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Freies Blatt · 1894-04-22 · 107 (22.4.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
107 (22.4.1894)
Date
1894-04-22
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seit* ti Freies Blatt. SlrafgesetzbucheS und Frci'prechung Bauers. — 2er RechlSbeistand Schöpfe,'s, RcchtSamvalt Lchöpp, er, führt des Längeren au«, daß seinem Mandanten der K 193 des Ltrakgesetzbuches zur Leite stehe, er beantrage daher dessen Freisprechung. — Tie Rechtsbeistände des Tr. Wesendonck, die Rechtsanwälte Friedrich und Melos, beantragen in längeren Ausführungen die Derurtbeilung Bauers und die Freisprechung ihres Mandanten. — ES kommt die, aus noch;u längeren Auseinandersetzungen zwilchen Bauer und Dr. Wesendonck. Bauer theilr mit, daß Tr. Wesendonck in Folge eines aus Riga erhaltenen Briefes in Riga gewesen sei, um Material gegen ihn zu sammeln und auch mit einer Jüdin in Berlin, Namens KosinSky, in Berbindung getreten sei. — Tr. We >' endonck erwidert, daß er getäuscht sei, er habe die Bermnlhung, daß Bauer das Lchreiben beider Briefe veranlaßt habe, er sei leider daraus „reingefallen". Er habe erst später gestört, daß die Kosinsky in Berlin» die ihm geschrieben, sie wolle ihm Material zur' Beifügung stellen, eine Züdi„ sei, bei der Bauer mehrfach Wechsel discontirt habe. — Bauer erwidert: Er könne beschwören, daß er den Briefen vollständig fernstehe. — Nach kurzer Beralhuug des Gerichtshofes theilr der Präsident mit, daß der Bertagungsaiurag Weseudonck's abgelehnt sei, und daß das Urcheil am 17. d. M verkündet werden wird. DaS Schöffengericht sprach sämmtliche Angeklagte schuldig und erkannte gegen Dr. Wesen donck auf einen M o n at G e f ä n g n i ß, gegen Bauer auf LOO und gegen Schöpfe! auf 50 Mark Geldst rare fAus Dem Abgcordnclenhaufc. In der Debatte des Abgeordnetenhauses über das Budget des Minisleriuins des Innern am 14. d. M. wies Abgeordneter Dr. Krona wetter darauf hin, daß, wie vor Kurzem Dr. Bnk im Bolenclub dargethan hat, im Justiz- und Fiuanzressorl Juden absolut nicht angestellt werden, und zwar aus keinem anderen (Grunde, als weil, sie der israelitischen Confession angehören. ~ Redner halte gewünscht, daß Dr. Byk diese Anschuldigung nicht im Polenclub allein, sondern auch im offenen Hause vorgebracht halle £r. Bpk gehöre ja einem großen Club an, welcher noch mit zwei anderen Clubs eoalirt sei,, und er habe daher die Möglichkeit, die Kraft der ganzen Coaliljon aus diese Krage zu lenken, lieber dieselbe müßte wenigstens eine Erklärung seitens der Regierung erfolgen. Dr. Kronawetter apostrophirte die Judech für das allgemeine Stimmrecht als Postulat der Gleichberechtigung aller Staatsbürger einzutreten — In der Sitzung des Abgeordnetenhcjuses vom 16. d. M. interpellirte Abgeordneter Wrabetz die Regierung wegen der jüngsten Decken Aüaire, von welcher wir unter dev Rubrik „Aus antisemitischen Vereinen unk Versammlungen" Rotiz niehmen. — In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 16. d. M. provocirle Dr. Lueger einen ungeheueren Scandal. Cr benützte die Debatte über das Gesetz, betreffend die Anmeldepslicht der Landsturmpflichtigen, um seinem Aerger über den glänzenden Verlauf des Erübl-Banketts Luft zu machen. Unter jubelndem Beifall seines Genossen, des Rittmeisters Prinzen L i e d) t e ii ft e i n, unterzog er das Erscheinen des FZM. Freiherr» v. Schönfeld auf dem Bankette einer hämischen Besprechung, ließ das