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Freies Blatt · 1894-02-25 · 99 (25.2.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
99 (25.2.1894)
Date
1894-02-25
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Seite!> Nr 33. Freie» verkauften nämlich ihren Kunden gänzlich verdorbene, schon im faulen Zustände befindliche Selchwaaren. Bei der Revision durch den Markt» kommifiSr wurden außerdem in dein Geschäfte des Helmrcich gctrorfnetc Mehlnudeln ttorgcfuiibeii, die sozusagen lebendig waren, da sie von Würmern und Maden wimmelten. Bcmcrkenswcrlh ist, daß eben dieser Helmreich bei der letzten stteichSralhSwahl wegen Siimmzetlelfälschung zu Gunsten des Eandidaten Hauck zu -18 Etundcn Arrests vernrtheilt worden war. Helmrcich erhielt eine Strafe von -40 fl., Milla von;i(J fl. (Das Böhmcrwald Passionsspicl.) Wie ans Höritz im Böhiuerwalde mitgcthcilt wird, werden daselbst auch Heuer wie im Borjahre Aufführungen dcö Passionsspieles stattsindcn, und ist yian bereits mit den diesbezüglichen Borbereitungcn beschäftigt. Wir haben im Borjahie unser wohlinotivirtcS llrthcil dahin abgegeben, daß das Höriper P a s s i o n S s p i c l von freisinniger Seite nicht zu fördern sei, weil dasselbe, statt daS religiöse Empfinden des BolkeS zu veredeln, eher geeignet ist, dem wilden GlanbenShaffe neue Impulse zn geben, und weil die Theaterflcitnng durch Bcranstaltniig von' Separarvorslellungcn für notorisch antisemitische Hetzvereine ihren Snmpathicn für Eooperator Latschka und seine Jirtcntionen offenen Ausdruck gcgebcn hat. Ta ein Gleiches auch Heuer zu befürchte» ist und von einer Acndcrung des TepteS im Sinne unserer seinerzeit erhobenen Bedenke» nichts verkantet, halten wir auch Heuer > dafür, daß alle Freunde der werkthätigcn Abwehr in den, böhmischen Dberammergan kann, eine» ästhetische» und sittlichen Genuß suchen und finden dürften. v. (Ulltttsuchllllst rallbinischrr Gcsctzbüchcr.) Tie Petilionscommission des deutschen Reichstages verhandelte am 21. d. M über eine Petition, betreffend die llttteif»ä)ttng der rabbinischcn Gesetzbücher der Jude». Ter Referent Freiherr v. Langen, der seinerzeit vielgenannte Beschützer und Geldgeber Ahlwardl'S, empfahl die Petition, wobei er Leute wie Rohling und Ecker als Gewährsmänner anfühlte und sie als „namhafle Gelehrte" bezeichncte. Ohne jede eigene Sachkenntniß wiederholte er die aus der antisemitischen Hetzlitcratnr bekannten Berdüchtigungen gegen den Talmud, den Schnlchan Arnch .'e. Ter Bertretcr des PcichsjustizamteS, geheimer Dberregierungsrath v. V e_n 11) e, erklärte, die Petition sei schon im Borjahre alS ungeeignet zur Erörterung im Plenum bezeichnet morden. Ter Reichsjustizverwaltnng..sei nicht bekannt, daß sich für ein Bedürfniß der Rechtspflege eine staallichc Ucbersetzung des Talmud oder dcS Schulcha» Aruch erforderlich erwiesen hätte. TaS Rcichsstrafgefetz fei für alle Slaatsangchöiige gleich verbindlich. Der Talmud habe nicht die Bedeutung eines Gesetzbuches und habe auch auf privatrcchtlichem Gebiete nur eine sehr bcschiänltc Anwendung, nämlich nur für RechtSstreiligkeiten unter den Juden und wo cö sich um den CnltuS berührende Gcb.iete handle, für welche überdies die betreffenden Borschriften auch staatlich anerkannt seien, so für jüdische Ehescheidungen, wie dies in Württemberg der Fall ist: dann werde die Sache behandelt wie jedes Gewohnheitsrecht Rie habe j sich aber ein Bedürfniß der Ileberfetzung hcrauSgestellt; auch habe die , Reichsregierung keinen RcichSeultuSminister, ,den