Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 97 (11.2.1894)
- Date
- 1894-02-11
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seife 4 Freie» iUuTaud warme Sporte finden, um das Gemeinwohl vor einer Schädigung durch antisemitische Umtriebe zu bewahren. ES fragt sich nur, ob. eine solche facullativc Wärme auf die Dauer 'Nutzen bringen werde. Wir bezweifeln cs. ((rillft lllld jctjt.) Professor Dr Eduard Such sprach vor Kurzem in einer Bersamnilung des Demokratischen BercincS in der ('copoldstadt und verglich die Opposition von» Jahre 1^7^', an deren Spitze Slendl stand, mit der heutigen Opposition im (''c mcinderathc und Tandtage. Er bemerkte unter Anderem: „Beide Par leien, die liberale und die demokratische, hatten damals daS allgemeine Wobl im Auge, und persönlicher Ehrgeiz war ihnen fremd: dieselben waren sich darüber klar,, daß nichts -bic Reaktion mehr erleichtere, als wenn die «''nippen der fortschrittlichen Parteien sich untereinander bekämpfen Ein Perglcich der damaligen Dppvsition mit der von heute ist eine Dache der Unmöglichkeit. Im Landtage hat jetzt die Opposition unter dem Sciintzc der Immunität die zum Saatcnmarkke kommenden fremden toaste beleidigt und dieselbenin offener Sitzung als Räuber, Diebe :c. bezeichnet: cs ist zu bedauern, daß die Majorität kein Rechts mittel bat, diese Beschimpfung der .fremden und der Stadt Wien;nl,ick;nwei>'en. Es darf angcstchts der gegenwärtigen Berhältnissc Nie mand Wunder nehmen, wenn .fremde nicht nach Wien kommen wollen und die Gewerbetreibenden über schlechten (Geschäftsgang klagen." Professor Dr Sucß schloß seine von stürnnschem Beifall begleiteten Aus tnbrungen: „Ziehen wir daraus die eine ('ehre: WeuVwir, die vcr scltiedcnen Richtungen der fortschrittlichen Gruppen, n»S bekämpfen, h.i;; iicti der Dritte, die Reaction." Ein netter Patron. Man berichtet uns: Der zehnte Bezirk lie'ert, seitdem der „große" Germane Hauck dort draußen als Bolksb >,::äer und Men'chcnvcrhctzer ausgetreten ist. zahlreiche Beispiele dkr tnneliinenden Perrodung der Bevölkerirng Das „.freie Blatt" hat rü kürzlich die brutale Heldcnthat eines Tischlermeisters erzählt, und l enke ln» ich abermals in der Cage. der löblichen strcdaclion von ciu.r -nnderlichcn Scene zu berichten, welche SamStag de» d. M. 'N'achts im Eaf-'- fleuß siaiigesniiden hat. Zwei Juden, der eine Wäscheconscctionür :u der Hinibergcrstraße, der andere Privatbeamter. kamen gegen zwei Ubr iu das benannte Vocal, nahmen a» einem Diiche gegenüber der Easia Platz und bestellten zwei Schwarze mit Rum. Am zwcilnächsten Tuche faß ein Herr 'B r e d a u c r, Easncr eines Kranken- und ('eichen- Vereines, und zwei dem Arbciterstandc angehörigc Ccntc. Als Brcdaucr dn zwei neu angefoinnieiicn Gäste ansichtig wurde, sprang er ans und ichiie: „Zahl'»! Die zivci S . . juden hab'n mir 'n ganzen Appetit Verderb'.»!" Ter Beamte erdob sich cbcufaUs, schritt auf den rohen Menschen zu nnd sagte zu ihm in ruhigem, jedoch energischem Tone: „Wenn ich. nicht sehen würde, daß Siz betrunken sind, so wurde ich . Ihnen die wohlverdiente Züchtigung zrnhcil werden lasten." „Was-, Indenblib ’t" brüllte nnu der rabiate Mensch, „ini willst züchtigen, »>i — du PolkSanszieher!" Mil diesen Worten ergriff er ein tziit Punsch gefülltes Glas und warf cs nach dein Beamten, doch glücklicherweise ohne;n treffen. In diesen! Momente wurde er von dem M'aranenr, dein . die Arbeiter Äsststenz leisteten, ergriffen und znr Tbiire hinanserpedirt. Im vnncreste des Eafcliers, dem derlei gemeine Aiissch'.eiinngcn in 'einem höchst, anständigen Cocale sehr unangenehm >:nd, und. der fest eni'chlosten ist, Störenfriede nicht zu dulden, bitte .!