Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 93 (14.1.1894)
- Date
- 1894-01-14
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Frei«» S latt. Nr. 93. Seite 8. während welcher der Sohn beim Milikär ist. Ist» fl., eine sehr hohe Steuer, die der Bauer nebst den anderen zu tragen hat. Im alten Griechenland legten die Leute ihre Kühe und Schafe rc. auf den Altar den Göttern zum Opfer. Da ' fragten einmal die Schüler de« Diogenes ihren Meister, warum den» er kein Cpier auf den Altar lege. Ta nahm Diogenes eine Lau« au« feinem Pelze, . legte sie auf den Altar und zerdrückte sie. Gerade so ist eS bei un» mit dem CapiialismnS und dem Bauernstände. Der Bauernstand muß in derThat feine Ock'eu und Kühe und feine Feldfrüchte hergeben, um die Steuern zu zahlen, und der EapitaliSmu« opfert eine LaüS." Ohne mit dem „hochwürdigen Herrnbier darüber zu rechten, ob denn wirklich der Militarismus eine Institution der Liberalen ist— ob auch in Rußland — möchten wir an ihn nur die eine Bitte richten, uns in feiner draüi'chen Weise gefälligst zu sagen, wie groß denn .die Opfer sind, welche die „tobte Handauf den Altar des Vaterlandes niederlegt. ES gab allerdings eine Zeit — dieselbe Zeit, für welche der unvergleichliche Patriot BauchingeO >o schwärmt — wo der Bauer seine Naturalien nicht auf den Altar deS Vaterlandes niederlegen, wohl aber in daS naheliegende Kloster fcklkppen mußte, und wo der Getammrwerth einer Bauernwirthschast schon nach wenigen Lahre» , in Gestalt von allerlei Abgaben einmal in den Sack der geistlichen Herren wanderte. Ln einer anderen Zeit, für die ja die Je»uiien gleichfalls schwärmen, in der Eoncordalszeir, wußten sich die Herren aus dem .Vtei'e, dem P Bauchinger angehört, in daS ausschließliche Verfügung«, recht über einen viele Millionen großen, au« de» Beiträgen von Christen und Nichtchristen gebildeten Fonds zu setzen: es ist uns aber nicht bekannt, daß die Herren von diesen reichen Geldmitteln 'auch nur eine „Lau«- auf dem Altar deS Vaterlandes geopfert hätten, als letzteres iliiter den Streichen der Feinde blutete und in sinanzieller Zerrüttung darniederlag. Aber wir wissen es. die Herren müssen ja »och bescheidener sein als Diogenes, der 1a „nur Heidewar, und opferten daher — wie . ein Sludentenwort sagt — „nicht die Laus"- i Verleugnung des Antisemitismus) Der Wahlausschuß der „Bürger- Parteizu Berlin verwahrt sich in einer, Erklärung in der „Staatsbürger- Zeitung dagegen, daß die Beamten, welche bei der Stadiverordnetenwahl sür Heutig gestimmt, „revolutionäre Anriiemiken" seien. Tie „Bürgerpareeiwolle lin Gegemheil, daß „wieder dir Achtung vor der Obrigkeit gestäikt" werde. Tie „Bürgerparteifei.eine im besten Sinne des Worte« conservative Partei, und nur ^deren Gegner denuneireu sie als Antisemiten. Von dieser Erklärung, welche übrigen« trotz der Verleugnung de« Äiick!emitismuS in unverfälscht antisemitischer WeHe gegen dir „Judenliberalenloszieht, ist die „Scaatsbürger-Zeituug" nrchl erbaut, und sie fügt ihr folgende Beinerkung bei: „Wir hätte» gewünscht, daß der Vorwurf deS AnlifemitisninS nicht in dieser Art zurückgew,iesen, sonder» insofern acceptirt worden wäre, als es Thalsache ist, daß die antisemitische Gesinnung in den Bürgervereineu wohl olme Ausnahme lebendig und die Berliner Bewegung obne ibn nicht» ist.