Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 105 (8.4.1894)
- Date
- 1894-04-08
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. herausgegeben werden. In einer der letzten. Freies Blatt. Nr. 105 Nummern des Blattes war die Mitthpilung cntbattcn, der Schächter Hermann Löwy in Chotzcn habe int Anglist vorigen Jahres an einer verborgenen Stelle in der '.'uilubicü-a Crtcs einem gewissen Josef o r fm, einem braven, ‘ arbeitsamen lihrifteit,;u ritnellcn Zwecken Blut abge;apft »nd demselben - N gegeben, damit er sich von dein Blutverluste erhole. Durch die cingeleiteken Erhebungen wurde feftgel letzt, daß Horky ein mit chronischem Alkoholismus behafteter Säufer ist, der an Hallucinationcn leidet. Bei seiner Einvernahme. bei dem! Bezirksgerichte Hohenmauth wiederholte er zwar zuerü die oben uiitgel geilten Angaben, als aber die ihn.untersuchenden Aerzte an seinem Nirpcr keine Spur eines zur .Blntabzapfnng dienliche» Eiugrisies aufzusiv >rn vermochten, gestand er,' die ganze beschichte erfunden zu haben. T naushin wurde Hork» von dem Hobenmaulher (Berichte wegen der Verbreitung. falscher, be- - "niubigenter Nachrichten vcrurthcilt. Hn^ck, der schon Prag verlassen l'.it. war zur Verhandlung nicht erschienen: er wurde m contumaciam ,.t vicrzeh n Tageu Reiters, vcrslhärft mit zwei Fasta g e u,-verurllieilk. Straftencrccifc in >irakau. Meiste: Bergani jubelt und thut :.:nd und;n ivlisen, seine Landsleute in Riakau hüllen einen „Judcn- .:u:mrl" veranstaltet Thaisächlich bat der .Krakauer Pöbel anläßlich . . .r Rc>eins;ko Feier namentlich in den Abc idslundcn die Straßen der S:e:: Rövigsstadt an der Weichsel unsicher genmchl und gröbliche Ans .li'.eiUingen rerlil't, indem er unter wüsten <^'ejoh!e Passanten miß ankeue. lenste: eiuschlug :e. Einen aasichlicßlich antisemitischen d. ara'ler batten jedoch diese Siraßeiicreesie nicht Es wurden nicht .er senden, 'endern auch vielen Eliriste»,. karnnicr niedreren l^eisle. d.n und einer Anzahl christlich soeialcr E waliere, die Feirster ein diele Ausschreitungen we 'l.'tire angeaeben. karnnier die Perweigerun,. der polizeilichen Erlaubniß :r Abbaltttttg einer Arbeiterverlammlung und llinrricl'c - rusv'cher Sr tone, '.'lach ctuer von JuLenfeilidcn colporlirtc» Version hätten Juden "seligiensüöriingen verübt und dadurch die Ereeise dervorgerufen. Ein : bizednjäbriger jüdischer Handiverksburlche > .'ckuildigt. eine Woche vorder am „Purim" ' als P!::Ü:iLkT verklcideü und auf eine .;:.t ls'iecke zum l^andiuni indischer lind P'.'chane: allerlei 11 If gelrieben;n haben, A Ur'iiv der Ruhestörungen gewesen, dann Kälten die in ihren rcli r.e'eil len Perletzten, als lie der t^'la er Innnng Erwerbsgncllen den die verschiedenartigsten nid in polnischen BläUern ein Earucval der Inden, össentlichcn Platze mit zniil Acrgerniß christlicher are ein. solcher Bnbcnsircich sicherlich die Paläste kirchlicher E - .'l.!':i t'.aiei: ge'chenk. '.'lach einem uns vorli d reedenten aräßtentbeüs ber^ischt, und ne nr znälich de» Han'er, ge^en welche >'ie ihre ' :e:> 't.lnarnirt ivaren oder nicht, gleich ,.al des Eov! : s zur Beranskaliung der 'inert ri die in den Wobnun; eu einzelner L meiere, a. er Mob. .:;:>:t -ürdenträger und frommer gcnden Berichte waren die chien gar keinen Unterschied Angrjs'e lichteten: ob dieiel, die Fensterscheiben im st.