> Perps»e:illichung dieier feilen. - -r. Allliicillilischc Moral. Man schreibt uns: Im vorigen Jahre, n in :<ü nicht irre am letzten Sonnrag des Monates.Roveinbcr, r! der "'.rnwirlh Jacob Hclbingcr, X. Bezirk, Engengasse, u 0• ■. T o ii t die Aenßernng : „Wann ma nur an an' Ind'n an ••:. ’ . 't ma. ichoang'fchmicrl!" D«selbe Wirlh nun stand!...i d.i'i ''> rnar vor dein Strafrichter des Bezirksgerichtes .'in.iN. . Tr Berger, n,n sich wegen Uebcrtrctung gegen die : ■'-» i -l' Tick zu verantworten. Es fand nämlich der Markt- -'' l ' ., der in dem «Rrsthausc des Helbinger eine Revision -ii. » Eistasten eine Menge verdorbener, bereits stinkender '°- - " n.id : rr 'Ruche auf der Anrichttasel eine» Schweinsbratcn, - :'.' :!. eli z ad!.-.e Iänlniß iibergegangeii war.- Unter dem 2* stank in sirtdel Bier, das als „Hansel" znr Berwen .: j lidtzd.-!!' die'es Bier «ich schon in einem ekelerregende» I :: ' Au» >:. ,vrage des Richters, wie er nur - so gc- -v " '' ' ' ui!- in: . d-i: "'a'ien solche Speisen »nd E'clrünke zii 1-r'n anei d l in höherer Antifeuiilcrei machende Ehren m-.!!-:> ,.M . i- "'ist' sau meistens arme ('eilt', na. und für die arniln Cent iald was anal, da sau nöt io halli. Rur billi »inaß all'S iein, dnn» genieil sie'-.- nit, wanu's Ilei'ch a bist an Stich hat " Ter :>cichter vcrinkl:ilte den Gastwirt!,, trotz seiner glänzciiden Perziingsrede. die ein von antisemitischer Moral durchirünkteS .tl> vcrrieih, zu acht Tagen strengen Arrests. '-—r. Platt. Xtr.!»7 (Aus einer Persaiiimliilig der Wiener Teichgräber.) In einer Bcrsaininluilg der Dcichgräbcr WicnS wurde beschlossen, in Angelegenheit der Arbeiten bei den Wiener BcrkchrSanlagc» eine Dcpntatio» an den Handclsministcr zu entsenden. Ein Antrag, an den Prinzen ('jochten st ein oder Tr. Cncgcr heranzlitrcten, damit einer derselben die Deputation dem Minister -vorstcllc, wurde vom Obmann Stellvertreter Herrn Au entschieden bekämpft, welcher unter lebhaftem Beifall erklärte: „Mit antisemitischen Abgeordneten kommen Sic uns nicht, da..spielen wir nicht mit, solche Herren dürfen , für uns nicht existire»! Wir sind Gewerbetreibende nnd leben von allen unseren Mitbürgern, daher sind wir auf den Frieden unter der Bürgerschaft angewiesen. Unter der Acgidc von Cicchtcnstein und Eonsortcnwerden wir nie etwas für das Kleingewerbe erreichen können."- Der Antragsteller selbst zog sodann seinen Antrag zurück, worauf die Persammlung sich dahin einigte, an ein einflußreiches Mitglied der Bereinigten deutschen sinken das Ersuchen zu richten, die Deputation dem Handelsminister vorstcllcn zu wollen. (Tiroler Auswanderer in Amerika.) Ans -Salzburg erhalten wir unterm d. M. folgende Zuschrift: Tic Nr.!