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Freies Blatt · 1893-12-17 · 89 (17.12.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
89 (17.12.1893)
Date
1893-12-17
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 89. Freier zur Abhaltung einer Versammlung gewendet. Welche Gegenstände in dieser Ber sammlung zur Besprechung gelangen sollen, ist in dieser Eingabe nicht gesagt, waS ja auch nicht nothwendig war, will cs sich nur darum handelte, ein Local zu erhalten. Nun ist die Vglkshalle Vereine» der verschiedenste» Partejschattirunge» zu Versammlungen bewilligt worden. Offenbar a»S diesem Grunde hat der amtirende Herr ViccBürgermeister Tr. Richter die VolkShalle auch dem Vereine .Christliche Familie' überlassen. Das Präsidium lau» sich unmöglich im Vorhinein darum küinmcrn, was i» AuSsührung der Tagesordnung gesprochen wird. Cb Dinge Vorkommen, welche dem Gesetze entlvreche» oder nicht, ist Lache des RegierungSvertrelers und hängt nicht vom C ne, an dem die Versammlung statlfindtt, ab. Ich bi» daher 'nicht in der Latze, am gesagten Beschlüsse etwas zu ändern." Er wäre wohl dem Ansehen deS Gemeinderath»- Präsidiums nicht abträglich gewesen, wenn der Herr Bürgermeister nicht bloß der Deputation ber „Cesterreichisch israelitischen Union" gegenüber, sondern auch in der Plenarsitzung des GeineinderaiheS daS Bedauern Uber die „Wendung der Angelegenheit" ausgesprochen hätte. (Wer sind dir nichtjüdischcn Schriftsteller.) Unter der Aegide Bergani'S ist, wie dessen Crgan nrbi ef orbi verkündet, ein neuer Lchriststellerverband mit excessiv antisemitischen Tendenzen im Enlsteheii begriffen. Wir können eS natürlich nur begrüßen, wenn die antisemitischen Literaturgröße» und Schor- »alisten hübsch unter sich bleiben wollen; vielleicht werden auch, gewisse auli semitische Pensionäre der „Eoncordia" jetzt die unerträglichen Feffeln dieses Vereines abschütteln und von dem »cncn Verbände die von Vergani jetzt >o reichlich versprochenen Beueficien eincassire». WaS meinen sie dazu,, Herr Mas aide k? Wie gesagt, ivir lönncii die Ncugründung von diesem Gesicht»- vunktc au» nur freudig begrüßen. Wogegen wir uns aber verfahre» müssen — . und wir sprechen da gewiß hunderten von College» auS dem Herze» — das ist die jüngst im.„Deutschen BolkSblairc" enibaltene Behauptung, der neue Verein werde ei» „Sammelpunkt aller nichtjüdischen' Schriftsteller CesterreichS" werde». WaS unterstcbt sich Herr" Vergani da? Har er, wen» wir von hervorragenden Vertretern der nichldemsche» Literatur CesterreichS, de' . tschechischen, polnischen sc., ganz äbiehcn, bereits die BeilriitSerklärungen von Ferdinand v. Laar, B. v. Carneri, P. .1. Rolegger, Baron und Baronin Luttucr, Alfred v. Berge.,', Marie v. Ebuer-Eichenbach, Eduard HanSlik, kndwig Lpeidcl, Carl Morre, Ludwig Gaughofer, Jacob Falke, Carl v Lützow, Rudolf Baldek.iEmerich Rauzoni, Bruno Bücher, Bincenz Ch i a v a cc i, Adam Müller - G „, tc » br » » n, .Hugo W l l t ma n n, Carl r. THaler, RcichSritler v. Vincenli oder irgend eines andere» »ichljüdiichci, Mitgliedes der deutsch.österreichische» Zchrisistcllerwelt in der Tasche? Ja. wir wollen nicht so hoch steigen, ist sich Vergani auch nur de» Beitrittes der Wolf, Iro, Lcdlak. Viak, Lmrczek, Ambroschii'ch und anderer Leuchten a»ii>cm'tischer „Lchornalistil" sicher? Wenn nicht, wie kan» er sich unterstehe,i, seinen Verein eine» Lammelpunkt der gcsaniniten »ichtiudische» Lchrisisteller CesterreichS zu nennen? lLob,Tadcl mid Aussordcrung zum Abfall.» I» einer Anlisemiicnve,- ianunlung zu Penzing sprach Prinz Liechtenstein über, die politische Lirualion. Er lobte überschwenglich de» Gralc» Taasie, der mit einer „Findigleii und kalchlürigcn Geduld, die ganz Europa bewunderte", die Liberalen gemeistert und vom LiaatSrnder fern gehalten habe. Dem Grase» Taaisc iei die „Achtung und Dankbarkeit de» christliche» Volkes in Cesterreich" für immer gesichert. „Wenn daS christliche Volk einigermaßen