Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 98 (18.2.1894)
- Date
- 1894-02-18
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. FreieoSlatt. Nr. 98 fiffcfr. 3- Müller, Borstand der Genossenschaft der Bäcker. Wenzel Gotthard Zimmermann. Borslkher der Gemilchkwaarenoen'chleißer. Anton v Waldhkim, Borstand der Wiener ApoihekergremiumS. Emil M. Engel, Borstand de« Gremium« der Buchdrucker und Schriftgießer. Albert Jaschke, Borsteher der Juweliere, Gold und Silbcrichmicbe in Wien. Josef Wimmer, Borsteher der Wiener Fleischkauergenoffenschaft. Franz Janka, Borsteher der Genostenschaft der Glaftr, Glashändler und GlaSichleifcr. Anton Panek, Borsteher der „ Feinzeng-, Lrahlimd Mesterichmiedgenoffenschaft. Heinrich MathieS, Borsteher der Lpenglergcnostew'chaft. Franz Rieder, Borsteher der Lictualienbandler ohne Berkauisgewölbe. A. jiehl, Borsteher der Seilergenoflenschaft. Eduard Weber, Borsteher der Canaliäomergenostcnschaft. Ludwig Bret-> schnei der, Borsteher der Genossenschaft ''der Wilkpret- und Geflügelhändler. Bi. Eisenschimmel, Borsteher der Genosten'chaft der Erzeuger von Spiritus, Lnmeur, E'sig. Schaumwein, Preßhefe und Stuf. Ferdinand Schramm, Borfteber der Genosten'chaft der Ta'chuer. Joies Pauly, Borsteher der Bcltwaarenerzeuger. Johann Schwerdiner, Borsteher der Graveure. Earl Grasser, Borsteder der Büchienmacher, Schwerlseger, Waffenschmiede und Büch-enschäster. . Eail Schrott, Borsteher der Bergrlder. Eduard Zeitz, Borsteher der Tuch 'cherer. Johann Meerkatz, Borsi/Her der Ziebmacher und Gitterstricker. Franz Hinke, Borsteher der Genosfenichafl der concesfionirlen Branntweinschänker mit dem Zitze »1 Wien. Malhia» Rausch, Borsteher der Gtnossenschaft der Bogel-, T^ieihäntler und TbierauSstovfcr in Wie». Franz Herrmann, Borsteher der Genossenschaft der «kunftblumenerzeuger. Ferdinand Taubler, Borsteher de« Gremiumder Zeidenwaarenerzeuger. Eduard Reuter, Borsteher der Land- und Stadl Lohnfuhrwerke Earl Ultz. Tbmann de« Wiener Modeclub Tie genannten Gcnostcnschaftcn beschlossen auch, den Präsidenten de« Nicderöstcrreichischcn GcwerbcvereinS, Freihcrrn v. Ezedik, zu ersuchen, dag der Gewerbcvercin eine Versammlung einberufen nitqe, :» welcher über die Frage der Abhaltung de« SaatcnmarklcS discutirt und dadurch de» Kleingewerbetreibenden Gelegenheit geboten werden solle, ihre Stellungnahme geeigneten Sites zu präcisiren. (Aus fortfchrittllchcn Bcrcintn. Tie antisemitischen Erccsse, die sich von Tag zu Tag vermehren und, ' wie eine von Gregorig im Gemeinderakhe eingebrachte Interpellation über die Beerdigung de« Tr JaqueS auf dem Hietzinger Friedhöfe zeigt, selbst vor Gräbern nicht £wlt machen, erregt in den Kreisen der anständigen Bürgerschaft allgemeine Entrüstung. In einer zahlreich besuchten Bersammlung de« „BcreineS der Kort schrittsfreunde in der inneren Stadt" besprach neulich der Landtogsabgeordnetc und Stadtrath ')l 0 ske das Treiben der Wiener Äntiscmitcn und gedachte auch der Aelion deS Abwchroereincs Abgeordneter Roske verhehlte es nicht, daß die Erklärung deS Ministerpräsidenten über den der jüdischen RcligiouSgenosienschafr „erforderlichen Falles" zu gewährenden Schutz ihn keineswegs befriedigt Hab«, und betonte die Rothwendigkeil, den Frieden in der Bevölkerung, hcrzustellcn und den Terrorismus zu brechen, welchen die antisemitische» Bolksverheyer auf das öffentliche Leben auSübcn. Im Anschlusie an die sehr beifällig aufgenoinuienen Ausführungen RoSkc'S legte Abgeordneter Tr. Menger in einer ausgezeichneten