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Freies Blatt · 1894-01-21 · 94 (21.1.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
94 (21.1.1894)
Date
1894-01-21
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. $ r e i e sv8 I Nr. 94. einer Fra» glänzend und ihre Haut' weich zu machen, Mittel, um eineu alten .Mann wieder jung zu machen. Ich verweigerte es. Er wurde zudringlich, co verließ ich die Stadt. Ueberdies war ich ruhe los." . „iiJariuu?" „Ich war rubelos, weil ich zu dieser Zeit von einem Gedanken beherrscht war, welcher;vr rireii Idee zu werden drohte. Ich glaubte, wahnsinnig zu werden, wenn ich mich nicht von diesein Gedanken be- -freien konnte So rai'te ich mich aus, griff zum iSdnberfteibc und zog von dannen." - „welchen Weg schlugst du ei»?' „Ich war so ersullt von meinem Gedanke», daß ich wenig Ächtung hatte, wo ich ging und was ich sah. Zuerst stieg ich über die Berge nach Hamalb und Äleppo, woraus ich das Eupbratthal durchquerte und endlich »ach Ärmenieu kam. Eö war ein langer Weg — sechshundert Meilen glaube ich — und sehr einsam. Während des ganzen Weges g> übelte ich über meine große Idee. Auf einmal — an den Weg erinnere ich mich gar uicht — war ich in Trapezunt. Hier fand ich eiuige ans meinem Bolke »nd blieb eine Zeit lang. Aber mein Gedanke verließ mich nicht bei Tage und beimacht und ließ mich wieder keine Ruhe finden. Ich wandelte von Trapezunt ostwärts und war eines TageS in Tiflis .— unter den eluiftcn — dann in Astrachan und daun — dann — ah! dann —“ I .. Tir hau niebr geihan, als über etwas uachgedachk, Eniaiiuel: dn> bau eine Enkdeckuüg gemacht." „Ja," erividerle er einfach. „Ja, und ich bin nach England gekoininen, um ne dir, dir allein mikzukheilen." „Ich leie es in deinen Äugen Ich dachte inir's immer, daß es so kommen würde Ein Mann mit deinem Reichthnm von Ideen muß etwas cnldecke». Tu ball Augen, welche durch einen Steiuwall hin dnrchseh.». Emanuel entnalmi seiner Tasche ein kleines, mit einer Schnur zusammengehalkenes Bäckchen von. Papiere'». „Hier ist mein Geheimniß," sagte er. „Es ist hier ausgezeichnet, damit du es lesen kannst, nebst V-r Art und Weise, wie ich daraufgekommen bin. ■ Ich gebe es ' dir: mache .damit, was du willst. Rur öffne das Packet jetzt noch nicht, versperre es irgendwo. ST offne und.lieS eS erst, bis ich dir Le sagt habe, was es ist." . j.t Iu einer Ecke des Laboratoriums staud ein schmaler eiserner Geld . tasten, Harold öffnete denselben und legte das Päckchen hinein. „Sa!" sagte er und verschloß wieder die Tbüre „Tu wirst mir mehr darüber sagen,-mein Freund, wann's -dir beliebt, ich werde dich nicht fragen." „Ist der Gelbkasten feuersicher?" fragte Emanuel ängstlich. „Er soll eS seiu — ich hoffe, er braucht nicht ans die Probe gestellt zu werde». Bei einem solchen einfachen Tinge ist eö immer am besten', die Persicherung des Fabrikanten entgegenznnebmen. Aber ich gjaube, er ist sicher. Aengstige dich darüber nicht." Emanuel holte lange, lange Athem, lange und tief ich denke, eS war eiu schwerer, schwerer Seufzer. „Es ist wenigstens nicht mehr -in. meinen Händen. Tiefe Nacht werde ich in Ruhe schlafen. Ta^ Hans kan» in Feuer aufgehen,' es wird mich nicht berühren; man mag mich in der Straße anpacken und tobten, es wird nichts daran liegen Es wird der Welt nichts daran liegen, da dies Ting nun in deinen Händen sich ^befindet." „Aber ist eS deun ein gar so großes Geheimniß, Emanuel?" „Groß genug — du wirst eS nicht glauben, so lange du nicht erfährst, was es ist, groß genug, sage ich, die Zukuusl der ganzen Welt z» verändern." Harold öffnete Mund- und Äugen. „Tie Zukunft der Welt zu ^.'