sie veranlassen tönntc, - hiefür Fachproscssoren zu Raihe zu ziehe». Tie Rcichsregiepung tönne j nur wünschen, daß der Petition kcine weitere Folge gegeben werde. ' In diesem Sinne wurde auch beschlossen, nachdem Herrn v. Langen 1 der (5orrefcrent Bogthcrr (Social - Temokratj, Gasse! in a n » | (national-liberal) und Payer (BolkSpartei) entgegengctrcieu waren. Payer bedauerte die Behelligung 'mit dem antisemiiischen Trödel, er! sei schon darum gegen den Antrag, weil er nicht die Geschälte des! Antisemitismus besorge» und keine antisemitische Debatte im Plcnnni j provociren wolle; letztere wünschte v. Langen gerade, wobei er die ' Gelegenheit benützte, ans die Tiencr des jüdische» EultuS zn schimpfen, i Die Conscrvativen Hüpede» und v. Herder unterstützte» Langen. Ter . Antrag dcS Referenten, die Petition dem Reichskanzler zur Berückj sichligung zu überweisen, wurde mit allen gegen die Stimmen der j Eonscrvaliocn (v. Langen, v. Herder, Hüpeden. Rettich und Jacobsj köttcr) verworfen; ebenso wurde der Uebergang zur TageSvidnung j abgelchnt. Tagegen gelangte der Antrag, .die Petition als zur Be- ■ , raihung im Plenum nicht geeignet zurückzuweise», gegen die Slimincn : der Eonservativen zur Annahme. j (Tie Berliner Akademie 1842.) In seinem Buche „Ein Jahr- I hundert der Judenemancipation und deren Bertheidiger" erzählt Isidor Kain (Leipzig 186'.), S. 4") folgende interessante Episode: „Als ein Physiker jüdischen Glaubens 1842 in die Berliner Akademie der j Wissenschaften ausgenommen und vom König bestätigt wurde, fragte ' der. .Cultusminislcr Eichhorn schriftlich bei der Akademie an,-ob sie! auch gewui t, daß der Gewählte ei» Jude sei'? Tie Akademie war jedoch ihrer Würde sich bewußt und ließ den Minister ohne Antwort." (Ll Ulld >0.) DaS Schöffengericht in Dresden beschäftigte sich vor Kurzem mit der Privatklage dcS Tr. Paul Li man gegen L l a 11. Dr. Max Loh an, refpective dessen Widerklage wegen Beleidigung^ Tie Borgeschichte dieses ProcesicS ist in der Hauptsache unseren Leser» bekannt. Liman war dis Mitte vorigen Jahres Redocteii-r der eonservatio antisemitische» „TreSdener Rachrichte»", Lohan hat noch heute dieselbe Slellnng bei diesem Blatte inne. Beide hatten als die politischen Lcitartikclschrciber der „Dresdener Rachrichten" unter der Bezeichnung ^„Li und Lo" eine gewisse Popularität in Sachsen, als Lima» avfing, für die in Dresden nengeginndcte „Teutiche Wacht", das Drgan der antisemitischen Reformparici, zn agiliren, und unter Kündigung seiner bisherigen Rcdactionsstcllnng sich, schließlich ganz dieser Partei widmete. Ilm letztere vor Tr. Lima» zu warnen, vcrössentlichtck' Tr. Lohan in den „TreSdener Rachrichten" einen osienen Brief und warf u. A. dem Privälklügrr darin vor, er, der gegen die Inden im Sinne des RaceiiantiscmiiiSinnS agitiee. sei jüdischer Abstammitzig, und zwar Sohn eines Bollblntjnde». Ferner habe Liman dritte > Personen veranlaßt, Briefe an die Bcrleger der „dresdener. Rach». > richten" zu schreiben, in der Absicht, sich deren Gunst dauernd zu > sichern. Auch habe er seinen Eontraei mit de» Bei leger» und sein Wort gebrochen, insofern er sich verpflichtet haue, keine Leitartikel für die „Leipziger Renestcn Nachrichten" Mehr zn. schreibe», dies aber nickst eingchalten habe. Schließlich habe Kläger wiederholt behauptet, er sei von dem König Albeit von Sachsen wegen seiner Leitartikel in einer Aud»»z zur Rechenschaft gezogen kvorden, und dieses fei eine taktlose Unwahrheit und eitle Renommisterei gewesen. Ans