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Freies Blatt · 1894-02-25 · 99 (25.2.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
99 (25.2.1894)
Date
1894-02-25
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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I ' Nr. 99. Freie» Statt Seite 7. danke Ihnen für diese wcrthvolle Bereicherung der vaterländischen Geschichte! Meine Herren I Hier sehen Sie e« wieder, noch ehe ich Ihnen das Rescript des > Minisleis Hardenberg vorgelesen habe, erklärt dieser — Herr, um die Wirkung j abjuschwächen, den Man» für bcstocheu von den Inden! Vielleicht war er sogar! damaliger Tireclor der „Judenschutztruppe-? Meine Herren! Einen Mann, von dein schon jedes Schulkind weiß, daß er einer der edelsten, giößten und; verdienstvollsten Menschen war, die DeuOchland hervorgebracht; ein Man», der ' während des großen Freiheitskrieges 1812/13 die preußische Politik leitete und 1 den ruhmvollen Friede» im Namen des Königs Unterzeichnete; sogar ein solcher! Mann war, wie Sie von diesein — Herrn gekört haben, von den Jude» be! stochen, weil er drr Wahrheit »nd Pflicht gemäß auch die Opfetwilligkeit der! jüdische» Freiwilligen anerkannte. Ta« veidirnt vor ganz Deutschland niedriger; gehängt zu werden. Wenn der Deutsche zu wähle» hat zwischen einein Hardenberg | und Ihnen, Herr Votsitzcnkcr, ich fürchte, das Urtheil n,öch(e Ihne» kein anj genehine» werden. Schäinen Sie sich! — Die Warze de« RedacteurS Wolsf verhollie» nicht wirkungslos; Scham gehört in der Regel nicht zu den Schwache» der Anlisemiten, aber viele derselben scheinen sich wirklich geschämt zu haben und zolllen sogar der Abwehrrede de« Jude» lauten Beifall. Aus antisemitischen Blättern. (Nochmals Spitzer-Weimar) Die »in die Abmehtbewegung gegen drc Christlich Socialen hochverdiente „Ostdeutsche R u n dsck, a n" kam vorige Woche nochmals auf de» Herausgeber der „Reichrpost" zu sprechen und sagte: „Wie unglaublich kühn dieOBebauptungen dieses Manne« waren, ats er e» uuternahm, nn« zu .berichtigen', haben wir bewiesen. Heute liegt. u,:S nun noch eine amtliche Bestäiigung unserer Behauptung vor. Untcr den Gewerbeanmeldttiigei, bringt daS Amliblatt der k. k. ReichLhaupt- und Residenzstadt Wien' folgende Finna: .Spitzer-Weimar Anton, Herausgeber der periodischen Druckschrift .ReichSpost', VIII. Bezirk, Josesstädterstraße 14/ Und da bat der Mann »och die Kühnheit, es al« unwahr zu erklären, daß er Spitzer geheißen, wahrend er ibatiächlich in der eigene» Gewerbeanmcldnng »och irnnier mit dieser» Rainen erscheint!" Spitzer-Weimar hüllte sich bislang in Schweigen. Die Frage, wer gelogen habe, erscheint somit zu Ungunste» de« Opitz'tchen Paulus Miyer gelöst. (Aus den „Unvcrsälschttli Deutschen Workcn".) Georg Schönerer be dankt sich im Borde,Hause reines „Brieskastens" für Sympathie Kundgebniigen, welche ch», anläßlich der Anwesenheit Bismaick's in Berlin zugegaiigeu sind. „Mutter, wat jehen Ihne» die jriene Beeme an?" fragte ein schalkhaftes Mädchen eine komische Alte. — Al« Todesursache der Steyrer „Jude»frage" läßt Georg Schönerer de» leidigen Umstand bczeichiien, daß Johann Simader schönerer feindlich war Unmittelbar darauf wird aber der Abonrienlenschwuiid der ..Unverfälschten Tentschc» Worle", alsg, de« HauptorganeS zur Verherrlichung Schötierer'S, aus de» Mangel a» Opferwilligkeit zurückgeführt und einem „Deutsch Nationalen" in I. bekannt gegeben: „Sie irre»! Tie