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Freies Blatt · 1894-02-11 · 97 (11.2.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
97 (11.2.1894)
Date
1894-02-11
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Seit» 5. i Nr. 97 Freies Blatt. des „Deutschen Volksblattes" (früher der „Unabhängige"), Krollmann, wegen Beleidigung eines jüdischen Kaufmannes zu Rinteln. Ter Letztere hatte zur Wartung seiner kranken, der Pflege bedürftigen Frau die Hebamme dcS f/rteS cngagirt, der er jedoch, wie durch Zeugen bewiesen, gestattet hatte, ihrer Thätigkeit als Hebamme nachzugehen. Als sie in einer Rächt zu einer Kreisenden gerufen wurde, soll der Kaufmann ihr diese Bestellung vorenthalten und sie an der Hilfeleistung gehindert haben. Zn einem „Eingesandt" an die in Rinteln erscheinende „Schaumburger Zeitung" wurde der Kaufmann aufs Heftigste angegriffen. Dieses „Eingesandt" druckte der Redacteur dcS „Unabhängigen" ab und bezeichnete das Verhalten deS Kaufmannes als auS talmudischen, gemeingefährlichen Grundsätze» entsprungen, wobei er derartige Grundsätze als asiatische Barbarei und jüdischen Uebcrmuth charakterisirte. Die Bremer Staatsanwaltschaft nahm sich des Falles an und beantragte bei .der jüngst stattgehabte» Verhandlung eine Geldstrafe von 100 Mark, wobei als erschwerend hervor gehobcn wurde, daß der Angeklagte sich nicht gescheut habp, sogar die Rationalität und Eonsession des Beleidigten unbcgründeterweisc hcranzuzichen. Vergebens war das Bemühen deö Angeklagten und dcS Vcrthcidigers, der sogar Stellen auS Ecker'S Judcnspicgcl verlas, eine Freisprechung zu erziele»; nach fast einstündiger Bcrathung deS Gerichts Hofes wurde das Urtheil, das dem Anträge dcS Staatsanwaltes gemäß ans nur 100 Mark oder lO Tage Haft lautete, verkündet. Der Gerichtshof habe nur auf diese- Strafe erkannt, weil dieser Fall der erste sei; der ihm zu Shren gekommen; im Wiederholungsfälle habe der Angeklagte eine wesentlich schärfere zu gewärtigen. Das Gericht sei der Meinung, daß derartige Artikel, wenn sic auch von einsichtigen Leute» durchschaut würden, geeignet seien, auf unklare Köpfe in einer Weise ein zuwirken, daß die öffentliche Ruhe und daö friedliche Z u s a m m c:rl e b c n d e r S t a a t s a n g c h ö r i g e n g c st ö r t w ü r d c. — Das Bremer Landgericht ist also cntschlosicn, antisemitische Verhetzungen „erforderlichen Falles" auf das Entschiedenste zu bekämpfen. (Tic Zlldcn in HtsskN.) Selbst in den Kreisen der Juden Deutschlands war. bisher die Meinung vertreten, daß'Pie Juden in Hessen eine große Schuld au der antisemitischen Bewegung hätten. Dagegen wandte sich Rabbiner Dr. M u n t aus Marburg in der „Züdischen Presse". Seit 17 Jahren kennt Herr Dr. Munt das Hestenland, und cS ist gewiß von Bedeutung, wenn er auf Grund seiner reichen Erfahrung zu Ergebnissen koinint, die der landläufigen Meinung direct zuwidcrlaufen. Er schreibt: „Rgch der letzten Volkszählung war die Anzahl der Inden im Regierungsbezirk Eassel 18.408; die Zahl sämmtlicher Zndcn in Preußen betrug 372 050; die der Gcsamnitbcvölkcrung des Regierungsbezirkes Easicl 83l>.45>!