Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 100 (4.3.1894)
- Date
- 1894-03-04
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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I I Nr "IW freies bei derartigen Bauten die vollste Zufriedenheit der oberste« kirchlichen Behörde erworben habe», erhellt aus der Thalsache, daß der frühere Metropolit von Warschau, Lcontij, vielen jüdische» Unternehmern seinen Dank für ihre Niedlichkeit und t^ewisscnhaftigkeit ausgesprochen hatte. . Runiuehr aber hat der gegenwärtige Metropolit des Wcichsclgcdielcs verfügt, Juden;u keinerlei Unternehinnngcn von -tkirchen und Kloster bauten zuzulassc». Diese in den anillichcn Blättern dcS Wcichsclgebicteö verlantbarte Bcrsügung hat denn auch nicht verfehlt, den Judenhaß i zu stärken, den» viele rechtgläubige Russen, die , bis jetzt den Anti-! semitiöuiuS nicht cultivirt^ habe», erblicken in dicier Bcrorduung eine Berurthcilnng der Juden als NcligiouSgciivsscnschast voy Leite des j Hauptes der Orthodoxen in der Cparchie. Was den Metropoliten von ■ Warschau zu dieser iutolcrantcii Bcrsügung veranlaßt habe» mochte, darüber verlautet hier nichts: daß aber die kürzlich cingeiveihte Ln»a zöge in Petersburg, der jüdische Tcinpcl in Charkow und viele jüdische Beihäuser ini Innern dee^ Reiches von ^rthodgren erbaut worden sind, ohne daß irgend ein Rabbiner daran Anstoß genoniinen hätte — dies ist eine bekannte Thatsachc " >i-,> antisemitischen rVtvinou und Per sannnlunczen. (Ehristlich-socialc Schneider.» Ui.ter dem Boestve de» Meister» Joiei! Feiizl fand hier ein „allgemeiner österreichischer Schneidellag" stal« Der Bei - > fammfimci, die dem Schueidergewerbe durch das U»ive>'ial>»iilel der christlich socialen „Reform" anfhelfe» ivill, wohizten die amisenriiischen Abgeordneien Liechtenstein, Lueger, Schleimiger und Schneider bei. Tie .«Neider- - »racher müssen gegen den „größleii Feind" de» .'lleingeiverbe«, das Großcapital- ' Stellung »climcn — erklärte Ferr;, und Prinz Liechtenstein »äsctle dazu ei» „Richtig". Tr. Lueger stellte die Juden a>S diejenigen hi», deneri Poller streit Borlhcit bringe u. s. »>. „Mehr alS alle antiseinitiichen Phrasen wurde den kleinen Tchneidermcistcr» »ritzen, wenn ihnen ihre .'l»irden pniikrlicher zablen nröchlen," schreibt uns ein Xleiderrnacher, den Schaden gewitzigt;» habe» scheint. (Gerichtliche Rachspiele. > Eine A»iise»iitc»versa»unl»»g >,nd eine anti, - semitische 'Wahlaction harre» dieser Tage gerichtliche Rach'piele. Por der» Bezirks gerichle Firn sh aus gelangte die EhrenbeleidigungSklage des BezirkSiwistebers Holocher gegen den Gcnieiiidcrath Steiner wegen dessen Aenßernnge» irr einer chiistlich-sociale» Beria»imluiig,z»m Auslrag. Soivohl der Geklagte alS auch dessen Perlheidiger Tr. Lueger versicherten, daß Steiner der Ehrenhaslig keir Holocher's nicht im ciilserntrsten habe »aheetete» wollen; in Folge dieser Beiheueriinge» sah sich Fe« Rechtsanwalt des et.ägerS, Tr. Fröhlich, veranlagt die EhrenbeleidigungSklage zurückziiziehen. — Bor dem Bezirksgerichte Wahr i n g strengte der bei den vorige» GemeinderaihSwahIen verunglückie anlisemilische Earrdidat Franz Fragt gegen de» Obmann de« Währinger HauSbesivervtreine», Wenzel Arco, und dessen Stellvertreter Frau; Schreiber die EhrenbeleidignngSklage a», weil sie ihn beschuldigt Halle», er hätte aus den Placaten zur An. empschlung seiner Wahl sich widerrechllich alS Earrdidat des HanSbesitzervereineS auSgegcbe» und de» 'Rainen de« Obmannes Arco gesetzt, ohne hiezu ermächtigt worden;» sein/ Frag! beries sich aus Zeuge», welche bestätigten, dag er that sächlich berechtigt rvar, seine