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Freies Blatt · 1893-12-03 · 87 (3.12.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
87 (3.12.1893)
Date
1893-12-03
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Freies Blatt. Nr.. 87. kainpfung des Anti'cinitisnins ein größeres Interesse au dcu Tag als dir gebildeten und besitzeudcn titaffen. Tcr Antisemitcnspicgcl hak desüalb ctucu >o t’voBon 2s?citb, wcil er an der Hand der Geschichte und Ltaninl den -Antisemitismus widerlegt. Vcider haben mir von der volm'du-ii lü'cffc nicht diejenige Untersuchung erhalten, die wir erwartet baden I je Wochciicorrespondenz, die wir an etwa 10< ► Leitungen senden, ivird -allerdings ziemlich zahlreich benutzt. Dagegen haben die reu iiitv berausgc.zobcnen „Mittheilungen", obwohl sie nur.*><l Pscnnige inonatitd) tosten, nur *>Ol)t) Abonnenten, fo daß wir genöthigt sind. lährlich 1 (>.« K• ’DJiaif znzuschicßen. >mt eiteren sind wir durch sogenannte -Wanderredncr bemüht, den Antisemitismus zu bekümpsen. Betanntlidi baben die Anti>emiten mit den Eonservativcn in der Tireutersammlniig ein Bündniß geschlossen. Lehr bald werden An nage ans Bc'dirünkung der staatsbürgerlichen :>icchtc der Juden im Rete!'-, tage gestellt werden. Die vereinigten Evnservativen und Anti, 'eiti'.ten tjOTfon däl'ci ans die Unterstützniig des Ecntrums. Wenn ich auch nicht der Bceinung bin, daß diese Anträge pratlischcn Ert.-.g Hab.'» weiden, 'o iü jedenialls eine trästige Abwehr innerer 'etts ' dringend geboten. Wir dürfen das deutsche Bolk nicht Br::>: :n >ie'er Weiie verbeten lassen, die Ehre unseres Vaterlandes rrtot dert es. mit allen Mitteln gegen Bestrebungen zu kämpfen deren Cn:;itnrf in, einem Tbeite unserer Mitbürger ihres Glaubens wegen ihre ''taatsbütge! liehen Redite tu beschränken." .Bravo.» An den Bot trag des Al>qeordneten Ricken >chloß sich eine lebhaitc Tisenssion, woraus die Reuwahl des Borstandes vorgcnonimen wurde. In den selleii.w>ird>n wieder, beziehungsweise neugewühlt: U'ehciincr Dber I.ii'titratl' Brok.ssor Tr. v <>' n e i ü, Abgeordneter ür i d e r t, Rentier; .■ na s Berlin . Reicchsrath Tr. Buhl i Bauer»., Abgeordneter : Iteibet . v. T t a n t i e n b e r g . Bauern i, Tanitätsrath Tr. Endej in a n n Dassel., ,,rabriksdireetor Iüdor p o e >v d und Eoinincreicnrath! '>i e' i it. p'.rln, , Archivar Tr Be int er .Magdeburg), Professor Tr. L : e n g e l Biarburg . ärentier Eharlcs V. Hallgartcn T.aiit'urt^a. M , Rechtsanwalt' Tr. irrster Frankfurt a. M. , <'':>!nna>iald:'eetor Tr. 'H c i n li a r d t Tranksnrt a. M. , Tircetor I Tr Wuldow Tarmstadt', Ltadtrath Be e der - Eharlottenbnrg' und' "'eleimer Länitütsrath Tr. Boas i Berlin.. i Die x\cülitcilfrnflc in Tculicklaild.t Ter deutsche Reichstag i Ivird i'idi demnächst aut lürnnd eines Eentritmantrages über die neuer liche .Zulassung des Ie'llitcnordcns entscheiden müssen. Ter „Magdcc; bnrgiseiien Leitung" wird hierüber folgendes berichtet: „Wie aus vatieani-! scheu .«reisen verlautet, glaubt mail. dort jetzt sehr bcftimmt an die baldige Rückkehr des Iesnitcuortens nach Tentichland und inlercssirt itch >el:r lebhaft t.ir diese Aussicht: über die Münchener -Anntiatnr soilei^ bciressende Änweisnngeii an dir- EciitrnmSsraetion des deutichcii üreichstages ergangen sein. Bon.feinem .Hauptsitze Iie'ole bei Ilorcnz ans 'oll der Drden i'elbt't'bereits die Eiiilcitungen zu seiner Rückkehr tre'sen und die Begründung neuer Lchnlaiistaltcn, wie in Belgien und Testerreich Ungarn, vorbcreiten Bei dieses, Anlässe erführt man, daß der Erden reichlich IT.ihih ost'ieielle Mitglieder zahlt, - und .daß diese außer in Italien und dent urspriinglichen Heimatlandc Lpanien be 'anders in Amerika und Belgieu leben. Tas ans etwa drei Milliarden veranschlagte Bermogcn des E rdens i'oll überwiegend bei londoner Bankhäusern angelegt ''ein." Wie bekannt, bildet der Jesuitenorden in Testerreich eir.e der mächtigsten Ltützcn der christlich l'oeialen Bewegung, der viele seiner ossieiellen Mitglieder wie P. Abel, I*. -Siolb, ferner der -'cedemviorist P Bauching i n. A als Iülircr angchören. Mit dein Eintuge der ki. Id. P»tr^> >...