Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 99 (25.2.1894)
- Date
- 1894-02-25
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Freie» Blatt. Nr.!». das Ö'eict? bctrcftcnb die Bereinigung von Floridsdorf, Groß-IcdlerSdorf. OeMcice und Donaufcld ’,it einer OrtSgemeinde. Mechaniker Crneü Schneider hielt bei dieser (Gelegenheit eine wahre Brandrede, zog dabei auch in nngnalisicirbarer Beeise die Krone in die Debatte und drohte mit „gesellschaftlichen Bewegungen". Wie bekannt, stand die -tzcirlei der ..christlichen Socialrcsorm" vor Jahren in intimen Be tiehungen zu Herrn Poukerl. — In der Schlußsitzung deS Landlages vom LI. d M. veranstalteten die Antisemiten wieder einen C'rodnS, um eine Beschlußfassung über den Bericht deS LandcsauSschuneS, betr siend die von Greg orig gegen die Donau-Rcgulirungseommission erbobeue» Beschutdigiingen, zu verhindern. Dieses Manöver mißlang jedoch. indem das' Haus trotzdem beschlußfähig blieb. Im Sinne der Ans>chnßaiilräge erklärte der Landtag, daß die Beschuldignngen t^regorig's sich als unwahr erwiesen haben, und sprach darüber' das Bedauern aus, düß derartige, vollkommen unbegründete Be'eiiuidiguugen;nm Lrachlhcite der Autorität der Donau-RcgnjirnngSeoiuiiü'iion und unter Schädigung der bürgerlichen Chre der Baunnreruebmer erbobeu worden sind. In der diesem Beschlüsse vorhergeaaugencn Debatte wicS Dr. Albert Richter auf das Bcrhaltcn Gregcrig's und seiner Genoffen hin, welche trotz der wiederholten Einladungen;n den Berathungcn der vom Landtage eingesetzten Com uir'üdu :i:du oridiicitnt sind und vor der Berhandlung im Plenum d>ri rena'seu haben. Der Statthalter Graf KiclmanScgg .rt-a-ie.e:: un.ririe'eneu Anschuldigungen in Zwischenrufen als gcinein- ' .!> a d l: ' ur das ga uz c L a n d, wie wcnn inau Gift in d:e B r u!! II e n träufle. Abgeordneter R oSke betonte die Lrolhuerdiat.il einer Revision der Geschäfts o rd I! u Kg. Diesem darteil gab nachher auch der Abgeordnete D n m ba Ausdruck, .. -.i;u '.irer Schlußrede darauf hinwics. daß die Geschäftsordnung as d-r it siamme, wo die Geschürte des Landtages sachlich, gründlich aud luk.u'cha'islos verhandelt wurden, uud-daß nun Borsorge getroffen werd'!! mir sie. allen Ausschreitungen und Beschuldigungen sowie lcidcu- -ch.-'i-ch-.n Berdächiigungen einen Riegel vor;uschicben. AuS der Scheuß:, de des SranbalrerS ist hcrvor;uheben, daß derselbe unter ü.lriiü'cheui Beirau die großen Verdienste hervorhob, welche sich?: L u si i a n d l um das Schulwesen des Landes erworben hat. — Jnrere"-: der neuen Bezirke Wiens ist cs lebhaft zu bedauern, daü es den Auiisciuiken in der abgelanseucu cessio» gelungen ist, die r N'.chsttbrung d-r Böablrcrorm.zu vereiteln. Der restcmrirte Wrberljud. Mau 'chrerl'c uns: Vergangenen Sonntag besichtigte ich den rcstaurir:.u Ca'.rari.iibera der Prarrtirche in Hernals und war nicht wenig si.nint. au' der dreizchntcn Leidcnsstation den Körbcrljudcn wieder in sinken Ich »inn gestehen, daß der Anblick dieser absichtlich cari-!