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Freies Blatt · 1894-02-11 · 97 (11.2.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
97 (11.2.1894)
Date
1894-02-11
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seit* 8. Freies Statt. ilt. 97. bc« von bem Minister Tr, Miquel gegen biesetben angestrengten Beleibtgung»- proceneS. ber noch ichmebt, erfahren habe, daß Beide schon bestraft seien, nnb zwar Plack PodgorSki nicht weniger alS fünfmal wegen Unterichlagung und Urkiintzenfälschiin g, in einem Falle mit sechs Monaten Gekängniß uird einjährigem Ehrverlust, und Schwennbagen zweimal wegen EigenthumSvergehen, darunter einmal wegen Diebstahls. T«S Blatt kündigt an, es wolle „die antisemitisch« Partei mit eisernem Besen auch von anderen Personen reinigen, die mit ähnlicher schmutziger Bergangenheit noch heute in der Bewegung stehen und sich in der Partei vordrängen". Dieser Änkündigiing ist kein großes Gewicht beizulegen, Ählwardt selbst wurde schon wiederholt vor seinen Processen von Äntisemitenorgalien verstoße» und dann wieder in Gnaden ausgenommen. ES hieße die Lchaaren antisemitischer Streiter deeiiiiiren. wollte man wirklich Personen mit schmutziger Bergangenheit wegjagen Eines Tages dürfte» auch Schwennbagen und Plack PordgorSki als ^elfter der antisemitischen Sache ^gestiert werden, i Zimmcrmann's Tovvelzüngigkeit.) Zwischen dein Trgane des sächsische» T iveii lkliitl'ennten v, Friesen, das sich „Baterland" nennt, und dem mit ei»em 3ieich»:agSmandate bedachten, Radau Antisemiten Zimmer mann, dem F,ihrer der unoer'älichten Racenhetzer in Sachsen, ist seit längerer Zeit eine be-lioo Fehde entbrannt. Ta komme» den» erbauliche Tinge an den Tag. F,Hintermann y>ar vor Jahren Mitarbeiter an der Zeitschrift „Aus der Höhe" reu reerold r, Sacher-Maioch geiveien, er batte diesen alS Schriftsteller sehr ge'.-i.-ot lind ibu gleichzeitig anonnin in Artikeln und in einer Broschüre heftig ave,ogr'ssei! Tie>'e Tovvelzüngigkeit hatte das „Balerlanb"- gebrandmarkt, Tie „T . esdencr Nachrichten" schrieben „Tie Zimmerinaiin angeblich in eu,>ui »«erichlsiinbeil vcrgewor'ene Tovvelziingigkeit ist unwahr und unbewikieii. B.'-trum d:uckt ina» den» des Erkenniniß nicht ab?" Tarauf entgegnete das „B,::erl.:»d" in einer Beilage „Zur Äu'klärnng": „Tieiein Borwurfe und e ,r An'raqe o.eaenüber Ideilen wir deir-betressenden Passus des Gcrichtsurtheils ,n Fet-ndem mit- Es beißt worllüb: ,'TbwoKt Zimmerntanii die frühere» Schri'tcu des Tr. v, Sacher Makcck>, welche, er aut Seite ■> der Broschüre ehher.lu;teb7. kannke, war er koch mehrere Fahre Bkitarbeiter der Revue ,?ll,s der Hob.-, und bat den Artikel geschrieben, während er noch Mitarbeiter d s n 'IN o bostig angegrissene» Tr v. SackierMaioch war! Er Kat vor - , lad >ogar noch nach der Ab-annng des Artikels den Tr. v. Sacher Maioch in d>, uiieinaeschränktesteu P-eii'e als Schriststeüer geicierl: er Kalte bei seinei» Echf.'inelleriubilaum-im Fahre 1*80 hervorragend mitgewirkt, auf dem Feil eeinii' is' die Rede gehalten und ibm ein Gedicht gewidmet. Er bat noch in :.v im Fahre avö nach Ab'assiing des Anikeis, erschienenen 2, Auslage seines Buches: Tu' Wanne det^beids' atz mehreren Stellen, i, Punkte uud 5l> \ Punkt 112, besonders aber >', Punkte und!«>'.