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Freies Blatt · 1893-12-03 · 87 (3.12.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
87 (3.12.1893)
Date
1893-12-03
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 87. Freies Platt Seite 7.' Inden ansicdcln zu dürfen. Ihre Bitte motivirten die Petenten damit, dag sie sich der. unmittelbaren Hilfe der Inden in ihren (Heichäflsangclcgenheiten nicht cntichlaqcn kannten, und daß sie gegen die Inden nichts (5anipro»iittirc»dcs vorzilbringen iinstandc feien. X'te Gesuche blieben jedoch nnberülkiichtigt. ... Da begannen die Änsweiinngen der Inden aus den Dörfern der dem Riemer tiieneralgonverncur unterstehenden Gonvernements, und auch die dortigen lünlsbesiper. die stolzesten Namen des russischen Adels, empfanden alioglcich, was sie in den Inden verloren hatten. Die fabelhaft reichen GuksbcsilZdr dieser Ortschaften, wie Fürst Rjcpitiit, Tereichtschcnto, Charitonenlo n. v. A., die ihre kolossalen (Geschäfte stets durch Inden, besorgen liegen, fühlten sich nnnmehr in ihren Interessen bedroht, und eS soll vor Rurzcm eine geheime Persammlung dieser Magnaten stattgesunden habe», worin beschlossen wurde, das Ministerium des Innern dringend um Zurück siehnng der AnSweisungsbefehle gegen die Juden auzngeheu. Dhatsächlich erhielt das genannte Ministerinm Mitte August eine Petition fast sämnttlichcz <>sroßindnstrieller und (stutsbesiper des Gciicralgiiber »iumü Siiciv, worin nachdrücklichst betont ward, das; die Indenausweisungen ans den Dörfern den einheimischen Handel wie die Indnltrtc arg schädigen, wobei die Petenten daraus hinwiescn, dag sie in ihrem langjährigen Berkchre mit den Inden genug (Gelegenheit hatten, die Redlichkeit, den Fleiß und die stsüglichkeit derselben kenne» z» lernen. Das Ministerium mugtc nöl'-n-- volene dem Drucke dieser Petitionen nachgeben, und alS Resultat dieser Nachgiebigkeit ist der soeben pnblieirte Ukas zu betrachten. Da jedoch das Ministerium nicht den schein erwecken wollte, als ob man in der Judenverfolgung inconseaucnt sei, zog es nur die Ausweisungsbefehle gegen die Juden zurück, welche auf die den russischen Edclleuten gehörenden Dörfer und. (Wüter Bezug haben, und begründet die plötzliche Aufhebung der Indenausweisungen aus den adeligen Dörfern damit, dag die Edelleute für das gesetzliche Berhalten der Juden bürgen. Jedenfalls beweist diese Dhaksaclse znni vtenuialc, wie grundlos, wie unwahr, wie fantastisch die Beschuldigungen sind, welche die russischen Judenfeinde gegen dis Juden in Rußland Vorbringen. Irzr»> 2ius antisemitischen Vereinen und Versammlungen. I Gegen die l5ous»mvcrriite.> Ter Aniilemitismuö erweitert das Gebiet keiner Hehlhaligkeil ^>e Radaubrüder tut Tcnt'cheii Reiche zetern ichon seit einiger Zeit nicht bloß gegen Inden, sondern auch gegen Junker Tie „divilt tiche Loctalretorm" in -Testerreich begnügt sich nicht mehr mit dein Feldge, chrei: ,,.sta»'t nicht bei Inden!", sondern zieht auch gegen die Eonsttinvereinx los. Tie neueste ,'lampsparole lautet: „Harnt nicht bei Eo»s>li»verei»en!" Sonntag fand in der Polksliallc eine Perkammlniig statt, welcher auch die Herren Geß mann, Hanck, Liechtenstein, Lueger, Polzhoser, Achte iinger und Schneider beitvohnteit, und in der die Antisemiten Weözerz. Purscht Ar mann rc. das graste Wort sührten. In. erster Linie wurden die Eoniumvereine alS geineinschädtich hingestellt, aber audi über andere aus hntnanttäreic Gründen inS Leben gernsene Bereinigungen wurde ein PerdaininungSurtheil. gesprochen: so war der Wiener Hanssraitenverctn Gegenstand heftiger Angrisse. Ackliestlich sastte die Lersannnluug, an der auch mehrere sarlichrittliche Abgc ordnete, vermnihlich nur;>t Iiisormationspvecken, theitnahmen, eine Resolution des Inhalts, Last int Interesse der Erhaltung einer Reihe von Handels und Geivebbebetriebcn die Aenderung des Grieves über Erwerbs- und WtrthschastS genossenichasteu vom!