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Freies Blatt · 1893-11-12 · 84 (12.11.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
84 (12.11.1893)
Date
1893-11-12
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite s. Freies Blatt. ilt. 81. jüti’cbft Ge-änvorner mußte unmittelbar von der Geschwornenbank in Arrest qeliibrt inerde». iveil icngestellt wurde, daß er versucht hatte, einen Zeugen zu einem 'al'chen Eide zu verleiten." Zn Wirklichkeit verhielt sich die Sache ander». Am 16. Mai zeigte in einem Schwurgerichtsproceffe ei» Zeuge dem Borsiveuden an. daß der jüdi'che Geichworne Tornhelm ihn zur falschen Zeugeiiichatl zwingen wollte. Taraufbin wurde der Geschworne von der Ge schwornciibank einfernt und gegen ibn die Slramntersuchung eiugeleitel. Am drik:en Tage'würde er von dem Unternichunglrichler verhaftet, aber nach Ü4 Stunden wieder aut dreien Fuß ge>etzt, woraus die Untersuchung fortgesetzt wurde. Vorige Woche 'and nun die- Verhandlung gegen Tornhelm stall. Zm tzauie derselben stellte sichdie lluglaudivurdigkeit jene» Zeugen heraus, dcrs die Veichuldigung gegen den Ee'änveine» Tornlielm erhoben batte, tmddieser wurde au' ««rund de» einstimmigen Verdictes der Zürn frei gesprochen. ES ist selbstverständlich, daß keine» der Anliiemilenvlarler, welche dir Anaire Torndelni zur Heb« gegen jüdische Geietuvorne in Galizien benützt batten, von dem Ausgange de» Proeenes 'einen Yesern MillKeilnng macht. i Wieder kill „Zllüenstämmliug".) Tie „Hannover',che Post" machte an» dem „Schlepper" in dein vielbesprochene» Spieler- und Wuchererproecst'e, Herrn v. M'everi n ck, einen „Judenstammling" und versicherte, daß dessen-Großvater ein Zndc. namen» Mener gewesen sei. Bald daraus sab sich aber das anii semitische Blatt genöihigk. eine Zuschrift zu verönentliche», wonach Herr v Pienerniet einem evangelischen Adelsgeichlechte eutstammte, das >'eil der Mitte des XVII Zahrbunderrs in Preußen vorkommt. Herr v. Meiierinck bat übrigen» ttiitlleriveile seinen« '.'eben durch Selbü nord ein Ende gemacht und sich im Gcsanguiß e>denkt! 1 Likbermauit wider Böckel.) Ter Mann der Ehrenscheine, Herr Licbermann v. Sounenbcrg. thul kund »ud zu wiffeu: „Wie ich aus einer eben hier Vorgefundenen jireuzbandsendung ersehe, hat mir der bekannle Herr Sedlatzeck in einem von -ihm herauSgegebcue» Znseratcublatte die Ehre erwiesen, im Style der Tamen von der Halle aus mich z» schimpfen. Wenn e» meine Zeit nach Erössnung deS Reichstages erlauben sollte, so werde ich dein p. Sedlatzeck' Ge legcnbeit geben, vor Gericht die Antworten zu erhalten, die er von mir wünscht. Unvorsichtigcrwcise har der genannte Herr auch noch einen Artikel aus dem Blatte Tr. Böckcl'S in Marburg abgedruckt und wird mit dein Sitzredacteur des „ReichShcrold" die Folgen der verlcuniderischen Beschiinpsungen der lcylgcnaunten Zeitung gemeinsam zu tragen haben. Taß ich sieben Jahre lang mir einer Geduld und Rachsicht, die ich heute selbst nicht recht verstehe, die sortgesetzlen univahrhaftigen Angriffe Tr. Böckel's um der Sache willen ertrage» und stets die versöhnlichste Haltung beobachtet habe, ist in de» Arcistlz aller urthcilsstihigcn Parteigenossen bekannt, und noch wahrend der letzten kurzen Reichstagsscssion hglte ich Gelegenheit, Böckel zu zeige», daß ich ihn