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Freies Blatt · 1894-02-18 · 98 (18.2.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
98 (18.2.1894)
Date
1894-02-18
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr 98 freies ignorirt zu werben. Mit einhelliger Annahme der Resolution schloß die Bersammlung (Eine christlich-sociale Fasteiipredistk.) Der Jesuitenprediger P. Heinrich Abel cröffncte am 13. b. M in der UniversilätSkirche ben Eyklus seiner Fastenpredigten für Männer nnb entschulbigte sich in ber Einleitung zunächst bei ben Zuhörer», baß er ben Beginn seiner Predigten auf 8 Uhr Abends angesetzt habe. Er liütte dies mit Rücksicht auf daS arbeitende Bolk geihan, für das er vor Allein prebige. Der Jesuitenprediger wies bann barauf hin, baß Papst 2eo XllI:, Cardinal-Erzbifchof Mailing nnb Erzbischof Eorrigan von Rew-2-ork übereinstimnienb ben (Gebaute» ausgesprochen haben, bas; bie Zukunft bei» Bolle gehöre; barnnter sei aber kein anderes als baS christlich-sociale beutsche Bolk zu verstehen. ^WaruM beim nicht auch christlich sociale Franzose», Polen, Tschechen :e.? Die Red. > Diesem gehöre die Zukunft, brnn feit die Juden den Heiland ver schmähten, seien sie nicht mehr baS anSerwühlte Polt. EhristnS selbst sei der Erste gewesen, der die Sache des BolkeS vertrat — gleichsam ber erste Socialist Deshalb, rief I'. Abel mil erhobener Slimme ans, vermöge er nicht zu begreife», wie sich an die Spitze ber focial-demo kratischen Bewegung 2eute stelle» könne», die Ebristum nicht anerkennen. (Polonskl,, wann bezahlst im deine Elirenschulv an Hauck?, Am 18. Dtcember v. I. veranstalteten die Wiener Ehristlich Socialen im Saale „Zuin grünen Thor" in der Iosefstadt eine Festfeier anläßlich des fünfjährigen Bestandes des von Ernst Berga»i herauSgegebenen „Deutschen BolkSblatteS". Als baS Fest feinen Höhepunkt erreicht hatte nnb die Toaste auf baS judilirenbe Blakt, den Heraus geber und die Schriftleitung gesprochen würben, erschien^»» Steigerung beS Festvergnügens ein Mann mit einem Paket, enthaltenb die 'ersten eben fertiggestellten „Festnummern" des Bergani'fchen Blattes. Ein im Saale anweseuder Zeitungsausträger Bergani's übernahm das Paket und vertheilte die einzelne» Exemplare unter die Kcstgäste. Diese öffneten daS Blatt und fanden in jedem derselben einen Zettel mit der gedruckten Inschrift: „PolonSky, wann bezahlst du deine Ehrenschulden an Hanck '?" Allgemeine Ueberraschung unter den Festgästen! Wer hatte dem' „Jubilar" gerade an dem Abend, an welchem er so gefeiert wurde, diese Mahnung in daS eigene Blatt gefchninggelt'? Für.alle Anwesenden gab es diesbezüglich nur eine Meinung:. Da in ben Blättern Tchönerer'S Ernst Bergani mit Rücksicht auf seine» polnischen Geburtsort nur PolonSky genannt wird und von besten nicht getilgter Schuld an Hanck oft die Rebe ist, so folgerte man daraus, baß nur ein Bekenner des Zwettler Ritus diesen Eoup ansgeführt habe. Das Paket mit de» Zeitungen hatte der-Gürtlermeister sauren; Markt in den Saal gebracht, und der Schuhmachergehilse und Austräger des Bergani'fchen Blattes, Josef Swaczek, hatte die einzelnen Eremplare vertheilt. Diese Beiden standen nun vor einigen Tagen vor dem Preßrichter unter der Anklage der unbefugten Eolpor tage. Der Festfeier hatte nämlich auch ein Polizeicommistär angewohnt, dem ebenfalls eine Festnummer überreicht wurde, und dieser war es, welcher das Einschreiten wegen Uebertretung deS PrefgesetzeS veranlaßte. Markt, den