>. Avril 187.°!, ferner des $ 78 der Gewerbeordnung und K 181 des BergbaugeielzeS dahin durch;,,führen seien, das; Eoiisniiivereine jeder Art, Lebenstnittelinagastne, HauSfrauenveceine, Beat» len und Lehrcr-Anschaijungs vereine und landwirthichastliche Pereine und EasinoS. letztere, soweit dieselben einen vostständigen Handel mit lausiiianniiche» und handiverlSinäßig erzeugte» Artikeln ausüben, gänzlich aulgehoben werden, da dieic Einrichtungen eine „bedkutende Gefahr jür den Slaal und die GeieUichasl" bilden. Tieie Resolution soll beiden Häuser» deS ReichsratheS, eventuell dein Haiier selbst unterbreitet werden. DaS Traurigste au dieser 'Agitation, einer neuen Speculaiion aus den Egoismus, ist, dast sich auch bisher liberale Bürger dazu verleiten liegen, mit den Antisemiten an einem Strang zu ziehen. Nicht Eomuni- und HauSsraue». vereine, die allerdings io manchei» Geschästsmann unbeguem sind, bilde» eine Gekahr für den Staat und die Gesellschaft. Dagegen droht eine solche seitens jener den Frieden der Staates n»d die allgemeine Wohlsahrt störenden Elemente, deren entschiedene Abwehr das neue Ministerium in Aussicht gestellt hat. s, lGillk Pallkiadt.> In einer Pcriammlung der „E hri st lichen Familie" in Favoriteii zog der Eooperaior Emanuel Pank wieder einmal gegen die Juden los, und nainentlich führte er gegen dieselben das schon so oft widerlegte Märchen von ihrer Arbeitsscheu ins Tresse». Fürwahr, derst'aulste Trödler »ud der zudringlichste Hausirer sind miplichete Milglieder der Gesellschaft als gewisse Helzrekner, deren Arbeitsleistung darin.besteht,, die Gcniüiher zu verbittern und Zwietracht zu stiste». iZur Drgailisalioit derer um Lleiitiveiiüer i Ti« „T. ur>chs Leipaer Zeitung" schreibt: „Tie Sleinwender Paciei inacln sich, trovdeni no.h nicht. Fasching ist. een billige» litt, in Rordböhmen eine» An'r»' Mm!» Gcnndung : eines Wahlfonds zli verbreiten und beren» zur Porbereituini sie nächsten! Wahle» anfzn'orde,». Ans der llninasse «Seid, welches die Wähler da beiztlstener» : — unterlasse» werde», mag die Panei an' ihre Beliebtliet! ' bließeii " i illbdachlos.s Für den levieiH Sonntag kalte H-rr^i'lesi m-aii >, mit 'o. neu! Geneuen eineii Stlirin an' Iglän eeplant. In einer von SlZiendr Pro'e'swns antiseuiite» gebildeten und mit einigen Iglanern garnirten P'r-.niimiilng 'ollte der „christliche" Eiiaralter der Stadl Iglau in der bekannten Wei'e dargetban - werden. Tie Per>ai»i»lnng mnstle j'doch mTThbh’ib.'ii, da die von de» Iglanein : „heißersehnten" istane lein L orale zur Abbaltiing ilire» Meeting»; landen Tie brave deutsche Stadt macht ilirein Wanne,ibilde alle Ebre'und' rollt - sich gegen den Ela» c^eßmann wie ein Igel ein; . (Störtet über die Social Temokratie.' In on.r B.rstlminlnng der j Berliner Ehristlich-Soeialen kan, es jüngst'zu euin Ans pri ne - zunkche» dem Hoipred'ger a. T. Stöcker und dem ioeial deiliol:a!ii>l>e» Tbeolegen Theodor v. Wächter. Slöcker äußerte unter Andez ein: Er balle es stir einen Irrilniin, ' wenn ein Geistlicher Social Teinokrat iei, er glaube aber a:>derer>ens ni.kit^ daß die .stirche das Recht habe, einen Geistlichen -ob seiner Zngehörlgleii zur Social-Temolratie ans dem Amt z» entlassen: nstl,ließe >.i auch die nicht ans, die zur Fornchrillspatlei geboren, deren Stellung z»in Ebristentliuni nicht »>el ' anders lei, als die der. Social Temokratie. Ter aiciche tömip .r» an fiel» glecsti iein, ob die Welt ciiie 'oVialiüi'che oder eine cavinUiitische 'ei: ji, iolltir im >ocialis»schen Stwii die Mcnsthen irnniiner iverden. io mußte ihr dieser wgar »oä> lieber iein. Tie beuiige Social Teinolratie verdiene 'remäi keine Sliinvailne. denn sie