Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1894-01-07 · 92 (7.1.1894) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
92 (7.1.1894)
Date
1894-01-07
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
79% known words query
IRI
…/4886575-5439163-5441483--1032-4887516
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 6 Freie» Blatt. Nr. 92. aigen Ansichrcitnnqen. Tic Juden wurden vom Pöbel angegriffen, ui gröbster Weise iniultirt und wiederholt mit Steinen beworfen; auch wurden vielfach ffrevolverschüsse abgegeben. Drei Inden sind tödtlich verletzt worden, viele haben mehr oder minder schwere Perwnndnngeii davongkiragen. die;n spät erschienene Polizei »ahm noch einige Berhaftttnge» vor. iTic Zllvkll in Ellilltl. Herr A. A n » a n d, der Agent der schottische» BibelgeieNiehasr für Nordchina, gibt in einer Erzählung über seine Rsie-nach Rai seng su. der alten chinefficken Hauptstadt, folgende intel.ffanie Pe'chreibnng über die llebcrrcfte der dortigen jüdischen Eolonie: Ich >ie>: mich sogleich zudem Tiaoching jüdische») Temvel tülnen, von dem nur noch rKiiincn übrig und. Ans einem Lkein sind Taten verzeichnet, wann der Tenipel erbaut, wann er renoviri wurde und wann er in Trümmer fiel. Tie Inden sind bidr > unter dem Namen , Tiao ching chiao" bekannt, sie wohnen, alle um ] den alten Tempe herum, nnd während ich die Trümmer desselben betrachtete, tainen viele tum Porielrein. Tic Mohammedaner versichern,! dag ,d:e Indew als Telalien herkamen. Es und aber Beweise da, das; die Inden tauge vor den Mohammedaner» in Ebina waren. Tie j Inden f(fielt glauben, da»' ihre Bor'aliren ungefähr um -00 vor; Ebriski (^elutit herkamen Ein junger Jude, Namens Raohu: tnei, lieg'sich in ein langes «besprach mit mir ein. Einige seiner Gesichtszüge waren van ausgesprochen jüdischem TnpnS. Tie Juden haben > kein l'bokiesh.ius. erzählte, er mir, und keinen reichen Mann,, der es, . ihnen ivieder.ansbanen könnte, ivie sie wohl wünschten. Als T r. Martin sie im Jahre I>«>>> besuchte,. wo.'en sie noch sieben Familien stark, '■ während jei-t nur sechs vorhanden und: Rao, Ehao, Ai, Vi.' Tchih! und Ehin. nach Kaobni knei nnge'ähr 500 Seelen, wie mein Führer j aber sagte, kaum die Hälfte, Raohni knei behauptet, dag noch Niemand j in der Eolonie;»nt MohanimedaulSuinS über getreten sei, konnte mir aber nicht im Errisernieslen angeben, woran er und die Teinen glauben. Tie scheinen ihren alten Goikesdjenst ansgegeben und die j Remilnis; von dem Gotte Israels längst verloren zn haben. Tuntel - nur 'chwebt ihnen vor, wer und was sie einst waren. . .! Bi'lizoll.' Fr »zösiiche Blätter machen über das Lxben von : Juden an der Wüste Tabara folgende Miliheilungen: Ein Ttainm, I von dem mit Bestimmtheit angenoinmen wird, dag er jüdischen Ursprungs sei, beißt Ibn Mazob. Im IaKre I schloß dieser Ttainm mit Frankreich eiiren Bund nnd ward ihm iribuzpslichlig. Tie Ibn Mazob unterscheide» such durch Gesichtsfarbe, Rleidnng, Alten, Tprache, moralische Eigenichasien nnd.^iek;u de» Fremden wesentlich! von den arabische» T lammen-. Tie ähneln gast in ihrem ganzen Wesen! den Inden des Morgenlandes. Feinde von Lustbarkeiten und VnrnS, \ erwägen sie ihr Thun, nnd Lasieu mit.Berstand und. praktischer Be- ' rechnung Es gibt wohl Tein Bolk, das so sehr an den Titten nnd l (Gebräuchen der Ahnen festhä I, wie die Ibn Mazob. Tiefe und noch andere Momente unterstützen die Ansicht betreffs der jüdischen Abstammung. Tie Ibn Marod dürste» von Inden abslammeii, die vor unabsehbarer Zeit sich in der Tahara angesiedelt haben. Tie Ibn Mazob lieben den Frieden und verabscheuen den Rrieg. Tie sind sehr ninsikaliich, aus ihren Wohnungen ertönt nett Musik Ihre Berwaltung ist republikanisch Tie befassen sich ausschließlich mir Handel, welcher sich Ais Rleinasien nnd Timbokin erstreckt. Auch gesellen sie sich oft den .Karawanen bei, die »ach Marokko, Tunis. Algier und Egypten ihren Weg durch die Wune nehmen. Ihr Hauptreichlhum besteht in .