Wahlaufrufe rnit dem Ranic» dcS Herrn Arco zu , schmücken, woraus die Geklagten zu Gcldstrasen in der Höhe von 30, beziehungsweise 20 fl. verurlheill wurden. r Ausgeloste antiseiiiitischc Bereine.) Tie antise,»ruschen Burschenschasie» ' „Teutonia", der Berein deutscher Studenten ans Schlesien „Oppavia" sowie der im Tienste Schönerer'« stehende Berein „Deutsche Geschichte", iämrntlich in Wie», wurde» von der niederösterreichischen Slatthalterei wegen llederschreitung ihres stalntarisch festgesetzten Wjrkniigskreise« i»it Hinweis ans § 24 de« BereinsgeseyeS ansgelöst und von dieser behördlichen Bersngung bereits i» stenntnig gesetzt. Tie „Teutonia" und „Oppavia" wurden schon eirmral an« der gleiche» Ursache von dernselben Schicksale betrossen, doch hat die Slatthalterei die neuerliche Gründung mit der größten Liberalität bewilligt. Bor einigen Jahre» wurde die „Teutonia" wegen Theilnahmc an de» Schörierer-Temonstra. lionen ausgelöst. Tie Mitglieder der Burschenichast constiluirlen sich hieraus al« Berein „Frcga" und erhielten nach einiger Zeit wieder die Bewilligung, den alten Raine» tragen zu dürfend Seither kani die Bereinigung säinintlicher an österreichischen Unwersiläteu bestehende» Burschenschaften deuisch national antiiemilischer Richtung im „L. D. <£.“ (Linzer Tclegirteu-Lonvent) zusammen, aus ivelchem jedoch die Teutonen wieder geschieden sind, weit sie der extremen Richtung Schönerer'« huldigten, während der „L. D. T." trotz stramm antisemitischer Haltung speciell die Führerschaft Schönerer'- perhorreScirte. In der tüngsten Zeit hatte» die Teutonen Schönerer zum „Ehrenburichen" ernannt. Bo» den Burschenschastcn ganz isolirt, stützte sich hie „Teutonia" aus die dem sogenannten „Waidhosener Verbände" angehörigen Vereine, unter denen die „Oppavia" die Führerrolle einnahm. Blatt.. Seite t> (»tralsfüßr vor der Budokrälic.» In einer Bersamminug de» „.Tenrichen BolkSvere^sies", die vor einigen Tagen >m lüasthanie7„znm goldenen Sieb" aus der Wieden staitiand, .wurde die Schließung der cöiazer Technik abfällig benllhcilt »nd dabei von einem Beriuche ge'vrochen, „die. uberliese,len Reckne deulicher akademischer Bürger durch Prosesiorendünkel zu unlerdlücke»". T>e Bersainnilnng beschloß eine .stnUdgebuug, in welcher sie die Hörer der Graz,» techui'chen Hochschule zu der „inaniiha'len Bcilhcidigung der aladenii'chen Rechte" beglückivuiischt. Auch die Blcbokraiie Hai ihrd"Hösli»ge, dclcn ^.'lvilismus nicht nur widelwärtig. ioitdern geradezu gesähuich in - In wenigen .'äluen durste <j mancher Tinrnin, Trainwantl,lieber oder Sicheilniiswachiiianu den Lenie». sluche», deren voltliche Thatißktil ilm ans 'einen SIndien de»ausgerine» bat. Pielr cinsichlSvotle Ellern betlagen'schon lenk die GeieUichail, in ivelcher >ijv il»e studireizden Svivßlinge beivegeu. iAnch eine Gegriicoalitloil.i In Reichenberg 'cheinen lich die'Tinge ähnlich enlwlckek'n zu.,wollen ivie seinerzeit in Wien. Ter keuiich'-nalionaie Anliiemiiisttitts 'ck>e»,l 'einen Stolz därein zu, seve», um jeden Preis Sculiberalen Sinn der. Burgerjälasi »ul der aniliemiliichrei Pbraie zu beihor>n, um nach getbaner Aibeii dann dem chrinlich socialen Ami-emiilsiiins Plar zu machen. 