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Freies Blatt · 1894-01-14 · 93 (14.1.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
93 (14.1.1894)
Date
1894-01-14
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. ri3. Seite ». ■ Freies mit einem Pohrlitzer Geschlechte verschwägert ist, daS den gleichen Familiennamen trug, wie der Oberhirt der Olmützer Eizdiöcese. -Nebenbei bemerkt, ver räch dieser Sedlak eine wahrhaft rührende Unkennlnist von Personen »»d Tinge», indem er Herrn 2>r. P roi» ber einen „ehemaligen Mirdjenftmmet" nennt. Dr. Promber war überhaupt nie ein Stürmer, sonder» zeichnete sich stet» durch ein besonnene«, maßvoller Verhalten au«. (Zur „Brrjudung" der LibcralkU.) Da« Troppaner Antisemitenblünche» ist von dem Ausfach der Wahlen für die dortige HandelSlaiumer, »amentlich von dem Verluste des -tainiuermandateS des Auiiseuiite» Sieger, aus das Schmerzlichste berührt und schimpft tüchtig über die „JudenliberaleiG. Dabei passirte ihm ein Malheur. Es schrieb wörtlich: „Es ist kennzeichnend filr die ungeheuerliche Verjuduug der liberalen Partei einerseits und für ihre lleberhebung und freche Geringschätzung des AleingewetbcstandeS andererseits, daß sie diesem einen jüdischen Fabrikauleu anszudräugen wagt, der zu hinein Vertreter dieses Standes ebenso taugt, wie ein Mann des alten Testamentes ztir Cardinal« würde." Mit diesem „jüdischen Fabrilanten" war Herr Jaeob Muu k au« Friedeck gemeint. Zur Beleuchtung der antisemitischen Gesinnungstüchtigkeit erzählt aber die „Silejia": Im Jahre lüi*l, zu welcher Zeit ebeniall« Wahlen in die Troppaner Handelskammer stattsanden, hatten sich die Antisemiten auch zu einem „LandeSwahlcomitö" vereinigt, das gewisse Candidaten empfahl. Ans dieser Liste nun, welche die Unterschrift bekannter antisemitncher Macher, so de« ehemaligen Aarninerrathes Zieger, deL GemcinderatheS Flügel, serner der Herren Conrad Mosch, Franz Richter, Julius Stellner, Anton Lamich re. trug, sigurirte al« Candidat im zweiten Wahlkörper des Gewerbes Herr Jacob Munk an« Friedel — eben derselbe „jüdische Fabrikant", kessen Candidatiir, weil sie durch die Liberale» geschab, nach dem antisemitischen Blatte K-iivzeichnend sein soll „int die ungeheuerliche.Verjnduug der liberalen Partei einerseits und für ilue lieber- Hebung und freche Getingschäbniig des »tleingewerbestaiideS anderer>eits!" Herr Munk wird sich hosfeullich de« Vertrauen« würdig erweisen. daS ibiu von liberaler Seite zutheil wurde, obivohl sein 'Raine 1 es;* 1 auf einer antisemitischen Vifte;z> lesen war. ' .' tGlllk Tiihritig'sche Litcrainrgroste.) Ta« Münchener „Deutsche Voll« blot t", eine würdige Namensschwester des 'Wiener Rowdyblattes, niuiint von dem Touristenunglücke, das sich a» de» Weihnachtsfeiertage» am Großglockner ereignete, unter der Rubrik „Allerlei Koscheres" in folgender Weise 'Jiotij: „Trei Wiener Jüden wollten de» Großglockner besteigen und Kimen elend dabei um. Belaniitlich fehlt der Judeujchast Tie krarelsrohe MuSlelkrast; ' Was dem Hebräer nicht verlieh'», Test' soll-er sich nicht unterzieh'». Es paffen unsre deutschen Berge * Richt für trnmmbei» ge Instenziverge." , Ter Weise von Zehlendors würde de» Tichter dieser Zeile» — sallS er sich zu nennen deil