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Freies Blatt · 1893-11-12 · 84 (12.11.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
84 (12.11.1893)
Date
1893-11-12
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 84. Freies durchaus fein (Element, in dem Viebcslm'if gut gedeiht. 2c> bleibt I deu eigentlich nur die religiöse VUfif übrig, ein Weinet, auf dem i die Psalmen die Reihe eröffnen und daS im Mittelalter unter de» ^»den Spaniens in .Um Wabirol, .lehnda ha Veick Pfleger von n» endlicher Pfacht der Empfindniig und des Wortes, von großer « Tiefe des Wedaiikens fand. Tie .Inden haben das Vielt iumt Ewig Einzigen zuerst angestimmt: durch Jahrhunderte wurde» sie nicht! müde, es immer wieder zu erheben und zu variire». Aber der schöpferische Weist hatte gelitten. ' lieber ihre Metrik gilt das Wart Wagenfeil's in feiner ..Be; schreibniig der Stadt Nürnberg": „Tas Alles fall »armini-c und Bers weife abgefaßt fein, so binde» sich die .Inden ans Metrum und aeenrate Abmessung der Siitlaben nicht wie die. alte» Ehriste» »nd : .Neide» thnn', sonder» hat wähl auch ein Bers 4, ü, auch U> und : mehr Silben als der Andere «man »ins: sich erinnern, daß i» jener Zeit das'Wesel? der Silbenzählnag, »ielit, Wägung für die deutsche Metrik galt), das »ehmen sie so genau nii, wen» es nur g»i Rnippel Harders find, die sich hinde» beim Ausgang m<-nn«|u*- reimen. Sic mischen auch gewöhnlich einige bebräische Bracken mit unter »»d branchen tentsckie Wörter, welche bei kein Tentsche» ahne de» ^nde» allein im Webranch sind, dann tlieils sind sie ans dein Hebräische» gemacht, andere ans gntei» TeMich verdarben, einige ganz van ihnen erfunden." 31c machen sich eben ihre eigene Metrik: versuchen sich im Tentschen in Reiniknnslslücken, wie derlei in späterer $cit in ihre heilige Sprache drangen. 2a wird ein großes WeJnd» »ach der Reihenfolge der Buchstabe», »ach dem Ales Beth abgefaßt nnd was dergleichen 2achen mehr sind, die in jeder Vnrit prabirt werden, die z» verknöchern nnd;» erstarren beginnt, der neue Barstellnnge» »nr »och spärlich znfließe» »nd die hiivachandrisch in gnälerischer 2elbsischan verharri. 2ick, ntlznviel mit seinen eigenen Zuständen z» beschäftigen, es sei »n» seelisch oder geistig, ist ein Zeichen van Zirankheit für den Einzelnen wie für eine We saiiimtheit: »och ist die Zrage nicht entschiede», ab nickit die inner liche Ueberhebniig der .Inöen, ihr Wefühl, das anserwähtte Balk n'ottes zu sein, nicht jusr auch der Abgnnsi entsproß, der sie immer und allenthalben begegnet. Tenn häufiger fübri die Berachtnng, die uia» nnverdient erduldet, zur Uebersdiäiznng des eigene» Werthes »nd selbst;»>» innerlichen Wrößenwah», als man meint: bäiniger gewiß, als zu allgemeine Aiiertennniig. .Ins ,lnde» Tentsche »»» werden zeitig vor Allein liturgische We sänge überirage». I.>1.") überträgt Eiiah Vevita die Psalmen ins Tentsche: der Tialeet eignet sich die elasiischen Vieder der spani scheu Blüthezeit an und behandelt .lehnda ha Vewi »in nichts j benef als irgend einen Tentscheii. Tuii und Blüthe gehen ver . laren; der Wlanben ist innig geling. »»> keinerlei U»terstüi.