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Freies Blatt · 1894-04-22 · 107 (22.4.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
107 (22.4.1894)
Date
1894-04-22
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 107. Freies Blatt. Seite 9. Flugschriften eigentlich nur in einem Wirlhshanle bei einem Meeting der Radaubrüder am richtigen Platze gewesen wären. (Eine Preisfrage.) Ter „Deutsche Volks verein" in Wien bat eine» Preis von 40 st. für die Absaffung einer Flugschrift ausgesetzt, welche de» Uuleeichied zwischen „christlich socialem" und „deutsch nationalem" AulisemiliSmuS herausfindet und klailrgt. Schiedsrichter wird Schönerer sein Lb sich doch in Wien ein Gelehrter finden wird, der es auf sich nimmt, den, wie man sieht, über ihre Gesinnung noch recht im Unklaren sich befindliche» Antisemiten zu sagen, wie sie den» eigentlich über die Judensrage denke»? Jedenfalls ist der Betrag von 40 fl. verlockend genug, sich, in derartige schwierige pädagogijche Probleme einzulasie». lEmsige Arbeit.) TaS Wiener Cigaii der antisemitischen Jiiternalioiiale lobt die „emsige Arbeit" der Prager „nationalen" Slndciuenschask, welcher er {Mungrn sei, den Antisemitismus nach 'Budweis zu verichleppen. Als eine verdienstvolle Action derselbe» wird hervorgehobe», daß bei den AuSschusiwahlen, die neulich im Budweiser „Turnverein" slaltfäiiten, zwei Landidaic» jüdischer Abstammung in der Minorität blieben und daß es dabei;». Thätlichk-iien kam. Das der emsigen Studeutcnarbett gezollte Lob enthält das Giständniß, käst auch in Budweis der AniisemiliSmuS von auße» hincingelra.^n wurde, lieber die lknversrorenheit, welche eine Hetze, die zu Thällichkcilen sühn, preiswürdig fiudet/ist weiter kein Wort zu vertiere»; sic ist echt antiscmiliich. Es sei hier nur bemerkt, daß die jugendlichen Agitatoren ans Prag, bewußt oder uubeivnßt, die Zwecke der »atiouale» Widersacher dcS Tkulschthums fördern. Das tschechische BoycottirungSshstei» und die emsige Arbeit der Prager „nationalen" S'.udenlenschasl in Budweis dürste», wenn ihnen nicht bald ein wohlverdiente» Ende bereitet wird, »ul verciulen Ar ästen schließlich solche Gemeinde-, Land tags- und Reichsrathswahle» durchsetzen, daß sie den Ba»al>> und Genossen zrrsage» werden. (Was sich Alles liberal nennt!) I» Schleiß hat der dortige „Reichs verein", dessen Vorsitzender Professor Tr.. Vierte ist. folgende Resotniron ein stimmig angenommen: „Tie heutige-Verrammlung deS Reichsvereines hält den Einfluß deS Judenlhums i» »aiirnaler, moratiicher und socialer Beziehung iür eine (Nrsahr und erachtet es snr die Pflicht eines jede». Teul'chen, dein jüdi rchen Geist entschicdcu enlgegeuziiliklen." Ter Lchlertzer „ReichSverein" nennt sich — »atio»al-„liberal". So »aunle sich auch der sainoie H ah n, jener Radau Antisemit, von dessen Geiellichafi die national liberale'Fraciion de» deul'chen Reichstage« sich drrrch ein ihm ertheilte» lium ulieuuiii befreit hat. tGltie Gllkschnldigltllg.) Ter antisemitische Verein iii'Rüriibcrg^hal eine Elkräiuug erlassen, ivonach er mit dem jetzt dort überhandnehmendcu „Uusrig", Zettel mit der Zuschrift „Aanit nicht bei Zuden" überall anzukleben, nichts zu >hnn hätte; mit solchen ..bübischen Waffen" kämpfe er nicht für Teul''chihu,n und Chrisieilthüm. 