Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1894-02-25 · 99 (25.2.1894) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
99 (25.2.1894)
Date
1894-02-25
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4886575-5439163-5441497--1125-4887602
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Frei«» Blatt. ITr. SS. i' Seit« 8. brauchte zweieinhalb; beinahe drei Tage damit, meine Eopie in Terracolla;u packen, ließ sie heimlich brennen und versenkte sie dann auf ein halbes Jahr in eine Lagune. Als ich sie nach dieser Frist wieder herausholte — welche Farbe, welches Alter . . . eine Pracht! Ich konnte zufrieden sein. Ich trug sie zu einem Antiqniiateuhändler, so einem jüdischen Hallunkcn, und Sie hätten seh n sollen, was für Augen der Hund machte! Sein Blick glühte, siiiic Hände zitterten, ja er küßte thatsächlich meine Eopie, als er rief: lim wahrhaftiger Donalello! . . . Ich halte die Absicht gehabt, zweihundert Lire zu verlangen, jetzt aber, als ich sah, wie rnlzückl der Lump war, schlug ick tausend darauf." „Zwölfhündcrt L^ire — ist das nicht zu lheucr?" frug er. „Ich weiß nicht," erwiderte ich, „eö ist das nicht meine Sache: ein Freund sandte mir das kostbare Stück, um es für ihn zu verkaufen, und sein ursprünglicher Preis war fünfzehnhundert, aber er sagte, er würde cS schließlich auch um zwölfhnnderl lassen. Ich will ihm noch einmal schreiben und fragen, ab er es noch billiger gibt." „Tanke," versetzte der geschmeidige Kerl, „aber wie immer seine Antwort auSiällt, Sie lassen mir das BorkaufSrecht, ja!" „Ich ging heim und warteic eine Woche, um dem angeblichen Freunde Zeit zu seiner Antwort zu lassen. Dann suchte ich wieder meinen lieben Juden auf und erzählte ihm mit enttäuschter Miene, daß mein Freund an seinem Preis von fünfzehnhundert festhalte, daß ich als Ehrenmann jedoch bei meiner Forderung von zwölfhiinderl bleibe, denn ich fühle mich verpflichtet, mein Wort zu halten." „Gewiß!" bestätigte der Jude und zählte mir den Betrag aus; dann ersuchte er mich in seinem singenden Jargon, ihm nur wieder.Sachen zu bringen, wenn ich welche fände. Sehen Sie die Gaunerei des-Kerls?" „Welchen Kerl meinen Sie?" „Nun, den Juden natürlich!, Er glaubte, einen, echten Doua- <ello zu erwerben, er wußte, daß er fünfzigmal mehr werth war, als er mir zahlte, und so betrog er mich in dieser infamen Weise!" E. M—v. * * * Dicseö wahre Begibniß wird mir von befreundeter Seile auS Venedig üb>rmiitelt. Es lrägl das charakteristische Merkmal anti stinilischer Logik und Moral zin sich: dm Juden betrügen und daun sich als Betrogenen ausgcbcn. Der Schurke stahl die Eopie. m sie und beschwindelte den Händler. Alles das aber gilt : :.r i^auiur war doch nur der Jude!' . A. G v. S u t t n e r. ein:; . fl-': - - 'tu „R"' " 't, »'; Die Einpörevin. : n ,e„,zl!'cl;en-1:es kalter Briant vo» Marie Majrr XVI >ir. ^onlryung.) u!i mit mir nicht siisrieden, Mutter, ich habe eS seit Langem .vraiiuvfa." Die ältere Dame legte ihre Feder weg und n ^:ubl nin ..<retze dich und laß uns reden. Ich bin nicht Fch babe kein Recht mit irgend etwas unzufrieden zu '>! nmefm. Tu bin frei, dir deine Laufbahn selbst vorl:u nur en'iäu'chr. Ich denke, ich habe daö Recht, mich " : n m'chk '-,u fühlen." ■ — und doch —“ Sie hielt innc- und stand mit n hi,, als suchte sie nach einer Entschuldigung. Bei 'u > , 'edzr Lvannung und jedem Zerwürsniß kommt ein , irr;:n; Eiüärnng nothwciidig. wird. Zuerst entsteht ein ß — auf er einen Seile das. Bewußtsein, Grund zur Be- ’ n zu!,. .n. auf der anderen Seite beleidigt worden zu sein — dann eine Art stillschweigender Uebereinkunft, den widrigen Gegenstand nicht zu berühren, ängstlich zu vermeiden; eS folgt eine Erweiterung des Spaltes, dann der Zwang, Endlich Erkranken, Verfall und Tod der Liebe, wenn nicht, einem Arzte gleich, die Erklärung, das offene Wort dazwischentrilt, um zu heilen und wiederherzustellen. Und vielleicht bleibt, trotzdem daß der kleine Spalt so ausgebcffcrt worden war, für immer die Erinnerung mit der Narbe. |Cft ist freilich die Auseinandersetzung auch ein Chirurg, der das Paat entzwei schneidet/ so daß beide