Rede dar, daß man in Schlesien aus der Berwunderuiig über die Entartung des öffeutlichen Lebens in Wien gar nicht heraus komme und daß, wenn die Tinge io weiter gehen, die Regierung nicht mehr werde rcgie cn können. „Tie Regierung," fuhr Tr. Menger unter lebhafter Zustimmung der Versammlung fort, „wird einschrciten mLsfen, um das J(echl .zu wahren und die Schädigung deS öffentlichen Lebens hiutanzuhalten. Wien ist eine Handelsstadt. Kann eine Handelsstadt bestehen, wenn über deren Institutionen, wie der Saatenmarkt, derart im Landtage gesprochen wird? In der rohesten Weise wird der Jude angegriffen, aber gemeint ter Unl:rnchinungSgcist. der Handel und die Industrie. Wir sehen mit Schrecken, wie der Unternehmungsgeist in Wien darniederlicgt. TieS rächt sich rornclnnllch aber an den nichtbcsitzenden Elasten. Wenn der Unternehmungsgeist geradezu als ein Berbrechen erklärt wird, dann ist (3 kein Wune er, daß der Unternehmer, der Tausenden zu verdienen l gibt, 'ich fdicn zurnckzeehi, und das ist der unglückliche Zustand, an dem Wien leidet. Tie'es Trc'ben gegen jede Intelligenz und gegen jede Belhätigung des Unternehmungsgeistes ist geradezu verhängnißvoll. Leider haben die einsichtsvollen Elasten der Wiener Bevölkerung.lange müßig rugeicbcn Regierung und Bevölkerung müsten vereinigt gegen diesen Kamps gegen Best» und Uitternehinnng Stellung nehmen. Geschieht dies nicht, so könnte sich der R iederg a ng von Wien vielleicht zu einem dauernden gestalten." — 3n Folge einer Spaltung im eigenen Lager sah sich der „Politische Bo lkSv erein in T ö b l i » g" bemnssigk, selbst seine Auflösung zu beschließen. TaS Betrübende dieser Thalsache erscheint iildesten dadurch wesen!lich gemildert, daß ein neuer fortschrittlicher Berein für den neunzehnten Bezirk demnächst gebildet werden soll. Freudige Erwartung erweckte Herr Lbcrländer, welcher.in der letzten Pcrsaminluug des „Politischen BolkSvereines" erklärte: „Wir werden wieder die Fahne de« Fortschrittes entfalten. Ich bin in der Lage. Ihnen mitzutheilen, daß die Bereinigte Linke in ihrer Gcsammthcit sich «n daS Ministerium wenden wird — und daS soll zur Eröffnung der nächsten ReichsrathSsession erfolgen — um ganz energisch gegen die Uebergriffe der Antisemiten Abhilfe zu verlangen. Man wird unter Hinweis auf die letzten Borfälle in Tulln Schutz beanspruchen und von der Stellung, die daS Ministerium gegen die Antisemiten einzunehliien beabsichtigt, die Unterstützung desselben abhängig machen!"- 1 ' (Eine deutliche Antwort.) Der Bolkstribup von FünfhauS richtete kürzlich an den Statthalter Grafen KielmastSegg eine Interpellation deS Inhaltes, ob dieser geneigt sei, Verfügungen zu treffen, auf daß die Einwohnerschaft, der vier Gemeinden Donaufeld, Groß-JedlerSdorf, Floridsdorf und Jedlcsec bezüglich ihrer Ansichten über die Bereinigung directe und ohne Intervention deS Grafen Kuenburg und deS Baron Glan; befragt werde, so daß der wirkliche'Wille deS Volkes zum Ausdrucke kommk. Ter Mechaniker Schneider hat nun auf diese Interpellation von einer Seite und in einer Form die Antwort erhalten, wie er sich desten kaum versehen. Tic Gemeindevertretungen vo» Flori-dSdorf und Tonaufeld haben näniilich in ihren am 8. d. M. adgehaltencn ordentlichen Ausschußsitzungeif gegen die Einmischung Schneider'- in ihre Angelegenheit energischen Protest eingelegt und in diesbezüglichen Resolutionen ihren Anschauungen kräftigen Ausdruck verliehen. In dem Schriftstücke, welches bereits dem Statthalter Grafen Kielmansegg überreicht wurde, heißt es u. A.: „Es ist unwahr, daß da« Bereini^ingsproject von Seite de« Herrn k. k LtaichaltereiratheS Grasen.ftuenbikrg auSgegangen war, »»dein bereit« vor mehr al« zehn Jahren diese Frage angeregl wurde; bei den damatigen Umständen erschien die Lösung derselbe» uinsoweniger dringend, al« die entgegenslehenden Z.tnvierigkeite» sich al« uNübeisttiglich darboten." .