Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 89 (17.12.1893)
- Date
- 1893-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Fr eie, Blatt. Nr. 89. =h „Deutschen SchulveretneS" mit der bekannten Zumuthuug heran, es sei ihnen — Veit Antisemiten — die Bildung einer judenreinen „Deutsch-nationalen Ortsgruppe Troppau und Umgebung" zu gestatten; weiters solle die Verwaltung der heute dem Ausschüsse der bereits bestehenden MänuerortSgruppe Troppau und Umgebung unterstehenden SchuloereinSanstalteii diesem Ausschüsse abgcnomincu und einem eigenen BerwaltungsauSschusse übertragen werden, in . welchem die antisemitische in gleicher Stärke wie die nichtantisemitische Ortsgruppe vertrete» sein solle. Selbstverständlich wies die Hauptleitung deS'„Deutschen Schulvercines" diese Zumuthuug wie alle ähnlichen früheren von-sich; daraufhin -heri/sen die deutich-itattonalen Antisemiten am 17. November eine Versammlung ein. in welcher sie ihr weiteres Verbleiben im „Deutschen Schulverein" als unmöglich bezeichneten und einen Vollzugsausschuß mit' der schleunigen Ausarbeitung von Satzungen für einen zu gründenden nationalen (lies: atttiiemiti'chetn „Schutzverein" für Schlesien,betrauten, der den Namen „Nordmark" tragen 'oll. Die „Nordmark" wird aller menschlichen Voraussicht nach ein ebett'o langes Lebe» sühren. wie der weiland „Schulverein für Teulsche" und der in der Vlütbe seiner Jahre dahingeraffte „Germanenbund". Was aber die „Nordmarkei" erreichen dürftet!, ist eine weitere Schwächung der Deutschen Schlesiens, und dahi» gebt ja allein die Absicht dieffr sogenannten Deutsch. Nationalen. -Verleugnung Der Raccittdcorie.) »In Schneidcmühl ipurde ein siebzehnjähriger Jüngling jüdischer Eoute'siöit, der einer AntisemitentSetfammlumj beiaeivolmt batte, kurz vor Schluß derselben erkamu und an die l'ttft gesetzt. Tags darauf ethielt er aber, wie das „Berliner Tageblatt" meldet, folgen den Brief' „Geeinter Herr G e> i nn u n gsg e noi> e! Mit tiesein Bedauern erfahren wirdaß Sie.gestern, weil von iüdffchett Eltern geboren, aus dem Saale cmfcntt u-n.deu. T-niettigeu, die ibre Hand dazu gebolen. ist diese Tbat tunfotnehr leid, . . die-etden 'vater ersubrcn, daß Sie, gecbrtcr Herr-, schon Ihrem Herrn Vater .-.klart »ollen, daß Sie Anti'emsit und »ich ipäter taufen lassen wdt.en I:u Namen der geiautnueu Antiseiniie» Schneidemühl», insbesondere des neu gegründeten Vereines, vitteii wir- Sie, den övrtluun;n entschuldigen, öm Ait'trage: Otto B , Borsinender des Aiitiiemiteiivcreittes " Dieses Schreiben t ertcugue: d.-iffalls die aNti'emiti'che Raeentbeoric, inag es auch von der schönen Ausverkauf." Da werde» Posamentier- und Strumpfwaren „zu FabfikSpreisen" — waS° derlei Hetzblättche» sonst nicht scharf genug verurtheilen können — angeboten. DaS Spaßhafteste bei der ganzen Angelegenheit aber war: die Annonce machte am Schluß in sehr fettem Druck darauf aufmerksam, daß Hofpredigec a. D. Stöcker dieses AusverkaufSgeschist „allen GesinnungS genossen in Berlin und auswärts" emp-fiehlt. Der Inhaber des Geschäfts heißt Aschenbrenner. Diesen Namen führte bekanntlich auch der Protege- Stöcker's, der vom Portier zum „Redacteur" des LeibblatteS jenes Geistlichen ausgestiegen war und in dem berühmten Etöcker-Proccß eine Rolle spielte. Ob aber der frühere Portier mit dem Veranstalter des „reellen Ausverkaufs" identisch ist oder nicht, es muß jedenfalls ein wesentlicher Unterschied zwischen jüdischer und antisemitischer Schleuderconcurrenz, zwischen jüdischer und anti semitischer Marktschreierei bestehen, sonst müßten wir