Mmh hätte — gewiß unter die Größe» der modernen Literatur rechnen. . , (Lügen haben kurze Beine.) Man schreibt i,»S a»s Mannheim: lim auch den österreichischen Lesern eine Probe zu grben von der Art und Weise^ wie die antisemitische Presse in Tentschland ag'nirt, lasse ich hier zwei Notizen anS dem in Ihrem Blatte bereit« de« Oesteren gekeniizeichnete» badischen Bläute („Badischer VollSbote") folge». In Rr. 7«i de« Blattes war folgende ')!ot>z zu lesen: „Mannheim, 24. September. WaS von jüdische» Social Temokrateu zu halten ist. Der der—ühmte social demokratische jüdische Bierseidelschleuderer Süßkind gibt sich vor Gericht als consessionSlos an» und sihäiuiit vor Wuth, wenn aus seine semitische Abstainmnng gestichest wird. Aber am Feste der Ver söhnuug sah man ihn, die Stalle am Arm, sei» Gotteshaus besuche», um Sühne zu thun und sich Ablaß z» holen für seine Sünden, die er im JahreötiiVt ge Ihau hat. Tie christliche» Arbeiter erzieht er zum Freidenkerchttm, »nd freut sich seiner Iudenseele, wen» so recht über die schlechten Psassen losgezoge» wird. Merkt Euch das, Ihr deutschen dummen Michel, und fraget Euren ansgeklärte» Juden, warum denn er so gläubig sei. Er wird Euch nicht sagen,, waS int Talmud steht und wa« die Rabbiner lehre», daß »äuilich sich jeder Jude am VersöhnungStage frei mache» könne von allen Schwüre» und Versprechungen des ganzen Jahres." Z» der ersten Nummer dieses Jahres sah sich der Redacteur deS Bläute zu folgender Erllärung geuöihigt: „Ich spreche hiemit mein Bedauern a»S, daß die Notiz ,Mai»ihei>», den 24. September. Was vo» de» jüdischen Social-Demokraten zu halten ist in Nr. Tti des .Badische» VolkSbotetL Aus »ahme gesunden hat, und bekenne, daß ich nicht in der Lage bin, für die darin enthaltenen Behauptunge» irgend welche» Wahrheitsbeweis anziitrete». Th. Reuter, Redacteur des .Badischen VolkSbole»"'. Das ist ei» Beispiel für, viele. Aber weshalb sollte ich Ihren Lesern all.die Beispiele antisemitischer Gesiiinungs—tüchtigkeit aufführen Ertrabeilagen kann ich Ihrer Zeinchrist deshalb wohl kam» ziiinuthen! 23 l a 11. ju’iuUcton. Die Etnpörerin. Ro»ia» »ach dem Englische» des Walter Besaut vo» Marie Majer. -r, ,zorilkt>nn,i.) In diesem 'Augenblicke öffnete sich die Thiire, und ein Psattu trat ein uuv sah sich fragend um. Er war ein Manu in mittleren Jahren, sagen wir sünfttndvierzig; er Halle eine gesnnde, braune Farbe; da« Wetter hatte ihm, wie allen Männern, die viel gereist sind, Flecken auf die Haut gezeichnet. Er war nicht ganz nach der Mode von Piccadilly gekleidet; so konnte man anch nach seinem Aeußer.n nicht seine Stellung oder seinen Beruf erratheu. Er trug ein loseö Jaguet auS brannein Tuch und einen weichen Filzhnt, das hätte ihn als Künstler erscheinen lasse», aber er hatte in seinem Gesichte nicht« vom - Künstler. Seine übrige Kleidung zeigte Spuren von langer Benützung. Seine Schuhe waren für harte Arbeit berechnet. Er war vielleicht von einer langen Reise zurückgekehrt, seine Hände waren »nbehandschuht, in. Folge dessen gebräunt. Tie Finger zeigten unzweideutig von schwerer Arbeit. , Was war der Mann? Keine der bekanntenPro fessione» paßte auf diese äußeren Merkmale, wenn man sie züsammenhielt. Wenn Einem aber zufällig daS Wort „Pilger" in den Sinn käme,, so wäre ancks schon die Lösung diese« schwierigen Räthjel« gesunden. Ter Manu mochte ein Pilger sein. Ter Filzhnt vergrößerte in der Einbildung seine Ränder und verzierte sich mit Muschelschalen; sei» graue« Jaguet wurde zum langen, grauen Reiscmantel mit einem Gürtel, von welchem eine Muschel und, ei» Beutel herabhingen, und sein Spazierstock wurde zum Pilgerstab. Ein Pilger, kein Zweifel, ein'' Pilger zn manchem heiligen Schreine. Ein Pilger war« anch wirklich. Dieser Pia»» >var zwanzig Jahre allein gewandert. Er war der größte lebende Pilger, der weitest gereiste Pilger der Bergangenheit und «Gegenwart. Tieser Mann war kein anderer al« Emanuel Elveda, dorselbc Mann, von welchem gerade früher die Brüder gesprochen hatten. Tie Macht de« Zufälle« brachte ihn gerade in diesem 'Augenblicke a» diese-Stelle. Al« wir ihn zuletzt gesehen, war' er jung; allein zwanzig Jahre bringe» i» jedem Gesichte eine große. Beränderung hervor. Tiefe Berändernng in keine eigensinnige, sie folgt dem Gesetze,' und hier ivaren nicht nur die allgemeine» Gesetze, sondern auch da« Gesetz äußerer > Einwirkung thätig. Ta« Leben diese« Manne« war da« eine« Philosophen, darum war sein Gesicht fo_»tilbc geworden, alle Linie» darin waren gemildert worden. Al« wir ihn zuletzt sähen, hatte erda« Aussehen eine« Krieger«, eine« Eapitän«: »tut halte er da« Gesicht eines (besetz geber«, eines Sheith«. Tieser Mann hätte wohl 'Riemanden als sich selbst regiert, doch ist. die« genug, wenn diese« „Selbst" groß, erhaben ist. Früher glänzten in seinem Gesichte Falk uangcu;- nun waren diese Auge», diese tiefblauen Augen milder geworden, noch waren sie voll Glanz, aber e« war der Glan; de« Abend« und nicht de« Morgen«. Cft verschwinden im Berlaufe von zwanzig Jahren Schönheit und— Kraft eine« Gesichte«. Ta« Gesicht diese« Manne« war noch kräftig,' kräftiger al« ehedem, aber nicht mehr tampflunigz sein brauner Bart war schon grau melirt, anch sein Haar'^ da« länger war, als sonst bei Männern üblich, lichtete sich bereits an de» Schläfe» und war bereit« von Silborsäden dnrchzogen, eine tiefe Falte zog sich quer über die Stirne; sein Mund war, soweit e« der Bart sehen ließ, ernst und regelmäßig; selten umspielte diese Lippen ei» Lächeln Anch trug er Brillen mit guten, starken, blaue» Einfassungen. Er nahm den Hut ab, ckl« er eintrat, blieb stehen und sah sich um. Al« der Manu im Erdgeschosse sah, daß er keinen Käufer vor sich habe, sondern eher einen Berkäufer, zeigte er sich uud fragte artig, wie er dem Fremden dienen löiine. „Ich habe'einen Brief," sagte er, „für Mr. Adalbert Angela." Er sprach gut englisch, nur mit einem sremdländischen Accent, man weiß ja, wie Franzosen, Deutsche und Russe» englisch sprechen; dieser Mann sprach e« wie ei» Russe, ganz klar und deutlich, alle Aspiraten richtig^, aber doch mit fremdländischem Accent. Mr. .Angela drehte sich tun. „Einen Brief a» mich? Ich bjn Mr. Adalbert Angela. Gebt mir ihn, mein Freund." Der Besucher entnahm einem großen lederne», vo» langem Ge, brauche glänzenden und schwarzen Portefeuille einen Brief. „Er ist," sagte er, „von Ihrem Hamburger Eorrcspondente», Salomo» Rosen berg." -

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