'Rach einem viel citirle» sranzösische». Sprichworie ist eine solche Entschuldigung eiircr Selbstanklage gleichznncUen. Tie Aämpser für Teutschihuni und Ehrisleiuhuin autiseiniti'cheu Gepräges sind zum mindesten als inieUcctuclleUrheber derartiger Bubenstreiche anzniebe». - 2lus antisemitischen blättern. ((yin Schlag ins Gesicht > TaS £rgan des Solecer Ptzlblicisten mit der» :veti'chen Raine» wirst dem hochgeachteten deulschbödmischen Großindnsiriclle» nnd l'andtagsabgeordnetcn Alexander Richter vor, er hätte dem Jndcnthum eine liefe Referenz gemacht und dem Teutschihni» ins Gesicht geichlagen Herr Alexander Richter hat nämlich dem Rector der deutschen klnurersiläl >» Prag in Spcircassabuch mit einer Einlage von 1<«l<i fl. für ein Slipendinm mit ,'lgendrm Begleitschreiben übersendet: „Aus Anlast de» Todes meiner lheneren Freundes, un'ereS unveigeßliche» Führer» Tr. Schmcukal, übergebe ich Ihnen anbei ein Sparcasiabuch, lautend auf 1000 Gulden, damit von Beginn des Wintersemesters dieses Jahre» an während der nächste» zehn Jahre ein Hörer :r hiesigen deitticheu Univeisitäi, welcher Facultät immer, mit einer JaKresnl.rslützling von 1Ü0 Gulden belheill werde. Ta» Piotesioreu Evllegium der llnivetsitäl wolle die e Uuiersiützuiig nach cigeuem Ermen,n arineit, fleißigen IniversitätShörer» denlschcr 'Rationalität obne Unterschied der Eonseision zn ende», doch darf der betreff ei bc Student keiner illiberal, n. aniiiemitiichen -iörperschafl oder Verbindnug angehöreu Ich glaube, sonn Sinne des Bei vigten zn handeln." ES ist ei» Schlag ins Gesicht der Wahrheit, wenn de .anptet tvird, daß hier dem Teuischthllin eine Unbill wideriabre, daß ihm „n Interesse dcS Judenlhums Fessel» angelegt werden. Mehr als anderwärts siiid .i Bobine» Teutichlhnm und Freiheit »nzertrennlichc Begriffe. Wer sich von leier lossagt, wird auch bald >enem seindlich gegennberstehen. Ter Sli'tsbries 4 Hdrrn Alexander Richter ist im Geiste Franz Schmehkal's gehalten, der vhl ktkannl hat/ daß die antisemitische Hetze für die lTrganisalion der Teno heil i» Böhmen so schädlich werden könnte, wie e» die Reblaus für die Weinai ten Riederöflerreichs 'ist, und daher sorgfältig bemüht ivar, die seine» Volks- »offen im Lande drohende Gefahr abziiivende». ES kommt in Wie» vor, daß gewisse Aleingeiverbklreibcnde.' die Subventionen aus den Stistmigen jüdi'cher GroßKän'l-r beziehen, antiscmiliiche .Agitatoren sind Ter deutichböhinische christliche Giößinduslfielle verdient aber alle Anerkennung, daß er vorsichtiger zu Werke geht und nicht mit seincin Gelde erbärmliche Handlanger einer Be" wegiing un'crstützeii will, ivelche überhaupt verwerflich ist, iür da» dcnlsche Volk in Böhme» aber die verderblichste» Folgen nach sich ziehen -müßte, wenn man sie gewähren ließe,, geschweige denn förderte. iAutiscnilten-Gratl.) Tie Treifligkeit und Bclichinitziheil unserer Anti seniistliugc schasst »ichlS Reue» mehr zn Tage Reu ist nur inimer wieder die rastlose Schiniivcoiienrrenz, die diese Ausbeuter der TurchschnittSduminheil eines löblichen Püblicums'untereinander betreibe». Fortwährend tanchen neue'av.ti seniistüche ZeitnilgSnuieruchinungen auf, die, ivahtlo« in ihren '.»iiitel», ani. . Abonnenienkapperei ausgeheu. Ein derartiges Unternehme» gibt auch ein etwas ungcwisier Herr .Jo>'es Grall in Wien nnterin Titel „GerechtigkeTl, Zeitung für das arbeitende Voll" heran». 'Wir liegt Rr. 7 vom 11 Avrn d I : vor, die mich nicht etwa durch die 'elende, sprachwidrige Tietion und da« : nichtsnutzige Geschimpfe, sondern bloß durch die auffällige ph a n t a >'i eto >'e j Verlogenheit überraschte/ die sich hier Spalte inr Spalte ariSquelscht. Ta jammert türall au! Seile 3, Spalte über die Armuth der Atöster ui.d' iucht den R,id alis die Jaden abzulenken. Ta heißt es u. A.: „Ter Reitze« von der l Wiener Ttamwau kain in d,n Sechzigeijahre» voir Aoloniea na.ks'Wien, heute hat er über — -00 Millionrn Gulden. Ter Wiener -toblenjnde Tavid .Ritter' v. Gulinann ging ielkterzeil mit ZüirdKölzern iu den Aaneehäuieru hausire», heute zählt er über 100 Millionen sein Eigen." £1, die Herren Reitzes und i T. R. v. Gulinauu wirklich jo viel« besitzen, weiß ich nicht und'ist mir an,l> : gleichgitiig. den» ich habe leinen Anibeil daran, «ur io viel ist mir bekannt, daß j es einfach,n»möglich »st,'als Zündbölzelhausirer ein"Vermögen