Wort „Rothschild-Militär" fallen und beschimpfte die angesehenen Bürger, welche an der Ovation für Tr. Grübt theilgenommen haben, indem er ihnen sogar unredlichen Erwerb vorwarf. Auf einen Zwischenruf des Dr. Men gerader dem Polkstribun von Margarethen die Belehrung erlheilte, daß derjenige ein seiger Geselle sei, der verdächtige und keine Saiisfaction gebe, enviderte Letzterer, Jeder, der fordere, >'ei ein gemeiner, nichtsnutziger Perbrecher. Wrabetz, Dr. Fux und Dr. Kronawerter straften Herrn Lueger Lügen und wiesen seine Äuwürfe gegen die Theilnehmer am Bankette mit aller Entschiedenheit zurück Abgeordneter Wrabetz brachte dabei die Thatsache in Erinnerung, daß Herr Lueger selbst vor nicht langer Zeit ihn habe fordern lassen. Ein Mann von Grundsäsen, stiesex Lueger! — Ter Mißbrauch der Immunität, welche» er sich wieder jzu Schulden kommen ließ, wurde selbstverständlich auch vom Landesverlheidigungsminister gerügt. Es war freilich eine väterlich milde Rüge. .Unerfreulich.! Man schreibt uns: Der Beschluß des fortschrittlichen Parleiverbandes des Gemeinderathes, den Antisemiten noch eine zweite Stadtrathsnelle zu überlassen, entspricht nicht unserem Geschmack. Wir sind keine Freunde jener Taktik, welche stets nach Oben und Unten allerlei Rücksichten beobachtet. Pricipiis o6sta! Ebenso unerfreulich wie diese getneinheräthliche Opportunitätspolitik ist auch das Auftreten eines zur liberalen Partei zählenden Abgeordneten in einem fortschrittlichen Pereine. Er warnte die Juden davor, sich den Radicalen in die Arme zu werfen, da sie sonst „ernste Gefahr laufen konnten, politische f^Jegncr heraufzubeschwören, die heute weit entfernt sind, Racenhaß oder confessionelle Gegnerschaft zu hegen und politisch zum Ausdrucke zu bringen". Das mag einer Drohung verteufelt ähnlich. Der Mitbürgern ebensowenig wie christlichen Partei sich anschließen, welche ihren Anscha meisten entspricht; am allerwenigsten wird sie nicht pariren, den Antisemitismus glauben, daß weder gemäßigte Liberale Socialisten den Antisemitismus fructificirchi zu erheben, daß jeder Jude ihnen unbedirg eck h < n und S>! Hiv offc i n»ft d e ICt: (Aus dem Gemeiildtrathe.) Am liJ rath die Specialdebatte über den Haup Bon antisemitischer Seite wurde wieder sterilen Discussion über das Putzen dev verschwendet. Auf antisemitische Anwürfe Gemeinderath Frauenberger: Die nur von patentirten Christen befolgt; am letzten Ostersonntag sein Geschäft tagsheiligung? Oder bestehe die Sonntagt h schiedenen Locale hinauszugehen und dort zuziehen, weil man weiß, daß man an So zu Zuhörern haben könne. „Ihr Programsn die Antisemiten gewendet, „ist es. Alles aufzuwühten, den Arbeiter gegen den Bürger :c. Ihr Borgehen zeigt, daß Sie, Aushängeschild gebrauchen." Herr Greg lichen Gemeinderath „Sykophant" geschi! nachher mit dem Geständnisse, daß er erst später erfahren habe. Eine Fortbilt antisemitischen Mandatsträger wäre wirklich (Zur Hebung des Klcingcwerbestai Geselligkeitsverein im X. Bezi dem Porsitze seines Obmannes, Herrn zahlreich besuchte Plenarversammlung ab, Profeffor Dr. Sueß, Neuber, Siegmund, Tr. Kronawetter, Commercialrath Mats hl Bezirksausschüsse beiwohnten. Abgeordnete: Redner ein Bild der gewerblichen Entwickl soliderer Berücksichtigung des Kleingewerbe! Wahrung seiner Existenz sich mit liberal muß und nicht durch Racen- und Clasien Existenz untergraben darf. Der Redner g welcher das österreichische Gewerbeschulwes stützung des