antisemitische Ettuncialtonen wie die eben erwähnte deS „Polksfreund" für purblanke Heuchelei halten. (Tic Iudenfrage v) Eine unserer treuesten Mitarbeiterinnen, die Stetncr „Jude«frage" hat soeben das Zeitliche gescguet. li. iKkin Antisemit.) Aus Lemberg wird uits geschrieben: Herr Theophil Meruuowicz veröffentlicht wieder eine Epistel gegen die Juden, welche die sattsam bekanttteu antisemitischen Gemeinplätze enthält. Dabei versichert er nach wie vor, er wäre kein Antisemit Mit demselben Rechte könnte auch der General gouverneur von Warschau erklären, daß er kein Polenseind sei und die polnii che Bevölkerung nur aus lauter Stiebe „bester machen" wolle. lEiu nculralcr Metzger.) Ter Tüffeldorfcr „General Anzeiger" enthielt neulich folgende Erklärung: „Ln der Sonntags Ausgabe der „Deu t sch - na ti o nale n Zeitung" ist ein Vcrzeichniß enthalten, in dem neu» hiesige Metzger als Inhaber deutscher Geschäfte aufge»ührt sind. Ta hier am Platze über 200 nicht jüdische Metzger ciablirt sind, io kann das oben angeführte Verzcichuiß nur den -Zweck haben, die neun Metzger als Antisemiten zu dcclarircn. Ich erkläre hiermit daß mein Raule ohne mein Wissen und Wollen in das Verzeichnis; aufgeuomniett worden ist. Ich schließe mich durchaus keiner antisemitischen Tendenz an, sondern halte mich vor wie nach neutral. Es ist mir jede Partei in meinem Geschälte willkommen, dcntt in jeder Partei werden Schassbollen und Schassküpfc ge tu de rictivt -wsrrett gen. um »eine südliche« Etter» zu ärgern. Meister Tsiljmna wird mit Att:i»e:it:'.eit voll Sä-" -temü!:'. -'är ttnztt'rtcden sein. 2lus antifemitiidyn flattern. - Sic stellen sich Dumm. Bei der fftetttcheu Beeidigung des Bürgermeisters Tr Prir wies der Stattbalier ««ra? .ticlmansegg darauf bin, „daß der von aus Allen grwüii'chte Erfolg der Tluitigleit der gcebrten Getr.eindevertretung am >e sicherer utzd raicher eiutreten wird, je mehr in di.'eui Saale der Geist 'er Mäßigung beersiben und eine leideu'chaftslo'e Erörterung der obichtrebenden Itagen . vlatzgrei'en wird". Dazu bemerkt das „Deutsche Bollsblatt": - „Wir weiden »'eben, ob Prir nur die liberale Partei die-e» Wink verstanden i j Das „jdiointc Wciduachtsgcschcnk"!; Man schreibt uns: In der Montags | res „Dent'chen Bolksvlattes" :var folgender Inserat zu ke'en: l eindn jungen Mensitien zu einem Glaubenstvechsel! braucht, a. Bare nt am p, Hatnmelschlüchlcrei Markt." - Zur Wodusitzbercchliguiig der Iudcu in Rußland, t An den Ulas des Ezars, welcher in der Irage der Ausiveikung von Juden aus Gebieten, wo ihnen keine Wohnsitzbcrechtigung cingcräutnt wird, gewisse Vergünstigungen geivährt, knüpft die judenseindliche „N o woj c W re in ja" einige Bemerkungen. Durch diesen allerhöchsten Befehl, tneint sie, werde natürlich die Verfügung vom 14. Jänner 1^!>:> keineswegs aufgehoben, sonder» bloß ihre strenge Au. iveudung hinausgcschobcn, d h. den betresftuden Juden gestattet, anstatt bis zltili l. Jänner bis zum I. Juni 18!'4 in ihrem derzeitigen Wohnsitz zu ver bleiben, beziehungsweise sich nach einem neuen gesetzmäßigen unizuschen. Iu deffeu seiet! aber im allerhöchsten Bet'ebl auch noch sehr wesentliche Beschrä» kungen der Verfügung vom 14 Iäuner-I8!l3 enthalten. So werde den Gouver neuren. freilich in „Ausnahmesällen, unter besonders bcachtenSiveriheu örtlichen Verhältnissen" das Recht gewährt, „beim Ministerittm vorstellig zu.werden, Juden an ihrem zeitweiligen AusenthaltSorte zu belassen bis zur besonderen Verfügung der Centralgewalt, die-alach der gesetzgeberischen Durchsicht der ge sammteu Iudenfrage erfolgen