-i^tutiskosu in Teutschland Dürfte auch der doinge Antisemitismns einen iteüen Impuls erhalte». Tie ZuDe» im preußischen Mililärproccß.' «"egennber der ..Benjsch i: ^citnng", welche in einein Artikel bchanptetc, im preußi- 'ch.n Biilit irvro.eß ivcrde das Zengniß eines Inden als mindcrwerlhig .".äiluet. erklärt der ,,R e i ch s ä n; e i g e r", diese Bestimmiing i'ei bereits dur!. da - I'd'en vom -■>.. I'iilt I>47 über die Bcrhültnisse d'-r Inden an'a. l el eu r. otdeii und würde auch gegenüber dem Reichsgesctze vom -> die (''leichberechtigung der iFonsessionen nicht fort' LchwcilllllNsicil s .'{laue Mit Bc-,ng auf die von uns schon des B-iedet! elwi: e: . .::tte diiagangelegenheit der Berliner Antisemiten regen L.. .^:!desb, tmer in Lachen des sogenannten „Talmud- Austnges" terossentltcht d:^ ..Iüri'che Brene" folgende lfrklärung: ds>.-.;ur ssen miig.tbei» n v..: \ :ü, trotz wiederholter energischer An- : er't nach e:::de drastt'ilbeit Bloßstellung im biengen „t'ocal-jln;eiger", a - a. "i! teruereS Attslveicden unmöglich machte, nicht der Aichmeiftergebilte v. i. der wjertidolt öbentlich erklärt hatte, die „«lag« gegen Hirsch n. . l.'"'it' -".»gereicht zu haben", scndern der „Lchrittsteller" kndwig - u a.s «läger ausgetreten. Tie Benachrichtigung seitens des '■!!Iolr^it und wir Niufit.-.I uns Mit dem Mißgeschick abzusiiidcn suchen, gegen einen Ehrenmann von der simichen Lualilät eines budwig Lchwciinhagen die Lauterkeit unserer Religionsquellen und uiiserer Religionslehren verthcidigen zu inüffe». Jedenfalls war das lang Erstrebte endlich erreicht, die Möglichkeit gegeben, c.-ornm iliclieio. vor der breiiesten Lefscntlich' keit die Berlogenheii der Ängrissc ans Talinud und Schulchan-Ärnch zu kennzeichnen. Herr Lchwennhagcn fühlte jedoch nicht nur das Mandat in sich, die jüdische» Religionsauclleii zu besudeln, sondern auch — preußische Slaatsminister ans das Lchmühlichstc zu vernnglimpfen. Als dann der StaatSanwall . ihm die Bethätignng dieses Mandats durch Erhebung der Anklage wegen verj lcninderischer Beleidigung des Finanzministsrs Miguel zu bestreite» Miene . machte, wälaie der lap'erc Elireninann des MutheS besseren TKeil und — j brannte durch. Tchon fürchteten wir, daß, da, „Ivo kein .'tlägcr, lei» Richter",! hiedurch auch die „Talniudllage" begraben sei, als erfreulicherweise Lchwennbagen vor einigen Wochen zurückkehric und, wie eine Anfrage beim Gericht i ergab, auf die Iorlführung der «läge Zl> bestehen erklärte, bctziercs mußte er - thu», weil sonst die — Ltaatsaiuvallschaft neugierig geworden iväre, wo di e l für die Tiirchiührung der „«läge gegen .H-irich Hi ldcsl,eiinc\*! gei'ain Hielten, in d en an li sei» ilischen B lä ttern gni t tirtcn 6:b) Mai k geblieben sind. Tics der gegenwärligc Ltand der Angelegenheit. Tie «lagebeantwortung, Beiveisamräge :c. — ein »mfangrcichcS Truckwerk — iverden nächster Tage nuiererieits dein Gericht unterbreitet werden, und es ist;» hoffen, daß die önentliche Bcrhaudlung in den erste» Monatcn des nächste» Jahres statlnuden wird, wenn nicht — was Erfahrungen, die wir bei einem ähnlichen Proecne ,Nachteil, uns leider ernsthaft befürchten lassen müsse» — Lchwenu Hagen di. bonibaüiich angelündigte «läge im letzten Moment »och znrückziehl. >'un^ curron^! Tcr A'amcucr .'