Kleingewerbes gegründeten g In anschaulicher Weise schilderte er die -fei Judicatür über die Abgrenzung der einji Drucke des Befähigungsnachweises treibe, des jüngst vom Abgeordnetenhause genehmiz er die Errichtung von Magazinsgenossenscha lll Hierauf ergriff Abgeordneter S i e g m u n d des Kleingewerbebestandeszu besprechen, daß die Hausindustrie und das Kleingewerjb der modernen Technik aneignen. Der eheri zirkes, Commercialrath M a t s ch e k o, con teristisch für die Haltung' der Wiener Kleing kein einziger der in Wien seßhaften Gewer > that der vom Staate errichteten Jnstitutior Technologischen Gewerbe-Museum Gebrauch besonders nach den slavischen Theilen der Motor geliehen wurde. Bei der Zerfahre Verhältnisse müffe Wien im Concurrenzkam städten unterliegen. Nur Einigkeit vermög: geordneter Professor Dr. Sueß kennzeichn, t Gebühren demagogischer „Socialreformer", sammlungen predige man den einzelnen S der erste im Staate, eine Säule und Stss sei es der Bauer, morgen der Arbeiter, ü treibende. Und doch bilden sie nur Alle und nur in Einträchtigkeit können sie den Und wer Gesetze geben will, der hülfe sie und zu Ungunsten des Anderen machen halten, wenn man in keinem Stande, und Bewußtsein des absichtlichen Unrechteaufk» sammlung nahmen erfreulicherweise zahlreich, und eS wäre zu wünschen, daß in dem semitismus arg heimgesuchten Bezirke häll stattfinden. Sie würden eine Sanirungsact o Nr. 107. vohl geüieint sein, sieht aber e Freisinnige wird jüdischen es verübeln, wenn sie jener uungen und Interessen am er ihnen für den Fall, .daß die Wand malen. Wir Demokraten, noch radicale dürfen, um den Anspruch t Gefolgschaft leisten' müsse. ä. ck. d. M. setzte, der Gemeindettoranschlag pro 1894 fort, riet kostbare Zeit mit einer GaSlaternen an Sonntagen entgegnete kurz und bündig nntagsheiligung werde nicht r Gregorig habe übrigens gehalten. Sei das Sönneiligung darin, in die verüber andere Menschen 1oS-. »tagen das größte Publicum sagte der Redner gegen gegeneinander zu Hetzen und Arbeitgeber, Bürger gegen Ihr Christenthum nur als or ig. der einen fortschritthatte, entschuldigte sich Bedeutung dieses Wortes ungsschule für die meisten sehr nothwendig. ßdts.) Der „Politische ke hielt dieser Tage unter Mathias Pabeschitz, eine welcher die Abgeordneten Professor Dr. Marchet und eko und mehrere liberale Neuber gab als erster ung in Oesterreich mit bewelches in Zukunft zur n Grundsätzen befreunden ämpfe die Wurzeln seiner ehachte der hohen Stufe, auf stehe, und des zur Unter-! werblichen CreditinstituteS. fameii Blüthen, welche die jlnen Gewerbe unter dem Rach einer scharfen Kritik ten Ratengesetzes empfahl en, Auctionshallen u. s. w. das Wort, um die Hebung e einzig davon abhänge, « sich die Errungenschaften alige Abgeordnete des Beftjatirte als besonders charlak ewerbelreihenden, daß npch etreibenden von der WohldeS Kleingewerbesaales im gemacht habe, während Provinz bereits gar mancher > heit der derzeitigen Wiener pfe mit den Provinzhauplda noch zu helfen. Abe in treffender Weise das In den zahllosen Verlanden, daß jeder von ihnen tze des Staates sei. Heute rmorgen der Kleingewerbe-' zusammen die Gesellschaft, Staat tragen und stützen, nicht zu Gunsten des Einen Der Friede sei nur zu ersei er noch so niedrig, das mmen läßt. An der Ber Kleingewerbetreibende theil, von der Seuche des Anti fig solche Versammlungen n wesentlich fördern. welche

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