|. . „Rach diesen Ans'iUv»»gen »nisten mir dem Herrn Abgeordneten Schneider die Einsicht in die hiesigen Berhältnisse absprechen und de» von ihm gebrauchten Ausdruck der Einmengung in die Angelegenheiten der vier Gemeinden auf ihn selbst beziehen." TaS ist deutlich gesprochen, und bet Herr Statthalter wie der gcsaiilmtc Landtag mag daraus ersehen, mit welcher Autorität und Legitimität sich der antisemitische Hetzer zum Wortführer des Bolkes auswirft. Wie verlautet, gedenken auch die Gemeinden Groß-JcdlcrSdarf und Jcdlesee ihren Staudpunkt in ähnlicher Weise zn kennzeichnen. Uebcrhaupt ist man außerhalb der Bannmeile von Wien von den Eowboymaniercn der Wiener Antisemiten nicht"sonderlich erbaut, und cS beginnen sich auf dem flachen Lande allmälig apch schob in antisemitischen Kreisen richtigere Ansichten über die landtägliche Thätigkeit der Herren Lueger, Grcgorig, Schneider und Consorten zu verbreiten. So nennt die antisemitische „Korneuburger Landpreffc" Gregorig's KampfeSweise „taktlos und ganz verfehlt"/ und die gleiichfallS antisemitische Kremser „Sefterrcichischc Landzeitung" tadelt denselben Herrn schon deS festeren in der unwirschesten Weise. Vielleicht wird in der gesunden Landluft sich die Genesung von der antisemitstchen Seuche anbahnen. Tie. schaukgewerblichen Eeiiofsenschaslen sitsicii Schneider.) Ter. Vertreter der schankgewerblichen Genossenschaften der »iederöstcrrcichischen Handels- und Gewerbekammer, Hotelier Rudolf B e y f u ß, hat sich durch eine Reihe von Angriffen des Mechanikers Schneider veranlaßt gefunden, den fchankgcwerblichcn Gcnoffenfchaften sein Mandat zur Verfügung zu stellen. In Folge desten hat der Präsident des Sestcrreichischcn GastwirtheverbandeS, Restaurateur I. G. Wiening er, eine Versammlung einberufen, welcher etwa hundert Vertrauensmänner beiwohnten? Zunächst erstattete Kammerruth Bepfuß einen Bericht über seine Thätigkeit in der Kammer. Er erklärte, er sei hon Mechaniker Schneider in so unqualificirbarer Weise angegriffen worden, daß er sich als ehrlos betrachten würde, wenn er nur den zehnten Theil dieser Beschuldigungen einsteckcn müßte, ohne den GcrichtSsaal zu betreten. Gastwirth. Anton Diertmayer, welcher sich als Antiliberalcr bezeichnet«, führte auS, daß Männer wie Schneider nur dazu da feien, um zu zerstören, nicht aber um auszubauen. Die KampfeSweise dieses Menschen sei nur geeignet, das Gewerbe zu schädigen, ünd sactisch arbeite Schneider nur für die Gegner der Gcwerbcreformi Er beantragte eine Resolution, welche den Kammerrath Beyifuß unter Vorirung deS vollsten Vertrauens zur Beibehaltung des Mandats auffordertc. Ein gleicher Antrag lag auch von der Gastwirthegenostenschaft in St. Pölten vor. In sehr warmen Worten trat Abgeordneter P 0 l z h 0 f e r für diese Resolution ein. In ähnlicher Weihe sprachen noch die Borsteher Weiland, Gcmeindcrath Seiler, Will ax >Wiener-Neustadt), Fruhwirth (Mödling), Trimmel (Baden),, die Borsteherstcllvertreter H a a s m a st und Baumgartner, Ausschuß Sbermayer. Insbesondere gab Vorsteher Weiland her Uebcrzeugnng Ausdruck, daß die Angriffe Schneider'« nur ^e'rdienen,