-einszko freier wurden ge» aitgesliflct, machte sich Berliner!Radau Aiitiscnül Bodeck mit Eariealuren z»'' Stacken oder von Bösivil! . n Tag": eine bestimmie üiichinu i ließen die Ausschreitungen t.t und von einem Indem umifiel" kann nur Einer reden, Pe::: 'ü>,a >:a lpichcr entsprochen batst Bvoclt's tTaricanircii. Ter te das Anslagt'eiister 'eines Schautlocalles rt ebnitng de: Inden geschmückt. Porige .Woche beschäftigte sich das re: er Schösfeitgerichk mit die'cr Angelegeiilicit' Tie Aflwallichafl eet'. d:e«er Ansüelliing eine Ueberlreiung der Besliinmung, nach das e-ientliche Äusstellen von Plaeo :u gewerblichen Inhalt haben. H a'' e lob hervor, daß es ,l ' Rechtsfrage ankommc, '.aen Er bejahte ..ich:. en, die' einen anderen als : mit Strafe bedroht ist Anus- : ihm nur auf den Auskrag der l ob die incriminirlen Bilder als j die>'e Frage, ebenso die weitere, e .r'lnsncllung vorliege, denn die Bilder seien inncrd.s'.»en'ters nach der öffentlichen Straße -,n für Jedermann in VI.•'allend angebracht. Einen gewerbtichon Inhalt haben diese i.a:. inchk. >eien vielmehr dazu benimmt, dem <s'eichäflSanti- ::: -inns zu tien-.n Er beantrage Mark, oder einen Tag Haft. . Ana.klagte dagegen, daß er mit den Bildern nur be- .!e. d.n Elaralt-r feines z'ocals zu kennzeichnen. Ein Angriff auf b-nden Peisonen sei ihm fern gelegen. Im Uebrigen bemerke a 'ch als .sinnftverleger und Schriftenhändlcr (üewerbeslcncr :.b. i : d:e Aussiellnng der Bilder mit zu seinem Gcwerbcl.ant. ige ''eine ,Freisprechung. 'Aach längerer Berathung c»°et:ch:cr.t>f die'em Antrag: entsprechend, da mit der Ausdie als Anschläge anzuseden s-'ien, nur bezweckt sei, des Angeklagten zu fördern. II x llittfliofitc PIilkuilg.' Lre bekannt, ist ü I .list ea-.ch eine PolkSabstimmung den Inden das Schächten ihrer Schlachtthiere untersagt worden. Das betreffende Verbot ist nun von ganz unerwarteten und für so manchen christlichen Äeschäftsmann recht unangenehmen Aolgen begleitet. Nachdem eS den Juden unmöglich gemacht worden war, den rituellen Borschriften ihres Bekenntnisses ohne Umgehung der Staatsgesetzc zu entsprechen, entschlossen sie sich, ihren Bedarf an Fleisch auS den Nachbarländern zu beziehen — zum Schaden des ärmeren Thciles der Bevölkerung und des schweizerischen Marktes — und zwar für die Ortschaften bis und mit Winterthur von Höchst, für Zürich und die M'ittelschwei; mit dem Nachtzuge aus Eomo, für Basel und den übrigen sliordwesten von St. Ludwig und für die französische Schwei; auS Frankreich. Selbstverständlich bc schäftigt sich die Presse mit dieser, den strenggläubigen Juden gcradeu, aufgezwungene» Einrichtung auf ihre Weise, indem sic allerlei Be mcrkungen. über die Einfuhr „koscheren" Fleisches „trotz des Per botes" macht, als ob cs den Juden verboten werden könnte, für ihre Ucberzcugung Spfer bringen zu . dürfen. „Wie sic sich zu helfen i wissen!" ruft der „Schweizerische HandelScouricr", das Srgan der demokratisch-freisinnigen (?) Partei des Eantons Bern, ans, und das ' ebenfalls freisinnige (?) „Sbcrländischc Bolksblatt" winkt der Sani ' lätSbehörde zu, sic möge sich doch das Ding, d. h. die von der znricherischcn jüdische» Elcmeinde in Eomo errichtete Schüchtcrci, auch anschen: „denn — wir haben die Inden allzu gern — zur Sommers; zeit und bei Seuchen liegt die (Gefahr voii Einschleppung kranket Mikroben nahe." Wie mau also früher unter dem Scheine der Huma nität die Inden chicanirte, sucht man jetzt