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Freies Blatt · 1893-12-24 · 90 (24.12.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
90 (24.12.1893)
Date
1893-12-24
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Freies Blatt. Nr. SO. Seite lü ein Wort nicht an) es zu etwas bringt, um was er nicht leicht gebracht werden kann, d. h. eine Stellung sich erobert, in. 8er sw ihm ebensowenig schaden als nützen können, flugs sind sie da, der mwcudiggeflickte. „christliche" Gelahrte und der,Paradejude und begönnern k-oraiu publico den Selfmaile-man, dessen Carriöre sie längst vorausgciagt, die sic ja natürlich im Stillen unter Permeidung eines jeglichen Aufsehens thatfächlich gefördert haben. Ter Jnwendiggcflickte gerirt sich da als der patcnkirte Pcrtrctcr deutscher wisienschaftlichcr, gründlicher »Forschung, der Paradejudc als der unbestrittene Repräsentant des Gcsammtilidcnthnms, -der die ideale geistige Perbindung zwischen Judcn- - thum und Ehristcuthum vermittelt. Ter Paradejud ist ein sehr nothmendigeS Mitglied in der geivählten Societüt der Jnwcndiggeflicktcn; denn ihn gebraucht man jedesmal mit Erfolg, so oft man an die Geldtaschen der reichen Juden appclliren muß. Ter Paradejud ist der Lockvogel, mit desicn Hilfe die Juden geruptt werden. Wie er gewöhnlich vertraulich den Jnwendiggcflickten eröffnet, ist ihm das Iudcnthum niit seinen Lehren, Sitten und Bräuchen Schnuppe, und er nehme nur unter äußerem Truck hie und da Ehrenstcllen bei Anstalten der Cultnsgcmcindc an, um in die jüdische Wirkhschast Trdnung zu bringen — daß er sich wegen Erlangung der betreffenden Ehrenstetten die Füße beinahe abgelaufen, verschiveigt er — im Inneren seines GcmüthcS jedoch sei er ebensogut wie sonst Einer ein Inweudiggcslicktcr. Er macht mit Acngstlichkeit darüber, daß ibm kein Glaubensgenoffe näher trete oder vollends die Sonderstellung im Kreise der Jnwcndiggeflicktcn strittig mache. Er ist nur aus Nolbwchr ein Gegner aller aufstrebenden Juden, und darum unterstützt er bereitwilligst unter dem Tcckmantcl der PorurthcilSlofigkeit par eM-ellt-mv feine gelahrten .christlichen" Parasiten, wenn sic einem jüdischen Gelehrten »Fallstricke legen. Ter junge jüdische Gelehrte veröffentlicht seine erste wisicnschaftliche größere Arbeit und fühlt üch verpflichtet, sie den Jnwendiggcflickten, den Matadores des Faches, vorzulegen. Sie kargen zwar unter vier Augen nicht mit ihrem Lobe, doch wollen sic sich vorderhand öffentlich darüber yicht äußern, da sie just mir wichtigen anderen »Forschungen überhäuft sind. Sie'erkundigen sich angelegentlich, wem er alles ReceiisionSercn.vlare zugefandk und ivas für Pläne er habe. Gerührt von so viel inniger Theilnahmc, erzählt der Junge, was ihm am Herzen liegt. Ter Inwcndiggcflickte versichert den Jungen seiner Gönnerschaft und bittet, jedesmal ihn als Referenz aüzugcbcn. Rn» beginnt der Inwcndiggcflickte seine Thätigkcit. Er scheut nicht die Mühe, von Rcdackcur zu Rcdaeteur zu gehen und ihm so nebenbei zu erklären, daß die Verflachung d?r Wissenschaft gar zu sehr übcrbairdnclmic, und z. B. der X eine Studie publicirt habe, die denn aber eigentlich jede Methode vermisicn laste und keine ernstliche Besprechung vertrage. So mancher Rcdaeteur, der cs mit dem mächtigen Ehorus der Inwcndiggeflickleu nicht verderben will, versteht den Wink und schweigt sich über das Werk auS. Ser I>zuge ist tödtlich betrübt, daß ihn die »Fachpresse der Heimat nicht beachtet. Im Ausland sind zrvar mehrere Besprechungen erschienen. die der Junge seinem Gesuche ans Ministerium wegen einer Anstellung beilegt, doch der Inwendiggeflickte als Sachverständiger bedeutet dem Referenten im Ministerium, er lege „principiell" nie einen Werth auf derartige Besprechungen — wie solche erschwindelt werden, wiffe man ja — er kenne zudem den Jungen persönlich und habe sich schon ein llrtheil über ihn gebildet. Ist der Junge vom Fach Botaniker oder Chemiker, betont der Jnwcndiggeflicktc, der „Streber" — so nennt tr mit Porliebe den Jungen — habe keine Ahnung von Anatomie oder Astronomie, auch