>. Die hessischen Inden bildeten also 4 06 Perccnt sümikitlichcr Zndcn PrGißens und 2.20 Perccnt der Gcsamintbcvölkcrung dcS Rcgicrnngs hczirkcs. Sic müßten demnach zum Mindesten einen höheren Pcrccntsatz als 4 00, rcspectivc 2 20 Perccnt zu den Verbrechen und Vergehungen - der jüdischen Bevölkerung Preußens, rcspectivc der Gcsamintbcvölkcrung ihres Regierungsbezirkes beitragen, wenn ihr moralisches Verhalten mit . Recht ein schlechteres als das der Letzteren genannt werden, soll. Und waS ergibt nun daS gesammte statistische Material, das unS vorlicgt? Zn den Zähren 1*82 bis inclusive 1880 — für eine frühere und spätere Zeit gibt cs keine Eriminalstatistik — wurden vcrurthcilt: in ganz Preuße» 10.202 Juden, im Regierungsbezirk Eastcl 40.200 Personen, darunter 750 Inden. Die hessischen Juden stellten also zu den verurtheilten Zndcn statt .4 00 Perccnt nur 3 88 Perccnt, zu den Verurtheilten des Regierungsbezirkes statt 2 20 Perccnt nur 1 87 Percent, d. h. der aus der Eriminalstatistik sich ergebende moralische Stand der jüdischen Bevölkerung des früheren Kurhesien wäre um 1 08 Perccnt bester als der der übrigen Juden Preußens und 0 33 Perccnt bester als der der Gcsaiiiinlbcvölkcrung des Regierungsbezirkes. Ja! Das mag im Großen und Ganzen sein! Aber die .hessischen Wucherer'! In Hessen wurden wegen Wuchers vcrnrthcikt im Jahre 1882 — 4, 1883 und 1884 je 1, 1885) bis inclusive 1881) kein Jude; also in den ersten drei Jahren der ganzen Periode zusammen sechs, in den übrigen fünf Jahren nicht ein einziger hessischer Jude! — Und wie verhält es sich mit den übrigen Dclictcn, an welchen die Juden vcrhültnißmäßig mehr als die Ehristcn bcthejligt erscheinen? Daß die größere Bcthcilignng der Juden an gewissen Dclictcn eine Folge ihrer BcrufSthätigkeit ist, ,wcil sic vorwiegend km Handel und Vcrkxhr beschäftigt sind/ und daß die den letzteren Berusszwcigcn Obliegenden überhaupt .durchschnittlich die höchste Eriminalität bei den VcrmögcnSdclictcn aufwcisen', erwähnt wiederholt die amtliche Statistik, nach welcher z. B. die iiü Handel und in der Judnstrie Thütigcn durch ihren Berns dazu verführt werden, 120 Perccnt mehr Bctrugsfällc auszuführcn, als die bei der Land und Forstwirthschafl Beschäftigten. Von den crwcrbSthätigcn preußischen Juden sind im- HandelSgewerbc überhaupt beschäftigt 50 38 Perccnt, im Waaren- und" Productcnhandel 40'40 Perccnt, von den hessischen Juden jedoch im Handelsgcwcrbc überhaupt 00 53 Perccnt, im Waaren- und Productenhandel 55-8.3 Percent. ES sind demnach von den . Handel treibenden Juden in /Preußen 0 Percent, von den mit Waarenukid Productenhandel beschäftigten Juden in Preußen 0 03 Perccnt hessische Juden. Die. -Bcthcilignng der letzteren an den Vcrmögensdclictcn der preußischen Juden müßte demgemäß zum Mindesten höher als 0 Perccnt derselben betragen, wenn aus ihr auf eine geringere Moralität der hessischen Inden geschlossen werden soll^ Und wie ist das Verhästniß in Wirklichkeit'? Während der ganzen Periode (1882—1880) wurden vcrurthcilt: ■" ,1 n P v e n ü e n I » Hesse» wegen Meineides.117 Juden, 2 v 1 74 Percent, „ fahrlässigen falsäten EideS . '. 41 „ 0 0 ), „ Betruges f.1720 . „ .95» — 524 „ „ Betruges im wiederholte» Rnck'all . 7!! „ 0 0 „ „ llrkniidciisälschniig .343 „. 9 — 2 «>2 - „ „ belriigerische» BaukeroilS . . .11" „ 1 3 63 „ einkachcn BaukerollS. 