Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 90 (24.12.1893)
- Date
- 1893-12-24
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3. , Nr. 90 Freie» Blatt. überrascht, und zeigte seine Berstimmung ziemlich deutlich. Nach einigem Hin- und Herschwanken nahm er jedoch Raison a» und gab die Erklärung ab, daß er der Neuordnung der Dinge, a» welche die Mehrheit des deutschkn Volkes Hoffnungen knüpfe, sich nicht feindlich gegenübcrstellcn wolle. Leine Annäherung an die Deutsch-Liberale.«, die Vertreter der Mehrheit dcS deutschen Volkes, betonte Steinwendcr noch durch die Forderung, daß die Elericalen bie Schule nicht antastcn solle»., DaS Organ dcS Elcrus in Steiermark bcnicrkt inalitiöö, man habe bisher annchmcn dürfe», daß die Deutsch Nationalen die Schule für reformbedürft'g hielten, und die Christlich Socialen schimpfen: „ES geht wieder der Plumpsack dcS VerrathcS herum." Die Eine» wie die Anderen übersehen indessen absichtlich oder unabsichtlich, daß Steinwendcrso sehr er sich dessen rühmte, einer der ältesten österreichischen Antisemiten zu sein, doch niemals geneigt war, das Deutschthum der Judenfrcsserei zuliebe preiSzagcben. Er und die Seinen traten nicht ans dem Deutschen Schulvercitt aus, trotzdem die Verc iisleitung das Ansinnen, „judenreine" Ortsgruppen inS Leben zu rufen, zu-ückgewiescu hatte. Eine Aeußerung Slcinweiider's, deren Stnii der war, daß Deutsch Nationale in Bruck 'an der Mur oder in Villach sich ohncweilero den Luxus der Antiscmilerei gönnen dürfen, in Proßnitz oder Mährisch Weißkirchcn aber auf dieses Vergnügen verzichte» müssen, ist vom ethischen Standpunkte gewiß höchst verwerflich, sie zeigt nichtsdestoweniger, daß er sich von der antisemitischen Leidenschaft nicht so weit fortteißpu ließ, um ihr wissentlich einen nationale» Vonheil zu. opfern. Steinwendcr, der mit seinem facultativen Autisem'lisinuS auf so manche Abwege gcricth, principicll aber auf dem Boden nationaler Opportunität» polrtik stand, begeht keinen Trcubruch, wenn er sich gegenwärtig, vielleicht ist Würdigung der in deutsch-nationalen Wählerkreiscn herrschenden Stimmung, den Liberalen anschließt, um die Position des deutsche» Volkes in Oesterreich zu verstärken. Im Namen seiner Fraction gelobte der Führer der Deutsch-Nationalen auch die Unterordnung der Personen unter die bleibenden Existenz- und WohlfahrtSbcdingungen des deutschen Volkes. Hält, er Wort, ist dieses Gelöbniß nicht der Ausfluß einer momentanen Verlegenheit, dann bedeutet cs die gänzliche Lossagung von allen Störcfricden, nicht nur vom obligatorischen, sondern auch vom facultaiiven Antisemitismus. Die Spielarten der EvnfcssionS- und Racenhetze lassen sich nicht imnicr streng abgrcnzen, und inSgesamml nützte diese schmähliche Hetz? in Oesterreich nur den Widersachern deS DcutfehlhiinS und der Freiheit. ttt Zwei Gedenktage. . >». Krems, 18. Xtcaiibcr. Vergani beging vor einigen Tagen das fünfjährige Wiegenfest seines journalistischen Eingcbornen. Schönerer wird sich am 20. Dccciubcr, als an deni fünfjährigen Gebenltage seiner Haftentlassung von dem rcducirlcn Häuflein seiner „Unbedingten" anstrudcln und „an heilcn" lassen. Bei dem inneren Zusammenhang, der wie bekannt zwischen der Gründung des „Deutschen VolkSblattcs" und Schöncrcr's Haft bestand und bei dem