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Freies Blatt · 1894-03-18 · 102 (18.3.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
102 (18.3.1894)
Date
1894-03-18
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seit« 4. Nr. 102 bcv Ausstellung einer Eandidatur Abstand „ Deutsch fortschrittliche Centralmahlcomits für sgiied sich für die Noniinirung A' oske'S als Anhänger Dr/F r i e d jü n g's die Erklärung zu nehmen. — Das den ersten Bezirk" cnt- Eandidaten, worauf die bgaben, daß sie strenge «jimrcten werden. Der r. tSfuer gegenüber, är der nicdcröstcrrcichi- Paiteidiseiplin beobachten, und mit aller Entschiedenheit für den vom EeiiiralwaylconntcausgcstAIten Eandidaten Eandidatur t)«oSkc's steht toniit nur die des welche von demokratischer L^cite unterstützt wirdj. E'illt t5ntkäuschl»lg.> Der Bezirkscommif 'chen t'oralrommisston für agrarische CpcraSoiicit, Herr Heinrich (Vinirf, erhielt vor einiger Zeit de» amtlichen Auftrag, dem Geometer Assistenten der technischen Abthcilniig, Frau; 1'c n g; der seines Postens enthoben ivurdc, das EntlaffungSdccrct zu intiiniren und die Zuvcntarsich zu diesem Bchufe das Bureau des Assircchnischen Iiislrniiicute mischen tlang und den «sin den Strafrichter des dem sich ilang wegen ihres Dienstes zu vcrausuahine durchtusührcn. Der Ecmmissür begab egleilung des.Sdergcoincrcrs Riedl in in Freie» sleutcu 1'aug, um von deuisclbcn die Acten und zu übernehme». Die Scene, die sich hiebei beiden Beamten abspiclte, beschäftigte vor Kurz! Bezirksgerichtes 1'copoldstadt, Dr. Wrang, voi Beleidigung ösrentlichcr Bcaniten in Ausübung antworten hatte, 1'aut amtlichen ProtokolleS Üalte sich nämlich 1'ang in Schmähmigen und Drohungen gegen die Biamten ergangen, sich hiebei der Ausdrülte „Unverschämtheit" und „Unanständigkeit" bedient lind unter Anderem auch behauptet, der Eommisiär habe 100.000 fl z/andeSgelder verschwendet. Der Angeklagte gab cui, die Herren seien sehr erregt in seine Kanzlei gekonimen, er selbst habe sich ebenfalls in Aufregung befunden, und zwar deshalb, weil itm in cincin aintlichen Schri'lstücke Unfähigkeit und nickt entsprechende Bcrwendung zum Borwurse gemacht worden war. Selbst Bestechlichkeit habe ihm ein Ilcbcrwachungsorgan vorgcworfcn. Er habe wohl sckarfe, aber keineswegs beleidigende Ausdrücke gebraucht. Auf die Frag« des Richters, wie cs sich mir dem Borwurfc der Bcrschmcndüng von 1 (>0000 fl. Landes geltem verhalte, erwiderte der Angeklagte: ,,^n nicderöstcrreichischen Randlage wurde wiederholt erklärt, daß die agrarischen Operationen, die Eoimna'sirungcn dem Ilande viel zu theuer kommeii, den gleiche» Sinn halten meine Worte, die sich kcincSwegauf die persönliche Ehrenhaftigkeit, sondern nur auf die Ungcschic lichkeit der Beamten bezogen." Bei der Einvernahme von Zeugen, tie über die Borgüngc im Bureau berichteten, niachre der Bcrthcidiger Dr. R. v. Span» einmal die Bemerkung, sein Elicnt gehöre der-„Resorm Partei" ün und habe als politischer O'cgncr der anderen Partei «inen solche» Borwurf gemacht. Der Richter fand nach durchgcführtem BcweiSverfahrc» de» Aiigcklygicn schuldig und verurthcilte ihn;u ein r (Geldstrafe von -5 fl. Der ^Verhandlung halte Herr Grcgoric augewohnt, da man in miti'cinimchen Kreisen sich der.Erwartung hi igab, der angtklaglc Barreigenoffc werde im Ovt ichissaal „gutes Mai rial" für die berufsmäßigen EorruptionSriecher liefern. «!