^:en Figur einen widerlichen Ciudruck aus mich machte, der sich noch erhellte, als ich hinter mir eine Kindcrstimme fragen hörte: „Muatta, gelt, dos es der Jud. der uiisein Herrgott kreuzigt har?" Cmpört darüber, daß mau in dieser Beeise in daS Her; des Kindes den Damen zni», l'sislkraut des Meni'chenhaneS lege, kehrte ich um, zwängte mich durch k:e licrausdrängcudeii Meiischeiiiiiqsseii hinab und hörte/ bei der;wc ier: Leidensstatwn angclangt, abermals die Stimme eines Kindes, rr'eiches seine Begleiter fragte: „Js wahr, mnaß man den Körberl indelt an'vncken L" Wenn nur ein einzigesmat einer unserer hohen Kirchenri.rne:: unerkannt sich in die zumeist ans den Heurigenschenken kommenden .'ldmmen" Calvarienbcrgpilger mengen wollte, er würde gewiß ein en-.rai'ckes Boil danär sprechen, daß dieses rohe, der Gesittung und rrab'.en Renaron Hohn sprechende Denkmal-eines sinstcrci! Mittelalters 'nr immer le'euigt werde ü „Freie Blai:" schrieb bereits in Rümmer 4L voui 22. Jänner das „i.ut'dv: Bolksblatt" die Hosinung aussprach, es werde auch an' de.n damals in der Rcstaurirnng sich befindlichen Ca!rgr:.-i:berge der Korbcrljnd wieder feinen Platz finden: .. r an es;u allen - Seiten Leute gibt und geben wird, die ihr edhri'tenthüin nnd Arierthnm' daniit legitimirk zu haben meinen, daß 're. 'tat:;i: a.reiten und;u beten, in der »Fastenzeit nach Hernals bi'.iiimeln, den Körberljnden' verhöhnen und sich dann in den Henrigenscheirken toll >uid roll zechen, kann nns ebensowenig wunder», als daß di» hiesige .Tenne!': Bolkscloake' dergleichen mit Gier und breitem B-clilbchagen als einen sinnigen Brauch, vielleicht auch noch als einen echt deutschen unk echt ckiristlichen Brauch hinftellt, wofür ''sich jeder chrisiliehe Tcnrsche bedanken kann. Was uns wundert, ist einzig, daß die berufene K irchenbchördc zu .einer solchen Verrohung der BolkSsitten an einem geheiligten Orte zu geheiligter Zeit die Hand reicht, und daß, wenn diese Kreise das Ungeziemende, eines solch ein Borgehens nicht merken, es nicht noch Höhere gibt, die das Gesetz vor einer so offenen uind permanenten Verhöhnung schützen, wie cs der .Körbe rljud' und dieivor ihm stattfindenden Orgien des gemeinsten P ö b e l >r i Wir sandten die betreffende Rumnier des „Freien Rctourreccpiffe au den damaligen Ministerpräsidenten wie an lliitcrrichtsmiiiistcr v.-G a u t s ch, ferner an crzbischof Gruscha, dcr noch in Amt und Würden ist und dessen eigenhändige Unterschrift ans dem Rccepisie sich ia unseren Händen befindet. Da die Aufstellung des „Körberljuden" — dcr eine offene Verhöhnung einer gesetzlich anerkannten Religion verhindert wurde, werden mir uns mit diesen Zeilen an die dcrmalige hoheRegierung wenden, welche „n Falles" auch mit dcr Wcgräumung des „Körberljudea" die perniancnte RcligionSvcrlctzung in Hernals verhindern wird. ah ns sind." Blattes" mittelst Grafen Taaffe t'Cardinal-Fürsthcdcntet -rnicht in gleicher Werse rfordcrlichcn (Wer verzögert dic öffentlichen Arbeite»'?) Ciiicr der geläufigsten Borwürfe, den die Antisemiten gegen die Liberalen erheben, ist, daß letztere dic Aufnahme der Arbeiten in den »cucii Bezirken verzögern. sie die Macht in j, der unter dcr Was thun aber dic Aiitiscmikcn selbst dort, wo den Hüiidcn halten? Der Hcrnalser Bczirksansschn Dictarur des über Liacht vom Liberalismus zum AntiscmitismiiS Überlaufenen ehemaligen Bürgermeisters H c l b l i n g steht, hat dies in einer seiner letzten Sitzungen