wird." Dieses den Gouverneuren zuerlannte Recht ist der „Nowojc Wrcntja" 'um io peinlicher, als es eigentlich auf eine tut bestimmt lange Zeit gewährt sei, denn wie langsant gehe die Entscheidung der „gesammtcn Iudenirage" vor sich. „Nach dein Charakter der Iudcnschast," weh klagt das biedere Organ, „kann man erwarten, daß dieses Privilegium ddn Gouverneuren der inneren GouvernemenlS, in denen viele Juden sich dem Ge setze zuwider aufhalten, viele Scherereien wegen zudringlicher Bewerbungen der Jude» um dieses Privilegium bringen lvird, utnsomch^, als diese wahrscheinlich in der genannten Verfügung weit mehr sehen werden,/als in ihr über das Pri vilegium der Juden, sich außerhalb deS BczirteS ihrer Wohnsitzberechtigung ein zubürgern, gesagt ist. Es ist daher nicht überflüssig, daran zu erinnern, daß ja die Eutscheidung der gesamlitten Judensragc durchaus nicht io gsinstig für eine freiere Ausbreitung der Inden außerhalb des Bezirkes ihrer Wohilsitzberechtigung aussallcn soll." Es enlspricht nukit bloß dem „Chgrakter der Judenschast", sondern dem menschlichen Charakter überhaupt, sich tun eine Milderung von Verfolgungen zu bewerben; so „zudringlich" sind in Rußland auch Nichljuden Russischen Beamten dürsten aus der Möglichkeiz, AnsnahinSsälle zu conskatircn, nicht bloß „Scherereien", sondern auch inanche, sagen wir, wirthichaftliche Vor theile erwachsen. Was endlich die „Erinnerung" der „Nowoje Wreinja" betrifft, so zeigt sie zwar von bodenloser Schlechtigkeit, ist aber sehr überflüssig. Tie Ept scheidung über die „gesantmte Iudenfrage" lvird — dafür bürgen Pobedonoszeiv, Deljanow u. A. — für die Jaden so schlecht als nur irgendwie möglich ausfallen. Auch die jetzt gewährten Vergünstigungen wären, wie ein Brief unseres Petersburger Corrcspondenten dargelegt hatte, keineswegs erfolgt, wen» nicht Rücksichten aus zahlreiche Beschwerden der durch die Iudenverfolgungeu schwer geschädigte,t recht gläubigen Unterthaneu dies geboten, ja sogar unvermeidlich gemacht hätten. Das schönste Weihnachtsgeschenk istein Abonnements „Deut'.lett Volksblanes". - T-r Mann mit der zaubergewaltigen Ericheittnug nt doch ganz coloffalc Etu-.mc. Ent „Avonneineitls" au»' die antisentiii-che Lügenttnd Hetzzeitung als Edrt'tktf.d.! — uirin Ltevchsn, was willst du nv.K tnebe! Wir würden uns .u lear »iün nitttderu. wenn noch folgende Ankündigungen erscheinen möchten: T etusiki Nationalen em.fehle ich als passendes Weihnachtsgeschenk meinen . .d.d.'len, Rükel- P o lzhd »er, Braunlweinschättker und Reichsrathsabgeord- : : „Sätnuullch. Reken des Gemeinderathes und Landtagsabgeordneten . " - .;in Sll> r.-t.t:l-'der gebunden,. empseble ich als WeihnackttSgade für : - Iaa,:»": , - er: „Gefälschte Statnpiglien iu allen «Nrößen, mit der E-Sä-, das schönste- Christkindl" :e. —r. - Reelle »nü uurccllc Ausverkäufe.' Wei;n eine jüri-che ^irina einen .Aasvetkauf za .dass.-: msreneu-' aulnukigt, ko muß dies eilt unreelles Ge- '.t-a'tsgelavrdtt 'ein: ist dtd antündigende Itrma aber im Besitze eines Anniemiteu, nun nun - >a, Bauer, dochist ganz was Anderes. Ter „O e-erreich itche Bolks- ' r •. u!;nlitct in feiltet züngsten Mammer anläßlich der Ausverkau'Sauküitdignaig e:::-'r lüdtscheu Iirtita an 'eine Leieriuttctt die Suggestivfrage: „Hat ine Iiruta mit guter Waare eine derarltge Reclame nothweudig/" Tie be- :ressende ,'yttma hatte „geradezu epochemachende Gclegcnhcitskäufe concurreuzloS" angezetgt '.'iuu ein lüezeustück: Iu dem Organ' der Stöckerei „Volk" fat.d sich uiuangsl ein anffalleudeS Iu'erat vor mit der retten Ueberkchrift: „Reell er