüberstellcu, sondern! das Polk bloß durch eine neue praktische Methode;»r Heiligung 1 durch fett Glauben und zur Erneuerung im heiligen Geiste hin - führe» wollte, so hat auch Booth mit der Heilsarmee eigentlich : kein neues Glaubens- und Lehreleinent in den Methodismus'hinein - getragen, sondern diesen bloß durch, die militärische Organisation l erneuert, noch besser gesagt, dir vorhatidcne strenge Organisation! der Wesleyaner in militärischem Geiste um- und ansgebildet. Das! war eine nothwendige Folge dcS« Booth'schen Pornehnrens, daS ': Ehristenthunt „aggressiv" zu machen, waS aber nach seiner Meinung nicht durch ein neues Evangelium, sondern durch daS alte reine Evangelium, überhaupt durch nichts Neues, sondern nur mit einem der Lache nngcmesscnett Eifer und der Straft, welche der heilige Geist zu geben vermag, $u geschehen habe. Daß dieser Eiter bis;» dem für solide Eentralcuropäer widerlichsten Reclamwesen geführt hat, ist münniglich bekannt. „Wir glauben," sagt Frau Boolh, „daß alle vernünftigen Maßregeln, alle diejenigen, welche die Menschen in Rücksicht ans die Welt cinschlagc», wenn sie gesetzlich ttnd gut sind, vermöge der Heiligung, die in den Motiven liegt, und der Peränderung, die der Zweck erfordert, auf das Reich Gottes übet tragen werden dürfen; ja, wir sind dazu verpflichtet und haben auch ein Recht dazu, aus Erfolge zu rechnen, und wir sind entschlossen, alle ge setzlichcn Mittel;u ergreifen und alle möglichen Anstrengungen zu machen, um sic;tt sichern. Wenn Proeessionen und Musik das Polk besser;usammeubringcn alS Anderes, um die ie. ohe Botschaft;tt Horen, warum soll man sie nicht anwenden? Wer ist so werth eines Banners als unser König? Wein gehört alle Musik im Himmel und auf Erden, wenn nicht ihm? Fch behaupte, der Teufel .hat kein Recht auch nur aus eine einzige Rote, und wir wollen sie ihm bald alle abgenonimen haben. Die Massen wollen wir erreichen, dem Teufel entreißen und Ehristo gewinnen, dar-,in sind diejenigen Mittel an;uwenden, welche für die Massen am ge | eignelslen sind.- WaS Erfolg hat, das ist angebracht. Das tst das durchschlagendste Princip; wodurch am incistcu erreicht wird, das ist das beite Mittel, gleichviel ob es gegen alle kirchlichen Gewöhn heilen ist oder nicht." Die ^rganisaliou ist, wie erwähnt, gan; die einer Armee. An der Lpitzc steht der General, Booth selbst, mit ttnniifichräiitten Mächlbesugntssen; ihm zur Leite stehl ein Gencralslab, der di. umfassenden Bureaux für die inneren und äußeren Angelegen heiten leitet. Feder Tistriet tsl einem höheren Dssieier unterstellt, dem iin oder mehrere Adjutanten beigegeben sind. Fedes Eorps wird von einem Hauplinann und zwei Lieutenants cominaubirt, außerdem besitzt es noch mehrere Unterofsiciere, Perwaltutigs-und Rctiungscolonnen f. w.. Alles nach dein Porbils einer Truppe, wie denn auch die ganze Terminologie die militärische ist. Daß dic-e Lpielerei viel;u den Erfolgen der Lalntisten - die ja doch übrigens tnetstenS nur vorübergehender. Ratur. sind — beigelragen hat, sieht ebenso außer Zweifel, als daß sie gan; dem a'nftf der Zeit entspringt. Diese nitlilaristtsche