au'athme» tonnte von dem Driilke, den der Liberalismus durch Jahrzehnte' auf dasselbe ausgeübl. hatte, wenn eS sich organisireu durste zur Abwehr der Corrnplion und Beutelust des mobilen CavitalS, zur Bertbeidigung 'einer höchste» idealen Güter und de» Restes seiner ehrlich erworbenen Habe, so ist e» zweifellos.die Aera Taasie, welche ihm Luft verschafft hat" — äußerte der edle Prinz. Mil andere» Worten: Niemals hätten Gesellschaften von der Tendenz der „Christlichen Familie" und deS „Christlich sociale» fBereincs" ihre Agitalionsküllste betreiben lönnen. wenn ihnen nicht daS frühere Ministeril»» die Wege gccbuet, „Lust verschafft" hätte. Aus das Lob für den von ganz Europa bewunderten Lchloßherrn von Ellischa" folgte ein scharfer Tadel gegen den Grafen Hohenwart. „Ter eiinachste Bauer im entlegene» GebirgSdorse," bemerkte boShakr Prinz Liechtenstein, „versteht es >'c gut wie unser politisch reges, städtische» Publicum, daß, wenn der Linken in den Lattcl geholfen worden ist, sie nunmehr reiten wird. Teilt aber, der ihr erst den Steigbügel hält und dann zu Fuße nachlrabl, wird-bald der Aibem auSgehen." Die „Vertreter der christlichen deutschen Ba>rer»schaft un>erer Alpen länder" forderte der Abgeordnete von Hernals indirecl auf, sich vom Gra'cu Hohönwart loSzufagen. Sie wären, meinte er. nunmehr täglich „Berloctun gen und Pressionen auSgesetzt", denen sie hoffentlich ividerstehe» werden, denn „von der gewisienhaften und rültsichtSloscn Vertretung der materielle» sowie der politischen Jnteresie» des christlichen Volke» hängt ihre Zukunft iowie. die unsere ab". Tie Organe der zum Abfall Ausgesorderlen in Linz, Graz u. s. w. erklären aber, daß sie dem Grasen Hohenwart mehr Vertraue» schenken als dem Prinzen, der schon einmal die Flinte in» .'körn geworfen und ReißanS genommen, ei» andereSmal aber seine „christliche Schulreform"" förmlich abgeschworen hat. — Eine' Rede -gleichen Inhalt» gab Prinz Liechtenstein auch in Favorite» zum Beste». Blatt Seite 7. (Tic Reklame für die künftige» Antisemitenorgane.) In -stlosterneuburg hielt kürzlich der'Verein „Ten tschc . Presse" eine Wanderversammlung ab. Ste inwendcr und Hosmairi, v. Welleuhof suchten für ihv ZukunftSdlalt Slimmuiig zu. machen; ihre „naiioiialen" Erpectoraiionen stießen jedoch auf entschiedene»''Widerspruch iocial demokratischer Arbeiter, die' sich zur Versammlung eingefunden hatten. — Tie Art, wie der Verein „Christ liche Presse" für die „RcichSpost", welche von 'Neufahr an erscheinen soll, agilirt, mißfällt in katholischen Kreise». Tic „Neuen- Tiroler Ltimincu", welche" die letzte Versammlung diese» Vereine» besprechen, sagen: .stein Jahr fei vorüber, seitdem sich der Vorstand eine» große,, katbolischeii Vereine.» vor seinem Bischose wegen der Empfehlung des „Deutschen VolkSblatieS" iinBcrcinSkalcnder *• entschuldigt habe, und jetzt werde die,ein Blatte vom denselben Herren Beiiall zugcklatscht. Ei» populäres katholisches Tagdlatt in Wien hätte- Ranin neben de», „Vaterland"; auf ein ,'olchcs haben die ursprünglichen Beschlüsse adqezictt, und seien hicfür auch viele Beitrüge gezeichnet worden. Leider erweckten die Probrnummer» der „Reichspost" lebhafte Bedenken und jetzt nicht mehr bloße Bedenke». TaS neue Blatt müßte daS in der crwäbnte» VerfamMlnng er örterte Programm gründlich und ausdrücklich deSavoniren, wenn e». Anspruch auf ei» katholisches Blatt erheben wollte, und nicht als bloßer Abklatsch de» „Teutfat«» VolksblatteS" gelten ioll. Eine» .statholiciSmnS. der seine Lpitzd' gegen dasjenige kehrt, was über die Tomhcrre» dinanSgeht, kennen nur nicht. Ta» Christcnlhnni des „Teniichcn VolkSblaueS" fei iingenügeiid. Die Tiobung Lueger'», hinweggefegt zu werden, ,'ei nicht zu fürchten; wer aus dem festen . Grunde der katholischen Kirche geankert, werde nicht binweggcscgt werden .... Diejenigen, in deren Name» das Innsbrucker Blatt spricht, hätte» schon früher auf .staiholikeiitagen ihre Ltimme gegen Lueger und