.ändern?" wiederbolte er. „Wie nur eine chenlische Entdeckung kann. -Schießpulver, Tänips, Elelrrieikär, Anästheliea -- wir erhalte» sie alle durch die Chemie. Ties in ein neuer Sieg über die Kräfte der Natur." „Wann wirst tm mir'-; sagen, Emanuel?" „'^leich Umerdesseu" — er lachte fröblich — „finde mir das gr. ßl^ Eigeutchasiswork in deiner Sprache: .wunderbar' — seltsam, .'chenirchend' - was du willst und halte es in Bereitschaft für - mich T! 'ich bau; "'rund, ruhelos zu fein, da ich eine folche/Enttcänng befaß." „Aber um Himmciswiiien —“ „Ja.-Ich inuü es nach meiner Weife l'age^. Tn erinnerst dich, wie wir zu reden erlegten, nach Einbruch der Nacht, außerhalb unserer Zelte in der küble», trockenen.Lust, welche den Geist mehr anregt als Champagner: also, ich will ebenr'o wieder zu dir spreche» und auf diele A>l dir darüber Mitteilung machen. Aber ein wenig Geduld, mein Freund Tenke nur! ich Halle dieses Geheimniß in meinem Zinne ganz auSgearbeilel, bewiese», fertig, um ins tägliche Leben übersetzt zu werden, aber nicht ausgezeichnet, Niemandem mitgetheilt, und daS lastete mir schwer auf der Seele. Ich war nur einer von einer Gescllschaft darbender Wichte, die sich durch Rußland trieben, ohne einen Pfennig im Sacke, in Lumpen gehüllt, und dabei hatte ich die große, neugeborene Idee in meinem Kopfe. O! Die Worte, die Formel, die Buchstaben brannten sich mir in die Seele ein. Den - ganzen Tag erblickte ich sie am Firmamente eingeschrieben, die ganze Nacht hindurch rief eine Stimme mir dieselben jauchzend in daS Ohr. Ich batte keine Mittel etwas niederruschreiben, weder Papier, noch Bleistift standen mir zur Berfügnng. Was, dachte ich, würde geschehen, wenn ich Anis Leben käme? Einige aus unserer Gesellschaft starben; Mühsale und Drangsale, Angst und schlechte 'Nahrung rafften sie dahin. Wie, wenn dieselben Ursachen mich tödteten? Diese Angst allein schon-hätte mich bald getödtet. Aber ich starb nicht. Als. wir in . einen .etwas civjlisirteren Ort kamen, beeilte ich mich. Alles nieder;» schreiben. Ja, ich schrieb eS nieder, che ich mich gewaschen und gesättigt' hatte, ich schrieb es nieder und adressirte es an dick; — Harold Alley'ne, London. Selbst dann hatte ich noch keine Ruhe, eS konnte ja noch gestohlen werden und Einem in die Hände fallen, der — aber nun ist es ja geborgen. Ich habe Europa durchquert, das Packet in den Händen. Ich habe es nicht, verloren, es ist nur nicht gestohlen worben, der Zug erlitt keinen Ziisammeiistoß, bas Dampfschiff scheiterte nicht. Das Packet ist wohlbehalten endlich in Heine Hände gekommen." Harold versuchte seine Erregung zu bemeistern. „Zu sage», daß du mich neugierig gemacht hast, wäre lächerlich. Ich brenne