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Freies Blatt · 1893-12-31 · 91 (31.12.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
91 (31.12.1893)
Date
1893-12-31
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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und Ehebruch als eng verbundene Glieder dastehen. Damit — so sagt er — die Herren Rabbiner nicht um die Aussicht gebracht seien, bei der Affaire noch ein Geschäftchen zu machen, verpflichte ich mich zur Zahlung von tausend blanken Thalern, wenn „Juda von der deutschen morgenländischen Gesellschaft das Urtheil empfängt, daß meine Eitake erdichtet, unwahr, erfunden seien". Dieses Libell, dessen Verfasser, so gelehrt er sein mag, doch unfähig ist, de» Talmud, dieses allerschwerste aller alten RechtSbücher, selbstständig zu verstehen und unfähig auch, ihn religionS- und zeitgeschichtlich zu würdigen, ist ein Hauptbcweismittcl für die Henrici, Förster, Ruppel, Pinkcrl, Jstoczy, Onody u. A. geworden und hat einen hervorragenden Anthcil an dem Ausbruch mittelalterlicher Judenverfolgungen in unserem Jahrhundert. (Die Ueberseyungen des „Dr. v. Pavly".) In der Berliner „Jüdischen Presse" lesen wir: Im Jänner 1887 wurde voiz Basel aus nach allen Richtungen der Windrose ein Prospect versendet, j in welchen» unter dem Titel „Schulchan-Arukh, Gedeckte Tafel, eine mit Erläuterungen und Bemerkungen aller Commcntare versehene Uebersetzung des Ritual- und Gesetzbuches des Judenthums" angekündigt wurde. Als Herausgeber zeichnete ein gewisser Stefan Marugg, der sich den pomphaften Titel „Chef du Bureau national“ beilegte, als Uebcrsctzer der „Berein Theologoumenon", dessen Präsident ein Dr. Johanne- A. F. E. L. V. v. Pavly sein sollte, dem angeblich die „hervorragendsten Fachgelehrten Deutschlands und Englands" als Mitarbeiter zur Seite standen. Der Herausgeber versicherte, das „vollständige Manuskripther Uebersetzung" erworben zu haben, und daß in derselben „keine einzige Unrichtigkeit vorkommt, der Unkcnntniß, Haß gegen oder Sympathie für das Judcnthum zugrunde läge". Mannigfache Gründe ließen dieses angeblich rein wissenschaftlich: Unternehmen verdächtig Erscheinen, und da zudem auch „alle diejenigen Israeliten, die den Schulchan-Aruch nicht im Urtext lesen können," zum Abonnement aufgefordert wurden, hielt cs unser Correspondent für geboten, der Sache auf den Grund zu gehen, den Stefan Marugg aufzusuchcn und bei ihm Einzelheiten über den Ucbersetzer Dr. Pavly und "den Verein „Theologoumenon" zu erfahren. Da ergab sich denn, daß Marugg, der „Chef du Bureau national“, in einem kleinen, baufälligen Häuschen als — Slellenvermittler sein Dasein fristet und weder den Dr. Pavly, noch seine Mitarbeiter kennt, trotzdem er mit Erstcrem einen Vertrag über hunderttausend Francs, den er im Original vorlegte, abgeschlossen hatte!- Wenige Tage später schrieb Marugg, der Dr. Pavly sei Privatsccretär der Königin von Rumänien und habe neben Anderen einen Rabbiner Rachmann Lcvy in Stefanesti zum Mitarbeiter. Als sich sehr bald herausstellte, daß weder ein Privatsccretär dieses Namens noch ein Rabbiner Nachmann i'toi in Stefanesti eristirt, mußte der Verdacht bestärkt werden, daß cs sich entweder um einen plumpen Schwindel oder um ein antisemitisches Bubenstück handelte, bei dem auch auf jüdisches Geld speculirt wurde. Dieser Verdacht erfuhr dann eine fernere Steigerung, als die antisemitische Presse mit dem entsprechenden Tam-Tam ankündigte, das Werk bringe „Enthüllungen über den gefährlichen Inhalt des Schulchan- Aruch", jeder „wahre Christ" sei verpflichtet, dasselbe zu unterstützen 11. s. w. Bald wurde in allen Tonarten wüstester Schmähsucht für das „verdienstvolle Unternehmen" die Rcclamctrommcl gerührt, und. wie gewöhnlich, leistete die ultramontane Presse das Ungeheuerlichste, indem sie sogar die "Nachricht colportirte, Marugg sei „von drei Inden überfallen und mit Messern derart zugerichtet worden, daß absolut nicht an sein Auskommen zu denken wäre"! Die Antisemitenblätter aller Länder griffen diese Räubergcschichtc auf, beuteten sie zu den schamlosesten Hctzangrisfcn gegen die Juden und daS Judcnthum ans: neue Rcclamenotizen folgten, und die „Marugg'sche Schulchan-Ariich-Ucbersctzung" wurde schließlich zu einem der hervorragendsten Kampfmittel der internationalen Hctzsippe, für das gleichzeitig der „Osservatore Romano" in Rom, der „Rcichsbote" in Berlin und das „Deutsche Volksblatt" in Wien mit vollen Backen kräftig die Lärmtrompctc bliesen. Das Unternehmen ist, wie unsere Leser wissen, trotz aller dieser Krastanstrengungen, trotzdem die „Leuchten anti semitischcr Talmudgelchrsamkeit", Allen voran Rohling, dasselbe j aufs Wärmste empfahlen und Bestellungen entgegennahmcii, verkracht: i im Juni 1890 ließ das Züricher Vcrlagsmagazin den Buchhändlern die Mittheilung zugchcn, daß „die Fortsetzung des vielgenannten Werkes .Schulchan-Aruch, das Ritual- und Gesetzbuch des JndcnthumS', eingestellt werden muß, weil der HciauSgeber, Dr. Jean v. Pavly, verschwunden ist und nichts von sich höre» läßt". Wie man auch über Einzelheiten der Ucbertragung denken mochte, sic hielt, was in dem „Prospect" angckündigt war, sie bcmühtc sich, Unrichtigkeiten zn vermeiden, aus denen „Haß gegen oder Sympathie für das Judcnthum" herausgelescn werden konnte. Und doch hatte vorher die internationale Hetzpresse mit so marktschreierischer Zuversichtlichkeit verkündigt, da» geplante Werk bringe „Enthüllungen über den gefährlichen Inhalt de«. Schulchan-Aruch" und müsse deshalb von jedem „wahren Christen" kräftig unterstützt werden! In Wirklichkeit brachte die Uebersetzung nur „Enthüllungen" über das „gefährliche", weil verlogene,- verleumderische Treiben der Brzichtigcr des Schulchau-Aruch und des rabbinischen SchristthumS überhaupt. Und doch hatten die Rohling und Consortc» selbstmörderisch dieses selbe Buch so rückhaltlos empfohlen! Sollte, der Herausgeber die Erwartungen, zu denen sie nach seinen - früheren - Leistungen sich berechtigt glauben mochten, schniählich getäuscht haben? War es ja zudem mehr wie ausfallend, daß nirgends eine Stimme der Entrüstung über den „Dr. Johannes A. F. E. L. B. v. Pavly" laut wurde, die doch mehr wie begreiflich, deren Ausdruck um so dringender geboten gewesen wäre, weil das Schweigen als Furcht gei deutet werden mußte, „Dr. v. Pavly" könnte mit unangenehmer Ge- I schwützigkeit „Enthüllungen" über die ihm etwa ans früherem Verkehr bekannte „Gelehrsamkeit" gewisser Talmudverketzcrer antworten! Bri mann- Justus hatte ja schon einmal in den bekannten, von der „Neuen Freien Presse" am 8. Juli 1885 mitgetheiltcn Briefen an den Wiener Advocaten Dr. Elbogen recht unliebsame Dinge über die schmähliche Unwissenheit Rohling'- offenbart! ... Zu nicht geringer Uebcrraschung kündigte vor einigen Monaten die Verlagshandlung Alphonse Besserer in St. Ludwig i. E. ein Werk an: Chüsun Mispüt oder Civil- und Strafrecht des JudenthumS. Zum erstenmal aus dem Original frei ins