da» „iingenügenkc Christen thuiii" erheben sollen, dann wären ihiien jetzt auch die Troliungen, vor'denen sie sich zwar nicht za fürchten erklären, die ihnen aber koch sichtlich iiu'angeiiel sind, erspart geblieben. (Tic Tccadcntcli.) Tic „Unbedingten", wie Schönerer neuestenS die wenigen ihm und feinem Geldsack treu gebliebenen Antisemiten nennt, sehen sich zu der Erklärung veranlaßt, das; eS „bei der Intereff'elosi.zleit, die der Großthcil deS deutschen Cstmai kvolkeS heute »och dem 'Nationalismus (verstehe: dem Lchönererkulte) eittgegenbriugt, es eine leere Vergendung der .strähte und Mittel wäre, gls politische Partei ,'ich in den .stampf „in die politische.Nacht!n Cesterreich inik den jetzt noch alS .modern' ' geltend en sögenaiti! l en groß en vo li l i scheu Par ici t n ei nzu las ie Ter jüngst erschienene Bericht de» ..Deut ichen VolksvereineS'" iür ras. Jahr l8!l!i, dem wir dieieS traurige 'Geständnis; der politischen TodeS'mitdkgle.t enlnchme». beklagt sich bitter über die „Gleichgilngleir, die Persiändnißlosigteil, ' Matlherzigkeit und Feigheit, mit der der Großtbeil der Cstniarkdeut-che» deln nationalen Hochgedanke» — wie. ihn Schönerer in dieser alle» deutschen Marl zun, Leben erweckt hat — gcgcnüberstcht." „Trotz der angestrengtesten Thärigleit vieler unserer hervorragendsten Parteigenossen,", beißt e» im Beriän, „trotz der viessciligsten, nieist ungekannten und fm'l »»glaubliche»-Cvkerwilligkeil unieres Führers macht die nationale (lieS: anli>'e»itli'chci Bewegung in de," Cstmärl doch keinen merklichen Lcliritt n ach vo rwär ts. ist teilte Ausbreitung unk V er.l i ein n g . d eS nationalen Gedankens in der Bcvölle-rung zu deine,len" Ten 'strund 'ür dicsttraurrge Cticheiniing sucht der Bericht nicht etwa in der 'Unnatur der durch Schönerer vertretenen Richtung oder in dem unleidlichen InfallibilirälSwaKne des ZwelNer A»lisemilenpavtzes, »oiider» in jenen Parteigenossen, „ivelche eS 'ür ange;eigt kielten, einer mildere», weicheren Form des nationalen .stamp'fcs da? Wort zu reden, jener Männer, die stall mit der 'chari geschlissenen klinge deS entschiedensten Rndicaltsmns lieber nüt dem weichen Flederwisch diplouiaiii'chcu .stlügelnS und staalSmäliiiilcheu PlanichenS lämpfen möchten." Nicht Lchönet-er selbst ist an . ,'eiuer Vcrciiisamnng schuld, sondern jene „Cliane der Alles ben'er Winenden", welche durch' ihren „ProfeisorenaiiliieniitiSmus" die "Ro'enaner „Politil des BtitkenhineinsahrenS." störe und vereitle. — Tieie Ieremiade über die nicht mehr zu vertuschende Tccadcn; der ..»»bedingtesten" Aiiti'einiierei bildet einen nierkwürdigen Gegensatz zu dem laute» Tamtam, -daS au anderer Steile von ebciidenielben Leuten anläßlich des A'. Decenibcr geichlagest wirdi Wie eine Ironie muß es ja doch Schönerer Vorkommen, wenn lbm ei» passives Wahlrecht iviedcrcrtheilt wird in derselben Zeit, wo seine Getreuen selbst erklären,''. sich vom politischen Wahlsclde mangelr der nüthige» Slreilkräsle zurückziehen zu müsse». Indes, werden sich bei dem am ‘JO. Tecember geplanieu Festessen und Festtrinken einige antisemitische Schrinleiter und >'onst ein Heer „linvcr'äl'chl" armer Schlucker kinmal fest anesscn und fest antrinken, uird das ist mich eine wackere „volkliche Arbeit", zu welcher Herrn Schönerer zu gratnlirc» ist. (Nordmark.» Während die deutsche Nationalvartei in einer o'siciö'en Kundgebung der Silage,ifnrter '„Freien.Stimme»" eine enrichiedeiie AnnäKernng an die liberalen Tcutichci, versucht »nd einen o'stcielle» Ausdruck 'ür den „guten Willen eine» freundlichen ZniaminengeKenS" mih der Linken tu nächste Aussicht stellt, arbeite» i» Schlesien die Temsch Nationalen süstig weiter an der Zersplitternng der deutschen WiderstandSkra'k. ' wobei natürlich wieder der Antii'emiliS»,»« den Hammer hiezu hergeben Muß. Im Sommer dieieS IadreS traten die deulich-nationalc» A»ti>'ei»ilcn TroppauS an die Hauptleitung des - ' '

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