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Freies Blatt · 1893-11-26 · 86 (26.11.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
86 (26.11.1893)
Date
1893-11-26
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 80. Seite 5 Freie» (enteren auSgesnhrt werden, so sei da« ein Wunsch, der vom Gemeinderathe und vom Landtage ausgesprochen wurde. TaS also, was im Anträge Lueger steht, liege alS authentischer Wunsch des Landtages und GemeinderatheS zum Theile vor, zum andere» Theile enthalte der Antrag de« Dr. Lueger Behauptungen, welche den lhalfächlichen Verhältnissen vollkommen widersprechen. Ter Antrag des Stadtrathe» dagegen sei ganz klar. Er gehe von der VorauS- -epung au«, daß Alles das zu Recht besteht, was der Landtag und die CSe- •meinte beschlossen ^haben Ter Gemeinderath soll aber heute aus Vorschlag de« StadlralheS betonen, daß es sehr bedauerlich wäre, wenn in dieser sür die Gemeinde Wien büchst wichtigen Angelegenheit, mit welcher andere große Verk'hrS» anlagen im innigsten Zusammenhänge stehen, noch länger gezögert würde, und eS wird daher der Wunsch ausgesprochen, daß der Ausbau der Localbahnen ehetdunlichst in Angrisj genonimen werde, selbstverständlich unler Ausrechthaltung alles dessen, >va» der Gemeinde, ath bisher in dieser Sache al« seine Ansicht zi.m Ausdruck gebracht hat Ta« sei da« einzig Richtige. Wen» der Gemeinderath Wünsch beantrage, daß überdies auch da« HandelSministetium in dieser Sache anzugehen sei, io sei auch dagegen nichts einzuwenden. Bei Behandlung dieses Gegenstandes seien »och andere diverse Borwürse gesallen, nämlich die bei der Opposition üblichen, sür welche man schon eine Slampigle anschassen könnte, um dann im Protokolle, jo oft diese Porwürse Vorkommen, einfach die Slainpiglie zitr Anwendung zu bringen. „Belogen und Betrogen"-Stampiglie, „Dem Volke Sand in die Augen stre»en"-Stainpiglie. Run, meine Herr»», wenn nur auch gesagt wllr.de, wer belogen und betrogen hat, da» wäre doch viel einfacher. (Ruse link«: Alle!) Ich bitte, wer sind die „Alle"? Rennen Sie Personen! Ein immer wieder vorgedrach'er Vorwurf der Opposition sei, unter dem heutigen Regime sei nichts geschehen; versprochen habe man Alles, aber nicht« - iei gemacht worden. Dem gegenüber sei e« zweckmäßig, einmal wirklich i»S Auge zu saffe», wa« denn geschehen ist. Was habe die Commune im Jahre 1893 im VeiwaltiingSgebiete von Wie», Ipeciell in den nette» Bezirken geboten »nd geleistet? Im Jabre 1893 seien zehn neue Schulgebäude gebaut worden. Ans die ehemalige» Vororte allein enlfalle» sieben neue Schulgebäude.' TaS heiße doch einem Bedürsuiffe abhel en! E« wurden weitere .eil, neue« AmtShauS in Döbling errichtet, 121 Reu- und Umpflasterungen vorgenommen mit einem jrostenooram'chlage von I 210.000 fl., und es entfallen aus die ehemaligen Vororte allein 5,8 Pslaslerungen mit einem Betrage von 513.000 fl. ES wurden 08 Eanal Reu- und Umbauten mit dem »Kostenbeträge von 018 000 fl. auSgesührl. Auf die ehemaligen Vororte allein ent'allen 29 solche Bauten mit einer» Voranschläge von 446 000 fl Ter frühere Vorort Penzing allein wurde mit einer ausgedehnte» Canalisirung versehen, welche eine» «ostenaufivaiid von 222.000 fl. erforderte. Breitensee wurde canalisirt mit einem Anfwande von 27.000 fl. Tie Canalisatio» de« ÜrottenbachcS ist in« Werk gesetzt worden; die Auslagen betragen 240.000 fl. Im Werke sind die Eanalisirungen der Hohen Warte und des AlSbacheS. Auch was die Waflrrleitung aubelaugi, soll de» Herren gezeigt tverden, ob da«, wa« versprochen tvorden ist, gehalten wurde oder nicht. Ter mit 1,700 000 fl. veranschlagte Bau behnsS Einbeziehung neuer Quellen im Höllenlhale, welcher im Späiherbste de» Jahres 1891 in Angriff genonimen wurde und