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Freies Blatt · 1894-01-07 · 92 (7.1.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
92 (7.1.1894)
Date
1894-01-07
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 92, _ Freies sähe zu verbreiten suchen, kein Gehör zu gebe». Dieser Hirtciibrics ist i» erster Reihe gegen de» »heraus rührigen Geistlichen StojalowSki gerichtet, welcher namentlich durch seine gerichtlichen Erlebnisse schon viel von sich reden machte und seit einiger Zeit iu inniger Beziehung zu den Wiener Christlich-Tociale», namentlich zu dem Psenner'schen Organe, steht, Cardinal Fürstbischof Tu na jewSki hat sich der gcmcinsamc» Actio» deS galizischen EpiScopalS nicht an geschlosic», (Licbcrmalill aus ReiskiiJ Liebermann v. Sonnenberg gastirtc im Teccmber in verschiedenen Städte» Deutschlands. 2eilten Ruhm vcrlnndigle zugleich ei» „WeihnachtSbuch", in welchem zu leie» war, tasi ein dculicher. Jüngling seine Herzallerliebste verläßt, weil erlauf ihre», Büchertischc Heine'S Gedichte findct, sich aber nachher mit ihr ver>'öh»t, a:s sie für Liebermann s Gedichte schwärmt. Trotz dieser für verlassene Mädchen ichäbcnewerlken >iraf: seiner Muse, in welcher übrigens sogar einzelne Antisemit, u nur cine Cvpie der Hcine'schcn erblichen, sind die- Gaftl ollen, die Liebe, man^i gibt, von den Herren Eltern heiratsfähiger Tächter nur schwach besticht, Cprobncirt sich gegenwärtig nicht mehr, wie früher, ausschließlich mit Borträge», jpuderu meistciis mir zwanglose» Plaudereien, deren Thciliirhmer eingeladeir werden, die „Parteieasse" ein wenig zu süllen, »nd dieser Einladuiig zumeiü durch eine Spende von 20 Pseniiigcn entsprechen. Bei einer solchen Plauderei in Heidelberg meinte Lieber»!»»», im preußischen Abgeordnetenhause ließe sich für anti'einilische Zwecke wohl ctwaS erzielen,'aber im Reichstage, io lange Grat Caprivi daS Ruder führt, nicht daS Mindeste. Hosfentlich weiden auch in Preußen dij aniiseinitiiche» Bäume nicht i» de» Himmel wachsen. antlseinitischt'n Blättern. «Tic „Reichsposd".) Die „O sidcntsche Rundichau" schreibt: ,,'R»» ist auch da« große Ereigniß vorbei, die .RcichSpost', das Organ der Christlich- Socialcu, ist erschienen. Tie Runiiner I zeigt sich bereits mit einer besonderen Empfehlung dem Lcsertreiie. .Se. Hcstigleit der Papst gerulne dem Borsitzende» des HerauSgebereoiniloS den Segen zum Gelinge» de» neuen llnteriiehmenS zu erlheilc».' Dann bleibt kein Zweifel, daß das neue Unieriielmien daraufhin ge deihen wird, und wir sind so bar jeder Mißgunst, daß wir der .Reichsvost' auch noch unseren Segen dazu crtheiten. Wa« »ns aber an der Sache mit Hinsicht aus da« angebliche Programm des neuen Blattes mit Bei,ei:id-n erfüllt, ist eine uns »iitgelheilte Rachricht, daß der Herausgeber dieses christlich-ioeial anliseinikistli clcricalen BlattcS ein gelauster Jude sei, der sich nach seinem Geburt-? orte .Weimar' iiennt. Wir gönneu der christlich socialen Partei ''von ganzem Herzen diese Aequisilion, sie dient am besten zur stenuzeichuung ihrer Auf richtigkeil." Ter Hohn, mit welchem hier des päpstliche» Segens gedacht wird, ist, wie eS im Anlisemitcnjargo» heiße, „echt jüdisch". Auch die sonstige An der Begrüßung zeigt, reden wirweiter antisemiiiich, eine Lchinutzconcurren;, deren sich kein Pohrlitzer.stöhn zu schäme» brauchte. — Herr Weimar setzt sich bereits zur Wehr und erklärt in einer Berichtigung, daß er ein gebürtiger Wiener ist »nd seine Eltern Christen sind. Tamit dürste» sich aber die germanische» Gegner der palästinensischen Anschauungsweise