(tameelheerdcn. Biele' verlaffen äußern jung das Vaud, ihrer Geburt | und kehre» dann betagt, wenn sie Bermöqe» erworben, in ihr wüstes 1 Baterland zurück. Im Handel sind sie böfsich, einnehmend und ge-! winnend Ihrer Familie sind si^ in unbeschreiblicher Vicbc zugelhan. j Polnisch teviaUcn sie in zwei Gruppen, die eine liebirNgelt mit Frank-! reich, die andere hält es mit Ma/okko. Zum Handel sind sie durch die Unfruchtbarkeit des Bodensgetrieben. -Es gibt keine Hafenstadt der Berberei. i» welcher nicht Ibn Mazob unter der Leitung eines von ihnen «Gewählten-als eine besondere Gemeinde vorhanden wären. Für die Insolvenz eines Einzigen bürgt der ganze Ttainm. Außer diesen Ihn Mazob erisliren dorr auch Juden, die rituell nach den v.ie'.ii'chen Bo>schri>ien leben. Man erkennt bei ihnen selbst unter der >chii>ar;en '^esichlSsarbe. wie bei den' abesinnischen Juden den jüdischen Tiiins: sie befaffe» sich mit Arbeit und Handel. 2luantifemitifefron Poreinen nnd Perfammlimacn.! thdrisilick socialer Bereut and tz'driiiliche Familie.) Fast jeden Tag hält einetiefer Agnaiwi'.svereine in dein eine» oder anderen Bezirke eine Bersammlung ab. Selbst bei Festen und Taiizkiäuzchen, die sie arrangiren, fehlt eS nicht an Agitationsrede»; »ach der Deelamatio» irgend eines Fräuleins Wokurka ' produeirt sich ein antisemitischer Abgeordneter mit einem im BoyeottirnngS- oder i „Schußgeld"-Geiste gehaltenen Speech.' Für ein bevorstehende» Hernalse: i PereinSfest z B. wird im „Bolksfreitiid" folgendes Programm ausgestellt „-Sie. Turchlaacht 'Füist Alois Liechicilstci» hält die Festrede. Herr Theodor . Räder bält eine humoristische Borleiling; Fräulein Sophie Zoppelt bringt ein! Festgedicht von Franz Eichert zniii Bortiag; Herr Jo>'ef Stoppel niehrere an», gezeichnete Couplets; SchneUzeichiier Herr Pinroni und andere Munfitiäfte Zum Schluffe Taiijlränzcheii. jiarien im Borvertause?>!!i> kr., an der Caffe ä 4» kr." älichiS liegt uns ferner, als eine Beichräiiluug der BereinS- 'und Persamlungssreibeit herbeizuwünschen. Tie 1'. 'l'. Auln'einiien beiderlei Geschlechtes mögen nach Herzenslust Zujammeiikünsle und Feste veraustalten, jedoch im itntereffeder öffeuilichen Trknuug auch gleich anderen Staatsbürger» dazu verhalten werde», zu beach e». daß in Testerreich ei» Sirasgcsctz besteht, drsffn § ."02 folgendenWorilant hat: „Wer Andere zu Feindseligkeiten wider die verschiedenen Rationalitäten lBolksilümure», Religion» oder andere GeieU'chasieu, eiu'elue Claffen oder Stände der biirgerlichen i^eiellschast oder wider gesetzlich anerkaiinie .ilörperichasle», oder überhaupt die Einwohner de» Staates zu seindseligen Parteiungen gegeneinander anfsordert, aueiiert oder zu verleite»,sucht, ist, inioferne sich diese Thätigkeit nicht a!s eine ichwerer verpönte stiafbare Handlung daistelll, eine» BergehenS schuldig und >oll zu-stpengem Arrest von diei bi» zu >echS Monaten verurtheilt werden." ibin merkwürdiger Naibschlag.i Wie die stdenlsche Rundschau" miiilieilt, fine anläßlich der Schönerer Feier am 2>>. Tecember inehiere lObmäniier »aiioilal anlisemikischer Bereine „bei der Polizei einvernomtnen und einein.Kreuzverhöre 'iiber alle möglichön Tinge unterzogen worden". Taö besagte Blatt richtet anS diesem Anlaß an die G.sinnungsgenoffen die Warnung: „Ta eS nicht