schwierigen Verhältnisse der beide» Atttiseinitenhäuptlingc, welches eben von jenem Tage sich hcrschrcibt, wird cs Niemanden Wunder nehmen, wenn jeder der beiden chrcnwcrlhen Herren seinen Jubcltag nicht würdiger begehen zu können meint, als durch Orgien des Hasics und der Veschimpfnng gegen den Anderen.! Ein sinniges Sträußäzcn zu dem schönen Feste brachte Vcrgani dem ehemaligen Gönner schon vor vierzehn Tagen, indem er in seinem Blatte eine „SchöncrcD-Lueger-Stcinwcndcr" betitelte Artikelserie aus der. Leipziger „Anti-Eorruption-" zum Nachdrucke brachte. DaS Bild, welches da von Ritter Georgs Charakter, und wie cs scheint, von der Hand eines guten Bekannten gezeichnet wird, ist keineswegs schmeichelhaft. Der bewußte nächtliche Besuch Schöncrer'S aus dem Bureau eines liberalen Tagblattcs wird noch milde „eine grenzenlose Dumuihcit" und ein „dummer Streich" genannt, aber bloß deshalb, weil er Schönerer sein Mandat kostete, während zum lebhaftesten Bedauern des Artikelschreibe'rS der Zweck jenes Besuches doch nicht erfüllt wurde und Schönerer blamiu abziehcn mußte. Schonungsloser geht der besagte Artikel mit der nutzlosen TemonstrationS- und AnnexionS- Politik, mit den irrcdentistifchcn Bestrebungen Schöuercr'S ins Gericht. Er'' nennt sie.so unverblümt als möglich „Unsinn" und „Blödsinn" und verweist mit Recht auf das vollständige Abhandcnsein von Anncxionögelüstc» im deutschen Volke und Reiche sowie auf die im deutschösterreichische» Bündnisse gelegene Sanktion der dcrmalige» österreichischen Nationalvcrhälknissc seitens des Deutsche» gleiches hi». ..Den fanatischesten deutschen Jrrcdcttlislen mußt»» diese Tbatjachen geheilt haben," — so lesen wir in dem besagten Artilet „Schönerer blieb unbclchrt. So cigcugcwaltig er auch auftrat, er tonnte es fast nie unterlassen, auf jene Millionen Brüder im Deutsche» Reiche zu verwe se», welche uns nicht im Stiche 'lassen werden. Schönerer konnte und kann, auch heule nicht begreifen, daß der Hinweis aut die Hilfe unserer dcutscheu Brüder bei allen denkenden Gegnern höchstens ein Lächeln verursacht, weil diese ganz gut wisse», tuest sich .unsere dettiichctt.'Brüder gar - nicht rühren würden, auch danit-nicht, wenn es sich um den testen .Germanen in den Gancü der O stniark' handeln würde. D ie praktischen Preuße» denken ganz richtig: Wenn sich die Deutschen in Ccnerreich nicht selbst helfen könne», dann i t ihnen, überhaupt nicht zu helfe». Schönerer hat deraptigc Meinungen zu Zeiten seiner knrzeu Propaganda im Deutschen Reiche jedenfalls gehört, aber das belehrte ihn nicht, er hält sich für gcscheidter als alle von ihm sonst so verehrte» Preußen zusammcngenommcn." Der klassischen «Grobheit Schöncrcr's stellt der unbekannte Artikelschrcibcr seine maßlose Selbstvergötternng an die Seite, die ihn zattn geschworensten Feinde just dersenigenLzm am Nächsten stehende» Gesinnungsgenossen macht, die sich nicht unter seine unbedingte Parteidietatnr beugen wollten oder diirch einige geistige lieberlcgcnhcit sich verdächtig gemacht balzen. „Sein beißgeliebtes Polt", dcut nach den Orakelsprüchen des ileoscnauer Amtsblattes Schönerer's ganzes Denken und Fühlen gilt, dieses „heißgeliebte Volk, das find die Deutschen, alte Deutschen : da er aber weder die Cö.legetthcit noch die Macht bat, für die