nicht zufricdcngeben. «Eine Strafpredigt.) Im Organ des Wiener GeschäslSantisemitiSmuS wird de» Iungtschechcn in einer Prager Corresponden; eine Strafpredigt gehalten, aus der wir Folgendes hervorheben„Mit ausfallender Aengstlichkeit wissen die jungt>'chechischen Machthaber Alles von ihrer Bewegung fernzuhatle», waS nichtnnbedingl in die engste Parteischablonc paßt und deren Zwecke uiimitielbar fördert. Tie Tschechen besitze» eine antisemitische Zeitschrift, die ausschließlich die nationale und sociale Seite deS Antisemitismus pflegt, aber thatiächlich, sowohl im Volke als in der Parteipresse eine ärmliche Existenz sühn. Ter Redakteur dieser Zeitschrift, welche den Titel ,blaue Znjmy' (,liniere Interesse»') trägt, ersreut sich, trotz deS unleugbar tschechisch-nationale» Standpunktes, den er einnimmt, keiner besonderen Gunst bei den jungtschechischeu Führern. Auch die tschechische Studentenschaft steht de», tschechischen Antiiemitenführer Hnschek feindselig gegenüber und betrachtet ihn als .Störer der Einigkeit und lauen Patrioten'. Der jungtschechische'Studentenvcrein .Slaviaf zählt so manchen Jubeu unter seinen Mitgliedern »nd unterstützt,' wie wir bcdnehmen, auch hie tschechisch jüdische Bewegung sehr eifrig. Und daS Alles a»S .nationale» Gründen'. Man ist in den maßgebenden Parteikreisen der Tschechen noch iminer der Ansicht, daß der Jude iu nationale» Dingen ein sehr verläßlicher und willkommener Mitarbeiter sein müsse, daß der Antisemitismus seine Berechtigung verliere, wen» ihn diese .nationalen' Rücksichten zu parathsircn geneigt sind. Wohl geben die zahlreichen jungtschechischen Provinzblätter manchmal ganz artige Proben antisemitischer AuSdrncksweise, aber es hat den Anschein, als ob man ba« Alles nur als Luxus betrachte, den man sich bei der großen itraftfülle der tschechischen AlliagSsprache hie und da gestatten dürfe. Bei u»S Deulschböhmen war der Bruch mit der liberalen Parteischablone der mächtiaste Anstoß zur amisemilischcn .Bewegung; sollte mit der Lahmlegung deS jungtichechischen ParteiterxoriSmus nicht auch im tschechischen Volke die Möglichkeit eines gesunden, zielkewußten Antisemitismus gegeben sein? Die antisemitische Agitation wäre ein großes und Blatt Seite 7. dankbares Gebiet für eine -gemeinsame Arbeit beiter VöllSstänime in Böhmen. , Wie lange >'oll dieses. Gebiet Noch »»bebaut liegen? Vorläufig hat eS mit einer solche» Vcrstänhigung lckder noch gute Wege." Ter Prager Correipondent ver-- räth mehr, alS er verratheu will. AuS den Geständnisse», die ihm eniichlüpsen, erfährt inan, daß eS die Widersacher des TenischihumS sind, welche au« der aiiti'emiiischcn Bewegung »ationale Borlheilc zu ziehen suchend Man erfährt aber auch, daß die Amisemüerei einen inlernationale» Charakter alS antiliberale Veri'chivörung hat. Eine VeistäNdignng zwijeiicn Tr. Schmeykal und Tr. Eduard Gregr, aus Grundlage der Hnschel'ickieu Agiialiou, hält der Correipondent selbst siir nicht bevorstehend, aber er gibt sich den Anschein, dennoch an-eine ZukunstSverbriiderung zwischen Tenliche» und Tschechen im Zeichen der Judeuheye zu glauben l!i«u„, ..l,-nor>-' omuesl — heißt es bekanntlich ii»' Soleccr Latein. lBöckcl gegen Stöcker. i In einer Polemik zwischen dem Böckel'schen „Reichshxrold" und deiii Slöckerschen „Voll" verslcigt sich Ersterer zu folgender Auslassung: „Was verssehen Sie, verehrter Iriilelschreiber, unter teinagogischci» .Radikalismus'!' .Ten Antisemitismus »nd die deutsche ResormpartciL ^ann'haben ivir Jlmen zu erwidel», daß das eine erbärmliche Dcnuneialiou uiid Verleumdung