Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 103 (25.3.1894)
- Date
- 1894-03-25
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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i II r. 103. Freier Blatt. Seite 7. - ' ' - - Y und Wünsche -darzustcllen. Eine Predigt ist nicht imstande, so schwierige und so verwickelte Fragen zu erschöpfen, sie muß Pich darauf beschränken, sic nur oberflächlich darzustellcn und zurückzuwciscn, daraus kann sich sehr leicht ein gefährlicher Zweifel und eine gefährliche Neugierde ent wickeln." Was thäten unsere Schnabl und Abel, wenn ihnen eine solche Mahnung ihrer kirchlichen Borgesetzten znküme'? 2tc mnßieü am Ende das Predigen ganz anfgcben. (Ein Prediger als Mörder.) Ter Prediger der rcformirtcn Ge uieinde in Harlingen (FricSland), Barge, hat, wie reichsdeutschc Blätter berichte», ein junges Mädchen, das in feinem Hause häufig als "Näherin beschäftigt war, erschossen. TaS Mädchen begleitete die Frau des Predigers nach Hanse; kaum waren Beide daselbst angekommen, alö Barge seine Frau in ein Zimmer cinschloß und dann daS junge Mädchen, in welches er verliebt war, mit einem Schuß durch den -ltopf »iedersirecktc, so daß der Tod augenblicklich erfolgte. Frau Barge stürzte sich, als sie den Schuß hörte, durch das Fenster, wobei sie sich, schwer verletzte. Ter Mörder stellte sich der. Polizei. Hätte einen solchen.! Mord ein Rabbiner mit einem Messer verübt, so würden Wiener Anti scmitenblättcr sicherlich nicht ermangeln, von demselben nntcr der lieber schritt „Ein Ritualmord"Notiz zu nchmen, wie sie dies jetzt thu», wenn sic nur von Irgend einem noch nicht anfgctlärten Richcnflzndc in Ungarn Kenntniß erhalten. «Professor Strack über de» Talmud.' Ter bekannte christliche Theologie-Professor Tr. Hermann R S krack hat eben seine vortrcnlichc „Einleitung in den Talmud" in zweiter Auflage erscheinen lassen. In dem Borworte zu dieser Renanslage betont Professor Strack, es sei eine wirkliche Anfklärung über das Wesen des Talmnhs eine Rothwcndigkcit nicht nur für Theologen und Orientalisten, sondern auch für Juristen und Staatsmänner, ja für Jeden, der eine gründliche allgemeine Bildung zu besitzen beansprucht. Ter rühmlichst bekannte Talmudlcnncr fährt dann fort: ' „"Nicht wenige Agitatoren halten cs für nützlich, dem christlichen deutschen Bolle vorzurede», daß das Judenlhum ,dc» Talmud ängstlich mit allen nur erdenkbaren Mittel» geheim halte", das Bckanntwcrdrn seines Inhalts fürchte, ja dessen Bckannlmachcn seitens eines Juden für ein todeswürdigcs Bcrbrcchcn erkläre. Roch am II. April 1802 hat ein Paul Förster anö Friedenau bei Berlin in seinem Bortrag .Talmud und Schulchan- Arnch" (Breslau 1802) seine Zuhörer. glauben zu machen versucht, die Juden Hütten den Tr. Pinner, welcher den Talmud zu übersetzen begann, vergiftet, nachdem er mit dem ersten Traetatc fertig war! Und doch hat E. M. Pinner das Erscheinen seines Buches (1842) mehr als ein Tritteljahrhundcrt völlig unangcscindct in Berlin überlebt! Und ebenso unangcscindct sind die anderen jüdischen Uebcrsetzcr von Talmudtractaten geblieben: I. Sammter, I. I. M Rabbinowiez, M. Rawicz, T. £-. Straschun, M. Schwab. Allerdings ist gegen wäriig wohl kein Schriftwerk so viel genannt, so wenig wirklich gekannt wie der Talmud: di/'Schuld liegt aber nicht am Talmud, sondern an denen, die nichts gelernt haben, sondern, ohne prüfe» zu tönnen, thcilwcise auch ol)ne prüfen zu wollen, lediglich die schon um ihrer Einseitigkeit willen unwahren Aussage» des Prager EanonienS August Rohling und seines früheren