'Wie Schönerer enr Lneg-e und Liechtenstein gearbenei, w düngl >evi Prade de» Acker, »>>'.welche»! die Ovu> und Saiilcr iäe» werde». T ie Tick,eck,e-i Kossen die Eliiie zi> besorgen. Anläßlich der »in verilost'enen Monate natlgehab.l,» Ergänzungswahlcn in die Reichenbcrger Handels- und Gewerbetamnier trat die neue lichechiich christlich,>ocial deul'chnalio»al-a»ti>eun!iiche Gegeucoalitien zum eiiienuialc in Aciio», um den vom norddöln»i>ch>N iSenoisen-chailSverbai d sttr den drillen Wabllü! ver der Handels und Geiveibeseclion »oininirle» Eandi ' daien um vereinter Miii't;nn> Slege zu verliel>e,i. Z»l» «'stücke waren die F-alnicn der anlisciuiii'chen »-cgencoaliiion nicht vom Siege 'begleitet,, Indern' die deniich-Iiberalc» Kandidaten inn erdrückender Maiorzlät gewählt wurden. Indes; dniie» die Reichenberger an' - der Hut ''ein und fick, an Wien ei» warnendes Beiiv»I »eknien. - aiitifciiiitifcf?cu 23lättcni. Organisiricr Bettel, k In einer Zeit, Ivo van allen- Seilen der Hui; „Organist»! euch!" erschallt, dar! es uns nicht Wunder »eljmei,, daß sich ailch die Schnorrer organisiren, um io »ul dem Hute in der Hh»d bester durch das ganze Land z» lominen: deri„O st de u l scheu R^iindschau". deren Schrlslleilee^ ein sehr tüchtiger „Fechter" ''ei» soll, gebührt da» Verdienst» diele? neue Sn'ler» ersnttdcn zu haben, und das ^ennniingsrüchtige Blast ist selbstlos genug. d>e iiene Schnorsganiiation zuerst am eigenen Heike zu erproben. Spitzer Weimar und Bergani düliten bereit «'ein: falls das Erlrägnjß des jnsteniaiischen Bellei» für die „Ostdeutsche Rundschau" groß genug ist, daS neue Snstei» änch bei ihren „G>sil»»liigsge»ostcii" i» An.vcndung zu bringen, vorausgesetzt, daß sich Herr >t Hi Wols aus ,eine Ernndnng lein Palcnl niiniu!. lAntiscmilischc 5titttmcii über dir Lcstndatc int lliedkrosterreichischen Landtage.) Wir haben schon an früheren Beispielen nachgewlcse», daß mail IN. gut antiscinitlsche» .strciie» der Provinz über die landtägtichc Tbäiigkeil der Gregorig, Lueger, Schneider und Eoiiiorle» 'ehr bedeullich den »tovi schüttelt. Wir wollen de» bereit» cilirlen Aeußernuge» der streng anliieniitischen „Oesterreichstchcil Landzeitung" und „.«lorncnbnrger Landpressc" eine niiziveiselhast christlich-sociale Stimme hinzusiige». Tie S >. Pöliener Zeitung" schreibt i» ihre» Landlagshelrachlnnge» ». A : „Man lau» sich de.» EindruckeS nicht erwehre», daß oit bei Borbringung solcher Eorrnplioiirgeschichlkn von an lijenit tische r Seite über« Ziel h inauSge icho ii e u wird. Wir toiumi im» a n ch der Bcsürchlung ni.chl entschlag'ii, daß dadurch der Partei eher geschadet alS genützt wird." Weiler» schreibt dasselbe Blair iibrr die bcdauertichen Austritte im Landtage: „Tie Montag Litznng war wieder eine Stelle von persön lichen Beibüchliglingen, Mißverstäiiduissen und Zwiichenrusc». tlriache der - gegenieiligen Erregungen war eine Rede de« Herr» Slaillraücr», in welcher er die Borwürfe de« Abgeordnete» Gregorig gegen die Thäligkeil der Behörden bei den üomiiiasi'alione» znrückwie«. E» ist bedauerlich, daß ei^r rüder Ton >m Laiidtage einreißt. Wer hat die Schuld'? Zw eiset losist, daß. in au che Antisemitcii sehr stark über die Schnur hauen und d.ad'nrch nur bewirke», daß viele anftälidigeAnliliberate von diesem Treiben sich, abgcstoße» süblcii und darum jener Partei den Rücke» wenden, lii-dcr einige excessive Xüpse zu Ausschreitungen sich hinreiße-n lass«-»." — Auch die stremier „O>c ster r ei ch i j ch e L a »>-' zeitung" ist neuerbingS über gewisse antiietnilische. ^Rcdläuie, die überall Eorriiption riechen" seht ungehalten.- Taß die betressenden Attlstcinitenblättee übrigen« nebenher auch einige Hiebe aus die Liberaleu auSlheiten, dars nichi beirre», das ist Macht der Gewohnheit; ihre Stimmen sind immerhin be -- achteiiSwerthe Zeichen der Morgendämmmerung aus-dem stachen Lande. »„Gin Opsrr der Judril.") An» Siein wurde'die>'er Tage Vdrichier, daß der ehemalige Hosraih Johann Trzcieniecki, welcher in lieiii große» Bukö winaer ZoUdesraudarionSvroceß, der im September I-A«2 in Wie» durchgesührl