Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 98 (18.2.1894)
- Date
- 1894-02-18
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 9«. Freies im Norden und Oste», ja selbst im Süden, bis nach der Lüneburger Haide uüd bis »ach Baiern hinein, slavi sche Einsprengungen erfahren,hat, - ebenso finnisch-ugrische und litt au i sche im Nordosten — keltische und rhätische Bevölkerungen im Süden, unter welchen das Römerblul wieder seinen Einfluß geübt hat, nicht zu nennen.. Hugenottische Einwanderer aus Frankreich feien auch nicht vergessen. Man wird sich, wenn man dies Alles zusaminen betrachtet, nicht wundern, unter den Inden cbensalls eine Mischung der verschiedenartigsten Stämme zu finde». Sie sind keineswegs durchweg, ja wohl kaum in ihrer Mehrzahl Has, wofür eine mittelaiterlich verfolgnngssüchtige Partei sie änsgibt. „Semit" soll, ganz unsinniger Weise, ein Schimpfwort, „Arier" gewissermaßen ein Adelstitcl sein. Wer nun aber den als'von hebräischer- Herkunft be zeichneten Bevölkerungötheil Deutschlands oder anderer Länder, genauer, mit wirklich offenen Augen für hervorlrctcnde Bcsonderheiley ansieht, der wird in ihm sicherlich die denkbar gegensätzlichsten Menschenschläge erkenne». Pom Staudpunkle der beschichte und der Bölkerkunde ist dies leicht erklärbar. Bon UralterS her, seit ihrem Aufenthalte in Egypten und später in der babylonische» Gefangenschaft, dann unter persischer, makedonischer, griechisch cgyplischer, syrischer »nd römischer Herrschaft, sind die Hebräer in die mannigfaltigsten Beziehungen z» fremden Böllern gckomsnen. Mehr und mehr bildete sich überdies im Laufe der Zeit die ursprüngliche hebräische Bolksgemeinschast zu einer bloßen Religionsgemeinschaft aus, in welcher Leute der verschiedensten Stämme Aufnahme fanden. Ging doch einst im heutigen Süd-Rußland ei» großer Theil der K ha za re», jenes merkwürdigen, den Türken vcrwiiidtcn, aber nach Bildung strebenden und an byzantinische Kultur sich a»lehnende» Bolkes, zum mosaischen, Glauben über. Heute lassen sich, um nur von den deutschen Israeliten zu sprechen, unter ihnen die wirkliche» Semite» mit scharfem, feiiigcschnitlcncin Antlitz erkennen. Es sind ihr»r nicht sehr Biele. Das Wort „Antisemitismus" ist daher schon deshalb ganz lhöricht. Rebe» de» Juden von eigentlich semitischem, sozusagen arabischem Schlag gibt es solche, die die Züge eines der ältesten Kulturvölker, der Egyplcr, trage». Wiederum trifft man auf welche ans turanischcm, an die geistig sehr begabten Japaner erinnerpdcm, wieder Andere ans augenscheinlich assurischein oder auch,a»S altpersischarischem Stamme. Endlich wieder welche, die, blond und bldti?~ oder grauäugig, nahezu den Germane» gleiche». Während der babylonischen Gefangenschaft befanden sich die Juden in einci» Lande, wo die älteste Unterschicht eine akkadlsch luranische war, über welche sich semitische Assyrcr hinlagertcu — ein Volk von hoher Entwicklung. In Palästina selbst saß, wie die neueren Forschungen gezeigt haben, vor Alters eine lhrakische, somit de» Deulschen und Standinaven verwandle Bevölkerung. Thraker erfüllten ja auch den ganzen Westen und Norden Kleinasieirs. Tie „Riesen" dcS alten Testamentes sind offenbar nichts Anderes, als diese einst »ach Palästina gedrungenen Thraker. Roch heute trifft mau, wie in Deutschland so auch in der Levante^ häufig auf Juden von einem Gesichlsschnitt, einer Haar- und Arzgenfarbe, die eine theilweisc Abstammung von diesem arischgermanischen Thraker-Bolke »ahclege». Die Armenier, bei denen man körperliche Eigenschaften beobachtet hat, die sich oft bei Juden, nicht aber bei den semitischen Arabern finden, sind ursprünglich Ansiedler aus phnigisch thralisch ein Stamme. (Hcrpdot, VII., DI.) Wie nun. Thrakcrblut unter die Juden, so ist offenbar.später semitisches Blut, unicr die Armenier gekommen. Also auch auf diesem Gebiete findet sich eine Mischung „semitischen" und arischen Bolksthumes. In Spanien waren