{liabcilluorD.J Ter während der lFlever Bcrhand' lnitgeit als Zeuge vcrnoiiiiist'iic B-esciitritp soll sn Äalkar in zwei B-irthschaften geäußert haben, er sei der Mörder des Änabe» Hcgcmaiiil, nicht aber Bnschhoss. Bergangenc Woche wurden ihm, wie die „Westdeutsche Allgemcinc Zeitung" berichtet, beim VJ bitter Unter, suchungsgcricht Sie Zeuge», denen gegenüber er die beircsscndc ÄeUßerung gethan haben soll, gegcnübcrgcstcllt. Wescntrnp bestreitet die That und gibt an, er habe das in einer Wirthschast gesagt, »nt die Juden auf rührerisch;tt machen, in dev zweiten Wirthschast habe er nur mit gethcilt, daß er die fragliche Acußcrung in der erstcrcn gethan habe Mollimscii über Die Berfolquiils Der ZuDen in RußlniiD.) In Brüssel erschien ein Buch des dortigen UniversitätsprosesforS und Akademikers b'co Errora, welches „Tic russischen Juden; Austreibung oder lfmaneipation" betitelt ist. Tcr Bcrfasser gibt eine unparteiische Ucbcrncht über die historische Leite der szragc, ferner über die Per solgungen und Anschnldigungeu seitens der Antisemiten und legt die der civilisirtcn Welt obliegenden Pflichten hur. Das Werk, welches ein sehr ivaruics Plaidoycr für die russischen Juden enthält, bringt als Borredc folgenden Brief des bernhintcn H'cschichtssorschcrs Biommscii: -Mein Herr! Tie habe» mir Ihr Werk über die gegenwärtige Page der Iudeu in Rußland vorgclegt. Tas herzzerreißende Bild, welches Tie davon enlwcrfen, wird nicht verkchle», unterstützt durch die iinglücklicherwciie richtige» Beweise, in boheni Maße die Herzen zu bewegen und den Abgrund zu zeigen, wo gesunder Menschenverstand und die Humanität, zu gleicher Zeit verschwinden. Werden aber unter den Herzen, die Tie gerührt haben, auch solclie sein, welche 'ähig sind, ein Mittel gegen diese schändliche Geißel zu sinden nnd de» schwärzesten Tchandneck des Jahrhnnderis nicht allein zu beklagen, sondern auch zu tilgen? «ann man.das Tabinwelteu unserer io gepriesenen Eivilisation, kann man den Telbstmord Rußlands anfbalteii? passen Tic es »ns host'en. Es ist eine Pflicht, nicht an unserer ariiien Humanität zu verzweiscln. Aber diese Pflicht wirdiminer schwieriger. Ter Iänatismus ist »nvcrbesserlick. Es bleibt »ns 'nur übrig, zu ivlinsclien. daß die Politilcr eines großen Reiches und ein nnnnischränkler europäischer Touverä» sich nicht iininer der Berbleudung einesivieder entiiandenen Torauemada uiuerwcrfen sollen. Rom, l. -Rovember, Teutsches archäologisches Instilnt. Moinntse». Theilweise AilfheDuiils Der t.ev Zgiialiew.) Man schreibt uns aus Petersburg unterm '2(>. Rovciubcr: „TaS russische Reichsgescyblatt publirirt soeben ciueu kaiserlichen Ukas, wonach den Iilden gestattet wird, in den den russische» Edcllcutcn gehörenden Törfern und <>'ütcru sich - auzusiedelu: der Aufenthalt in den von Bauern bcwohntcu Ortschaften bleibt ihnen jedoch verboten. Dieser Ukas, welcher die theilwcisc Aushebung der berüchtigten L«x Jgnaticw bedeutet, hat seine Borgcschichtc, die die pügcn der russischen Antisemiteu von der angeblichen Lchädlichkeit der Juden am tresslichstcn charakterisirt und die- Unstichhültigkcit der Iudcltvcrfolzniigspolitik dcr russischcii Regierung deutlich bekundet. Lchon vor ungefähr vier Jahren hat der Adel der -sircisstädtc Wcrchuc-Tnujcprowsk, Melitöpol und Alexandrowsk im LÜdwestgcbictc sich an das russische Ministerium des Innern mit dem Ersuchen gewendet, mau möge ihm gestatten, auf seinen Gütern

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