diese Bor» würfe reagilte der Kläger in einer „osienen Antwort" in der „Tentschen Wacht", die von Beleidigungen winrnielte: dem Beklagten, der deshalb als WiderIläger anftrilt, war darin Saiiss.aciionsnnsähialeit, Fälschung einer Annonee in den „TreSdener tlcechrichten", Lügen und Undankbarkeit gegen de» Klüger vorgeworscn. Tie.angebliche „ .'lnnoncenfäljchung" "entbehrt nicht eines komische» Beigeschmacks. In den „TreSdener Nachrichten" erschien nämlich im August v. I. ans der sogeuanntkn „EielSwiesc" dcS Blattes, dem fürprivaten Meinungsaustausch reservirten Thcil, eine Anzeige häkiin lautend: „Wann wird endlich über den Ahlwardt Fonds -gesamiyclt von Tr. Liman unddem Berlagtbnchhändler Glößi tleechcnschaft abgelegt und Uber die einzelnen Beträge quittirt werden'?" Unterschrieben: „Mehrere Spender." Ter Beklagte hat ohncweiterS zugegeben, der Berfasser dieser neugierigen Anfrage, die übrigens noch nicht beantwortet in, zu sein. Festgesteüt wurde durch die" gerichtliche Ilnternichüng. daß daS gestohlene Mannscript dieser A n non es i» die Hände des Tr. Liinan gelangt ist. WaS zunächst die Behauptung anbeirisst, Tr. Lima» sei jüdischer Abstamnüing, so wird durch- Atteste der Friedrich Wcrderschen Gemeinde in Berlin fcstgestellt, daß der Urgroßvater deS Klägers mir IL. März 1801» vom Jndenthnm znm Ehristeitihui» nbergctreten ist und dabei seinen ursprünglichen Raine» Isaak Rathanacl Liep mann in Ehrist.ian Lima» verivandclt hat. Auch der U.berlritt der t^roßellern wird durch Toeumente derselbe» Kirchengemeinde nachgewiesen. Zeuge Redaetcur R ul and (Berlin) sagt ans, entweder Tr. Liman. oder sei» Zivi lingSbruder habe gegen Ende der- Siebzigerjahre einmal geäußert, schon der Großvater sei getauft gewesen. In dem damaligen Bekanntenkreise, des 'Tr. Liiyan haben keine Zweifel darüber bestanden,,daß Klüger ursprünglich jüdischer Abstammung sei. In demselben Sinne sagt Zeuge Kaufmann H crz frld Berlin - ans. I» Betreff der angebliche» Audienz bei dem König von Sachsen wird nachgcwiese», daß Liman gegenüberdem Zeugen Tircetor W oermann und Andere» behauptet hat, eine solche gehabt zu habe». Liman gibt zu, nie zur Audienz befohlen gewesen zu sein. Ter Berleger der „TreSdener Rachrichten", Rcichardt, bekundet, daß Lima» ihui Ende Mai daS Ehrenwort gegeben habe, seine Mitarbeiterschuft an den „Leipziger Rcntsten Nachrichten" cinznstcllen: Liman habe. Work .und Eontr. et gebrochen. Tr. Lohan wurde zu 3U0 Mark, Tr. Liman zu 2r->> Mark Geldstrafe rsernrthcilt. Erstercm wurde die Wahrnchninng berechtigter Interessen durch dcri „ossencn Brief an die Reformpartei in Sachsci?" abgcsprochcn, Letzterem diese insofern zu. gebilligt, als ihm, dem Angegriffenen, mildernde Ilinständc bei Anführuiiq unwahrer Thalsache» (! znznbilligen seien. (Pctilioii lim ei» lscsctzlichcS Tchachtvcrbot in Bayern, r Dem bayrischen Landtage war eine Petition der Antisemiten Bayerns, ins besondere Münchens, zngegange», in der ei» Schächlverbol ve>langt tvnrde. Allein der Petitionsausschuß der Abgeordnetenkammer hat einstimmig erklärt, die antisemitische Petition »in ein gesetzliches Berbot des SchächtcnS sei zur Beralhung im Plenum nicht geeignet. Tie Referenten waren die Pfarrer Tr: Frank und Löwe »stein; Elfterer, der sich durch seine Schrift „Tie Kirche und die Inden" um die Abwehr bewegung hochverdient gcuiacht hat,erbrachte den gründlichen Beweis, daß daS Schächten hygienisch vortheilhaft und keine Thierquälcrei sei.

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