die Juden mit den Mauren in enger Verbindung. Ihre theilweisc Einwandcniug von dorther »ach R l a t t. _. *' Seite 9._ Frankreich »nd Deutschland, wie auch die Einwanderung von Israeliten aus Polen, Rußland. oder den Donau-Ländern gibt wiederum die Erklärung für gewisse GesichlSuüd Körpersormcii. Was soll cS bei solcher Lage der Thätsachen heißen, daß die Judenhetzer immer von „Semiten" sprechen. In den Tagen der .babylonischen'Gefangenschast haben bereits vielfache Mischehen von Juden mit dem Bolle stattgefunden, z» dem sie zwangsweise übergeführt worden waren Gegen die fortgesetzte Ehe mit den .Fremdlinge» haben die Propheten nachher geeifert, aber wohl nicht immer mit Erfolg.. Die spätere Entwicklung des Judenthums, in welcher die StamincSabkunft hinter die, Religion zurücktrat, der Fremdling also leicht in die Religionsgemeinschaft ausgenommen werden konnte, trug »och weiter dazu bei, de» ursprünglichen semitischen Stempel zu verwischen. Am t^ber-Rhein gehören die Juden sozusagen zu den ältesten Einwohner» Deutschlands. Sie kamen dorthin im Gefolge der Römer zu einer Zeit^ wo in Südwest Deutschland' noch Urberbleibjcl gallischer Stämme vorhanden waren. In den verschiedenen Ländern Europas aber, wie gezeigt worden ist, ist die Muslerkarlc der Stämme, aus denen sich die einzelnen Völker heute zusammensetzen^,eine auffallend bunte — so sehr, daß die meisten nicht einmal auf rein arische Abkunft Anspruch machen können. > Wenn man nun heute die Bürger mosaischer GlaubeNjSgenossenschaft — und wie Biele von ihnen sind religiös sogar vollkommen frei! — auf ihre „fremde" Abkunft hin entrechte» oder verfolgen will, obwohl ihre Borfahren seit Jahrhunderten, theilweisc seit inchr als 1000, ja seit bald-2000 Jahren in Deutschland wohnen, so könnte man ebensowohl die Einwohner unseres Vaterlandes aus w e » d isch ein, l i tt au i sche »i, fran;ö s i schein, ita lienischem oder sonstigemfremden Stamme, die man ja noch meistens sogar an ihrem Namen alö Abkömmlinge von Fremden erkennt, in gleicher Weise behandeln. ' Welcher Rückschritt! Welche Narrheit! " Die Ernpörevin. Roma» »ach dem Englische» des Waller Besaut von Marie Maje.r. (13. Aorlletzuug.) XV. Elara Irrig ihr romanlischcs Geheiinuiß mit sich nach Hause, ohn, cS. ihrer Eousinc mitzuthcilcu, sic trug ihr Geheimniß mit sich fort, ungewiß, was damit anzufangcn. Sie holte Franziskas Vater gefnndcu! Sic halte den Man» gesunden, dessen Bild FranziskqZicständig vor sich hatte, dem Bilde eines Heiligen gleich stctS mit frischen Blumen bekränzte! Franziskas Vater, der todt geglaubte, war zuni Leben zurückgekehrt Sollte sic ihr's sagen? lind wie sollte sic ihr's sagen? Tann dachte sic des 'eigenen Vaters: Es war scii^ Geheimniß. Sie mußte ihm sagen, was fix entdeckt halte; sic durfte nichts in der Sache thun, ohne sein Wissen und Einvcrstündniß. Selbigen Abend noch ^begann sik während der Mahlzeit über den Zimmerherrn ihrer Eousinc zu sprechen. „Ja," sagte ihr Vater, „er ist eine höhere Art von Menschen. Und seine Arbeit ist gut, es liegt das richtige Gefühl darin. In zwanzig Jahren wird cs einen Namen haben und sein Geld wcrth sein." „Er ist ein Mann von Bildung," sagte Elara crröthend. Mr. An'gclo warf ihr einen raschen Blick zu. „Du hast mit ihm gesprochen vermulhlich. Ja, er ist ein Maun von Bildung. —. mehr als die incistcn Anderen Und warum errölhcst du, Elara?" „Nun, Bater^ wenn du eine» Manu ausnimmst auf die bloße Einführung von Hamburg hin und ihn zu meiner Eousinc Nellh rinmicthcst, die nie früher Miether hatte und deren nicht bedarf, s? ist cS sehr klar,, daß du irgend einen Grund hattest, und ich hoffe, du wirst nicht dcnkeü, daß ich spionire und nach deinem Beweggründe forsche —" „Ich denke so etwas nicht-, mein Kind. Es wäre schlimm für unS Beide, wenn ich fg dächte. Aber fahre fort." '! „Also, Vater. Denke, dieser Mann häkle,mir Verschiedenes gesagt, denke, ich Hütte Verschiedenes hcrauSgcfundcn - "