Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 87 (3.12.1893)
- Date
- 1893-12-03
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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rlr. 87. Sette * i e i e s Nur vo» Christen! erbittet sich eine unglückliche Frau lebr schnelle Hilfe aus Wucher- , danken, in die sie durch ihr gutes Herz gerietst! Es isi nicht I allein um Gottes Lohn! Gültge Znfchr. unter „Kampf uius i Taiem". ..Nicht allein um Gottes Lohn!" Tie veier des „Teut'chen BolkSblaurs" icheiuen einer ganz bestimmten Clane' anzugehören, und auf solche Sttbiect? finite auch die oben getennzeichnete journalistische Praxis berechnet fein Es ift geioist buch nicht alleut um GotteS Lobt». Im Cl»icurrcn;kamvfc., Ein Freund unteres Blattes schreibt uns: "ich habe tagtäglich, wenn ich Abend» aus meinem Bureau komme, das zweifelhafte Bergnügen, au der Ecke der sinken Balm und der Beatrixgaffe die „;auber gewaltige Erutetnung" Bergam'S zu feden. Anfangs wollte ich fast verzagen, und ich wellte schon einen anderen Weg in meine nächst dem Tstierarzneiinstuute gelegene Wohnung einfchlagen. Sväter aber beschloß ich, aus dem Nebel einen Boridell tu machen und Herrn Bergani so als eine Art historisches | Smfietttaitiiidieu zu baiiioen Ter brave Mann ist nämlich ein wandelndes Stück Ge'chlchte der Wiener Journalistik. Als ich mit dem Studium dieses Stücke» vor einigen fahren begann, war es noch ziemlich normal, so ein > TurchschnillSeremvlar vom Scheitel bis zur Sollte, nnd ernste Sorgen lagerten unter der Huttrampe meines Studienobj.cteS schönerer halte damals, seine Hand von denr „Teutichen Bollsblatt" zurückgezogen und >'uckte Minen unter ErnstS Nekaeiion zu legen, unter den Mitarbeiter» schien ein Teferlionscomplot zu bestehen, gegen welches alle Kriegsaritkel nichts sruchteten, das Blatt litt an : galqpvtrettfem Lbonttenketmbtvund. die Zeiten waren trist. Hettber /tat sich Bergant's Ct-chetnung wesentlich verändert, sie wurde weitläufiger und auf dem setlglmizenden Atuliv lag der Schimmer einer innerlichen Znsriedenheit. Mau suhlte sich envas an einen Muuheer, dessen Geschäft gut geht, erinnert,-Bergani'S j Genvaf: ging wirklich gut, der ÄnttfemiliStnuS blühte, die Name» von Bankett I nnd Peistchertlitgsaitsialten blühten, wen» man sie int Borderhaufe des „Bolks blatte?- gebotig vermovvelt hatte, im Hinterhaufe wieder golden auf, Lueger'S und schneidet s Freund'ckia't erfevte doppelt den Abfall Schönerer», Pattai trat mit 'Nachsicht des „Französischen" unter die Mitarbeiter des „Bolksblatt", und Schlesinger »eierte in dasselbe /eine gloriosesten „tviffenfchaftltchen" Exsudate. Mein Stuck Wiener öourualtfttf wurde immer dicker, immer fett- und sreudc strahlender, ijt-*- sich auf eintnal im -Sommer des vorigen Wahres wieder düstere Wolken über fein Atuliv lagerten, Ich batte bald den Zusammenhang weg. Ter rtnzer -Katdoltlentag batte ans das Nachdrücklichste di» Gründung eines „katholischen Blattes" etnofoblen. und Herrn Bergant s Geschäft in der sinken Babngaffe als nicht existtrend betrachtet. Bald darauf erweiterte sich die Loncurrenzsirma ..Baierland" um ein Abendblatt, und die um Steintvender drohten gleichfalls mit der («runfuitj einer „Teunchen Prene", Ich verstand den Wolkenschleier, der die zaudergetvaltige Erscheinung umflorte, einigermaßen zu deuten und zu würdigen: indessen steuerten sich die Mienen Lergani'S allmälig wieder auf. als eZ klarwurde, daß die gefährlichen Trohungen derer um .Kalksburg und derer um Steintvender nicht >o rasch zur Ausführung gelangen tollten. Mein Beobachlungskanittchen war fortgesetzt beiter und immer heiterer. Tas Geschäft ging gut, und >elbst ein gewisser Pauschalienvroceß konnte dem Nenommöe der Firma, bei ihren Comtnittenten nicht medr schaden, Lehr ernannt war ich. als ich anläßlich des Ersiebens der „Tstkeutschen Rundschau" keine andere Berändernng an meinem Siudtcnobiecte bemerkte, als höchstens einen Anflug von Sarkasmus tun die Blatt. Rippen Ich hätte angesichts eines neuen Concurrenzunternehmens mehr erwartet' allein ich hatte damals da» netlgegründete „Journal" noch nicht gesehen, und al» ich das Bersäumte, um mich aus dem Lausenden zu halten, nachgeholt haue, war mir Lergani's sardonisches Lächeln nur zu begreiflich. So eine journalistische GreiSlerei konnte allerdings nicht als Concurreitznnternehmen gegen eine Firma wie die in der Linken Bahngaffe ausgefaßt werden. Bergani blieb also dick und heiter nach wie vor. Ich schreibe Ihnen Alles die» nur, weil sich sein Antlitz wieder seit einigen Tagen „bedeckt", sorgenvoll in Falten gelegt hat, ernster denn je dremblickt, ohne daß ich sofort den Grund einsehen konnte. Erst nach einigen Lemühungen fand ich den Nexus heraus. Tie Idee des Linzer jigtholiken.tages soll Thai werden; mit 1. Jänner des kommenden Jahres wird in Wien ein Journal katholischer Consefsion unter der. Leitung des bekannten Haudegens l'. Spitz auS Warnsdorf erscheinen,-und die Abgeordneten Geßmann, Scheicher, Liechtenstein, Lueger und der nicht des Französischen mächtige Pattai haben dem Blatte, daS „Reichspost" heißen soll, ihre Mitarbeilerschast zugesagt. Tr. Geßmann toll noch mehr gethan, er soll mit dem Cottcurreuzunlernehmen auch in „geldlicher" Beziehung veranickt sein. Tas ist allerdings mehr, als auch ein Bergani ertragen kann. Zwar bleibt ihm noch der Mechaniker Schneider treu, zwar tvill die „Reichspost" angeblich „Schulter an Schulter" mit ihm kämpfen, aber was bat er von Schneider oder der Schulter de» Herrn Spitz? Mein Stück wandelnder Zeitungsgeschichte ist wieder betrübt, und geht verlangsamten Schrittes daher, und ich begreife seinen Kummer, denn ich bin selbst Geschäftstngnn und stehe im Eoncurrenzlampse. Ich werde Ihnen vielleicht auch weiters meine Beobachtungen mittheilen, fürchte aber sehr, das selbe für die nächste Zeit noch immer „sehr bedeckt" lauten und eine fallende Tendenz"verralhen werden. 8 . . y. Trri Kreuzer für die Zeile.» Zwischen dem Herausgeber jenes Aniisemiteublattes, welches für seine connaiionalen Zuchthäusler das „Recht" redamirte, mit einer gewissen „Hoheit" ans Inden herabzusehen, und dem verunglückten Mandats Aspiranten Pommer entspann sich eine eigenthümliche Polemik. Tas obbezeichnete Antifemitenblatt erzählte, daß Potnmer bei ihm nur gegen ein Honorar mitarbeilete, ivelches „die Mittel ^deL armen deutschnationalen Wochenblattes überstieg", und daß er diese Mitarbeiterschaft ein stellte als ihm „ein Honorar nicht mehr in dieser Höhe geboten werden konnte", Temgegeuüber nimmt Pommer den tz I!» des PreßgesetzeS zu Hilfe und constatin, daß der Herausgeber der Wochenichrist ihm bei ihrer Grüudnng ausdrücklich erklärt batte, der Bestand des Blatte» sei vollkommen gesichert; daß das ihm auS freien Stucken angebolene Honorar nicht tnehr als drei Kreuzer für die Zeile betrug und eine noch weitere Herabsetzung