selbstverständlich Tr. Bincenz v. Berger vertheidigte, gab an, ein Mann, den er.mir oberflächlich kenne, habe ihm ans ber Straße eine Eintrittskarte zu dem Bergani'schen Feste geschenkt, dafür aber als Gegenleistung verlangt, daß er den Stoß Zeitungen in den Festsaal bringe. DaS habe er gethan; von den Zetteln, die in den einzelnen Rummern steckten, habe er nichts gewußt. Swaczek erklärte, er habe daS Paket in Empfang genommen und die Blätter vertheilt. Als er hiemit fertig gewesen, habe,ihn Jemand aufmerksam gemacht, daß der Ueberbringer deS Pakets ei» bekannter Schönerianer sei. Da habt er gleich, 'erklärte der Angeklagte, sich gedacht, das; irgend etwas vorgehe. Anfangs habe er sogar befürchtet, eS fei etwas in das Blatt „hineingedruckt" morden: daS sei wohl nicht der Fall gewesen, allein der Zettel . . Der Richter klärte den Angeklagten auf, daß gegenwärtig weder der Zettel »och dessen Inhalt das Gericht künunere, sondern lediglich der Umstand, daß im Saale, ohne daß für diesen Ert eine Vicenz eingeholt worden wäre, die Festnnmmer vertheilr rrbe. Da mir Josef Swaczek diese Bertheilung morgenounnen hatte, wurde auch nur er allein im Sinne der Anklage schuldig erkannt und zu einer Geldstrafe von I fl. verurthcilt, der Schönerianer Vaurenz Marti jidoch freigesprochen. Der Urheber dieser Ueberraschung bleibt jedoch »ach wie vor-unbekannt. lTie Ziidc» mm Lt. Pölten und Bischof Tr. Rößler.) Wäiirend Dr. Josef Scheich er, Profestor der Moraltheologie und des Kirchen Rechtes an der theologischen Lehranstalt in St. Polte», in Wiener Antisemitenversaninilungen -Nxi «mptumlni» l>yi»'\»l<-»tiam sogar von einer „Schonzeit" spricht, die dem Juden zutlieil werde, fand sich die israelitische EnltuSgemeinde St. Wölten bewogen, dem nenernannten 8 I a 11. Seite 5 Bischof Tr. Johann Rößler ihreGlttllwnnsche darznbringen. Sonntag den l l. d. M. empfing der Bischof eine Deputation der Eultus gemeinde, deren Führer Bezirksrabbiner Tr. Weinsberg, t. t. Feldrabbiner des Ruhestandes, in seiner Ansprache n. A. sägte: ,,Eurer bischöflichen Gnaden bisheriges Wirken ruft im Herzen, der ganzen Gemeinde die freudige Hoffnung wach, daß eine neue Aera für die ganze Diöcefe hereinbrechen werde, daß der leider so oft gestörte Friede zwischen den einzelne» Eonfessionen wieder hergestellt, daß nicht mehr wie bisher Priester im Räme» der Religion der Viebe Glaubens nnb Racenhaß predige» und sonst vorurtheilslvft Gemütlier gegen »ns aufwiegeln werden." Der Herr Bischof erwiderte: Er verkenne nicht die Schwierigkeit se »er Mission, in dieser turbulenten Zeit die Principien deS Evangeliums überall zur Geltung zu bringen, aber er hoffe, mit dem Beistände Gottes die fr uh er c H a r in o n i e. zwischen 'allen Bewohnern der St. Pöltener Diöcefe wieder h e. z u st e l l e n. Er unterhielt sich dann mit der Deputation über Einzelheiten seiner Wahl und stellte dem Rabbiner einen Besuch für die nächste Zeit in Aussicht. (Zur Prüfniist der jüdischen Rclistionslmchcr.) Eousistorialralh Dr. Schöpf, dem auch das „Freie Blatt" schon manche» schätzens werthe» Beitrag zu verdanken hatte, schreibt den Berliner „Mit theilungen anS dem Berein zur Abwehr des Antisemitismus": Wie der abscheuliche Antisemitismus anS Deutschlands gRorden in unser Reich imporlirt. worden ist," so kommen von daher fortwährend auch neue Schrullen und Mißgeburten, die von de» Antisemiten fälschlich Ideen, genannt werden. In diese Kategorie gehört die