nicht schädigen wolle. Weun Herr Böckel jetzt in eine Art von Raserei über meine in gerechter Rothwehc begoniieneii Leröffeutlichungen gcräth, so zeugt das nicht gerade von sonderlich gutem Gewissen." — Tie Antiseinitenansührer kennen einander sehr genau, und bei Ausbruch eines Bruderzwiste» würdigt gewöhnlich der Eine den Anderen in der zutreffendstcu Weise. Herrn v. Liebermann scheint, nebenbei bemerkt, ein Umstand unbclanur gewesen zu sein, den unsere Berliner Abwchrcollegin minheilt Ter kürzlich wegen Urkundeusälschung zu neun Monaten Gesängniß vcrurtheille Tirecwr eines TetcclivinstilutcS zu Hamburg, Swia tcck, stand noch in letzter Zeit in intimen Beziehungen zu Herrn Böckel. fciullctLin. "55om JuDen-Deutlcti. CHIC ent fit von o. >> a. avi k. viine Arl rtfomaii halten fic allerdings hervorgcbrachl. Xice ift das „Maate Beria" wie es Steinschneider inillheilt. Lein .Neid ist Simra, der Sohn des Tobias. Er ift ein angesehener Richter und Gelehrter, der seine Weisheit vor dein Rönige dnrch einen klugen Scktiedsspruch über einen Menschen mit zwei >iöpsen, der daraus hin seinen dovvciten Antheil an einer rbidinft begehrt,;n erproben Gelegenheit rindet. Bei einem Prieüerseste verliebt er sich in Beria, die Tochter des Tberprieiters. 2ic erwidert and) diese Yiobc, ihr Bater aber will trotz der Fürbitte des Borstehers und sogar des Rönigs seine Tochter einem Manne niedrigen Geschlechtes nicht geben. Um dieselbe Zeit lebt ein iude»seindlid>cr Papst, der das Reinigungsbad der Frank» uitd die Besdmeidnng untersagt. Tic bedrängten Zudcn wenden sich an den Hohenpriester nm Hilse, der die günstige Gelegenheit benützt, und Simra die Hand seiner Tochter verheißt, wenn es ihm gelingen sollte, den Papst 51111t Widerrufe jener erbiete 511 bewegen. 2imra verschafft sich Eingang;nni Papste, indeni er Geld anssrreut, und gibt 111111 dem Zudenseinde zu bedenken, daß seine ("eiche den cäehaßten nur nützen würden: nod> stärker als bisher würden sie sich fortab verinehren. Tenn die Frauenerschräken vor dem kalten Waffer und enthielten sich also lieber ihrer Männer. Reich belohnt wird Simra vom Papste entlassen : der Cberprieücr aber will sein Wort nicht hätten, und Simra iindel mir in der Aufnahme Trost, die ihmseine geliebte Beria bereitet. Schon früher batte ihm dieselbe ein tägliches Stelldichein gegeben, wenn sie des Morgens ihr..Fenster öffnete, nm das Borchn, ein-Morgengebct, 5» verrichten. Es geht zwischen ihnen hochu züdttig Her: nur daß ihm das Mädchen erlaubt Hatte, uc zu küssen. Zn lattsendenmalen war das schon geschehen: aber diesmal war ein solches Gekiffse nntcr ihnen, wäre Beria nicht schon trüber schön gewesen,- sie hält' es itznitter werden müffen vor der Wlnth seiner Yicbe. Tarnach trennen sie sich:' sowie er aber von ihr gcsd>iedeit war, alsbald ffarb sie vor ihrem Yeidc. Ter Xönigssohit übernimmt die Regiernng nnd ernennt zugleich Simra zum Ziachsolger. Tiefer wird von einem wilden Pferde entführt und kömmt so ins Yand der Todten: dort warnt man ihn irgend etwas zu genießen ein Motiv, das ziemlid) häufig ist, wer irgend den Uitterirdischen Theil an sichSinräumt, gehört zu ihnen'. Seine Beria muß dort in einem Häuslein unter der.Stiege die einzige Sünde ihres Yebens abbüßen, daß sie sich nämlich von ihm hatte füffcii lassen, und