Deutsche übersetzt und mit Ouellenangaben, Erläuterungen und den wichtigsten Bemerkungen versehen von — — Dr. I de Pavly, Professor, im „College du Sacre Coeur“ in Lyon. Also, der im Jahre 1890 „Verschwundene", der damals „nichts von sich hören ließ", tauchte wieder auf und setzte das begonnene Werk,' nicht mit der unvollständig gebliebenen Uebertragung dcS Orach Chajim, sondern mit dem vierten Theile des Schulchan-Aruch, dem Choschcn Mischpat, fort. Wie verhielt Jäch die antisemitische Presse? Auf der ganzen Linie beredtes Schweigen, auch in den vatikanischen Blättcrü, welche doch früher des Lobes für den „hochgelehrten Dr. v. Pavly" übcrflosscn und um so eher wenigstens ein Theilchcn dieser Belobung für sein neuestes Geistescrzeugniß hätten äußern müssen, da „Tr. de Pavly" dasselbe, wie ein Vordruck besagt, seinem „lheuern und geliebten Freunde, dem Monsiguor Carlo Parcic, geheimen Kämmerer Sr. Heiligkeit des Papstes Leo XIII." gewidmet hatte! Mit Recht hob hie Vcrlagshandlung in ihrem Prospect hervor: „Ein Civil- und Strafrecht dcS JudenthumS kann nt unserer Zeit, in welcher die Judenfragc obenan steht, nur willkommen sein," am willkommensten den Antisemiten, wclckie ja aus dem Codex des „Civil- und Strafrechts", deni Choschen Mifchpak, vorwiegend ihre Angriffe gegen Juden und Judenthum entlehnten und seit Jahr und Tjgg in Wort und Schrift, auf eine authentische Uebersetzung dieses Codex drängten! Hier war, was sie mit leidenschaftlicher Geschäftigkeit, sogar in Petitionen an die Staatsregierung, gefordert hatten, von einem Gelehrten endlich 'geboten, dessen Autorität und Zuverlässigkeit sic selbst so nachdrücklich betont hatten —.und doch dieses auffallende Schweigen! Nun, die Erklärung gibt cm Blick in die Ikdcrsctzung des „Dr. de Pavly" — welche noch drastischer als die Orach Chajim Version die Lugen, Entstellungen und Fälsdinngcn der Verleumder des Talmud und Schulchan- Arucki in einer Weise enthüllt, daß auch die scrupcllosestc Verlogenheit znm Verstummen gebracht werden muß! Hine ilhut. laemnae — daher das Schweigen der sonst, wenn es die Schmähung des JudenthumS und seiner Oncllen gilt, so Redseligen! lAntiscm im Conflirkt mit dr» Strasgtsctitii. Das Schwurgericht in Hannover vcrurtheilte am 1-8. d. M> den Pastor B eh n c aus Wallensen wegcn Mein cidS zu vier I a hre>> 'Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte leugnete trotz des erdrückenden Materials bis zum Schluffe: er nahm daS Urtheil mit großer Ruhe auf und crktäNe sofort, daß er auf Rechtsmittel verzichten wolle Bchnc, ein strammer Gesinnnngs genösse des Hofprcdigcrs a. D^-Swckcr, hat in scincin Amtsbezirke stark in Antisemitismus gemacht und stets salbungsvoll Über die stärke , Juclination der Juden zum — Meineid gepredigt, i tC'ill „üaistrschllitt". i Derin Bcrnburg a. S.'erscheinende und vom Buchdrückereibcsitzer Carl Burghardt rcdigirte „i^cueral A«zeiger" hatte einen Artikel über den Antlzcil der Juden am Verbrechen^ gebracht und am Schluffe desselben gesagt: „TarauS ergibt sich die Nolhmendigkcit, uns der Juden zu entledigen, und wäre cü durch einen Kaiserschnitt." Die Strafkammer beim ^Amtsgericht Bernburg erblickte hierin eine Aufreizung der „Arier" zu Gewalt thätigkciten gegen die „Scmileu", insofern der Kaiserschnitt als gewaltsamer und blutiger Eingriff auzusehc» sei, und verxixthcille deshalb . Herrn Burghardt zu einer Geldstrafe. Die Revision des Angellagteu

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