Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 104 (1.4.1894)
- Date
- 1894-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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r Seit« 10. wahren Manien verbirgt. Man ist wie ein P otentat, der incognito reist Las Frühitückgeschirr war abgewaschen nid im Schranke bewahrt — „Was werden Sie nun lhun?" fragte Franziska. . „Wenn Sie heute etwas;u Mittag effen hole», und dann muß ich gehen und es zubereifen.' Tie frühere Bewohnerin der feinsten Hot, is war starr, machen — Sie machen wirklich — Sie selbst -- das, was Sie essen? ausvollen, so muß ich eS '.'feilt), ich habe noch nie in meinem Leben etwas ich Ihnen zusehcn?" '„Sie haben nie etwas zubereit^n sehen? " ' daß Puddings und Pasteten ( I Sie sehen, Nell», ich >t man gewiß niemals lachte lustig wie das Obst? ' „Ich habe noch nie darüber nachgedacht lebte siebzehn Jahre in Hotels, und dort fra nach, wie die Tinge gemacht werden. Tann bez>gen wir unser eigenes Haus, wo nun eine Haushälterin ÄlleS für" uns besorgt. Es ist auch eine Art Hotel, nur daß alle Zimmer Privat simmer sind, die Leute;u unseren tadle d'höte um acht Uhr ist natürlich auch der magische Knopf an." „Was ist das, ein magischer Knopf? einem magischen Knopfe gehört.". „Er ist daS Geschenk eines Heinzelmänncheifs, erklärte Franziska ernst. „Er gab ihn niir, als ich noch ein Brby war. Man sagte mir, er fei ein sehr wohlwollender Geist gewesen Freie» Blatt. Nr. 104. achten Sie" — Nell» aus Bäumen wachsen einladen. und wir Und dann ch habe noch nie von weil er mir eine solche »e Wiege. .Setzt diesen ädchen aus den Knopf Begehren aussprechen. zu benützen, welche so mit meinem Tanmen, Auszug heraus." reich, daß Sie nur zu Gabe biachle, aber ich fange jetzt an, an seiner Güte zu zweifeln. Tenn ich glaube, er wollte damit Unheil stiften. Er brachte mir einen magischen Knopf zum Geschenke, einen gaii', gewöhnlichen weißen Knöps au und für sich — und legte ihn aus m> Knopf,' sagte er, .an die Wand. Lehret das B drücken,, wenn sie etwas wünicht, und ihr Sie mag was immer wünschen — Häuser, Wagen, Speisen, Unterhaltungen, Freunde, Alles, sie hat nichts zu th in, als aus den Knopf zu . drücken.' Nun, Sie können versichert sein, daß man sich beeilte, mir die Eigenschaften des magischen Knopfes ztz lehren, und natürlich habe ich auch sehr rasch gelernt eine Gabe wunderbare Sachen besorgte. Ich drücke ihn und eaeo! was immer ich brauche, kommt am „Ich verstehe," sagte Nelln, „Sie sind so läuten brauchen." „Tas ist der Sinn meines kleinen Gleichnisse l. Hier ist kein magischer Knopf, ich habe ihn vorsätzlich zu Hause gelaff, n." „Hier," sagte Nelly, „müffen wir, wenn lsir etwas brauchen, es selber besorgen. So werde ich nun auch die Pastete machen, welche Sie heute Mittags effen wollen. Wenn'S Ihnen bcl ebt, wollen wir in die Küche hinabgehen." ' Sie. führte Franziska die enge Stiege hinal. Diese erwartete, ein düsteres Gewölbe zu sehen; aber sie fand sich bald in einem kleinen, gut belichteten Souterrainzimmer. Ta waren s ächer mit Tellern und ^Schüsseln besetzt, glänzende Schüffeldeckel hingen an der Mauer. Ter Ort war merkwürdig rein und hell. In der j!üche war ein vielleicht fünfzehnjähriges Mädchen, welche augenscheinl ch das Dienstpersonal darstellte. Sie hieß Alm^ trug eine weiße Sckürze, wie eine Kinderwärkerin, und hatte groge Augen. Sie starrie die junge Dame an, welche naiv bekannte, daß sie noch nie eine Küche gesehen habe. Als sie die Sonderbarkeit dieser Mittheilung voll begriff, brach sie in ein Lachen und Kichern aus, das kein Ende nehmen wollte. DaS rerlnnderte sie jedoch nicht, hurtig hinter der Ai beit zu sein. Sie setzte aus den Tisch eine Mulde mit Mehl, einen Tiller mir Butter, einen ankeren Teller mit einem Fleischschnitte darai s, ein Nudelbrett und ein Nollholz, Salz, Pfeffer und anderes Zube>ör. Nelly wusch sich ihre Hände, bog die Aermel hinaus und begann, w ihrend Franziska zusah. . „C!" riet sie. „Es ist wirklich interessant. So sieht die Pastetenkruste vor dem Backen aus, und dies ist das Fleisch. Nelly, glauben Sie nickt, daß wir uns erinnern werden, wi schrecklich es vor dem Backen ausiah? Werden wir davon effen können?' „Es - sicht nicht, halb so schrecklich aus a andere Leute effen. Sie werden eS gar nicht die Pallete hinauskommt. 