Religiosität ist der denkbar stürlsle Ausdruck für den Geist . silbsterwähller Lnbordi Nation, vollständiger Unterdrückung individueller Freiheit und Untctordnuug derselben unter eine höhere Einheit^ wie wir ihn etwa in dem lebhaften Perlangcn »ach Restantirung des Zunftwesens wieder erkennen. Damit sind wir aber auch auf die etninenr sveialisli'che Rich lang der Heilsarmee aufmerksam gemacht. Lchou Wesley's Mcthoöismns betonte unter den Wett,» der Liebe, die er vor allen den Gläubigen empiahl sehr stark, den Besuch der P,rbrecher in de» . Gefängnissen, den Besuch der kränken, um sie aufzurichlcu, und die Predigt des Eoangeliunrd. iür das unwissende Polk.. Diese Leite des Methodismus besou ders ausgebildrr und wohl organisirl;u haben, ist ein unb,streit bares und unvergängliches Perdienst Generals Booth und seiner Armee. Eine der wichtigst n und wohlthätigslen Fnstiiuttonen d r j»lbeu war von allem Anfang au die Bildung ctn,r eigenen Geiängnißthor-Brigade lUii-,c>ir-ti!rl»-litiittriiol, welche in London und änderen großen Liädten, vor Allem aber in den indischen und australi- 'chcn Evlonien, in der Besserung entlasseucn Llräslinge gerade;« sl'sunder gewirkt hat Heilsivldnten stellen sich r.u den G.fängnißthor n auf, ntacheu sich a» die -Ltrüflingc, welche nach Perbüßung d,r N , a t t. Strafe ihr Geiüngniß verlassen halten, und suchen sie mit freundlichcm Zureden, iu ihre Baracken;» stehen und dort in fic dringen, daß. sie ihr bisheriges, vcrbrecheriichcS Leben anfgeben und sich der Armee unschließen. Der Erfolg soll ein gerade;» oerblüsfender sein; wenige Ltun.de» genügen, um die menschlichen Raubthicre gesitsil und mit guten Po.rsätzen im Herzen hinter den. Fahnen der Heilsarmee einherziehen zu machen.. Dbe.rst Barker. der in dieser Hinsicht in.Australien Wunder wirlte, konnte sich rühmen, int Perlause von vier Fahren etwa entlassene Llräflinge errettet und de? menschlichen Gesellschaft wieder als brauchbare Glieder;urückgeg>ben zu hrben. 14 '.*"4 Personen janden durch ihn Dbdach, -l-'u.'» tvurdcn gespeist. Derlei Asylstätten hat die Armeeallerwärls errichtet, sowie a»ch Kleinkinder pflege Brigaden ■’Niii-mtv-Iti iLrit'l,— >, Lanrariter Brigaden und ähnliche Fiistitutionc». Das Ersiannlichste leistet die Heilsarmee aber durch die << i;ttt.-r un i <>»>-,e-t-Ilriunel-- rind durch big -IIan>,-> d. h. durät ÜkeiNingsstä len für gefallene Müdch», pon denen lausende für inini-r ihiein jainni,rvolleit Lebenswandel eultifs n und der menschlich-n Gesellschaft wiedergegebcit wurden. , Frau Boolh unb obenern ähnler Cbaft Barker haben sich auf - diesem >^ebiete besondere Padienstc erworben, und die englische; Regirrnng hat ihrem Wirken die Anerkennung nicht versagt und der Heilsarmee in der Ausübung ihres edlen Porhabcns alle > erdenkliche materielle und moralische Unterstützung gewährt-'). Fn neuester Zeit hat sich nun der „sociale Flügel" der He-ls ' »rntee in demselben Maße verstärkt uitd die Armee sich i» ihren Werken.der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit in demselben Maße;uge»eigl, in welchem sie ihr früheres unwürdiges und, kotybantischee ür.elamewesen autgab. Fit einem vor einigen Fahren-erschienenen i Bucke „ln J>;it k, .