auSgeichloffe» ist, daß der eine oder der andere Tbinann in seiner Arglosigkeit überflüssige AuSiage» macht, ist gegenüber den sreundlichen Erkundigungen um daS Wohlbefinden deS BereineS möglichste Znrückhaltung geboten. Man kann vor denAuge» deSPolizeicoininissärS noch >'o begriffstüYig und »nw-issend scheine», ohne in der allgemeinen Achtuaig zu verlieren." Wir wollen auf die strasrechtliche T.iialisiealio» einer derart offenen Ansiorderul>g.znr Beiweigerung der Aussage vor eu er Untersitchungebehöide ebensowenig einqeheii, wie auf die moralische S.iialisieatiou einer solche» freche» Atileilung zur Hintertreibung der Wahrheit. Tagege» wären .vjr iehr neugierig, ivelcher Art denn die Gehei in nisse sind, welche die anl isemilischen Bereinsöbmänner so ängstlich vor de» Augen der Polizei wahre» sollen'? Man kommt da aus ganz eigene Gedanken. '„Bund dcr Gcrmaiie»".s An Stelle des aufgelösten Salzburger GermanenbundeS wird ein „Bund der Germaneu" mit dem Sitze in Wien gegründet. i Prinz Alois Liccktcnslein vor sciucii 'Wählern.) Bor einer schwach besuchten Berimnmtiing seiner Wäbler i» Hernal» erstattete am d. M. Prinz AtoiS Liechtenstein seine» Rechenichasisberscht. Tersclbe bot nichts Beinerkenswerlbes, bi» auf ein — den Grafe» Taasfe coinpromittirende» Lob und eine für die Cowervaiiven-und Tie um Steinwender nicht sehr schmeichelhafte Ansforderiiiig, Raiion auzuiiehmen und sich de» christlich-soeialen Anlisenilien an;ui'chlieste». «GtnoffeitschaslStag. Je d liczk a als Tbinann und Mechaniker Schneider als Schriffsüdier des i'atn'am bekannten Wiener GewerbegenoffeiischaflstageS erließen a» die Handwerker und GeweibSlente die Aufforderung, sich angesichts der neuen Sachlage keineswegs irgend eine Zitrückhaltiing auszuerlegeie; in diesem Mahnrufe heißt eS: „Gerade jetzt wäre »ichiS gefährlicher alS Stillstand. Sänveigen Handwerker und Gewerbsleute jetzt, so erheben die Gegner derselben nur um so kühner und frecher ihr Haupt. Gerade jetzt, wo die manchesterliberale Partei so nneripariei zu größter Macht gelangt ist) sind Handwerker und .ifausleute umiomehr vei pflichtet, auss Energiicheste daraus zu dringen, daß die Gewerbereform im Sinne der Gewerbetage durchgesührt werde." Schneider weiß sehr gut, daß eine Retorm — ganz nach seinem Gtichmacke — niemals zur Tnrchsührilllg kommen werde, aber, denkt er sich, mnnäus vult «leoipi, ergo decipiatuv. Auf Schneider s Plan, einen allgemeinen Gewerbelag eiiizuberust», ui» . eins Temoiistration zu Gunste» der slavisch-aiitffemilischen Gegeneoalitio« -in Scene zu sehen, ging auch ein „deutseh-nalionales" Lrgan i» Graz ein; das „Steiermärkische Gewerbeblatt" spricht in seiner ReujahrSnummer immer von einer „Gegeiieoalition" und legt einem Handwerker die Worte in den Mund: „Stehet sist und wanket nicht, bis das Ministerium Plener bricht," Oialdolischt Äirchensiirftcn gegen christlich-sociale AgikakorcnI Der Lemberger Erzbischof Morawsii, der Przemysler Bischof Solecki und der Tarnower Biichof LoboS habe» einen gemeinsamen Hirtenbrief versendet, in welchem sie ihre Tiöeesanen in eindringlichster Weise unter Androhung von jiirchenstrafen warnen, die in Galizien zahlreich erscheinenden polnischen „BolkSbläzjer" trotz der von denselben zur Schau getragenen katholischen Tendenz zu lesen, zu abonniren, zu unterstützen und weiter zu verbreiten. Ebenso werden die Gläubigen der drei Diöcesen anfgefordert, den aus sämmtliche» Bauernversammlungeü und Bolksmeetings in Galizien sich umhertreibenden Baueruaposteln und BolkSbeglückern, die durch lügnerische Darstellung verderbliche Grund-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.