HclferS Aaron Brimann wiederholen. Zu diese» Ruten gehört auch erwähnter Paul Förster, welcher in seinem Bortragc wenigstens dreimal (S. 14, 15, 45) von den - . vierzehn Folianten des Talmuds spricht, obgleich keine einzige Ausgabe, sei cS des babylonischen, sei es des palästinensischen Talmuds auS vier zehn Bänden besteht. Wer ernsthaft wünscht,, über den Talmud oder irgend einen Thcil seines Inhalts Aufschluß zu erhalten, kann, wie die S. 10«,—130 von mir verzeichncte Rkcralur beweist, auch ohne jtcnntniß der Sprache des GrundterlcS, jetzt eine im Allgemeinen ausreichende Belehrung sich.verschaffen. Und gleichsam um den Thalbeweis zu liefern, daß auch für ein wisicnschastlichcS Urthcil der Christi nicht mehr von dem abhängig ist, waS Juden ihm über den Talmud initzuthcilcn für gut halten, .habe ich die erste Auflage dieses Buches geschrieben, ohne auch nur cincS Fadens oder SchuhricmcnS Werth an Mittheilungcn von Jude»-' und Judenchristeil erbeten oder angenommen zu haben. Ter Talmud enthält schlechterdings keine "Nachricht oder Aeußerung, welche der sachkundige christliche Gelehrte nicht finden könnte. (Was specicll die Censnrlücken betrifft, so wcHcii in Teuischland schwerlich zehn Rabbiner zn finden sein, welche alle vier S. 75 genannten, in meiner Bibliothek befindlichen Schriften besitzen./ , .... Und nun, gehe hin, mein Buch, und trage in deiner neuen (Gestalt »och mehr als in der alten dazu bei, Erkenntniß der Wahrheit zu fördern und dadurch auch Gerechtigkeit im Urtheilcn!" ^Petition an die Gouvcrncurc von Astrachan nnd Ssaratow.) . In Bestätigung der Mittheilungen unseres Petersburger Eorrcfpondcnten berichtet der „Lt. Petersburger Herold" in einer seiner jüngsten "Nummern: Am 5. und 8. Tecembcr v- I. würden dem Astrachancr Börsencomit-'- zwei Eingabe» gemacht: von den .Nanslmte»'des Skadi Astrachan und von der Stadl Zariznn, in denen daraus hingewiescn wurde, daß die Juden als Vermittler im örtliche» Handel und dcr Jndustrie nicht nur mit den entfernte» Gouvernements und (Gebieten des ürciches, sondern auch mit dem Auslände wie mir Rnmänien, Bulgarien nnd Tentschland derart durch ihre t^e'chäsie mit der ört lichcn Bevölkerung verbunden seien, daß »ach deren Enlsernnng In dnstrie und Handel unfehlbar znrückgehcn müßten nnd große Bcrlnste entständen. Anö diesen Beweggründen ivird das Bvrieneomil-'- erüichl, bei den «Gouverneure» von Astrachan und S'araiow nur Belastung der Juden in den beiden genannten Städten bis 'ans Weiteres zu pcliiioniren. TaS Börsenconmnahm diese Gcfsickie smnvatbisch an> nnd faßte Beschlüsse, welche denselben cntsprecheti. 2lus antisemitischen Vereinen und I?er sannnlunaen. ' i iCIltOlliirtlC >iIlisfigkeit.' Xie t. t. Bolizeidiiediton »I l'.'u'ii hat zahl, reiche» denisä^iiational-amiieniiiiicheii Bereute», welche stch a» de» zn crlire» SchönererS am -’o. Xceember v I. veranstalteten politische» Tenionstraiionen lirilieiligic», eine schriftliche Berirarming eribent »»d earan die Bemerlnng e,e knilpst, käst die belrenende» Bereine bei der geringsten abermalige» lieber, schreilnng ibreS staintenmäßigen WirknngSkreises die bebördliche An'Iöinng zn gewärtigen hatten. Bete vielleicht noch erriirneriich. erkolgie »iinuilelbar »ach dem LO. Teeember. ieilensder Polizeibehörde eine Borladung der Tbinannelder bciremilde» Bereiiie, »,id ei» deutsch nationale-; Blatt gab den iSesnuiunge genosse» damals den gnicn Rath mit ans den Weg. „sich vor de'» -.'lagen des Polizei.eointniss.irs begriisickivig nnd dilinin zn stellen" und sich vor iiberstwstgen AnSstigen zu