sei daS vorliegende Werk lediglich eine Compihltion. Außerdem habe sich der Petent einmal in einem Feuilleton- „höchst unanständig über das Gremium der »Facultät der philosophischen Universität" ausgedrückt. Das reicht auS, dem verhaßten jüdischen Concurrentcn die Wege im Ministerium zu verrammeln. Jedenfalls hat damit der Jnwcndiggeflickte Zeit gewonnen. Tie geistigen Arbeiten jüngerer jüdischer Gelehrter betrachten die Inwendiggeflickten als Strandgut. Man beutet sic, so wie nach Möglichkeit die Perfaster persönlich auS, aber man nennt sie so selten wie nur möglich. Tagcgen unterläßt man cs bei keinem Anlaste, ein Versehen oder einen Fehler des Juden inS Lächerliche zu ziehen und den Autor verächtlich zu machen. Arbeitet er unermüdlich und publicirt er Werk auf Werk, so heißt man ihn einen eklen Vielschreiber, beschränkt er sich auf ein Spccialgebiet, schilt man iljtt einen einseitig verbohrten Kopf, dem der Blick für die Erforderniste der Gcsammt wistcnschaft gänzlich mangelt. Schreibt er auch für Tagblättcr, um seinen Lebensunterhalt zu gewinnen, dann ist er ein ausgemachter Phrasendrescher, lohnt sich ihm die literarische Thätigkcit materiell, schreit man: „Seht den Juden, der sich aufs Geschäftchen und Profitchen versteht", wagt er cs, eine Fachzeitschrift ins Leben zu rufen, wird vor den Geschäftspraktiken des Juden gewarnt, und hat er im Auslande in der Gclehrtenwclt einen vollen Erfolg errungen, an dem endlich nicht zu mäkeln ist, hält man dem Juden vor, daß er vcrrätherisch stets nur fürs Ausland gearbeitet und sich absichtlich, von Hochmuth befangen, der einheimischen Gelehrtenwelt gegenüber abgeschloffen halte- Wegen seines „bekannten" „unausstehlichen Dünkels" mache er sich überall verhaßt. Er sei ja unverträglich, ein Schimpfer, ein Socialist, ein Nihilist, ja ein Undankbarer, der seinen Wohlthätern, den Jnweudiggeflicktcn, frech und dreist vor den Hopf stoße. So wird Tag für Tag gegen den Juden, der sich berufsmäßig gelehrten Studien zugcwendct, Stimmung erzeugt, bis er, der sich in seine Wistcnschaft und Stube förmlich vergraben hat, in der guten Gesellschaft gemieden und geächtet sicht. Auf einmal entdeckt er zu seiner Bestürzung, daß man seine Ehre crdrostelt habe, während er unausgesetzt, ein Einsiedler der Großstadt, die Jahre in Zurückgezogenheit auf dem Gebiete der Wissenschaft gearbeitet. Es ist wohl wahr, daß ihn in der Zwischenzeit so und so viele Akademien und gelehrte Corporationen des Auslandes in ausfälliger Weise ausgezeichnet haben, daß er in seinem Fache zu den mcistcitirten und bcstgeachtcten Literaten gezählt wird, aber in der Heimat, im Slanimlande der gelahrten Antiscmitcrei und antisemitischen Gclahrtthucrci, stellt man ihn mir doch vor als den Mann mit der erdrosselten Ehre. Je hu da. ’T» Die Empörerin. Roman nach sein Englischen des Waller Besaut von Marie Majer. ■Jiun erschien Iran-,isla 'elbst in einem cinsachen, lichtrosa Wollklcide mil Sviven am Halse und an den Handgelenken und einem Suiveucinsatzc^ vorne. Sie sah anmukhig und ätherisch aus. Ihre sonst blaffen Wangen waren heute zart angehaucht, wie cs die etwas peinliche Situation mit sich brachte; tief unter der Sberflüche schien dieser Hauch bei einem Teint, wie sie ihn besaß, zu, liegen. Sie war immer Trientalin, sic mochte in welchem Kleide immer erscheinen; man erwartete unwillkürlich goldene Ringe, Ketten und Spangen an ihr zu scheu. Aber sie trug nichts dergleichen, bloß das einfache Wollkleid, Korlscriillg.) das mit Ausnahme des SpwcnlatzcS jedes Milchmädchen tragen könnte. Sie war nicht länger Vaschti, -d1r,_Elnpörcrin, eher ein einfaches Mädchen aus dem Paradiese — das Paradies war ja, wie wir wiffe», ein Garten im Oriente. Einen Augenblick blieb Frauziska in der Thür stehen, um sich zu sammeln. „Ich danke Ihnen, Harold, für Ihr Kommen," begann sie steif. „Sie forderten mich auf, zu komme». Ist das nicht genug?" „Bitte, keine Couiplimente, Harold." „Sie haben mir etwas zu sagen — etwas so Bedeutungsvolles,

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