Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 97 (11.2.1894)
- Date
- 1894-02-11
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 10. Nr. 97. Freies Blatt. in meiner kleinen Zeitung, cs ist nicht viel. Niemand beachtet cs. vielleicht.ist es anch nicht der Rede wcrth." Sic verfielen wieder in Schweigen. Es war gerade so, als ob sic noch ans Deck dcS Segel schiffes sich befänden, daö sich langsam seine» Weg bahnte nnlcr dein tlarcu Himmel einer Sommernacht bei leichter Brise. „limaiiud,“ begann der Zcitnngsinensch wieder anS seinen EKoanke» lteraus, „nehmen wir an, ich hätte noch einmal die Wahl — ..t iv.'iite Altes noch einmal;u -geschehen. Selbst wenn ich im Vor-! mein wiißle, daß ich ein solches Weib und einen solchen Sohn haben 'o le, daß ich so arg schlschlagc» würde bei dem Versuche mir Gehör verschonen, ich würde doch Alles wieder thun, denn ich habe das gemeine Vos gellieilt. Das war Alles, waS ich verlangte. Arbeit und Sold des geincineir Mannes, das Spital, wenn ich'krank war, Weib und Heim des gemeinen Mannes, seine Nahrung und Gesellschaft, solche siiuder, wie er sic haben kann. Ich habe all das gehabt. Und auf -nein Wort, freund, das Vcbcu ist weit —. weit mehr yi lebe» w'Nli gewesen, als das Velten, welches ich verließ. Ich wollte cs wieder —; ja, ich wollte cs nochmals ganz durchleben." „TaS ist tapfer gesprochen." - „Was dieses Blatt ■ betrifft, wer bin ich, daß ich mich in die Reibe der '1>rophclen stellen wollte? Ich hätte lieber in Sec stechen fo.leii. aber ich wollte predigen. So kehrte ich zurück zu nicincm alten Advoeatcn, erhielt einen Haufen iN-ld und ging weiter. Ich sagte ilt.it. daß er nie mcbr etwas von mir sehen würde — und er iv.rd ancli nicht. Ich lebe und erhalte mein Blatt mit den Inter- .'ieii dieses Geldes." ..'Was haft du dem Volke schon getagt?*' Ser He ausgcber ergriff die laufende Nummer, die .am Tische lag. .. Ich tbeile ihm alle Neuigkeiten mit, die ich irgendwo Über Arbeit!>»d die Bcdingnngen der Arbeit finden kann. Bezüglich deS Prc digenS . . Ich schäme mich, Emanucl, ich schäme mich, zu denken, wie wenig es ist. was ich zu sagen habe." .Was ist es'?" ' „Nur die einfachsten Tinge, die S.chulhcftdinge, die alten Tinge i 'n deuten alten Propheten. Was ist so. elementar wie die zehn Ge boie? Und doch — fiel) dich um -- was ist so einfach wie: daß man ehrlich fein soll, daß die Menschen sich für andere Tinge ver einigentollen, außer für Besoldung, daß die Menschen den Pfad der Rechtschaffenheit wandeln tollen? Bedenke. Tas iß Alles, was ich zu tagen habe, remannel Und äuge scheinlich hört Nicinand zu." .Und doch — fahre fort zu predigen." XIV. - Eiara betuchte jetzt ihre (iotifiitc öfters. Es drängle sic hiezu ihre 'Jl.i;ftlidifcir über de» Ausgang ihres Vicbesverhältiiiffes, der sich in iln.em «Reifte ernst und drohend malte. Sie Halle zwar schon selbst jene große Wahrheit entdeckt,-die vor ihr so vjele -Beschützer, meunbe, V-itei u und Berat her liebender herausgesnndcn, die Shnuiacht von Vernunft, Argnment und gcfnndem Menschenverstand gegenüber der Macht der Webe. Toch