nach sanitären Gründen, um die aus der Judcnhctzc für die „heimische Bevölkerung" cntsprin : gcnden Nachthcile zu beseitigen und die Antiscmiterei unter freisinnigem . Tcckmanicl fortsctzen zu können. Ter Fall kann aber auch jene» ' Landern, welche cs der Schweiz nachzuthnn bereit sind, als heilsame Warnung dienen: die Juden schlägt man und den heimischem.Erwerb trifft man. ((silllko s SktUvtrkrctkt.) Ans Warschau schreibt man uns - vom 3. April: Gcncralgonverncur ('Wtrfo ist bekanntlich zur Her- . stellung seiner <s'esundhcit nach Frankreich gegangen: zu scinenl Stell Vertreter ist Baron M e d c m, der bisherige Gehilfe Gurko's in der Eivilvcrwaltnng des lssebictcS, ernannt-.worden. Tiefer temporäre! Personenwechsel har sich für die Inden im Weichselgcbietc iusofcrne als ' günstig erwiesen, alö Baron Mcdcm schon jetzt mehrere Befehle dcö ab wesenden Gurko, welche zur Ausweisung von Juden auS vielen Dörfern : des GouverncinentS Siedler und Loinza führen sollten, rückgängig gemacht hat. llm jedoch dies deutlich z» erklären, sei hier bemerkt: Tic Berordnnng der Negierung, wonach den Juden untersogt wurde, j sich in Törfcr» und Marktflecken ansicdcln zu dürfen, hatte bloß den i Zweck, den Zufluß von Inden nach den bäuerlichen Wohnorten zu verhindern. Tagcgen wurden die Juden, welche sich in Dörfern und Marktflecken seit ongcsicdclt halten, in ihven Wohnorten belassen.. Nun handelte cs sich nur. darum, iiachzuwciscu, daß die betreffenden Juden seit ld--Läk wirklich in den Törfern angesiedelb sind. Die jüdischen Dorfbewohner der (ssouverncnisntS Siedler und Loniza halten die »ölhigen Docnmente General Gurko unterbreitet und waren daher über ihr Schicksal ganz ruhig. Da wurden plötzlich die Lc'achwcis arrrnstücke von Gurko als ungiltig erklärt und die Answeisnng der betreffenden Juden angcordnct. Inzwischen trat Baron Äicdcm das Amt. Gurko's an und zog, da er di^ 'Nachweispapicre der Inden in der Drdnung fand, die Auswcisnngsordre zurück. Baron Medcm hat dadurch bewiesen, daß er der (sscrechligkeit zugänglich sei, aber gleichzeitig auch -cinonstrirt, daß General Gurko in seinen Beschlüssen den Juden gegenüber nur von blindem Jndcnhasse sich leiten ließ. Ignotas. .r. daü T t i eti icv' E ilaiint d: f.: das ('v»'.. •i».;i 'les jngi-s n Il'-rlin. in der Schweiz vor 21us antisemitischen Vereinen und Versammlungen. lTcr Iilscetenmalin.i Tein hochwürdigeu Aoicr Matthäus Bauchinger iäieincn Läufe und Wanzen sehr mundgerecht zu sei»; alle seine rhetorischen Ergü'ie sind äiiseclenreich. Auch bei der jüngsten Pcrsaiiimlung de-Z „.katholischen Schuivereines", welche am 1. April hier stattfand, producirte er sich als Iii'ccienmaun. Er anii'eniitelie weit mehr als seine Vorredner Caspar Schwarz und Prinz Alois Liechtenstein: »ach dem Blättchen Paulus Meyer's II. verglich er da« „Eindringen der Juden in alle .itreise der Bevölkerung" mit dem „Einnisten der Wanzen in ein alte« Haus" und sagte, „daß das alle Haus der Habsburger, unser schöne« Sesterreich, erst daun wieder von dieser Jnsecienplage befreit werden könne, wen» da« Erdgeschoß dieses Hauses, die Volksschule, einer gründlichen Reinigung unterzogen worden sei". Paulus Meyer II. mag sich über den Vergleich mit Wanzen und deren Einnisten innerlich nicht wenig ärgern, aber nach außen hi» geberdet er sich so, alS ob ihn das nichiS anginge und er über den Jnsectcninann entzückt wäre.