Deutschen im Deutschen Reiche'zu .arbeiten', so gilt seine Liebe und nationale Arbeit vorerst chettt deutschen Stamme in her Ostmark'. .Wir wollcu's sehen: Daß er die Juden, alle Slaven und Italiener in Oesterreich-haßt, weiß man. Man weiß aber auch, daß er ein Feind aller liberal und clcrical gesinnte»-Deutschen ist: das ist auch begreiflich; .ebenso, detß er die fast durchweg»'social- ' demokratisch gesinnten deutschen Arbeiter haßt. Am grimmigsten haßt er aber alle deutsch nationalen Antisemiten, welche sich nicht seiner Führung nntcrordncn. Wer bleibt da übrig? Fest und treu , , _ „ Steht die Schöiicser-P.iriei!" —" - - Auch , einen neuen Beitrag zu der sattsam. bekannten 0'ettcns des ~ „Deutschen Polksblaltes" und des ZerwürsninoS zwischen Schönerer und Vergani erhielten wir: „Vcrgani" '— io heißt es - ..Hane das Volksblatt zu Anfang feines Bestehens ganz im Sinne Schönerer'S .geleitet, ganze Leitartikel wurden am Geburt» und Namcastage Schönerer's über denselben geschrieben. Als Schönerer nach seiner Enthaftung mit seinen GesinnnngSgenossen in der .«Goldenen Ente.' ein Gastmahl abhiclt, legte ihm Vergani das Probeblatt des .Deutschen VolksblattcS' 'schön eingebunden, vor. Schönerer schob es beiseite und würdigte cs keiner Beachtung. Damals schon bätte Vergani begreifen können, daß er verstoßen war. Vcrgani konnte ittf .Deutschen Volksblatte' so oder so schreiben, das war Schönerer alleseine- In den Augen Schöncrcr's war Vergani's Hauptverbrechen cbeki das, dg) er das .Deutsche Volksblatf überhaupt gegründet halte, den» Schönerer ist ein geschworener Feind aller Tageszeitungen, weil er weiß,, daß leine auf die Datier sich nur mit ihm befassen kann."'! Vergani legte Schönerer das .Deutsche Volksblatt' sozusagen zu Füßen und häkle Alles gethan, um bei dem 'Herrn und Meister Gnade zu sinde». Weil cs nicht ihm gehörte, wollte er aber von dem Blatte nichtsluinen. '* Es war gewiß eine zartsinnige Festgabe, die Vcrgatu mit der Pnbli. cation dieser Charakterstudic seinem ehemaligen Idole widmete. 'Allein, damit ließ sich die gute Seele nicht genügen. Bei dem Festbankette, daö die Antisemiten zur Feier dcH snnsjährige» Bestandes des ,. Deutschen * VolkSblatteS" veranstalteten, mischte Vcrgani in die großr'ednerische-. Anpreisung seiner journalistischen Waare das reuige (Geständnis;, daß die einstige Parteinahme für Schönerer die einzige Verirrung, die einzige Jugendsünde dcS „Deutschen Volksblattes" gewesen sei. Den stärksten Trumpf spielte Vcrganiaber damit aus, daß er sich in nn vcrkennbarcm Gegensatz . zu den Roscnaucrn mit-dem »euen Titel des „CH a ra kt cran t isemit cn" belegte. Armer Schönerer, was mußt dann dn sein, wenn der Vergani > ein „Charakicr"sAntisem:t ise.f" *i Wir »ahmen uns zur Verisicirnng dieser Vebaupiuitq eie Äsche. zt> zähle», tvie oft in der letzten Anntmer der „Unverfälschten"! Sätotierer's A.nne vorkomine und gelangten zu solgendcm statistische» Rennt.tte: P.-i: la'ett een A'anie» _ , „Georg Ritter v. Schönerer" . . . ..- „Herr v. Schönerer". „Schönerer", „Schöncrianer" sc. . die Naiiienschifstc „Sät.".. Es kommt sonach Schönerer'«iRime .... eiitzigeit Rttinmer seines VlatichenS vor, oder int taufendtnal. . . . Anal' . . . —mal .’ . :>7mal IN-'tttal ^Ikvltnat in galtre vier bis >->a.-t >' tt n' '<