verwehrt ihm das also, obzwar er dasthnn und dann für immer bei ihr bleiben möchte. Er begegnet dem Pro phcten Elias, dgnn kehrt er zur Beria zurück, umhalst nud küßt sie, betet für sie, und sie kömmt flugs in das lichte Wan Eden, ins Paradies. Simra kehrt zur Tberwelt zurück, das heilige Tand)bäd reinigt ihn under stirbt drei Tage darnack). Rach seiner eigenen Anordnung wird er aufs Grab gestellt. Tie Engel Michael und Gabriel führen ihn persönlick) in den Himmel .: Gött selber spricht den Segen über den Bund der Getreuen, und/eine hübsdie „Brau list" wird angerickitet, bei der Moses und Ahron Simra unter den Tranhimitlel führen. Festlickter kann's nicht wohl sein. Auch nicktt lustiger: denn Engel machen den Schalksnarren, der noch heule bei keiner Hochzeit nitter strenggläubigen Znden fehlen darf, und König Salomo spricht die sieben Segensforincln. „Es war eine siilcktc köstlickic Branlift, wie nie ist in einer Kehilla gewesen" das ist begreiflicks genug. Es sind wohl and) im „Maase Beria" nichtjüdischc Elemente nachzuweiscit. Tenn die Hinneigung der ^ttden, zumal zur deutsck)en Yileratnr, ihr Streben nach Aneignung dcutsdicr Bildung war immer groß und madike den Frommen immer Sorge. Eine Sd>eidemaiier war aiifgeriditel, und hüben wie drüben konnle sick, golteofürdttigcr Eifer nicht genug darin thnn, sie zu erhöhen und zu verfestigen. Nniibersleiglid) wurde sie so; aber aus der Enge der Gaffe flogen sehnende Blicke immer ins Weite, schwärmten verlangende Gedanken ans. Mit großer Zähigkeit hielten sie .das einmal Errungene fest; in nnsercn Tagen noch, da das Andenken der deutsdien Heldensage in dem Bolkc, das sie hervorgebracht, längst erstorben und selbst seinen Gebildeten nur durch gelehrte Forschung wieder lebendig gemadit worden war, klagt ein Tichtcr der Gasse in einem Erbauungsbüchlein: „Tarum ihr lieben Man und Frauen leient ihr oft daraus, so werdet ihr darin bchanen und mit zu leiencn aus dem Buche von Kihen und von Tietrich von Bern und von Meister Hildabrant sott ir auch eud> nit thnn nuten. Run es fein wahrlich eitel Schmitz, sie geben euch nit Warein nvd) Hitz." Etwas brotncidig gesagt, am Ende aber ein unverwcrfliches Zeugniß dafür, wie tief ins jüdifdic Bolksbewußtscin urgcrmanisdie Borstellungen eingedrungen sein müssen. Man liest nicksts umsonst; man beschäftigt sich nicht mit den Riescngeslalten bcutfdjcv Mythen, ohne von einem Hauche deutschen Geistes angcweht und in der Seele ergriffen zu werden. Wir kommen langsam;iuit Sdzlusse unserer Studie: zur Yyrik. Es gibt eine solche, und zwar eine ganz umfängliche. Ratürlich schadeten auch ihrer freien Blüthc alle jene Umstände, die der vollen Entwicklung des Volkes als solckics abträglich waren. Man hatte ihnen künstlich den Sinn für die 'Jiatni' abgctödtet, indem mansie — wenige Ausnahmen, die als Pächter oder Randarc auf dem Yandc saßen, können da nicksts entscheiden — in die dumpfigsten Gassen der Städte sperrte. So war denn eine Ratnrlyrik ausgeschlossen, Tie Art, wie die Ehen abgeschlossen wurden, schloß allerdings nicht echte Yicbx aus; wir haben im Maase-Beria gewiß einen Yiebcsroman, wie man fick) ihn verwickelter und wieder unsinnlich reiner schwer vorstellen kann, ttnsinnlichkeit ist aber

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