Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 84 (12.11.1893)
- Date
- 1893-11-12
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 84. Freies Blatt Seite 7. folgende Erklärung ergänzt: „Soll jedoch die Ausdehnung des Wahlrechtes nicht zu einer politischen Sonderstellung der Nichtbesitzcndeu sichren, so ist e» „othwendig, daß in der Wählerclasse der allgemeinen Wahlrechtes nicht, nur die neu hinzukommenden, sondern auch die bisherigen Wähler stiininberechtigl sind." Bezüglich der Wahlresorin sind, wie im Laufe der TiScussion sestgestellt wurde, „Tie um Sleinwcnder" geiheilier Meinung, und die vorgeschlagene Entschließung war das Ergebniß eines Eompromisies. Tie zweite Entschließung gibt der Meinung Sleinwendcr'S Ausdruck, daß untcr den gegenwärtigen staatsrechtlichen Verhältnissen ein Beamten-Ministerinm einem parlamentarischen CoalitionS-Ministerium vorzuzieheu wäre. Zur Parteiorganisation wurde von Herrn Prade folgende Entschließung vorgeschlagen: „Tie Vertrauensmänner- Versammlung anerkennt die Nothwendigkeit einer Parteiorganisation. Tie Turch sühning derselben und die Bildung der Hauptleitung wird dem Club der Teutschcn Nationalpartei im österreichischen Abgeordnetenhauses übertragen." In der Tcbatte wurde von Tr. Pommer der Wunsch »ach schärferer Betonung der Aniiiemiterei in der Parteiactio» geäußert, während der ehemalige mährische Abgeordnete Tr. Kaniak zu verstehe» gab. daß die« in Provinze» mit gemischter Bevölkerung dem Tentschthum abträglich wäre. Bezüglich des Teiilichen Schulvereins wurde folgende Entschließung empfohlen: „Tie Per trauk»Smä»»er Versammlung spricht eS als ihre Ueberzcngnng au«, daß ein ferneres Gedeihen dcS Tenliche» SchulvereineS nur dann möglich ist, wen» eine Aenderung der Satzungen, wonach jeder Ortsgruppe das Selbstbcstimmungsrecht bezüglich der Mirgliederansnahme gewahrt ist, bewiikt wird" Sämmtliche Entschließungen, auch die letzterwähnte, ivelche die Bildung „jndenreincr" Orts gruppen bezweckt, wurden angenommen. Anwesende „Unverjälschte" gaben die ErklärNng ab, daß sie zur Veriammlnng nur ols Zuhörer und nicht als Theil nchmer erschienen seien. Tie „Ostdeutsche Rundschau" wurhe „freudig begrüßt" und „wärmsten» empfohlen. sWat ick mir dasor koose *) Zii guterlevt wurde die „Wacht am Rhein" gesungen. („Unverfälscht" und „Wiener Wurstlcrstisltin".) Bezeichnend für die noble Art, wie der Er-Ritter Georg Schönerer die antisemitischen Concnrrentc» ans dem christlich, sociale» Lager behandeln läßt, ist ei» von der Kremier „kandzeitung" veröficnklichter Bericht über eine in Waidhosen a» der Thana abgchaltene-Generalverlammlnug de» „Waldviertler /Bauer»Vereines". Zin Nachstehenden sei dieser Bericht mit Hinweglassung einiger nebensächlicher oder allzu geschmackloser Stellen wiedergegeben: „Als besondere .Pikanterit‘ wurde dem geehrten Publicumauch da» Erscheine» Sr. Turchlancht mit der Uhr in der Hand, des Prinzen Alois Liechtenstein, und des Abgeordneten T bernd'orfer in Aussicht gestellt. Tie Herren Peranstalter der Waidhofner - Borstellung Hane» ganz richtig auf die Neugierde speenlirt und sich nicht be trogen, kenn cS waren sehr Biele gekommen, einzig und allein nur anS dem Grunde, de» Herrn v. Tnnkelstcin — Pardon! Liechtenstein — hören, und sehe» zu können. Anstalt der erwarteten Turchlancht entstieg dem Zuge aber nur der ganz harinloke Herr v. Geusau und Graf Falkenhahn. Tie Beriannnlung wurde vom Obinannstcllvertrcter Herrn Pater Töller auS Puch eröffnet, worauf derselbe cstie »ach .Wiener Wurstlermstein' verfaßte Rede von sich gab, bei welcher der geweihte Herr" in echt christlicher Nächstenliebe nicht daraus vergaß, hie und da eine» versteckte» oder offenen Scitenhicb auf Herrn v. Schönerer und die Schönerer,Partei loSznlassen. Zum Schlüsse seiner Rede lam der Herr .Regisseur' der Bersammlung auf den bei ihm, wie e» scheint, schon zur streu Idee geivordencn Eigengedanke», daß als Obmann des BereineS 'Niemand bester Paste als der Herr Baron Geusau. Nachdem Herr Pater Töller seine Rede beendet, wurden die Anwesenden durch daS Erscheine» de» Herfii v. Geusau aus dem .Brettl' wieder etwas erheitert. Ei» Mann, welcher de» Herrn v. Geman noch nicht gesehen, fragte einen anderen: .WaS will denn der Jud' da r Bon einem Ncbensitzcndeu wurde der