Auslage der ,U. D. W' ist seit dem ,20. Tecember' geringer geworden »nd beträgt nicht viel über 1000 Stück. Ja, unentgeltlich würden die ,U D. W ' geradezu reißenden Absatz finden. U. d. Gr. Sch." — Ein Berliner Antiscmitenblatt, das sich , Frei-Teu tschland" nannte/ wird am 10. Hornung i» folgender Weise ang,priesen: „Der deutsche ReichStagSabgeordnele Förster, welcher unserer nationalen Bewegung in der Ostmark und unserem Führer Schönerer mit Verständniß begegnet, gibt seit 1. Jänner ein deutschnational-antisemitische« Tagdlatt „Frci-Teutschland" in Beilin heraus. Ta« Blatt hat sich durch sein kerndeutsches und freies Wesen sehr günstig eingesührt und ist in einem wahrhaft erfreulichen reinen Deutsch mit Ausschluß aller übcrstüssigen Fremdwörter geschrieben." Die Reclame kommt zu spät; die Förster'sche Gründung ist mittlerweile verkracht. Kurz vor seinem Ende warf „Frei-Deulschland" noch dem Stock er'schen „Volk" dessen „nndeutschen jüdischen Geschäftsgeist" vor. Wie viele Leute mag die anlifenntische Gesellschaft in Deutschland und Oesterreich überhaupt noch zählen, deren christlich.germanischer Charakter nicht von Eoncurrenten bestritten worden wäre? ' (Keine Ohren.) Ein christlich-sociales Blatt, dem die Verhandlung des Gesetzentwürfe« über die obligatorische Civilehe im ungarischen Reichstage nicht recht ist, erzählt seinen Lesern, daß der „Janhagel von Judapest" (daS „Vaterland" thut sich auf die von ihm ersonnene Bezeichnung „Judapest'', welch« alle Antisemitenblälter sich aneignen, wohl nicht wenig zugute) christlich.conservative Abgeorduele vor dem Parlamente belästige. An diese Erzählung knüpft eS folgende Verdächtigung: „ES ist freilich vielleicht zu viel verlangt, wenn man begehrt, daß Br. Hiero'nymi und Ex-Br. Wekerle christliche Abgeordnete beschützen sollen gegen die ,studirende Jugend', die ja da« Material abgibt, au« der sich dann später die Loge recrutirt. Aber nachdem .'. Br. Hieronymi doch schließlich nicht nur .Bruder', sondern auch nebenbei Minister deS Innern des apostolischen Königs ist, so söllte er sich auch gelegentlich an diese letztere Eigenschaft erinnern." Glaubt man da nicht, .daß die ungarische Regierung Demonstrationen dulde, weil sich dieselben wider die Gegner der obligatorischen Tivilche richte»? Thatsächlich ober verhält sich die Sache ganz ander?. I» Budapest war die SicherheiiSbehölde darauf bedacht, oppositionelle Abgeottznete vor be lästigendkn Kundgebungen deS M ßlallcnS, denen sie^beim Einlriit in« Patlaincnt und beim Verlassen desselben auSgeietzt wate», zu schützen. Ta e,hoben Tie lfm Apponyi und Polonyi gegen jede polizeiliche Jniervcniion Emipruch, um ih,en Führern die Möglichkeit zu sichern, sich aus ottener Snaße eine Ovation vom Kaldolilckien Geiellenverei» bereite» zu lassen. In einer ausgezeichneten Rede, welche Professor Tr. Eduard Stieß über die abgeichlesser.e Landtag« icision im „Donauclub" hielt, kenierkte er: „Ter Landtag erllärte einstimmig, daß Gregotig die Unwahrheit sagte. Aber tva« hilft es! Ter Meuich Hai leine Ohren." In diesem figürlichen Sinne kantt^inatt auch von gewissen Machern der, antisemitischen Presse, obwohl ihre Gehörorgane^ hin ng kehr stark entwickelt siydz >agen, daß sie keine Ohren haben Sie ichüüelit den Vorwurfwissentlicher Lüge ab wie ei» begossener Pudel dar- Wäger. «Drr „Kleiber Baron".) Vor einigen Wochen machte dtl'.ch reichSdentiche Blätter eine "Notiz die Runde, welche