illustrirt. Bezirksausschuß S hu st er hatte — wie die fortschrittliche „Bezirks-Post" schreibt j— zwei Anträge cingebracht. Cincr derselben betraf die schon zum allgemeinen Äcrgcrniß gewordenen Objecte an dcr ehemaligen Hcrnalser Linie, in welchen früher die Linicnüniter untergcbracht waren. Diese Verkehrshindernisse wollte Herr Dchustcr beseitigt wisse», Hclbling aber war nur schwer zu dem Geständnisse zu bewegen, daß er die gceigiictsn Schritte untcrnehmcn wolle. Dcr zweite Antrag bezog sich aus die Aetion einer Anzahl von Bürgern des VIII. Bezirkes behufs Verlegung der Stirnseite dcr im Bau besindlichcn Brcitenfcldcr Kirche. Wieder, war es . Hclbling, welcher sich dem,Anträge entgegensetzte »nd sogar erklärte, daß er keinen Beschluß darüber zulassen könne, Hc!rr Hclbling fand den traurigen Mnth, diesen Antrag" deS Bezirksausschusses Schuster, weil derselbe zufällig in dcr Rühe dcr Brcitenselder Kirche den „Hcrnalscrhof" besitzt, alö eine Privatsache zu bezeichen. Hclbling dürfte wohl allein dastehen mit seiner Ansicht, daß die Gürtelstraße durch dic Stadlbq.hu derart verunziert werde, daß csl nicht nothwcndig sei, die Stirnseite dcr Brcitenfelder Kirche nach dem Csiirtel zn richten. „Ja, wenn dic Bahn nicht gebaut würde," meinte Herr Helbling, „dann könnte man den Antrag des Herrn Schuster unterstützen." Was würde Herr Hclbling gesagt haben, wenn es Herrn Schuster etngcfal'lcn wäre, dic Anträge eines gewescucn Bürgcrmeislers von Hernals bezüglich Pflasterung dcr Alsbachstraße als Privatsache hinzustellc», aus dem einfachen Grunde, lueil dieser Bürgermeister zufällig Hausbesitzer in der genannten Straße war? Die „guten" Absichten des Herrn Helbling drangen indessen durch. Keiner dcr Anträge des Bezirksaneschusics Schuster gelangte zur Annahme, aber — die bösen „ Judenliberalen" verzögern alle Bauangclegenheiten. /Alltijcillitische Wahlfälschung.) Der Gastwirlh in Döbling, Herr S i m o n," wollte von seiner WahlleFitimation für Zwecke der letzten Crgänzungswahlen in den Döblinger Bezirksausschuß keinen Gebrauch machen und vcrwendtte sie dazu, darin eine Wurst cinzuwickeln. Der Käufer derselben trug das Papier in das Wahlagitationslocale; hier übernahm die-Legitimation der Kaffeehaus-Geschäftsführer Franz Marzinger und übirgab sie dem Partieführer der Straßenkehrer Johan Lackner zur Ausübung der Wahl. Lackner betraute damit seinen Untergebenen Stefan Haydnsi, der auch auf diese Legitimation für den ^damals durchgcdrungencst Candidaten dcr Antisemiten, Heirn Spieß, stimmte. Hahdni wurdt beanständet und machte Angaben darüber, wie er dazu gekommen, änstatt des Herrn Simon zu stimmen. Diese Wahlfälschungsasfaire gelangte nun vor einem Erkenntnißgerichte unter Vorsitz des Landesgerichjts-Vicepräsidcnten Tr. Holzinger zur Verhandlung. Marzimger wurde zu viezehii Tagen, Lackner zu einer Woche und Häydni zu drei. Tagen Arrests verurtheilt.! - Faule Telchwaaren.) Die Gemischtwaarenverlchlcißer Gottfried Helm re ich, X. Bezirk, Waldgaffe, und Heinrich Mjilla, X. Bezirk, Simineringerstraße wohnhaft, standen vergangene iWoche vor dem etrafrichter des Bezirksgerichtes Favoriten, um sich wegen Uebertretung gegen die körperliche Sicherheit zu verantworten. der Sie