iei eine „atheiiii'che und revolutionäre Bourgeois iknd Indenvartet". Bei dieser lsielegenbeit deiinncirle Stöcker auch den größten Theil der Fort ° 'chrinsvartci als „autiinonarchiich". '; Ailrtl ei» Berti», i In der S-naeta des Torotbcerstadliichen Rcalgliinasiilins zu Berlict bat sich ein „Tentich a n t i > ein i ti irti t r S ch u l e: v e r c i»" ge bildet,' der die Arroganz" der jüdl'cheit Mit'rtiüler, ivelche angeblich die „besten Plave" >n der Elaste eiiinehmen, bekäinvjt, sie nicht au. de» Spielen tbeilnehmen läßt und sonstige bahnbrechende Reiorinen plant. Ter 'Irdinarms, ivelcher wenig Bernandniß iur dieses Strebe» der >chlivaid^stch inivirirlen Iugeild nach „sittlicher B.^i, dergeburt des germaniichen StaninieS" zeigte, leitete gegen die Mitglieder des Srtuilervercines ein S'irairer'abreii e,„ „Tuirch-. Sociale", „Rekotnier" »nd Tivoli Patrone dürsten niin die>en '.V!rv'. seit „Indenknechte»", beizählen iAllsreigllltg;»IN ('lasseilllgß.l Ans Schneid.',,,!aTl :bud die' geii.lnlnkiö Bersolgung des anliiemiii'clien Agitators v. Mco'cki ange'zeigi Ter Staats" ainvali erhob gege.il. denselben die Anliage ivegen Auireiznitg zum Elai'enbaß, begangen i» einer Rede, welche er in einer Anli>e»»teiwer''aNii»likng zu T e:> t> >ki> .st ro n e hielt, die auch wegen seiner Erpecioralionen M-.üi'ltdi a:,'gclö'i. wnre,-^ ’ 1 anti)>miti|dn'ii ^.Mättorn. | j ,Nicht allein Ulli Goilts Loh». Wir baden uns Iviederboli jnu .aller I Schärfe.gegen iene >o»riiaiiiii'chc Braris,gewendet, weiche :'l»gelege»vecien des! vriläten und häuslichen Lehens an das Tagest,ckn. zerrt, bloß um der Senmnonsj! lull des Pöbels z» 'chmeicheln und aut dieic Wei'e die eigenen Abonnent.',Niste» zu külle». Wir uiiinen uns'aber mit verdoppelter Scharst' gegen teue Sudelc . prest'e wenden, welche, io o't sich eiu (ogenaniiies „Indenblatl" ecnes derartigen BergeheuS stkmlc'ig macht, l>eiiä,lcriich die Augen verkvel» iiiia über eie „lüdiiche" Teinoralisirnng der Piene zetert, am nächsten. Tage aber ieibst de> geineinstcii Seiliätioilslnst.kröhnt. Man wird stä> noch erinnern, wie entrüstet liniere, antiicuiitnchcil „Schornalisteir" anläßlich des Falles H.iii.h.'circhbon lhcilen, und wie sie eiilzuckt dem General zunibelten, ivelcher.an dein angeblich lüdiiche» Redacleur mit - dein/Revolver in der Hand Selbsticcstiz ilbte. Man vergleiche nun damit kolgende Tliavahe». Im Marge,ib:att von, 'JI. Roveniber hcstätigt das „Tcutiaie Pollsblatt" ,ni Briestasteneinein „Walter", all gcblich niiT ieinen Wiliiiai, daß ei» namentlich genannles Fläulein sich dem nächst mit einem durch '.>cainensneil»nng und Bern'sanqahe unziveibeutig ge kenn zeichneten .Herr» vermählen wird, „bis derselbe die Scheidung von 'einer gegeinvärtigen Frau durcliczekührt haben wird". Tags daran', Mion am' Rc> vember, bringt'das ehrenwertlie „christliche" Drgan nsteder e>»,' Brie'iasteniioti^. in der piitgetheilt wird, daß ein namentlich genannter und ivolil belannte Hof- und Geriäsisadvocat sich von der Tollster eines nainentlich gen.innie'l SladtratheS einen .storb geholt habe, wählend zept die Tochter eines g'tdel'cm gleichsall» nainentlich genannten Stadtralbes ,.>'eine 'glückliche Bram" st'i. — Tas also »eiuit sich „christliche" Ionrnalistil. und ein solches Blau wagt .ek, von liidlscher Temoralistilion zu sprechen, wenn irgend ein nichtami'e>»-:i ches Blatt auch einmal in Sen'älion mahl'? Run allerdings, die Eon.rn tenz in. dieiein Pnnkle mir kem^ „TeniMien BolksbUilie" ivird bald lehr i.hwel fein. Tas „Tenlsche Bolleblau" inchl sich eben »ach jeder Richlnng zinn „Pil imen Blau" zu gestallen. So konnte man vor lucht allzillanger Zeit folgende ''ästige „Einladung" ztnn Tanze im .stleinc» Anzeiger.des geiianllken'Blattes lest'»:

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