'Nun, Alma, den Pseser." „Wenn ich denke," tagte Franziska, „dieser Ich habe nuch nie früher in meinem ganzen Tinge gemacht werden. Wenn ich eine Pastete den magischen Knopf, und die Pastete kam Sachen so real — io real" — ihre Stimme versagte — „zu wiffen, daß sie gemacht werden müffen mit den Hündin. Ick vermuthe jetzt, die Schuhe müffen geputzt werden, und geröstite Brotschnitten müffen gebacken, und Belten müffen gemacht werden." s das Fleisch, welches chrecklich finden, wenn Mangel an 'Neugierde! Leben gefragt, wie die wollte, drückte ich aus heraus. Es macht die zubereiten sehen. Darf „Alles niuß gemacht werden," sagte Nelly, „und wenn, mir nicht Alma Hilst, muß ich Alles mit meinen Händen machen." „Nelly, wollen Sie, so lange ich hier bin, mich all daS machen laffen, was Sie 'im Hause zu besorgen haben. Darf ich Antheil daran nehmen?" 'Nelly brach in lautes Lachen aus. „O!" ries sie, „Sie könnten nicht, Franziska. Bor Allem sind dabei Ihre Hände zu berücksichtigen. Sie haben die zierlichsten, weißesten Hände in der Welt." ' „Was liegt an meinen Händen. Sagen Sie mir, was ich thu» kau», was Sie thun." Nelly setzte sich. „'Nun gut. Laffen Sie uns besprechen. Alma besorgt das Scheuern; sie reinigt die Fenster und die Thllrstuse», wäscht die Stiegen, scheuert den Kücheuboden und kehrt den Gang aus. Alma bringt Wasser in die Zimmer, sie reibt Töpfe und Pfannen aus, putzt die Messer und die Stieseln. Alma wäscht die Gemüse 7 und schält die Kartoffeln. Alma kocht den Kessel, wenn oben kein Feuer ist. Sie haben keine Idee, was Alles zu thun ist, selbst in einem so kleinen Hause, wie dem unserigen. Alma ist ein gutes, tleines Mädchen," fügte Nelly mit Ernst hinzu, „obwohl sie die Unart hat, vor Fremden immer z» ilachen." Ta begann Alma, die vor dem Gaste gekichert hatte, zu weinen und den Kops hängen zu lassen. „Ich mache so ziemlich alles Andere. 'Ich mache die Betten, ich staube das Wohnzimmer ab. Ost heize ich überall ein und sehe nach den Borhäugen und Anderem. Ich nähe die Leinenwäsche und bessere sie aus,- ich kaufe für das Mittagessen ein und mache die Puddings: ich decke den Tisch, mährend Alma die Speisen herausbvingt; ich wasche das' Theegeschirr ab, und ich unterrichte meins Schüler und mache meine Kleider. Was wollten Sie von alledem machen, Franziska? Was könnte» Sie machen?" „Ich glaube, wenn Sie mir'S zeigen, könnte ich mir mein Bett machen. Alles, was man sich selbst macht, muß einem sicherlich sehr real Vorkommen." „Gut, Sie sollen Ihren Willen haben," sagte Nelly, „und nun überlassen wir Alma die Pastete — kein zu starkes Feuer, Kind! — und wir gehen wieder hinauf." *r■'— „Welches Stück Leben wollen wir heute besichtigen?" fragte Franziska oben angekmnme». Sagen Sie mir doch, wozu kann eS Ihnen gut fein, armes, elendes Bolk zu sehen?" „Wie, wenn ich so hartherzig wäre, nicht das geringste Mitleid für dieses elende Volk zu empfinden." „Warum sollten Sie auch Mitleid empfinden für dasselbe? Sie haben /ich selbst soweit gebracht. Wenn sie arbeiten würden und nicht trinken, so wären sie vermuthlich nicht soweit gekommen." „Aber für die Frauen wenigstens?" sagte Mme. Elveda's Tochter. „Tie Frauen sind schlechter als die Männer. Sprechen Sie mir nicht über die Frauen. Sie sind schrecklich anzusehen. Und ihre Sprache genügt, um Sie krank zu machen." „Also für die Kinder?" „Nun — vielleicht — da will ich nichts sagen. Sie mögen die Kinder bedauern, soviel Sie wolle». Es wäre das Beste, die Kinder von den Eltern wegzunehmen, sobald sie auf die Welt kommen. Nehmen Sie also die Kinder und lehren Sie selbe arbeiten. Aber die Damen, welche da herumstöbern, beabsichtigen nicht, ^diL Kinder mitzunehmen oder etwas Anderes zu thun. Sie lieben eben nur, im Schmutze zu wühlen." „Laffen Sie uns nicht im Schmutze wühlen. Laffen Sie uns das Turchschnittsleben sehen, das gewöhnliche Leben. Es ist mir fern gewesen mein Leben lang." „Wenn ich Sie wäre, würde ich es mir stets'ferne halten," erwiderte Nelly, „das niedere Volk, ich möchte nie» mit ihm anfangen, weil es immer Sachen bedarf, welche eS nicht erlangen können." „Nun aber, Nelly, Sie, die Sie Arbeiterinnen kennen, Sie, die von arbeitenden Mädchen umgeben sind. Sie müffen doch sicherlich Mitleid für dieselben haben?" „Nicht ein Bischen," sagte Nelly hart; wir müssen alle arbeiten, außer wir habin Geld. Das wäre eine schöne Geschichte, wenn diese Mädchen den ganzen langen Tag die Straße auf und ab schlendern mit ihren Ulsters und ihren gelben Federn." „Gut, aber ihre lange Arbeitszeit und ihre schreckliche Bezahlung?" „Wie wollen Sie langes Tagewerk und schlechte Bezahlung verhüte»? Es muß lange gearbeitet und schlecht gezahlt werden, außer Sie setzen einen Preis für Alles fest. Was man nicht ändern kann, soll man lieber stehen laffen. Tie Besten unter ihnen werden schon aus irgend eine Weise aus der Tiefe empor kommen." „L!" Franziska niurde schwach. „Tie Frauen werden so sehr Unterdrückt."