>, den Tr. ».■ r ack er Masoch i.b iaus ge'eicrt, und bat Ziininermann in dev vaiivtverhandlnng dies vetgebenS ciuzuschtänke» und umziidkuten versucht, Tie Ret'ormartiket und ( die B:cu1a>. e.ichtenen ancnnm, nnd bat Zinimerma»» erst, nachdem Tr. v, > Loch e-'Ma och deshalb gegen ibu und Frau fflatt Privatklage erhoben hatte,! sich tut Autc: chout bekannt. Fn dieiein anonnmen gehässigen Aussätze ist nii't; etwas Auelkenuensu enbes au dem Privatkläger nberdaupt nicht medich gesunden. ' F i: in e, in i u u hat ionach ei u'r n nw ürd igen T opvelziingigkeit sich ' i ch ii i e s o e ■. m a.t t! Fit :cker andeien Vage würbe eine solche EnlbüUling eiltet! Fuln.i unmöglich machen: einer antisetnitischen Größe aber schadet so n-as ,'i: im :n:nd»'ieu ..Uiu'eren Petiten können wir Alle» bieten" — sagte ein b'i'sls o i>>:-su ■*;i;:':i.t;i: 'finit. .fl'Utlll'tllU. Die Etnpörer in. ::- rdeS Psalter Beiant von Marie Majer. tu, Aonleyung.), VIII. - i ' f- .'«■rr.titfc? der Arbeit" — sein Besitzer und H iauotV : Mr A,tteu Hanling - bestand auS einem vorderen > ''s'' 'll o ''si:::. -Zimmer, welche das Erdgeschoß eitles kleinen,! nil'li:. ti. '!> „ tio.t moderueit, großen Häusern eingcklemiiiteu Hauses l '-ik F n. :t.!' etc v. nebende« Kölzernen Erker und lUebel belaß, tv:: 'w .st d"-::',.i,tdw>; .'.»hwu üblich waren. Wäre nicht die frcundiickis i,.:l i'luhuilg von S.iic der Nachbarhäuser gewesen, cS wäre wohl tchwu ,,ii',i>l tiisglliigs:'' '>iiti .l L ie Fenster aber sind hell, weil sie der B.w.bu>.. sbtenattiiter Heransgeber d s Blattes, mil seine« eigenen Ha.td'.n :cr; W.'ck.e van vtzen bis unken vntzi, wie er auch cigeul.gl'.dis, e, : Bsdeu im Futtern des Hauses icheuert.! Li, Zirt'.h. :i« Beedevrimmsr au jene Wenigen, welche nach I ihr fragen, verkauft. Der Bursche, welcher sie vertheilt und die Caffe verwaltet, findet diese Arbeit viel zu gering für seine, Fähigkeiten. Im Hinterzimmer sitzt den ganzen lieben Tag der Herausgeber. Hier schreibt er die Zeitung, hier schneidet er die Auszüge heraus, welche zum größten Theil deren acht Spalten auSfüllcn, hier geht er die Eorrecturbogen durch, hier verbringt er fast den ganzen Tag. Auf den beiden Tischen liegen viele Zeitungen herum: englische, amerikanische, französische, deutsche und italienische. Sein Blatt enthält nichts Anderes als Artikel und Neuigkeiten aus dem Reiche der Arbeit. (Der Leitartikel ist stets auS der Feder seines Herausgeber^.) Es bietet dieses Blatt in seinem Zusammenhänge eine höchst werthvolle Aufzeichnung Alles deffen, was seit den. letzten zehn oder zwölf Jahren in der Arbeiterfrage versucht, gelehrt, gethan und gesagt worden ist; so lange war'S wohl her, );it der „Freund der Arbeit" seine Laufbahn begonnen hatte. Diesen Rachmittag saß der Rcdacteur wie gewöhnlich in seinem Hintcrzimuicr, Er halte seinen Stuhl dem Kamine zugewandt, seine Füße aus das Gitter desselben gestellt, und nun starrte er in den leeren Kamin. Am Tische lagen zwischen den aufgehäuftcn Blättern die Werkzeuge des Herausgebers: Kleister und Schcere, Schreibunterlage und Feder und die Tabakdose. Zn der Rechten hielt er eine lange Pfeife, welche nur der belebenden Berührung der Flamme harrte. Aber er entzündete diese Pfeife nicht, sondern saß nachdenklich da; er war ganz