dieses ohnehin minimalen Honorars ihm niemals nahegelegt wurde. In der antisemitischen „Schornalistik" mit ihrer Schnorrerei und ihren Hungerlöhiten herrschen, u>ie auch dieie Polemik zeigt, wahrhaft klägliche Zustände. (Wider Juden und Junker.» Rudels Meyer, die Autorität Ahlwardi'S und aller Antisemiten, welche eine „Nachprüfung" der Gründerjahre vornehmen wollen, hat sich auch zur Parole: „Wider Juden und Junker" bekehrt. In der „Neuen Zeit" greift er nun die agrarischen Rittergutsbesitzer wie folgt an: „Wenn man der Sache aus den Grund geht, wird man eS als eine agrarische Anmaßung bezeichnen müssen, daß einige Tausend Rittergulsbesitzer des Cfteit» das galtze deutsche Volk mit einer iirdirecten Steuer belasten, weil sie bei dem Spstem von Großgrundbesitz, da» die Herz- und Ruchlosigkeit ihrer Borsahren gegen die Bauern und Büdner geschaffen hat, nun nicht mehr genügend Grundrente erzielen können." L-eulltcron. Die Empörerin. nach fein Evglv'chen des Walter Belant von Marte Majer. Madame Elveda's Empfangszimmer — eines der größten EiiipfatigS-;itmm". in einem der - größlen Häuser -in Eromwell Road — war ausgezeichmt geeignet kür jene Unterhaltung, welche immer den Berj anstaltern. gelegentlich auch den „Zuschauern amüsant ist für das Liebhabertbeater Tas Empfangszimmer bestand aus einem größeren und einem kleineren Raume, letzterer gab eine treffliche Bühne, erskerer einen ausgezeichneten Zuschauerraum ab. Tiefem Zwecke diente auch Madame Elveda's Talon so manchen Abend, waS gewiß die Popularität des HauieS bedeutend erhöhte. Heute Abend wurde gespielt, .aber in dem großen Züschauerraume saß Niemand bis auf Madame Elveda, welche Publicum, Bühnenmeister und Kritiker in einer Person war. Tas Stück war von ihrer Tochter versaßt, und diese stellt« auch di« Hauptrolle dar Tas Stück' war betitelt: -„Tie Empörerin" und hatte nur zwei kurze Acte. Herzte war die Generalprobe. Ter Borhang war enlporgezogen, und man sah in ein weites Zimmer. Tie Teilen i entlang ragten Pfeiler aus Marmor, zwischen welchen Borhänge oder Tapeten aus weißer, grüner und. blauer Seide mit purpurnen Schnüren befestigt waren, der Fußboden war ebenfalls aus Marmor! und zeigte Muster in Weiß, Blau, Roth und Schwarz; der Hintergrund i des Zimmers führte scheinbar in einen ausgedehnten Park (Madame El- | veda's Gewächshaus) und war zum Theile mit seidenen Vorhängen! verhängt. Diese schwebten und flatterten leicht, als ob sie durch den j Abendhauch bewegt würden, und in den Zuschauerraum drang ein schwerer, matter Parfüm, Ruhe, glückliche Träume und Liebesgedanken athmend. „Ein Zimmer des Harems! Baschti's Zimmer im Palaste zu Susa. Baschti, der Königin und Favoritin des Ahasverus, dessen Reich sich von Indien bis nach Aethiopien erstreckt. Sehr gut," sagte die Zuhörerin, während sie eine Abschrift des Stückes las. „Rücke die! Pfeiler etwas zurück — so! Benütze den ganzen Effect von Breite und Länge — das ist viel besser. Ter Palast von Susa hatte luftige, große Zimmer für die Königin. Ter Wohlgeruch war ein sehr glücklicher Gedanke, Franziska. Was ist's?" „Jasmin und Orangenblüthen," antwortete Franziska von dem Lager, auf welchem sie ruhte, „ich will für den Abend noch etwas Stephanotis hinzugeben. Es mussein schwerer Wohlgeruch sein, schmachtend, berauschend." Tiefes Ruhebett war das einzige Möbelstück im Gemache. Es war aus weißem Marmor, mit seidenen Kissen oder Pölstern überdeckt, ein