>5 Ihres geschätzten Blattes enthält unter der llcbcrschrift „Die Salzburger.und die Juden in Amerika" ein hochchrendcS Zcngniß dcö selbstlosesten Edelsinnes amerikanischer Israeliten gegenüber den vom Erzbischof Firmian vertriebenen und nach Amerika übcrsicdeltcn Emigranten unseres KronlandeS. Gestatten Sic mir nun einen Pendant znr humanen Handlungsweise.jener Zeit der Beachtung vorzulcgcn. Im Jahre is.r>7 wandcrte» ein paar hundert Tiroler, darunter meine Schwester mit sieben nnniündigcii Kindern, nach Peru in Südamerika. Ihr Geld bestand ausschließlich in östcrrcni>ischcni Papier, das. zu jener Zeit ein hohes.Agio halte. In Augsburg verfügte ich mich nun mit dem Seelsorger der Ausgewanderten, Herrn I. Egg, zunächst zu einem christliche» Banqnicr n»d ersuchte ihn um AnswcchSlnng gegen inöglichst geringe Provision. Umsonst. Er verlangte enormes Agio. Hiizranf wandte ich mich an einen jüdischen Wechsler. Derselbe erklärte sogleich: „Tiefe Cenlc sind arm nnd brauchen ihre Kreuzer nolh wendig, da muß man Helsen" und wechselte gegen äußerst geringe Provision. 'A'ach ihrer Ankniist in Peru war cs abermals ein edler Jude, der sich unserer Candslente lebhaft. annahui, nämlich Herr Renn er, ans Hamburg. Derselbe verwendete sich bei der stccgiernng in Cima für den Priester Egg und erwirkte einen namhaften Beitrag zu Enltnszwcckcn. Ucberdics machte er der Eolonic noch eine groß artige Schenkung, nämlich l»0 Kühe, <>0 Schweine nnd >,<) Ziegen für die anfängliche Enltnr am Pozuzo, woselbst sich die ('cntc bleibend niedergelassen hatten. Auch diese Notiz bringe ich „zu (K„tz und Frommen des Herr» Stainer nnd seiner t^esinnnngSgcnosscn-", die hoffentlich nicht „ebenso incurabel sind wie ihre Wieiicr Borbildcr". Möge die Welt im Glauben und im Hoffen verschiedener Meinung sein: in der ausnahmslosen Bruderliebe, möge sie eins sein. Dr. Schöps. („Indische HandluilgSweise.") In Hlnbostcp, einem Dorfe nächst Smichow bei Prag-, ließ sich ein nichtjüdischer Arzt, Tr. Mer haut, nieder. Derselbe hatte cincii Streit mit cincin Smichower Arzte, und cs uai,mcn mehrere Aerztc ans diesem Anlässe Stellung gegen Dr. Merhant, indem sic seine Handlungsweise in der „Nürodna Po litika" rügten. Herr Dr. Merhant erklärt nun aber wieder öffentlich mit bcdeutniigsvoUcin Gedankenstrich, der Smichower Arzt sei — Jude nnd das ist dann also selbstverständlich ganz was Anderes: Er wirft auch dem Smichower Arzte die jüdische Handlungsweise vor, dass er die Arbeiter dreier Fabriken unentgeltlich bc handle und obendrein ihnen die Arzneien schenke. Ist das doch ein hartherziger Mensch, dieser jüdische Arzt — und eine solche Unnienschlichkcit sollte nicht bestraft werden? l Ans dein galizischen Randlage.) In der Sitzung des galizischcn (Xnidtagcs vom >>. d. Bl. brachte der Antisemit Mcrnnowicz einen Antrag ein, wtlchcr eine intensivere Bcanssichligniig des jüdischen Religionsunterrichtes in den öffentlichen Schulen bezweckt. Mcrnnowicz erging sich dabei in versteckten Ausfällen gegen die Juden und bediente sich auch der bei den Wiener Ehriftlich-Socialcn üblichen Phrasen. Seine ÄuSführnngcn wnrdcn unter allgkincincr Heiterkeit von den Abgeordneten Dr. Frnchtniaiin und Dr. Goldmann :vl sunlnm geführt. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Mcrnnowicz', welchem auch der Berichterstatter des Untcrrichtsausschufscs, Graf Adalbert D zieduSzycki, entschiede» cntgegcnirat, init allen gegen die S t i in in c d c s A n t r a g st c l l c r s a b g c l c h n t. (((»tschiedeue Abwehr der srieüenstörenden Elemente.) Bor der Strafkammer des Landgerichtes Bremen fand am 2’J. Jänner ein' Antiscinilcnproceß statt. Die Anklage richtete sich gegen den Redactcur