^t Kiiirlaml" Fm dunkelsten England) schil- ' d,rte Boolh in, dusteren Farben das Elenh der- „verkvmmencu i Zchnlauicnd", den Fanimer und die Arntulh Londons und sprach! die Zuvetsicht 'ans, mit hnnd>rllauscnd Pfund Llerling dieses. Elend bekämpfrn;u können. Diese Lumme wurde dem i>Kit>ral in der Thal bewilligt, und nun ging Boolh unter der lärmendsten und für ihn 'nicht gerade stets srenndlicheu Parteinahme der Deife/l jichleit daran, seinen Plan ins Werk;>t setzen. Das Mittel, welches der Gencrab in Anwendung bringtbest-hl iii der Errichtung von Zufluchtshalle», welche aut dem Principe der Lclbsterhaltung -beruhen. Allnächtlich entsendet die Armee Patrouillen über ganz London, welche die engsten, finsteöschniutzigsten und verrufenste» Gäßchen ansziisuch.n und dortall die Hilfe bedürstigen. Trunkenen. Obdachlosen, Hungernden autzulesi-n haben, die ihnen folgen wollen. Fn den Rachlgnartiercn wird ihnen Reinigung und Lck> asstätte gewährt, ain anderen Psprgen frei gestellt ob sie in dem „Elevator" idem Ersteher. iö. heißt die Anstalt .-verbleiben oder sich durch entsprechende. Beschäftigung das hier gebolene Brot und Rachlguarlier verdienen wollen.' Die. Atmec behält ihre Schützlinge so lange in dem El-.vaior, a s sie sich dort wohl fühlen': sie arbeiten daselbst, lern,» die Arbeit wieder lieben, gewöhnen sich an Enthaltsamkeit .und gesttuden^so nicht s lt>n an Leib und Leele und erspare» sich sogar iioch nebenbei ntiii-c .Kleinigkeit. Ein .. 1 ,aI.<-i:r-1!ur»-;tu“ ineln den geeiPteten >r-tästen eine passende Unterkunft in irgend eiiiem-Handwerke oder i t>si'jchäfte";u vermitteln,-Andere, die vont-Laude it-mimn »nd sich I in der ^Llädl nickst aceliniatisiren könneu. werden i» die vorn General errichtete landtbirth'chafilrche Eolouj, Hakleigt in Esser geschickt, in weicher mehr als achtstglauieitd Pfund.-investirt siud, wieder andere, welche aas besonderen i>siüi.'dat für England verloren sind, werden vom t^eneral in' >iber>eeiich-- Kolonien oder!;urück in., ihre Heimat gesttuckt u. s. >v Fedenfalls gehl aber! das Lnstemr,. der. Elk.v.71m-S da' hinaus, den auf de.' Llraße aufgeleseneai „viakominenen Zchniausend" .'mehr als eine vorübcri gehende Hilfe-;» biAen, sie .wirklich dauernd dem Leben wieder-- :ugeben ud ihren .Eörper wie ilne Leele;u retten. Die Armee besitzt »I London dermolen bereits zehn solcher «kachtguartiere, welche etwa .">«-«», Personen Untertn-.ift gewähren.' Man hofft, mit der Zeit diese Ziffer»;n verdoppeln. Die Erfolge des „socialen Flügels" sollen äußerst günstige sein, und die ösfenlliche Meinung Englands, welche vor wenigen Fahren noch in dem Unternehmen des Ge nerals eine einlrägliche Lpeeulation mit der Rcligior witterte " Die eninlaiiie-beüiegirruiig allein gewährte der Herisarinee eine iahrliche Lubve'iiiiüu von 'JM.mu i'üuf. '"> Leon .Netliier, ..Wie der «General Booth die Äriiynd befampft". Fenetienon de, „'.•ieiieii Fe eie» Pene" .>ir >0. f.'7 vom De'pieinber und' lO l.'J-) vo»r Lepieinber- IS*'!. ,

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