vor Begierde zir erfahren — aber du wirst mir es schon sagen, wann dir'S beliebt. Ich besitze ja dein Geheimniß wohlverwahrt eingeschloffen." „Tn lannst es »ach Belieben verwenden. Ich gebe es dir preis." „Unsinn! Wiccukann. ich deine Entdeckung verwerthen? Bcrkanfen? Tem würdest du kanm zustimmen. Wenn du mich mit deinem Berlrauen beehrst, so ist das für mich das Höchste. Es ist deine Entdeckung. T» sollst die Ehre und den Ruhm davontrage»." Emanuel schüttelte de» Kopf. „Ich will weder Ehre »och Ruhm," sagte er. „Ich will etwas thu» — wen» möglich etwas Großes — bevor ich von hinnen gehe und nicht melfr gesehen werde.. Ich bi» ein einsauier Mann, ohne Weib und Kind, die sich meiner erinnern würden. Was soll mir daran liegen, ob nach meine!» Tode mein 'Name auf der ganzen Welt genannt wird?" „Du bist »och nicht alt — du kannst ja »och heiraten und Kinder bekommen." „Unmöglich. Wenn aus keinem anderen Grunde, so schon deshalb, weil ich arm bin." „Ein Eheniiker kan» seine Entceckungen in Geld verwandeln." „Ich weis; es, und es hat mir nicht an Gelegenheit und Aus »lnuterung von Anderen dazu gefehlt. Ich hätte reich werde» können, durch kleine Erfindungen von neuen Farben, Seifen u. dgl. Ich aber zog es immer vor, mich durch mein Schnitzwerkzeug schlicht zu er nähren. Ich will dich auf eines aufmerksam machen, das du bisher nicht berücksichtigt hast, iveil du dachtest, daß eS dich nichts anginge. Es hat dich'S eben nie Jemand gelehrt. Jeder Fluch und jedes Mühsm>^ daS die Menschheit peinigt, fällt mit doppelter Wucht auf das ans- - erwählte Bolk. Was immer wir thn», was immer wir leiden, es ist oi^intensiverer Art. Sieh, wie entsetzlich arm unsere Armen sind, uicht gewöhnlich arm wie die anderer Böller, nein, entsetzlich/grausam arln; schau, wie diejenigen unter uns, welche-Geld erwerben wollen, mit einem euch unbekannten Eifer dafür arbeiten müffen. In allen Stücken haben wir daS Extreme. Aber, laß einen Menschen existiren, wenigsteus ciiijcn auf der Welt — Iud oder Christ — welcher keines Geldes bedarf — und laß mich dieser Mensch sein!" „Soit. Du sollst dieser Mensch sein. Tu sollst deine Entdeckung der Welt ohne Gewinn preisgeben, doch mußt du Ehre und Ruhm dafür zurückerhalten, du kannst eine solche Ehre nicht von dir weisen." „Wir wollen später hierüber reden. Ich habe dir gesagt, warum ich hieher. kam. 'Nun muß ich aber für heute scheiden." Er erhob sich, zögerte aber eine Weile. „Es thnt so wohl, dir ins Antlitz zu sehen, mein Freund, du bist ja der einzige Freund, den ich, hier besitze. Ich habe wohl andere Freunde auch gefunden in der langen Zeit, die ich iu fernen Landen verlebte, du aber bist mein bester Freund. Denn du bist einer jener Mensche», welche dem Nächsten sein Innerstes, zu zeige» zwingen. Tu kennst deine Gewalt selbst nicht. Jeder Mensch hat seine eigene — nun was ist'S — seine eigene magnetische Gewalt. Ein Weib, das dich liebte," würde dir ihre ganze Seele offenbaren. Wir redeten zu einander in der Wüste; in dieser bevölkerten Stadt ist'§ schwer zu reden. Meine Wohnung ist freier. Willst du mich doxt besuchen?" „Wo wohnst du?"

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