-nng durch Aovm oder 2prache. zu bedürfen. Rein Balladeahastes wird prodneirt: ein Steiermarklied erzählt van. einem Ritter -- Stein fchneider, sagt leider nicht was? Wichtige Ereignisse, die hntd i vollen Worte irgendeines hohe» Herrn werden van stinke» Reimern veriiiieirt »nd wandern dann als fliegende Blätter von Hand;» Hand. Aber das Traurige üherwiegt: immer neue Knnbe bringt der Tag va» Bersalgnngen »nd Bedrängnisse»: auch das nun; gebührend gewürdigt werden. So entstehen die „Weserra" Vieder Wesera heißt Ofotli —. deren es unzählige gibt: ans Wie», ans Breslau, kurz fast ans jede größere 2tad>, in der .luden lebte», bezüglich. Tas bekannteste darnnler ist das auf den,eeu:»ilch'schen Ansstand, der am 22. August Hi 14 in Zranksnri a. M. ansbrach und die Bewohner der Waffe in Angst »nd 2chrecken versetzte. .1» l>>4 Bersen mit 8^4 Zeilen werden ihre Roihe besnngen: manchvial dramatisch lebendig, danii wieder stockend und unerträglich lang weilig. Ter Zinnie des Anführers der Bewegung, des Vebküchlers Bineeiiz stettmilch, wird in Bine Hans verballhornt: kabbalistisch spielend macht der Autor aufmerksam, daß der Zahlenwerih va» Megillas Bine < das Büchlein von Bine) identisch "sei mit dem van Megillas Antivchns, eines andereii böse» Bedrängers der „Inbcn. v\cöc »»ziemlich boshafte Aenßernng angesichts des schlimmen Endes Fettmilch's »nd feiner Wesellen wird nnterdrückt: Züge von H»- inanität, die den Berfolgten erwiese» wurde, veruterlt der Tichter. Angesichts der großen Bedenlnng der Zranksnrter .Indengemeinde, der Heftigkeit der Bewegung, die durch Aieichsgewalt nnterdrückt werden mußte, fand das Werkchen eine große Berbreitnng »nd wurde sogar ins Hebräische übersetzt.. Es wurde auch sonder Zweifel - Ausdauer gehörte allerdings dazu — viel gesnnge», nnd zwar nach der Weise der „2ck,lacht von Pavia", »ach der Melodie eines der vielen Vieder, die a»f dieses große Ereigniß gedichtet wurde», das damals noch frisch uud in voller Wlorie im Wedenken der Menschen stand. Ter Titel lautet: „Ein schön Vied hübsch nnd Blatt. '' “cito *.t. bescheidlich, aüv Weiber und Meidlich. Zn erkennen c^ottes rafft und "Macht. Wie der 2chai»es .Israel Hüter .Israels« hat ben »ns gewacht. Tarnm thnt Haschern hisborech. ideg gebenedetzkeu Euai lobe», der uns hat geniedert und wieder derhsben. Megillas das Büchlein Bine soll man de» 2chier das vied heißen überall. .ls so viel als "Megillas Antiochns an der 'Zahl. Hab' irti ein Rigg»» iMelodie daraus-gefracht. Als wie von Pavia die 2chlacht. 2o sagt Elchana», ein Sohn Abrabai» 2:tl". Oiadi 2chndt's "Rachweis war der Aitior ans der Zamilie .Helen.' 2ie lehnen üch in ihrer Vtirik überhaupt.gerne ans deutsche Bolkslied an: mg» kann das so recht beobachte» in der 2aninilnng, die Zelix Acosenberg nach einer Handschrisi ans der Bvdteiana — erstände» ans E: Earmoln's Rachlas; und eingerecht i» die ganz einzige Tppenbeiiti'sche 2a»l»tl»ng — is-s'in v„dwig (Zeiger s „ Zeitschrift für die We. schichte der .luden in Teiitsditand" verössenilicht hat. lieberall &■ ttiiigen bekannte Weisen:' wunderlich verninmmt blicken n»s liebe nnd vertrante Wesichier allenihalben entgegen. Was die deutsche» Sammler verzeichnet, das baden sich die Mitivohner nach ihrer Weise angeeigiiet, und was das zu bedenie» hat, das kann mir der , ermessen, der weis;, wie innigsi gerade die Vprik mit dem Wemüthe des Bottes ziisamnienhäiigt, dem sie entsproß, wie schwer und - »nker wie vielen Hindernissen allein gerade hier eine Anpassung möglich ist. „Tas Schloß in Teüerreich" wurde auch im .largo» gesungen: „ Schüre dich, Wretiern" mag dem .Inden enrios erschiene» sein, der wenig von.verlanfenen Mädchen wissen-konnte, würde aber doch iiiindeskeiis ' eiuklingend angestimmt. Wenn sich Viebes-, Räkhsel, Scherz- und Svotttieder finden, so ist das am Ende begreiflich genug: es ist nalional, wenn die Weschichle von Tona in viendo drainatischer ,lSriu verarbeitet wird: verwniidern aber »ins; man sieb billig, wenn in einem so mäßigen Bötke, als es die .Inden die längste Zeit gewesen sind, ein tolles und doch wieder unwiderstehlich lustiges Schlemmerlied, wie das famose: „Wo soll ich mich biukehreu, ich inmines Brüdertein", dem der Zoll am ütheiu, Benrdig und das .Raiserthum zu wenig für seinen »ncublidteit T nrst sind, wie das Anfnabme und Anklang .sindeii tonnte . . . Tie Viteratar, von der wir svradien, besteht ünr nadi im Rord osten Europas. Tort Hallen.die .Inden immer nodi mit Zähigkeit an ihrem .largo» feit: immer noch werde» vor den Slmagogeii bedruckte fliegende Blätter seilgeboten und vermitteln jenen Mensdien den Znsamnienbaiig. mit einer großen Enllnriiatioii, mit'einer Welt s'vrachej die sie ans Unwissenheit mißhandeln und an der doch wohl ihr Her; hangen »inß. Slavisdie Elemente sind hier in sie ein gedrungen: der 4er» aber ist dentsdi, trotz aller Anseindnngen, die sie darum zu erleiden halten. Maki beginnt audi hier, stdi mit dieser Viteratnr wissensdianlid, zu befasse». Bon R. M. Werner Rn Vemberg in Mandies dafür z» hone». .1» den ...lüdifch dentjdien Botksliedern ans^Walizien und Rußland", die Tr. Wni'tav H. Talinan I 'VI in der Berliner evangelisdien Bereinsbndihnii.dljiiig herausgegeben hat. Hingt oft. sogar hier, ein Ton der Sehnsucht »ad, dem Ansgehen in der^eiammtheit und iclbtt im Ehrisienthnme dnrdi, wie denn immer wieder Berindie .eines Ausgleiches der WeiientiiiH" lmteuHumnen werde». Sie müssen mit der Zeit ihren volle» Erfolg haben: denn die Entwicklung der Tinge drängt dabin, und die Rothwendigteit ivird allen Einsiditigen 'klar »nd klarer. Tas; am' jüdit'dier Seite dnrdi .Inhrhnnderie vorgearbeitet wurde, ist .ledern sicher, der fid) in die Viteratnr des „.Inden-Tentsdi". ver - liest. Sie in nun abgestorben, kann chssioriseh unbefangen betradnet ' werden. Ter ihr die Wrabrede hielt, das war Av>'> V'Allemant: ' und er, ein .Renner »nd ein nuverdäditigster Zeuge, ein- Ma»m! der vielfältig mit den dunkelsten Partien jüdischen Veben» z» Um» | bekam, ohne iidi dadurch seinen Wlanben an das Bolk als ioldies, zu dem er dodi keinerlei persönliche Beziebnngen niiterhieli, ver- ' niehteii zii lassen, er thar das so sdiön, das: iiinn iiidns Besseres thtiii kann, als die einsdilägige Stelle trotz ihres Umfänges hier milzntheile». Sie steht in: Weidndne des dentsdie» Wannerthiimes, i Seite 4*> 47 des dritten Bandes, und lautet: Tie jüdifdi deickidie viteratnr war die einzige Bolkslileratnr, i deren Besitz dem von altrffi öentfdien .Enltur und literarischen . Veben znrückgeskoßenen .Indenthnm als Autheil am geistige» Bolks leben vergönnt war, weil sie ihre hebräisireude »nd also dem denisdien Bolk nnverstandlidie Ausdrucks und Schriftsorm hatte, l Tas dentsdie Bolk ahme nicht, das; auf der entlegenen öden >ilippe . dieser Viicrarur das .Indenthnm dennodi mit so vieler und mädi tiger geistiger Eigenthümlidikeit an seinen heiligen Büchern und den Vehren-seiner Weise» »di sättige», von dieser Rkippe ans so tiefe Streifzüge aufs Weidet der dentidie» Ralionaltiierainr madien nnd sogar and> ans den alten dentsdie» Sagenkreisen heraus >wd>

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