Theile ihre eigenen Wege wanhcln können und einander bei einer Begegnung mit kaltem, srcmdem, scheelem Blicke anschen. Diese Zeit war nun für eine oder die andere der jbciden Damen gekommcn, und eine Erklärung mußte eintretcn. „Setze dich. Liebste," sagte Madame Elveda, ^und laß uns ein wenig reden." Aber Franziska blieb stehen. „Schäu!" fuhr sie fort und sah am Tische herum, welcher unter der Last |ker Briefe, Flugschriften, Berichte und.Zeitungen ächzte. „DaS Werk, an welches ich vor zwanzig Jahren Hand anlegte, ist gediehen, wie du sichst und weißt. Ich kam hieher, weil London das wahre Centrum für alle solche Unternehmungen ist. Ich veröffentlichte mein Buch, ich bezog dieses HanS, ich erschloß cS Allen, welche auf dasselbe Ziel hinarbciten — die Erhebung und Emancipation der Frauen. Alle, welche für die Frauensachc arbeiten, ob ich nun ihre Methode grtheißc oder nicht, kommen hieher — dies ist ihr Haus, ich bin ihre einen Augenblick, Franziska, und dann kannst du spijc hole, daß ich die Führcrin bin: ich halte alle Schnüre in meiner Fahrerin. Noch cchcn. Ich wiederchc Stellung cinrhrcrin. Ist das Hand vereinigt. Keine Frau hit je früher eine so gcnoii men, als ich jetzt inne habe. Ich bin die Fll nicht wahr, Franziska?" „Natürlich ist cS ganz wahr." „Und nicht wahr, cS ist auch wahr, daß ich titjeiu Bestes gethan habe, deine Seele mit den Lehren, welche ich predige und bekenne, zu erfüllen. Und du wußtest von der Zeit an, wo dein Geist sich auslhat, was ich von dir hoffte, sobald du das entsprechende Alter erreicht haben würdest." „Ja, das habe ich immer gewußt." „Franziska — ich frage dich — habe ich nickst ein Recht, enttäuscht zu sein?" / j „Meine liebe Mutter, was kann ich sagen? Es ist Alles wahr. Und doch —" „Bei unseren Zusaiiimeiiküiiften sitzest du entweder stille, zerstreut, unaufmerksam, oder du sichst ungeduldig drein —: keines Mädchens Gcßcht hat je ihre Empfindungen so verrathcn, wie d>jincS. Dü sprichst nie über das Werk, du zeigst keinerlei Jntcrcffe daran. Es ist daS Werk meines Lebens.— ich habe für keinen anderenj Zweck gelebt — als den, dich zu erziehen, zu nicincr 'Nachfolgerin,! zur Vollenderin meines Werkes." „Ich bin wirklich eine entartete Tochter." „Was ist zwischen uns getreten, Kind? Bis vor Kurzem — bis vor wenigen Wochen — warst du noch voll Eifer und Jntercffe. Ist etwas vorgegangen?" „Ja, viel hat sich ereignet, und Alles in der letzten oder vorletzten Woche. Ich scheine erwacht zu sein, Alles sicht verändert aus. Es begann mit jener Stunde, als Harold zu mir kaüi — du weißt" — sie erröihcte und schaute schuldbewußt drein. „Er! fragte mich, ob ich ihn heiraten wolle. Nun ich gab ihm eine Antwort — eine Antwort, wie du sic wolltest. Tu erwartetest diese Asttwort von mir, nicht wahr? Gut, ich gab sic. Mutter, du hast mich beständig versichert, daß ich frei bin, aber ich war nur so lange frei, bis ich Harold diese Antwort gab. Ich gab sie pflichtgemäß, und wci^ ich dachte, daß das, was du wünschest, recht sein muß." „Nun, Kind, ist es nicht recht?" „Ich weiß es nicht. Seit jener Stunde habe ich den Gegenstand als freie Frau betrachtet, nicht als deine Tochter. Kannst du mich tadeln, daß ich meine Freiheit benutzte? Dir gehorsam, sandtceich meinen Freier fort. Es gibt für mich keine Liebe mehr auf Erden. Vielleicht ist das so gut. Es wäre mir ganz unmöglich, die gehorsame Gattin eines Mannes zw werden. Aber erinnere dick, ich habe auS Gehorsam zu dir der Liebe entsagt, und ohne die Angelegenheit überhaupt zu überlegen. Dann erst, begann ich in die Sache selbst Einblick zu thun. Als Harold fortgegangen war, begann ich, zum erstenmal nachzudcnten, was Liebe eigentlich bedeutet —" : „Nun?" Madame Elveda sah rasch auf. „Ich sehe mich selbst," sagte das Mädchen, ihren Kopf erhebend, und ins Blaue starrend, „an seiner Seite stehend — neben dem richtigen Mann, und so nahe bei-ihm, daß ich zum erstenmal begreife, wie groß und erhaben er wirklich ist — während id| selbst so klein und so gering bin. Ich sehe, daß ich ihn lieben kana^.just, weil er so s

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.