ist, würdig Ihre» feige» UebcrsallS in Hessen, den Sie anSführle», weit Sie wußten, daß der Vertreter des .streife« Alsfeld durch die ReichSlagSverbaiidluuge» i» Berlin verhindert war. Ter würde Ihnen die heuchteriiche Maske vom Gesicht gcriffen und bewiese.» haben, daßdie deutsche Reiormparkei es war und ist, die den Sieg der siillichen und socialen Neuerung über den Mammonismus und seine Diener unablässig anstrebt, daß die deutsche Rcformpartei l nicht die'christlich-sociale) e« war, die den Liberalismus in Hessen »lederkäinpsic, daß aber auch die deutsche Resormpariei sich jede Einmischung von Ihrer Seite aus daS Entschiedenste verbietet, weil sie nicht ibill, daß daS Werk, das sic geichaife», nun wieder durch Sic hinterrücks im alten cönservativen Fahrwasser ersäuft werde . . . Tos .Volk' ist von den Conservativcir schon so «st zu WaKIzivecken mißbraucht worden, daß eS alles Vertrauen zu denselben einfür allemal verloren hat. und. daran werden auch die Vorträge der Herren Oberivindcr niid Gciiosseil nichts ändern." TaS Tivoli-Programm verhindert e« nicht, daß Böcke! die Conservalimn und Christlich Socialen so behandelt, alS ob sie imversälschre Semiten'wären. Ei» Gleiches thul übrigens auch Zilnmermann in Tresdeu. lRußland n»d dik Jude».) Tie „Post" schreibt: „In de» russisch jüdischen .strelse» hegt man auf Grün) verschiedener Anzeichen die Ueberzeugung, die russische Regierung trabe zur Judcnfrage in letzter.Zeit eine wesentlich veränderte Stellung geuomnie» und ihre frühere schroffe Haltung auigegeben. AuS einer Rew Harter Correipondenz der russisch-jüdische» Wochcnschrisl „ChronikaWoSchoda" gehr nun hervor, daß. auch uincr den »ach Rordamerika eingewaiiderten russischen Juden diese Ueberzeugung vorherrscht und ein .überaus lesihSsteS Bestreben zur Rückkehr iik die Heimat' wachgcLufeu hat. ES scheint somit,, daß eine verstärkte Rückivanderung der Juden »ach Rußland sich vorbereitet." Tez stete Rückgang des russischen. Handels seit Beginn der ebenso grausamen alS widersinnigen Judenausrreibungen winde allerdings eine Acnderung tut Verfahren der russischen Machibabcr vollkonime» begründet erscheinen lassen, doch fehlt »n« für diese Bolschast der Glaube. Daß die rnssischeu Juden iu Amerika sich trotz aller Verfolgungen, denen sie auSgcietzt waren, nach ihrer a»en Heimat ziirückiehnen, ist ohne' Zweifel richtig, »nd wurde. vor einiger Zeit sogar in dem Blatte de« Fürsten MeschtscherSkij verzeichnet. Eine „verstärkte Rückwanderung der Jude» nach Rußland" wäre aber, so lange daS jetzige System nicht vollständig ' beseitigt ist, ein beklagenSwcrther Fehler. Momentanen Milderungen könnten nur zu bald ivieder Verschärf»,, gen folgen. Tie „Post", welche verschämt in Antisemitismus machl, bezweckt osscubar mit ihrer Notiz, dje Judenfeinde in Rußland vor einer ihnen drohende» Gefahr zu warne». (Tas Gcmctzcl von Aigucs-Mortes.» Tie ^Geschworenen in AngoulSme sprachen oie Moibgesellen von AigucS-Vchrres, die Halbiodie umbrachlen, frei. DieseS schmähliche Perdicl wird von der anliscinitischc» ,,L>bre Parole" gebilligt.' Tic Erniordeten waren ja Jratiencr, als» „Fremde", welche nach der antiiemitischeil Lehre vogelsrei sind. ' Feuilleton. ' f Die <£mpörevm. Roman nach dem Englischen der Walter Besanl von Marie Mojer. ' - lt. Foptseyun.,.) VIII. . 1 „Die Bcrsaminlung unten muß bald zu Ende sein,", sagte Franziska. „O, Lveiin ich ulich nur mit diesen Bersammlungen befreunden könnte. Aber sie-nagen an meinem Leben. Zch wollte, ich könnte bei

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