sie blieb standhaft, sie wollte Nell» retten, iv'nn es in ihrer Macht lag.. RA in gab eine Veetiou. Elara hatte sich cinstiveilcn in den sparten begeh». ira Emaunel an feinem Tische an der Arbeit saß, und svrach mn dem Philosovbeu über die Holzschnitzerei. ..Tie find ein wunderbarer Mann, Emanucl," sagte Elara „Sie find ui.ciü l ei„uigereifl. Sie tvissen Alles, Sic sind ein «belehrter, T> f.:b' ein Edelmann, und Sic leben vom Holzschnitzen." ,.rs iß ea >'o tviinderbar?" — ’ T ' ti'tff'.i rech! gut, was wunderbar ist Holzschnitzen ist nicht cie 'h.l'.'ft '.'i'.t "ch-i,hegen und Edellentcn. Warum gebe» Sic vor, ein er Tas iß mein Unterhalt. Seit ich arbeiten b n zu tonneu, verrichte ich jene Arbeit, welche mir die ün'.rckiße und ang-nebiußc. Ich kann sic beginnen, beitebl, ich kann in jeder Stadt dafür einen ii, t:,‘ rec-orgl midi mir dem geringen Geldbeträge, dessen WMUM afo foliic ick, kein Arbeiter fein?" . Einnahmen tind so gering. Sie machen.sich sowenig iir-, il Warum nichts Besseres thun? Warum nicht tv. 'ckneiben?" viel ich brauche. Warum sollteich die Arbeit wcckinln, ,oenn ick, ne lieh:? Hier muß jck> wohl mcl,r arbeiten, als mir aug.-N'-k m -.st, weil yit lhcurcr Cil iß. Wie viel Geld glauben -c ■ n daß ick, in 'der Wune brauche? Tort klinn ich mit meinen Fiennden und Vettern, kn Arabern, wandern,, ohne überhaupt arbeiten, zu muffen. Ich we.se in die Wüste rutücktehren. sobald ineine gegenwärtige Angelegenh.-il beiorgl ift.- Ä.i :vt :.t > l'll „.vl- ,■! 2 It u muH, , um; n v*1 iß.; ’ c:iv U’.V.i: iv i nufv -11.;!! .. fit l. :d) 1 .-«'fV L •}<Ti um ..Ai er I . em ' unl Ii rV 'l nnfc n :ch: - u. m:: .. Ich re : r; ’)it\ „Aber, ohne Geld sind Sie ja doch kein freier Mann. Sie haben für andere Vcute zu arbeiten und Bezahlung anziinchmcii, Sic sind ein Mann der Wissenschaft und nehmen Bezahlung!" Emanucl lachte freundlich. „Vasten Sie uns die Dinge nicht vermischen. Diese Art von Arbeit bedeutet nicht Abhängigkeit. Ich mache diese Tinge nach meinem Belieben. Irgend wer — gleichgiltig wer — kauft sic schon. Weist er sie zurück, gut, so wird ste jemand Anderer kaufen. Er gibt einen Schilling mehr oder weniger, waS liegt daran? Ich schulde nieinen Bestellern nichts, gar nichts. Wenn mich mein Arbeitgeber beraubt, so wird er die Strafe für seine Sünde schon erleiden — er und seine Kinder — bis in das dritte und vierte Glied. Ich überlasse ihn dein Gesetze, welches nicht getäuscht wird und nicht vernichtet werden kann. Das ist nicht Abhängigkeit. Die Seele wird nicht unterjocht durch diese Art von Arbeit. Glauben Sic mir, mein Kind, der reichste Mann auf Erden besitzt keine größere>.Freiheit der Seele als ich, obwohl ich für den Markt arbeite, um meine Miethc zahlen zu können." , „Aber Sir werden eines Tages krank werden. Wenn Cie dann kein Geld haben —" „Ta gibt cS immer Spitäler. Wenn nicht, so werde ich unter diesem oder jenem Dache liegen und entweder leben oder sterben." „Es ist wunderbar. Aber Sie werde» alt werden. Sie werden nicht länger iinstandc sein zu arbeiten und zu wandern. WaS werden Sic dann thun?" „Nochmals, es