hüte». I" dieier PAobe anli'emiii'chen :üech:-:-ge>uliledliefert mm Schönercr ein Aegensliick. lndein er den »ül der behördliche» An'lösnng bedrohten Bereiiie» eine Art RepciirniechanismnS einpsiehlt, durch welchen das -.'l»«lö>nngs-- recht der Behölke illnioristch gemacht werde» >oll Tieic psistige Einrichiniz,; besteht in der Annahme'von Reiervest-iliuen, b..li ein-nnd derselbe Beiein bestellt zugliich unter zwei verschiedenen Rainen, mit zivci verschiedenen Säimngen, nnd wenn er unter cinestt Ranicn von der Behörde» ansgelöst ivird. io eristirt er doch »»beklimniert linier.dein anderen Raine» als der alte.weiter „So z. B " — sagt Schönerer, selbst — „wäre cs »ns Teusteh Ralionalcn ganz gleichgillig. Wenn der .Tcntsche Bolksvereiu einmal ansgelöst würde, da nur bereit« einen Reservevercin zu Bcrsiiglliig haben titib did Saviiilgen eines weiteren Rest-rve Vereines zur Bewilligst».; «»gereicht iviilden. Wir tönnen datier am Tage der Aiislösnng auch schon iosort wieder iln'ere Thäligleit beginnen." ".Wenn der .Teuliche Bollsvercin- »»'gelöst ivird, io tritt eben binnen Ül Stunden der .Dcntich-nalionale Mimnerbiind .a» denen Stelle." Mit- ,-Zuhilsenebinen dielet Repelirvorrichliiiig war es der behördlich anigeiösten „Teuionia" aitzh möglich, »och am selben Abende als „Frena" weint;l> leben. Ans die sittliche 'Siialisicirnng dieser Methode, die Behörden zn dupiren — die Aiitisemilen ivnrdeiH dies einen „abgefeimten Jndentitsti" nenne» — wollen wir nicht näher ein gehen. "Wenn sich die Behörde selbst gegen dieselbe nicht zum Einschreiten hemistsigt sicht,, uns kann die Eriitz-nz dieser Art von Bereinen um so kühler lassen, als sie sich regelmäßigin kürzester Zeit selbst — aiiSleben. .(teilte ailgeilkhuic (äesellschast.) Tie „Bollsstimme", -Trgan der dcinokralischen Part«, veröneiillicht in ihrer -Ar. 110 vvjii I- Mar; I""ül solgendeö „Eittgcsendet": Geehrter Herr Nedaeienr! Im .WO Wiener tSenieinde. bezirke zin Johann Rand»'S h!asthans „zur heiligen Trei'altigkeit", HernalS, Haupiftratze "Ar. 133) besteht seit mehrereii Jahren' der Mäniiergesaiigvercin „Hernalser Säiigcrblnid". Sonntag den kl. März war eine^ größere Anzahl vo» "Mitgliedern dieses Bereines, unter Andere» der Tbiiianii, Mest'erschinicd Franz Mohr, sowie die Borstandsniilglieder Bern ha r i, «s!eschäilSt'ührer im .stasjeehansc seiner Mutter und Fahncnniiiker des Vereines, .stolbaba .stinderwagenerzenger, XVII, Mariengasse 'Ji[ 1ü, iliid der .stisteiilischlers Sod» Rossel, außerdem einige Familie» mit ihren Töchter» und miiiderjahrigen.«linder», mehrere Burschen nutz zn ihnen gehörige Mädchen anwesend. "Nachdem' diese Ge'ell . schasl unter Elavierbegleiiung uiehrere Lieder^ gesungen, ließ sie das Trinkhorn des Bereines mit Bier fiiUett und stinunsc daS bekannte Trinklied: „Ich bin der Fürst vo» Thoren, zum Sailsen an-ertoren'rc." a». Als da-Zielbe bereits einigemal,' gelungen war und die Reihe an den .«iaiscesieder Bernharr kam, saipz derselbe tut "Jfefvaiit bei der Strophe: „Ihr Jäger, spannt 'S Äesieder", statt: „Schießt mir die Füchslein nieder", mit scharfer Betonung: „Schießt mir "bie Iudeit nieder!" Nachdem dies mit Jubel ausgenommen wurde, io stimmte Bernbart nochmals dar tzied vont Anfang an nnd schaltete neuerdings statt des "Wortes „Filchie", da« Wort „Jndcn" ein. Bernban übergal» iodanu das Horn an einen der anwesenden Sänger (H»nwelcher mit noch ichanerer Beionung die vo» Bernbart durchgesührtc Textändcrung «ang, wa« »ach Beendigung des Liedes mit ungchelierem demonstrativen Bestall, Händeklatschen. Joblen und Skranip'en