^piy als Rcicksrarhscallvidltt. Der Warnsdorfcr Spitz trat wieder einmal als ReichsrakhScandidat auf, und zwar in dtn r itsche.»er r'andgcmeinden, doch lonnte er kaum 14, sage vierzehn' Stimmen aufireiben. via, in Deplschböhmcn kann Spiy„ wenn ihn auch sein Paulus Mener, 2 p i tz'e r - W e i ui a r, r nterstützt,' »ichlS aus e z o b o h a t»,' welche andat vcrhals, noch nchieu: dort inächt die Firma Lueger & B ii: Wien einem Schnabl zu einem ^.'andtagsu Wablen. Praktischer Autiscmitisiiliis. > Aus dein isrcclitischcn Friedhof zu ' r »n d k.l S ad Elbe wurden vor einigen Tilgen zahlreiche Grab tb.:lzerirüinmerr, thcils mit Koth besudelt vorgesunden. Ter Srhn-'id ■.In Au> ::b.kannte r.häler ist ein gelehriger Schüler der Herren u::d Hiuioffen. Ans vriii Drovpaucr Gemeinderakhe. > D rau . .u 'ich wleder ausgezcichner. Der -r'si'.n .lia anerkannte Arzt Dr. Leopold Ä -e'st.r: ali e-.n Jude, überreichte ein Gesuch r Gemeinderath von wchachtbare und als u ch b i n d e r, seiner um Zusicherung der liili .;;i » 'ememdevcrbaud für den Fall der Erlangung der i.'U.;;,!i Slaalsvürgcischask Der Sectionsres reut, welcher darüber dem Bl.eiuini Ki>ni:i’ i iiii' U'-nckir entattete, machte hiebei als stellte den Antr« g Hauptgrund gel lahiiisalib.r cni fünf x'iabre in Droppau wohnhist ist Gegen diesen Antrag itühuic» dac. tdenieindcräthx Dr. Eisler, A iiiit;i ii; i Stellung, während die (^eineindcräihc R n n t, Bürgcriiieitlcr Dlcllv.'.iieier Dr. H ro>»iner. Hosmann und Mader für denselben eiurraten, Veyiercr mir dein Zusatzantra« e, daß die Aufnahme dermalen alael.hnr werde Dr. Krommer sagle, es liege für den Ausnahmswerber kein zwingender Grund vor, gerade die Aufnahine in den Droppauer <i)eincii!l>everband anzustrebcn, da 'er die österreichische Staatsbürgerschaft auch 'durch die Ausnahme in ei ic beliebige Gemeinde aus einsäche Abend, daß der Äuflker, Dr. Freißler Blatt. erlange. (Sehr geistreich!) . Der Gemeinde könne das Recht der Ablehnung nicht benommen werden, da dasselbe eben,. ein Ausfluß ihrer Autonomie sei; sic könne sich desselben nach Belieben bedienen, zumal wenn „nationale Gründe" eine Ablehnung gerechtfertigt erscheinen lasten. Dr. Eisler erklärte cs als der Gemeinde unwürdig, daß in diesem Falle „nationale" Rücksichten inS Treffen geführt weichen, da cs sich dann mir um eine antiseniitischc Demonstration handle, schließlich wurde der SectionSantrag sowie der Zusatzantrag Mader's mit 10 gegen 0 Stimmen angenoiiimcn. Das "Droppauer Antiscmitcnblatt ärgert sich darüber, daß viele Gemcinderäthc die Sitzung schwänzte», und rügt die Begründung der Ablehnung, welche in Zukunft bei ähnliche» Gesuchen von Nichtjudcn sehr unbequem sei» könnte. Was der Sectionsrcserent zu verschweigen für angeinesien hielt, hat übrigens Dr. Kromnicr sehr deutlich zu verstehen gegeben: Mag ein in Droppau ansässiger Jude noch so sehr für das Gemeinwohl Ersprießliches leisten, die Aufnahme in den Gcineindevcrband wird er bei der jetzigen Mehrheit der Stadtvertreniug vergeblich »achsuchcn. («tciiiwrndcr sirgru die Billachcr „Tcntsche Allgtintiiit ZkitlUIg".) Seit längerer Zeit wurde der Abgeordnete Tr. Slto Steinwendcr von der Billacher „Deutschen Allgemcinen Zeitung" heftig angegriffen. Früher waren cS die antisciiiilischcn Allüren Steinwcndcr's, welche diese Angriffe vcranlaßten; später gewannen Anhänger Schöncrcr's durch „capitalistischc Mittel" Einfluß auf das 1'ocalblakt, aber die Ausfälle gegen Stcinwender hörten nicht auf, sondern sie wurden mir seither anders begründet. Endlich strengten Dr. Stcinwender und fünf