der Ende des Jahre« 1894 vollendet werden sollte, ist im Jnleresie der raschen Versorgung der ehemaligen Vororte mit Trinkwasser durch dar Stadlbauamt in eigener Regie ausgesnhrt und so gefördert worden, däß er ein Jahr vor dkm progranrmäßigen Zeilpunkie vollendet mar. Tie Projecle sür dar Rohrnetz sind fast rücksichtlich sämmtlicher westlichen Vororte hergestellt, und im Xll., XIII., XIV, nnd XV. Bezirke bereu« zur AuSfühnnig gelangt. Es sind bisher WasferleitungSrohre iit einer Ausdehnung von 50.000 Metern in den ehemaligen Bororten gelegt. Da« wird dahin führen, daß demnächst ein großer Theil der Bororte 'mit Master versorgt werden kann. Ein Vorredner habe gesagt, e» sei Sache der Majorität, da« Büßerhemd anzulegen. Tie Majorität habe da«, was sie versprochen habe, genau eingehalten. Unverbrüchlich und getreu wurde dar nrsprü»glich ausgestellte Programm auch erfüllt. Die Majorität habe aber auch alle« dasjenige, wa» ihr von der Oppo sition vorgeworfen worden ist, ruhig hingenomme» und damit Beweise ganz koloffaler Selbstverlcugnung gegeben. Wenn es aber Sache irgend Jemande« sei, das Büßerhemd anzulegen, so seien e« die Herren von der anderen Seite. Er führe einen ziemlich lange» jtampf im politische» Leben, und vielleicht stelle ihm der College au« dem dritten Bezirke da- Zeuguiß aus, daß er bei diesem Kampfe sich jederzeit die größte Reserve auferlegt und daß er sich wohl überlegt habe, ob irgend ein Schritt oder irgend ein Angriff zulässig sei oder nicht. Aber wenn man so den.llamps führe, so heftig, mit solcher Wildheit, mit solchem Haste, mit solcher Wuth, dann werde sich vermuthlich so manches Gewiffen im Laufe der Zeit schuldbeladen fühlen müsten. TaS Präsidium habe diese Angelegenheit dem löblichen Plenum vorgelegt, damit demselben Gelegenheit gegeben werde, einmüthig in dieser so unendlich wichtigen uvd heute vielleicht wichtigsten Lache Stellung zu nehmen, der Verkehrscommission und dem Ministerium zu sagen, e« wäre ein Unglück, wenn die Frage der Localbahnen durch irgend welche Umstände verzögert oder verschleppt würde. Und e» wäre die Pflicht einer jeden patriotischen Mitgliedes der Versammlung gewesen, zu dieser Sache so Stellung zu nehmen, wie das Präsidium hiezu die Gelegenheit gegeben hat, nämlich zu sagen: Ja, so ist eS! Und in diesem Wunsche suhlt sich der i Blatt. ganze Gemeinderath ein«. TaS wäre der richtige Weg geive-e» und die Pflicht jede« Einzelne». Anstatt desten Angriffe aus'die Maickritäi, Angriffe auf de» Bürgermeister, Uedertreibungen und derlei Tinge! Wie man weiß,, bildet specieli die Stadlbahnfrage und der. Bor wurs gegen die liberale Gemeinderathsmajorität in dieser Hinsicht eine ständige Piüce in dem Programme sämmtlicher antisemitischer Bersammlungen und eilten der Haupthebel, welchen man in den Bororten gegen die "Liberalen einsetzt. Es ist kaum zu erwarten, daß die Antisemiten in ihren.Entstellungen der Wahrheit künftig- Einhalt thun werden, aber die Boiortedewohner werden nach der Rede Grübt s auch -wissen, waS sie von der Wahrheitsliebe ihrer Bertreter zu halten haben.. sTir Juden und das .Handwerk.) In Folge des enormen Andranges der auSallen Ländern der österreichisch-ungarischen Monarchie um Aufnahme ansuchenden Knaben . und der großen mit der Ber sorgung und Bekleidung der dcrmaligen Zöglinge verbundenen Auslagen hat der Borstand des B e r e in e s z u r B e f ö r d e r n n g d e r H a n dw e r ke u n t e r d e n in ländischenJfraeltten beschließen müsten, die Aufnahme von Knaben während der Monate Decemder und Jänner zu sistiren. Der Berein hatte im Jahre 1802 nicht weniger als 3.',4 Knaben in die Lehre anfgenommen und 212 zu Gehilfen freisprechen lassen. Am 31. December 1802 wieS er einen Stand von 110'8 Zöglingen