cntmuthigt; mit der Linken trommelte er auf der Lehne seines Stuhles, Er war ein Mann zwischen fünfzig und sechzig; die Linien seines <i-esichteö waren fein gezeichnet, nur hatten cS Alter und wahrscheinlich auch Knuimcr seiner-früheren Anmuth beraubt, denn nnn traten die Knochen scharf hervor, und die Stirne war von Runzeln durchzogen. Seine klaren Augen lagen tief unter buschigen Brauen. Sein Aussehcii entsprach auch seinem Wesen, gütig und gedankenvoll. Besitzt ein Mann diese zwiefache Eigenschaft, so ist sie stets deutlich in seinem Gesichte zu lese». Sein Haar war eisengrau und der Bart, welcher nicht auf, sondern unter dem Kinne wuchs, weiß; seine Hand wies mehr verkrüppelte Gelenke auf, als sonst bei Männern der Feder üblich, sic sah eher aus wie eine Hand, welche viel grobe Arbeit geleistet hatte. Er trug einen alten blauen Rock, keine Weste, und ein alter Ledcrgürtcl vertrat die Stelle der Hosenträger, Am Halse trug er eine lose Tchleise, Tiefer Herausgeber >war Seemann gewesen, er hatte wohl seit mehr als zwölf Zähren seinen Berus gewechselt, aber er sah doch noch jetzt wie ein Seemann auS, Traußcn wälzte sich der Strom des LebesiS aut dem breiten Pflaster dahin, immer ein Toppelstrom, auf und ab. Die Leute hielten oft. an, tun in die Ladcnsrustcr zu blicken, aber Niemand bemühte sich, auf die' Fenster dieses BureanS zu sehen, obwohl ein Eremplar dcS Blattes stets für etwaige Leser au die Fensterscheibe geklebt war. Niemand betrat daö Bureau, nni ein Blatt zu kaufen, desicn lanfendc 'Ntiininer stetS aufgcschichtet am Ladentisch lag. Der Bursche saß dahinter, nnd war, den Kopf auf die Zeitungeü gebeugt, fest cingeschlasen, Tic Burcaukatzc schnurrte und wärmte sich iui Sonnenschein dcS BnrcaufeitstcrS. Der £rt hatte ein friedliches, zurückgezogenes Aussehen, '„Zunge!", ries der Herausgeber, ' Der Bursche antwortete nicht. Der Herr stand leise auf und öffnete die Thür. „Halloh,! Zunge!", rief er. Der Knabe hob den Kopf und schaute verschlafen auf. „Bring' mir dein Buch," Der Knabe nahm das Buch, in welches er die Berkäufe einzelweise eingetragen hatte, und brachte cs dem Herausgeber ins Zimmer, „Wenn diese Schwarte, mein Junge, einen Pfennig cintragen würde, was sie nicht kann, so würde ich dafür ein Seilende erstehen, um dich wach zu erhalten. Gib mir'S. "Nun, wie viele Exemplare verkauflest du letzte Woche'?" „Hunderteinnndzwanzig." „Zehn Pfund und ein Pfennig. Und dein Lohn ist sieben Pfund sechs, die Miethe für diese alte Bude vierzig Piund jährlich, nnd die Druckkosten betragen zwei Pfund zehn wöchentlich. Rechnen wir noch die Erhaltung der alten Frau und meine eigene dazu, so sind das wieder sünfunddreißig Schilling per Woche. Nun, mein Trauter, sage mir, welches ist der wöchentliche Prosit für den Besitzer dieses kostbaren Blattes!" Ter Traute grinste, „Und du bist zu stolz, das Bureau zu schcuern'?" „Ich bin ein Beamter und kein Eisenbahnwärtcr," „Gut, ich kann cS selbst scheuern. Geh' auf deinen Platz zurück und setze deine Fünfpfenniggeschichte fort! Ich sah nur sie diesen Morgen an. Der Autor, mein >Zunge, spricht über'Schisse nnd Schisfansriistuiig und ist nie auf der Sec gewesen. Aber vermuthlich ist dir das glcichgiltig."

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