Partcigenostcn desselben einen Ehren belcidigungsproccß an, über welchen am 10. und 11. d. M. iuKlagenfurt verhandelt wurde. Die Anklage bezog sich^uf zwei Artikel, welche Adolf Graf verfaßt und Michael St titsch in die? „Deutsche Allgemeine Zeitung" aufgenoimneii hatte. ^Dr. Stcimvciidcr erhob die- Anklage, weil ihm vorgeworfen wurde, „er habe feine Wähler durch Borbringen unwahrer Phrasen getäuscht", und weil er des Mangels an Ssfcuhcit; Aufrichtigkeit, Ritterlichkeit, politischem Bcrslandc und politischer Ehrlichkeit geziehen wurde. Bon den fünf anderen Klägern wurde die Klage erhoben, weil in den Artikeln von ihnen gesagt worden war, „daß sie ihren politischen Anschaumige» durch Gewalt acte Respect zu verschaffe» suchen und in der Kraft der 1'unge und in cingeübten Schwingungen des Stockes Mittel gesunde» haben, um unbcguciue politische Gegner aus dem Felde zu schlagen", fernep, daß sic die Bcrfaffer einer f'ügcnschrist seien, daß sie sich mit dieser bis an die Knochen blamirt haben, wie bcgostcnc Pudel vom Schauplätze abziehcn imißten, daß „sic unfühig seien, klar und ehrlich zu denken", daß ihre Kaiiipfwcisc „eine verlotterter Gastenjmigcn würdige" sei; endlich wurden sie mit ibc» Schimpfworten „pöbelhafte, fcuchtohrigc und fricdcnslörcndc Elcmcntc und Dreschflegel-Politiker" belegt. Tie Geschworncn beantworteten von fünfzehn Fragen wihcr jeden der beide» Angeklagten nur drei zu Gunsten derselben, zwölf nngünstig. Ans die Ausführungen des BertheidigcrS .Dr. Kling er ans Wien, der seinerzeit auch Schönerer im GcrichtSsaalc als Rechtsanwalt zur Seite gestände», über einen „Ilnterichied zwischen politisckpkr und bürgerlicher Ehre" erklärte Dr. Stcimvendcr, er verwerfe diese Zwei scelen Dheoric. Der Gerichtshof vcrnrthcilte Graf zu d rci in o» a tlichcni, ^Dttitsch zu zweiinoiiatlichein Arrest mit je cinem Fasttage in vierzehn Tagen, sowie zu &>0 fl. Eautionsverlust und Koskcncrsay. Der Berthcidigcr meldete die Nichtigkeitsbeschwerde an. (Das dcntschc Cciltnu» und dcr AntisciiiitisiiiiiS.) Aus Berlin wird »ns geschrieben: Anläßlich dcr ersten Lesung des dculsch-russischcn Handelsvertrages im deutschen Reichstage spielte sich ans den Bänke» des Eciitrums ein Jnlcrmezzo ab, welches für das Berhältniß dcr deutschen Katholiken zum AntiscmitiSnius bezeichnend ist. Während einer Rede des Antisemite» König hatte sich der bekannte bayrische Abgeordnete Dr. Sigl, um den Redner bester verstehe» zu können, auf einen freien Platz in den Reihen des Ccntrmns gesetzt, wie dicS int Reichstage allgemein üblich ist. ■ Gegen die Sache an sich hatte auch Niemand etwas cinzuwcndcn. Als nun aber öiönig dem Abgc ordneten Rickert die Worte entgegenrief: „Bor f'cvy, Eohn, Manaffc und Andere dieser Race behüt' uns lieber Hcrrc Gott!" und Abgeordneter Sigl dem Beifall spendete, trat der Abgeordnete Tr. Gröber an ihn heran und ersuchte ihn, den Platz zu verlassen, da cS unstatthaft sei, daß bei eincin solchen antiscüiitischcn Satze aus den Reihe» des Ecnlruins Beifall gespendet werde und cs so den Anschein gewinne, als ob dcr Beifall von eincin Ecutlnmsabgcordnetcn komme. Nach kurzem Wortwechsel zog Tr. Sigl cs vor, dem nach seiner Meinung offenbar „verjudeten" Centrum den Rücken zu kehren. Einige Tage später nahmen sich die Polen' ein Beispiel an dem Borgchcn des Centrums, denn als dcr Antisemit Böckcl von den Plätzen der Polen aus eine seiner Hetzreden vom Stapel ließ, trat Herr v. Ko-

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