- n Aus antisemitischen Blättern. Selbsterlenutoisi.) Endlich findet Schönerer den Muth, offen zu sagen, w a r u n> er sich um kein ReichSralhSmandat bewerben uirö aus die deutschvolkliche Erziehung beschränken wolle. Nicht weil er des „Treibens müde", oder wert er m Uebereinftimmung mit dem von ihm entdeckten nationalen Schwergewichirgesetze den österreichischen ReichSrath für nicht zu Recht bestehend betrachtet, veizichtet er auf ein Mandat, sonder» auS dem viel, viel einfachere» aber auch zwingenderen eirunde, weil er keines bekommt. In der letzten 'Nummer der Rosenauer HofblaneS läßt er eine« seiner Schreibsöldlingf folgende Eikläiung abgcben: „Jenen es gewiß aufrichtig meinenden Genoffen, die in diesen' letzten Tagen in bunderten von Zuschriften an Schönerer die Bitte richteten, er möge im Abgeordnelenhaufe wieder seine Stimme erhebe» u achten wir nur erwiedern (siel), daß es denn doch nicht so leicht, sozusagen rou b'ute aus morgen, möglich ist, daß Schönerer, auch wenn er persönlich dem Wunsche dieser Genossin zu entsprechen geneigt wäre — im Abgeordnelenhaufe erbeuten kann. — .Wo ist der Wahlbezirk, der heute Schönerer ein Mandat 'f:r dar Abgeordnetenhaus zu übergeben hat?' Tiefe nüchterne Fra'.' muß all den drängende» Forderungen der jüngsten Zeit, 2.1'ouercr möge, neuerdings im Parlamente erscheinen entgegengehalten niff:•-]'Wir haben uns diese Frage allerdings schön früher gestellt und ird'dtttU daraus eine ähnliche Antwort erhalte», wie sie sich jetzt Schönerer bei, 'einkel -nd r 2 ib'ierfemmun geben muß: langer Zeit uikd böser Erfahrungen bat ee i> denen ..durst, ibn van seinem vollständigen politischen Bankerott;ü ul-t -ti .'ii, denn noch im An-ange September vorigen Jahre« ließ er durch ein,-'h.inrr Organe, die „Teul'chd Wehrauspolaunen, baß er auf die Wähler van : Wi'd'n»u: troit Favori.en nicht anstkhe, „da er in dem nächstbesten tritt ch-it Wahlbezirk mit guter Aussicht auf Erfolg candidiren fatui." ff'Iirii'llich-iolialer Terrorismus.« Tie gemäßigten Kaiholuch-Eonfervativen weid i: rrn den 'Jliitt’eifmeu christlich 'ocialer Färbung 'ast noch schlimmer als dir Juded: und „Judrulil raiki," behandelt. Das Psenn er'sche Blättchen hat woch-'n.aua dem Abt Trenin'eir und drin V:cdprändenten de» Abgeordnetenbai-',-.'- Tr .Uait <-:>,>br liarr zugekevt. Tie „Politischen Fragmente" r-- .. r.ist rinen 's bätiiuo'en Mann wir den Abgeordnete« Oberndorfer nicht. Und nun erst Graf Hohenwart! «ei» christlich-socialer Schlingel fühlt sich winzig genug, um nicht diesen einst von allen Anti-Liberalen über den grüne» Klee gelobten Politiker heftig anzugreisen. DaS „Vaterland" sieht sich wieder bemüsfigt, „gegen allerlei Ausstreuungen" Folgendes zu bemerken : „Seit Wochen, ja man kann" jetzt schon von Monaten sprechen, wird in sogenannten antisemitischen und verwandten Blättern nach erkenntlichem Systeme eine Reihe der zweifelhafteste» und perfidesten Gerüchte und Dar- Hellungen über die politische Action des Grafen Hohenwart verbreitet und in verschiedenen Variationen wiederholt. Ein hiesiges antisemitische- Blatt, welches die Zurückweisung neuester muthwilliger Anwürse unsererseits al» ein ,An-. stänkern' zu bezeichnen findet, wiederholt nun einen Theil dieser Gerüchte und Darstellungen, die in de» erwähnte» Blättern wohl nur in jkeuntutß der Sicherheit verbreitet werden, daß ihnen nicht widersprochen werden wird. Wir glauben, daß gerade diese systematische Ausstreuung derartiger Gerüchte und Darstellungen den Grafen Hohenwart in der Uederzeugung bestärken dürfte, daß die von ihm eingehaltene Bahn ffoter den gegenwärtigen Verhältniffen die einzig richtige und sichere ist." (Eine Rarität ) Es gereicht Ungarn zur Ehre, daß antisemitische Kundgebungen dort eine Rarität find. DaS Organ de« Wiener Radau-AntisemitiSmus begrüßt daher mit um so größerer Freude einen Hirtenbrief des Bischofvon Rosenau, Schopper, welcher gegen die Juden loSzog, und feiert ihn nicht nur als eine Art weißen Raben, sondern auch als einen Gelehrten von vorzüglichem Rufe. Gelahrt mag der Bischof immerhin fein, aber mit der Logik scheint eS doch ein wenig bei ihm zu hapern. Er sagt an einer Stelle de- Hirtenbriefe«, daß die Juden „keine Rücksicht und Schonung" verdienen, an einer andere» aber, daß die jüdische „Weltherrschaft" durch die Ausdehnung der — Goldwährung „vollends gesichert" sei. Der edle