zg erwerbe». Herr v Gutmann liat übrigen» nie mit Zündhölzern hansirt, und hätte er es i gerha», io läge darin doch nichts Ehrenrühriges Zündhölzchen kaufe» nnd rerlaufe» ist ja »ich: uninoralnch! Giail ivill aber offenbar icinc» Abonnenten | cinredear, daß ihnen von Zünthötzerhausircr». irgend eine fürchterliche Gefahr : dtvhe. Tas Höchste an pathologisch inlerefianier BetleuindnugSsucht. leistet sich : und seinen Freunde» Herr i'Mu mit der Rotiz auf Seile i>. Spalte unter I de> Uebeiichrift' „Ein Beitrag zur Geich,chie de» Anii'einiliSinns an die Adresse des Prcsefjors Tr. Swöps in Salzburg." Aus Anstantsrücksi,tuen ninssel: ivir täraiü verziäuen, das Grilltet O'.all's hier zn wiedetbol'en Es geiiügl der ' Hinweis aus iolwes T reihen. T irv >ü>all''chc „G erechi, gleil" erscheint j nun schon, im drin,n Jalne. .Ich halte von der Existenz dieies Schund! blaiteS bisher leine Aunde, und mnß mich ivundkrn, ivoher es die Mittel! NIININ', »in die Trncktoste» zn bislreilen Iw glaube nicht,'daß Grau au' citicil j anderen als aus eiiieu türrcn Zivcig mit ''einer Speculanon gcrathcii kann Tieser Biedeimann sollte doch lieber mit Zündhölzchen Kausireu gehen, da nach feiner '.nieinnng dieses Geiwäjt den Inhaber zum hunderliawen Millionär macht. - . ' ' . in y t k. iForslct'S Logik nnd Moral.» Ter Abgeordnete von Ahlivardt's Gnaden. Förster, gab anläßlich des .Falles Plack S chwe »n h age n in eincin Berliner Aniisemilenblätlcheit einen'Artikel zun, Besten nnd war! die Frage aus: „Washat die antiiemilifche Beivegnikg mit den, Unrechte Einzelner zu itinn',-die siä, Anliieinile» nennen und es in ihrer Weiie -auch sind?" Uiisere Berl'uer Ab ivehreollegin gibt darauf folgende ausgezeichnete Antwort: T:ese:be z.oe,il lann die Judenichast mit.ungleich niehr Pcrnunsi für nw in A»>'pratl' nidinen. Tie Juden in Angsbiug inawl »ran niwl iinr veranuvortiiw >nr die Uvthaae:: Ein zeluer in Meinet, nein, auch in Surinain oder in.Snda'rila :e Man irber springt mit tie'er BeraUgemeioernng Meere uird '.'ander, ab» anw ganze J rbi laniende. Tenn die Ken'tigen Juderi sollen' anw now veraniw.-ritich 'ein dafür ivaS vor UOtüt Jalne» ihre Ahnen gelhan haben, »sebranwen al'o d:e Anlisemite» die tzogik den Inden gegenüber, die Herr Förster im eigene» Vager verpönt, io bat die>,r aber anäv an »nt iüc siw Unrewi. cte Beranlivorinng abziltebnen. Man darf nie veigeiie», daß die anti'eüiiiiiwe Bewegung gerade dicie» Freii'wärlern Alilipardt. Plack, Swiveinbag,'» :e ihre Hanpleriotge vcr dankt. Tipie >'prechen in Ber ammtiingen mir »nverrvilstliwer Lulnzenkxast nnd regen die Masse mit ihren Verleuindnnge» au». Tie antifeniiliswen AuSwüchie haben erst die Beivegnng in geivissen uriheilsto'en .'Ueiien poplitär gcinacht. Hat die mehrfache Bdrurlheilnng Ahiwavdt s, die Enlhüttnng feines Ebarakleis ihm bei feinen Anbängel» geiwadel^ Im tüegcntheil. Herr Förster 'selber hat siw mil einer Broiänire >'nr Herl» A'hlwartt iuS Zeug .gelegt »izd mit Herrn Schiveinhagen zni'aminen im AgnaiionSverband des ..Rorddeni'wen Anliiemiien I blindes" gesessen. In"' dcnisetben' Artikel wird dargelhan, daß eine „elsren gerichtliche Unlersuchnng" gegen Plack und Schweinbage» früher staitgcsnnden Iwhe. „Tas llrlhefl.jener Untersnchnng an die große Glocke zn ichlagen, lag 'damals bin Grund vor, da die davon Betroffenen freiwillig den Platz räumte»." Tie Antisemiten Werse» ja ftr» te» Inte» vor, daß sie die Unlhaien'Finzetner vceichiveigen Rn» üben die Förster »nd Edn'orte» dieselbe „jüdiiche" Praxis Am Schluß icincS Atlikels gibt Herr Förster eine,» künftigen Giagan, Plack :e den Ralh: „Lver noch küuttig daran denke» sollte — und Heil dem surchilose» Rilker! — al» Volksämvalt vorzugehe», der sei ans seiner Hut . .. Bor Allem sei

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