624 „ 9 — I 44 „ 3023 l 19 ■=--- 3 93 Percent. Tic hessischen Juden begehen also mindestens 207 Perccnt weniger VcrmögcnSdclicte, als nach dem Maßftabc, den die amtliche Statistik für die Bethcilignng an den Vermögcnsdcliclcn anfstellt, von ihnen zu erwarten war. Die hessischen Zndcn wären also, wenn wir, wie dies , ja leider auch von Zndcn so oft geschieht,_ von Einzelnen auf die ' Gesammthcit schließen wollten, nicht schlechter, sondern um 2'07 Perccnt besser als der Durchschnitt der Handel treibenden Inden Preußens, 'und um 108 Perccnt bester als der Durchschnitt der preußischen Juden. -ES würde mich freuen, wenn liieine Ausführung zur Beseitigung deS auch in jüdischen Kreisen so tief wurzelnden VornrtheilcS gegen die hessischen Juden ein wenig beitragen und in viele» Schichten der Bevölkerung. die Ucbcrzcngnng befestigen würde, daß der an g e b l i ch c Z u sa in m c n h an g der a.ntise mil is chc u. Bewegung ui i t dem moralischen Verhalten der Inden hier wie anderwärts nichs Anderes ist als eine — convcntioncl l e ■ L ü g c." . - Sn Joscf Lister über das „Schächtcn" Deriveliberühmtc englische. Ehirnrg Sir Josef Lister äußerte sich über das rituelle „Schächten" bei den Inden, welches von anliieuiitischer Seite als Dhierguälcrci ansgcschrieen wird, wie folgt: „Bei der hierzulande ge! wöhnlich angewandten Methode der Dödtnng des Schlachtviehs werden! die Blntgesägc des Rockens verinittelsi eines langen LRcsterö durch! trennt, nachdem das Thier durch ein Schlagbcil zu Boden gestreckt worden ist. Bei dzr. jüdischen Methode dagegen-wird ans daS Schlagbcil verzichtet. Wenn Pas Schlagbeil geschickt gehandhabl wird, so daß das Thier durch einen einzigen Hieb zu Fall kommt, dann bewirkt es augenblickliche- Bewußtlosigkeit, und die - ganze Proccdur ist völlig schmerzlos, während die jüdische Methode ii»-Moment der Beibringung der Wunde Schmerz verursacht. Indessen ist dieser Schmerz nur von sehr kurzer Dauer, da der Sitz der Einpsindnng, -das Gehirn, sofort der Blutzufuhr beraubt wird, deren es für seine Fniietionizn bedarf. Zu dciii. wird die Schiucrzempfindiing ans ein Mindestmaß beschränkt dadurch, daß die jüdischen Schächter mit peinlichster Sorgfalt daraus bedacht sind, daß das Messer so scharf wie irgend möglich ist. Anderer - .scits wird die Gewandtheit, um daS Schlagbcil wnksam zu handhaben, nur durckf^cinc recht lange Hebung erworben, und cS geschieht durchaus nicht selten,, daß der. Schlag wieder unh wieder anSgesührt werde» muß, während die jüdische Methode mit Sicherheit ihren Zweck sofort erreicht. Es ist daher zum Mindesten eine ostenc Frage, welche der beiden Schlachtmcthoden im Durchschnitt ein größeres Maß von Schincrzcu verursacht. Zn bemerken ist, daß die jüdische Sclstachtart beim Tddtcn von »Schafen ganz allgemein Anwendung findet, und daß das Schlagbcil für gehörntes Bich nicht" aus HumanitätS, sondern auS Bcgncin.lichkeitSrücksichten gebraucht wird. Ich erachte es für eine schwere Ungerechtigkeit, dic Inden in dieser Hinsicht der Thierqnälcrei zu hcschuldigcn." (Für den einst'demokratischen „Bolksverein in Fünf hans" ist der Blechaniker Schneider in derlei Dingen freilich eine größere Autorität als Sir Josef Lister. Aus antisemitischen Vereinen und!?ersannnlunaen. >>. tTeutschcr Vaiicrnbilild i» Tcstcrrcich.O Die verheeren des Herr» von' Plvtz im Teulichen Reiche lassen den „besten Man» der Tslinaet'' Iliäll ruhen. Vielleicht gelingt cS ihm, »lisi Hilfe einer agrari'chen Bewegung wieder jii.ieueS /

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