Kirchenfürst ist offenbar ein Bimetallist, doch der BimetalliSmuS ist kein christliche« Dogma, die Goldwähning kein jüdischer Glaubensartikel. Die Juden aber würden nicht erst einer bischöflichen „Rücksicht und Schonungbedürfen, wen» ihre „Weltherrschaft vollend« gesichert" wäre. Ter Hirtenbrief Schppper'S ist offenbar dem „Zlag^ar AI law";n stopf gestiegen, und derselbe droht mit einer neuen uugarischen Auflage von Judenhctzen, falls die Zirkel der Ultramontanen irgendwie gestört würden, den» die Inden wären die „einzige bewegende Kraft" de« kirchenpolitischen Kampfes in Ungarn. Diese Drohung äst nicht geeignet, Jemanden einzuschüchtern. Es ivar nicht das Verdienst der Hintermänner deS .Hlupzar Allam ■, daß Ungarn antisemiienrein gemacht wurde, und sie besitzen auch nicht die Macht, eS wieder antisemitisch verpeste» zu laffc». (Auch ein Jnserview.) Ter Prager Correspondent des „Deutschen Volksblatteshatte eine Unterredung mit dem Herausgeber der antisemitischen „Nase Zajniy, Herrn Huschet. Dieser erzählte, er sei früher Jungtscheche gewesen und hätte sicherlich ein ReichSralhSmandat erlangt, wenn er es geblieben wäre. Allein er habe erkannt, daß die Jungtschechen eine „judenliberale- Partei seien; als Beweis für diese Behauptung führte er eine Nummer der „Narodui Listy" an, welche über 30 jüdische Inserate bringt. Sei» Blättchen, klagte Herr Hnschek, werde beständig confiscirt, namentlich wenn es „Uebersetzungen" aus dem Talmud bringe. Zugleich beiheuerte er, Antisemit nur aus nationalen und wrrthschaftliche» Gründen zu sein, nichtsdestoweniger aber die Geistlichkeit als - Mitkämpfer gegen den Semitismus gerne zu sehe», denn deren Einfluß auf das Landvolk sei tzroß und könne sehr nutzbringend sein. „Die jungtschechische Partei", fuhr er fort, „ist dagegen eine sehr velbiffene Gegnerin der Geistkichkeil, beschützt aber die Jude» um so eifriger. Begreifen Sie die Begeisterung der Jungtschechen für Frankreich, dem Eldorado der Juden, in welchem sie sogar Ministerstühle einnehmen?" Für de» falschen Beisatz „dem Eldorado" machen wir Herrn Huschet nicht verantwortlich. Spricht er auch fehlerhaft Deutsch, so ist er doch ein Deutschenfreund. So z. B. sagte er, er halle sich von der Teutschenhetze vollständig fern, denn man dürfe „nicht verkennen, welche ungeheueren Verdienste sich die Deutschen in Oesterreich und namentlich in Deutschland um die Belebung und Vertiefung der antisemitischen Bewegung erivorben haben". Jeder nach seiner Art! Andere Nichtdeutsche sympalhisiren mit dem Volke, auS deffen Mitte Kant und Humboldt. Schiller und Goethe, Bach und Mozart hervorgegangeu sind; Herr Huschet liebt die Deutschen als StammeSgenoffen Schneider S und Schönerer'-, Stöcker'S und Ahlwardt's. SrwähnenSwerth sind schließlich folgende Angabe» Huschek'S über die tschechischen Sludentenvereine: Tie Mehrzahl der Studenten stehe im socielistischen und jungtschechischeu Lager. Bloß zwei Vereine, der „Jungmann" und „Krakovec", nehmen principiell keinen Juden al« Mitglied auf. Es komme im funglschechischen Sludentenvereine des Oefteren vor, daß „Nase Zajmy' ihrer antisemitischen Richtung halber au« den Räumlichkeiten entfernt werden. Ter altlschechische Tiudentenleseverein stehe hingegen dein Antisemitismus deshalb näher, weil er, clerical-conservaiive Interessen vertrete. Na zdar Huschek! Dieser Schlußsatz ist ein werlhvolles Geständniß. (Geschmacklos.) In dem Organ für Zuchthäusler-Hoheit sitzt ei» sicherer Sedlak über die Deutsch-Liberalen Mährens zu Gericht, weil sie dem Fürsterzbischof von Llmütz einen Höflichkeitsbesuch abstatteten, und macht sich bei dieser Gelegenheit über den Namen dieses Kirchensürpen lustig. NamenSwitze sind überhaupt geschmacklos, am allerwenigsten aber sollte sie ein Sedlak verüben, der in deutsch-nationale» Diensten steht und deffen bemittellester Gönner