davon zu erzählen wußte, dgß ein jüdischer KleiderKändler aus dxtn Südosten von Berlin iür lein Ge'chäit, Pas den. Namen „Kleider Baron" sühn, Rectamezctlel verlheiti habe. beten Jnhalt- 'sur daS religiöse Gefühl gläubiger Ehrtsien verletzetid tvar. Tie „Kreuzzeitung" gab der Non; folgende Bemerkung, mit auf,den Weg: ..Was >ageit hierztt die Jude,.bläuet.' Werden sie letzt auch in EuttüiiungSgeichrei aus brechen wie damals, als die harmlosen .Fah,karte» »ach Jermatem' tu der Frichrkchstraße vertheilt wurden? .Bewahre! Sie tverde» die Sache todi ichweige» und schmunzelnd den Witz' Eines 'von ihten Leut' bewundern, der wieder nur in der gemeine,, Beispottung de« für die EKristeu Heiligsten seine ganze Größe' entfalten kann." Aus den „Kleider Barl»." tumir nun ritte förmliche Hetzjagd eröffnet; atttti.mitiiche und ankere Zeitungen fahndeten nach .ihm, die Berli'ner Polizei arbeitete mit ihrem großen Arvaiat, ittttiltn eivzu fangen, und eine Zeitung-wandte sich an ihren Leie,kreis mit der Bote, ,hr zu einem Ereutplar jener srivolcn Reclame zu veihetien - Alkes vergeblich. Zwar wurde ein Kaufmann,. der seinetn "Geschäft die Bezcichitnng ,,Zum Kleider Baron" gegeben hat — allerdings nicht in, Südosten von Berlin, wo der Rcclamevertheiter wohne,, sollte, sondern int Eentrum, in dem dem Alerauderplatz nahen Tbeile der LandSbergersträße, ermittelt, aber dieser Mann konnte überzeugend Nachweisen, daß er niemals R.clatncn der b,'zeichneten Art vertheilt Hai, und er hat selbst bei der..Polizei die Etötfnnng einer Unters,tchnng zur .tilarstellnng tür Angelegenheit beantragt. Ter P.lzei ist e« trotz der eisrigsteu Bemühungen nicht gelungen, eine Tbatsache, die der vorher milgetheilten auch nur entserut ähnlich sähe, zu ermitteln, und so steht nunmehr fest, daß die ganze Geschichte eine ichamloie Ersinkung ist. Der Utheber ist osfeubar ein Tnbringtaner, der gleichsam zwei Fliegen mit eitietn Schlage tödten wollte. Nene« Hetzmaterial gegen die Juden sollte den gläubigen Christen geboten, zugleich aber auch jenen eilte Art Genugihtiung bereitet werden, denen daS Christenthtim nicht« Ändere« ist al« eine „palästinensische Att'chauttngSweise". . (Macht mir keine Eoncurrenz!) Ter Marburgsr Bücket wat nt tu seinem „Reich Sh er old" vor autisemilischen Nengründungen ans jottrnalistischem Gebiete, wobei er auf die „Neue Deutsche Zeitung" Erwin, Bauer'« alSabschreckende«, Beispiel hinivetst. TaS GeichäslshauS Böckel will auf dem Antisemitenmarkt'e eine privilegirte Stellung einnehmen ui.d duldet keine Eoncurrenz. . ..' J ' 1 — jrCluHctOll. „Dieser (Rentner von einem fanden." (Aus der aittit'emitiichen Morallehre.t „Juden! ... Ich hasse sie instincliv! . . . Ihre puppige Sprechweise, ihr knechtisches Benehmen, ihre Arglist! HÄb.e ich Ihnen schon erzählt, wie so ein Hund mich zu betrügen suchte?" „Nein, wie war das?" „Vor einigen Jahren wurde in einer alten Kirche in Venedig ein Donatello entdeckt, die Madonna mit dem Kind, eine herrliche Arbeit. Der Ersteher des Kunstwerkes ließ mich rufen, da es beim Transport einen Bruch erlitten batte. Er' überwachte meine Restaurirungsarbeit mit ArguSblicken, aber es gelang mir doch, ohne sein Wissen eine Copie davon anzusertigen und diese nach Hause zu schassen." „War er der Jude?" „Nein, Geduld — ein Anderer. Das Original wurde um 60.000 Lire verkauft — eine nette Summe, wie? ... Ich ver-

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