auf! Das praktische Resultat der Bereinsthätigkeit wird aber am besten durch die stattliche Zahl jener Zöglinge gekennzeichnet, welche zu Gehilfen freigesprochen wurden. Bon diesen waren 35 Schlosser, 24 Drechsler, 21 Tischler, 20 Schuhmacher, 15 Tapezierer, 12 Spengler, ■ 11 Buchbinder, 8 Uhrmacher, je 7 Bürstenbinder, Goldarbeiter, »Holz-. bildhauer und Posamentierer, 0 Schneider, je 4 Bäcker und Ledergalanteriearbeiter, je 3 Maschinenschlosser und Hutmacher, je 2 Taschner, Kürschner, Korbflechter, Buchdrucker und Etuimacher, und je 1 »Handschuhmacher, Kupferschmied, Mekalldreher, Metallgießer, Riemer, Schildermaler, Silberarbeiter und Zuckerbäcker. Man ersieht daraus deutlich» genug, daß die Inden keineswegs bloß für die sogenannten leichteren Handwerke Reigung haben. <Wo ist der Wahrheitsbeweis? In einem im Februar d. I. veröffentlichten biographischen Artikel über den Mechaniker Schneider - behauptete der „O esterreichische-Bolksfreund", daß im Winter 1885» auf 188«; im Kampfe um den .GaSvertrag die Antisemiten "gegen die „bestochene Majorität" deS Wiener Gemeinderathes unterlegen seien. Die -Staatsanwaltschaft ließ wegen dieses Artikels, in welchem eine Beleidigung des GemeinderatheS der Stadt Wien als Behörde erblickt wurde, die Boruntersuchung einleiten. Der Berfaffer des Artikels konnte jedoch nicht eruirt werden, da-der verantwortliche ' Redaetenr des „Oesterreichischen BolkSfreund", Dr. Ludwig Pfrnnerj den Rainen deS Autors nicht nannte. . Dr. Psenner übernahm aber nicht nur nicht die Berantwortung für den in seinem Blatte eingeschalteten! Artikel, sondern behauptete vielmehr, daß er den Artikel vor der Drucklegung gar nicht gelesen habe nnd auch nicht habe lesen können, da er damals augenleidend und auch sein Borleser zufällig durch Krankheit verhindert gewesen sei, ihm den übrigens von höchst vertrauenswürdiger Seite herrührenden Artikel vyrznlefen. Rach diesem UntersnchungSergebnisse konnte gegen Dr. Psenner nur. die Anklage wegen Bernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge erhoben werden, worüber am 18. Mai d. I. vor dem Bezirksgerichte Alsergrund die Berhandlnng stattfand, welche damit endete, daß Tr. Psenner der Anklage gemäß schuldig erkannt, zu einer Geldstrafe von 11» st., eventuell 24 Stunden Arrests verurkheilk nnd daß über den „Oesterreichischen BolkSfreund" ein Eaukionsverfall von t>0 fl. verhängt wurde. Gegen ■ dieses Urtheil legte Dr. Psenner die Berufung an das LandeSgericht ein, welches auch in der Erwägung, daß die beleidigte Majoiität des GemeinderatheS der Stadt Wien nicht identisch mit diesem selbst sei, der Staatsanwalt daher zur Klageerhebung nicht berechtigt gewesen sei, das Urtheil der ersten Instanz aufhob. Da aber eine Reihe von Personen, welche im Winter 1885 der Majorität des Wiener Gemeinderathes angehörten, und zwar die Herren: Dr. Albert. R i ch t er, Dr. Raimund Grüb l, Dr. Ludwig Bögler, Earl Meißl, Dr. Moriz Lederer, »Heinrich MatthieS, Josef Matzen au er, Dr. Anton Stcnzl, Hermann GerharduS, Bernhard Erndt, Ignaz Zweig, Gustav Simon, Earl Johann Müller, Dr. Guido Freiherr v. So m maruga, Hofrath Dr. Anton Dräsche und Professor Dr. Eduard T u e ß, sich rechtzeitig für den Fall der Erfolglosigkeit der öffentlichen Anklage die Privatanklage gegen Dr. Psenner Vorbehalten hatte, trug daS Landes als Berufungsgericht dem Bezirksgerichte Alsergrund eine das Strafverfahren fortsetzendr neuerliche HaupIverhanLlung aus, welche am 20 d. M. var dem Strafrichter Dr. v. Kendler stattfand. Zu Beginn der Verhandlung erbot sich Dr. Psenner zu einer Ehrenerklärung, da er den Artikel, wenn er ihn vor-der Drucklegung gelesen hätte, nie ausgenommen haben würde. A

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