llrgirung einer strengen Untersuchung und Prüfung der Werte jüdischer Theologen alter Zeit. Solche Prüfung hat auch unser „Schußgeld-Schneider" im »iederösterreichischen Landtage angeregt. Es zeigt das wiederum von ebensoviel Unverstand alS Bosheit. Unterzieht man nämlich die Schriften der Theologen aller Eonfessionen der kritischen Prüfung, so sindek man allerdings viel Unkraut und Unsinn. Eine Eonfession darf jedoch nicht nach den Schriften ihrer'Theologe», sonder» muß nach den Smnboleu und heute geltende» religiösen Grundsätzen beurtheilt werden.^ Mag demnach Schulchan waS immer enthalten, wir ziehen nur die oniciellen dermalen geltenden Religionsbücher der Juden in Betracht. Für lSesterreich sind also die vom c Dr. Gerson Wolf ^verfaßten und durch die Erlässe deS k. k. Ministeriums für Eultus und Unterricht 1. 'v September 1882, Z. Ii)34">, und 12. Rovember Z 22820, approbirten streligionsbücher maßgebend und entscheidend. Habe mit dieselben beigeschasst, geprüft und gefunden, daß sie nicht das Mindeste wider den Staat oder die Gesellschaft enthalten. Im Gegentheil, wenn das Vebcn coniorin der „ReligionS und Sittenlehre für die israelitische Jugend" eingerichtet würde, hätten wir ein Eldorado. Uctheilen Sie selbst. Ich lege Ihnen das Buch bei. Bei nur etwas gntem^Wille» . müßte» die Antisemiten »ach Tnrchlesung dieser jüdischem Religion» bücher eingestehen: „Wir haben geirrt." Antisemitische Roheit.) In Ber lin spielte sich dieser Tage ein Act antisemitischer Brntalität ab, der selb» unserem „Schußgeld Schneider ein Wort der Befriedigung entlocken wird. Als der frei sinnige Schriftsteller Arnold Perls i» der Rächt vom!. auf de» 2. d. Bl. durch die Belle Alliance-Straße nach feiner Wohnung ging, begegnete ihm der ihm bekannte Zahnarzt siarraß i» Begleitung eines anderen Herrn'. Herr Perls rief dein Zahnarzt ei» „tonten Abend" zu, worauf der Begleiter des Begrüßten antwortete: '„Hall die Schnauze, verfluchter Jude!" Herr. Perls wandte sich um und machte de» Mann darauf aufinerksaui, daß diese Schmähung in jedem Betracht unberechtigt sei. Tie Wirkung dieser in ruhigem Tone ge äußerten Worte war nur, daß jene rohe Beleidigung einfach wiederholt wurde. Als nunmehr der Angegri'sene erklärte, daß er sich das nicht gefallen lasten werde, versetzte der "Plan» mit einem Stolle Herrn Perls einen heftigen Schlag auf den >topf, io da; Hut und Brille in weitem Bogen davonflogen. Inzwischen halle der Zahnarzt HerNi Perls erkannt und suchte den Schläger zu beruhigen.. Doch dieser führte einen zweite», »och wuchtigere» Hieb gegen den Stopf des Herr» Perls, einen dritten wehrte der Zahnarzt erfolgreich ab. Ter Ueberfallene taumelte blntiiberströmt gegen einen Baum, tonnte sich nur mit Mübe aufrecht erhalten und' wurde alsbald mittelst T roichte unter. heiligein Schüttelfrost und bei fortwährendem Blntverlust von dem Zahnärzte »ach der SanjtäiSwache am Plannser gebracht. » Tor! wurde eine kleinere und eine große etwa Eeniiineler lange »nd t Millimeter* tiefe, klaffende Siopswnude sestgestellt. Tio Untere lieg: nnmittelbar »eben der Schläfe: wäre der Schlag ein wenig mehr, »ach rechts gefallen,,so wäre der Tod deS Geschlagenen ans der Stelle ein getreten. Rach sorgfältiger Auswaschung und Bernähnug 8er_ Wunden und Anlegung eines Jlmichlages wurde der Schwetverletzie nach Hanfe gebracht. Ter Berüber dieser echt antisemitischen Heldenlba: beißt ✓

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