gibt Spitäler, Armenhäuser, Asyle, Arbeitshäuser. Ich werde in eines derselben kriechen und still sitzen bis zum Ende. Aber vielleicht werde ich nicht alt werden." „Es ift wunderbar," wiederholte Elara, den Mann anstarrend, der keines Geldes bedurfte. „Haben Sic wirklich und wahrhaftig kein Verlangen nach Geld? Wollten Sie nicht reich sein?" „Nachdem cs mir so anch gut geht, warum sollte ich nach einer Äenderung verlangen?" „Aber der Reiche hat Macht." - Emanucl lachte. „Macht! Ta sprach die Stimme unseres Volkes. Aber ich für meinen Theil wünsche keine Macht. Ich könnte sic miß brauchen, wenn ich sie hätte. Macht ist ein sehr gefährliches Ding, besonders nach zweitausend Jahren der Unterjochung." „Sic sind der einzige Mann, dem ich je-begegnete, welcher keines Geldes bedarf. O! und nicht unser Volk allein. Die Ehristen sind ebenso. Selbst in'Ean.bridgc fand ich, daß die jungen Tons Alle OJetb gewinnen wollten — ißchr Geld — immer mehr Geld. Auf der ganzen Erde ist cS gleich. Immer mehr Geld. Nur, daß unser Volk klug ist und wirklich Erfolge erzielt bei dem, was die Anderen zu thun versuchen, stein Geld zu brauchen? Eö ist ein Vorwurf, Emanuel, ans Ihr eigenes Volk geworfen." „Aber ich tadle Niemanden, Elara. Ich erinnere mich, daß durch viele Jahrhunderte uns verboten war, irgend einer anderen Beschäftigung nachzugehcn. Für titciik'tf Theil, ichwurde mit anderen Traditionen geboren, denn ich gehöre jenem Stomm an, welcher in früheren Zeiten das Vicht der Wissenschaft hoch hielt. Meine Vorväter waren Physiker, Mathematiker, Astronomen. Als die Juden vertrieben tvurdcn, blieben sie, fügten .sich äußerlich, insgeheim blieben sie Inden —" „Ah, das ist wie bei Franziska, nur daß ihre Vorfahren Mauren waren." „Es gab keine Mayren, die ihren alten Glauben bchicltcu. Meine Veutc wurden Staatsmänner, Generale, Bischöfe selbst und Priester, und Mönche, insgeheim aber blieben sic Inden. Vielleicht hat mich die Familiengeschichte gelehrt, weniger am Wclbc zu hängen. „Alles ist just so, wie in Franziskas Geschichte. Bitte, fahren Sic fort, Emanucl. Ich wußte.ja, daß Sic kein gewöhnlicher Mensch sein können." „Kein Mensch ist gewöhnlich, Kind. Was mich betrifft, so habe ich mir das Wandern angewöhnt. Ich muß wandern. Ich tnnß allein sein — in der Wüste, in den Bergen — nachsinue». Hier im Westen sinnt Niemand nach. Alle reden. Befindet sich ein Mensch zufällig allein, so liest er — er liest, das Vcscn zerstört die Macht der Betrachlung. Taruni gibt cs so wenig Weisheit im Westen." ' Er sah über den Friedhof hinmit weit abwesendem Blicke, als sehnte er sich nach der Einsamkeit des Ostens hin. „Glauben Sic mir, Kind, im Osten gibt es Vcüte, die kein anderes Vergnügen im Vcben finden, als still zu sein und Betrachtungen anzustellcn. Was füllt die christlichen Klöster? 'Nur der Wunsch, ihre Seelen zu retten? Nein. Es ist das Verlangen nach cincni ruhigen Vebcn — der Trieb, abseits zu sitzen und zu grübeln." „Wollen Sic, daß auch Mädchen sich der Beschauung hingeben? Worüber sollten wir sinnen?" Diese Frage hätte naseweis scheinen