Frager aber gleich belehrt, daß Herr v. Gcuian zwar kein Jude, aber ein protestantischer .Convertit' sei, welcher erst vor einiger Zeit vom lutherische» zum katholischen Glaube» ühergetrcte» ist." Ter Berichterstatter erklärt, daß er auS Rücksicht für den „Magen" der Leser die AuS sührnngen des Herrn v. Geusau nicht reproducire, und lobt den Grafen Falken Hayn, daß er nicht über Parteien und Männer herfiel, die sich um den Bauer» - und Gewerbestand de« Waldviertels „hohe, unvergeßliche Berdienste" erworben HLt'en. lUnverfälschtc Bescheidenheit!) Sodann fährt er fort: „Die mittelst Zurufe» vorgenommeneWahl desObmannes brachje Herrn PaterTöller den erhostten Erfolg7 j indeist Herr v. Geusau zum Obmann wiedergewählt wurde. Hatten die Anwesenden geglaubt, daß es uun genug sei de« .grausamen Gespiele»', so ivürde ihnen die Freude vergällt, da der Vorsitzende bekannt gab, daß e» der Vereins leitung gelungen sei, de» Eggenburger Redemptoristen Pater Bauchinger, welcher derzeit bei einer Mission iin benachbarten Windigstcig weile, zu einem Bortrage zu gewinnen." Diesem Redemptoristen, einem von den Christlich Socialen hochgeschätzten Redner, wird mm der Vorwurf gemacht, daß er eine volle Stunde über die Dieustbotenfrage sprach und dabei „Wahres mit Falschem so vermischte, daß den Zuhörer» noch^ viele Stunden nach der Versammlung da« Goethr'sche Mühlrad im Kopfe herumging". Während also Schönerer hochgeborene und hochiviirdige Zierden des „Wiener WnrstlershstcmS" verhöhnen ließ, gab dieses hier durch seine journalistischen Herolde der Schadenfreude darüber Ausdruck, daß Social-Temokrateu liberale Bersammlungen gestört haben, und feierte in unfreiwillig-komischer überschweirglicher Weise den Namenstag eines seiner Anwälte. Herr» Schönerer sind die Christlich-Socialen. »och Revanche schuldig. I» solche» Tingen sind sie aber gute. Zahler. lMkineidc sind z» gewärtigen.» In einer Versammlung. die Wesendonck gegen Erwin Bauer in Leipzig abhieli, machte er die für die „sittliche Atmosphäre" der Herren Antisemiten höchst charakteristische Acußcrnng, er sei darauf gefaßt, daß in dem zu erwartende» Proeesse gegen ihn mehrfach Mein eidc geschworen würden. - Aus antisemitischen Blättern. iPscniier's GkschichlSwisscn.) Wir habe» bereits in einer dX letzten Nunlmeru unseres Blattes aus die prosnndc GcschichlSwcisheik des ollSfreund"-Mannes Psenner hingewiese». -I» der jüngsten Nummer dieses vorlresflichsten Organes für Volksvcrdninmnng und Aufreizung läßt sich Herr Dr. Psenner nck voeoin GntcreonfiSealion einmak gründlich und nnzwcideutig aus, indem er schreibt-: „'Wir glauben, da4 Einfachste wäre, daS ungerecht erworbene Vermögen der wucherische» jüdischen Geldfürsten durch den Staat in Beschlag zu nehmen. ES müßte eines Tages in vorsichtiger und geschickter Weise sestgestellt werden, welche Staatspapiere sich in den Händen jener jüdische»-Geldfüruen, »velche jederzeit deS Staate« Verlegenheiten wucheriick» benützt habe»,- befinden. Tiefe Staatspapiere müßte» einfach für null »ilid aichtig erklär« werden. Dadurch würde dasarbeitendc.Voll von einer großen Zinienlast befreit. Tie unbeweglichen Güter der wucherischen jüdische» Geldfürstcn aber müßte» vonr Staate eingczogcn imd zur Wiederberstellung eines gesunden Milcklstandes benützt iverden." Herr Picnuer sagt uns zwar nicht, ob sich die ConsiScaiio» bloß auf die zu Unrecht erworbenen jliviiche» Güler oder ans alle ohne Unterschied beziehen solle, und aus wclckie vorsichtige und ge schickte ,!>!) Wei'c nlan die ersteren anS der Zabt der letzteren herausfinden könne. Dagegen erklärt er »ns "sehr genügend, warum die Confiseation bloß über die jüdiichen l'üiler und nicht auch über die christlichen Latifundien und über die mächtigen Güler der lodten Hand verhängt werden wlt. Er sagt: „So lange cs nur die reicheil^hristlichen Fürsten gab, welche ihre Güler von ihren Vorfahren geerbt und nkckn zu'äuinlengewrichetl habe», ging es dem Volle nicht schlecht; eS gab ,^z^/incu Mittelstand und Tein wlckns Elend wie heute, tei» Masscnprolelas'iat, keine io große, mächllge Social Teinokrazie." Wir.richten an- Herrn Tr. Psenner die onene An'rage. iroher m der,großen 'raiizön'chcn Re s volution. in der Pariser Juli Revolution und auch bei uns während der Re volution des Jahres IM* die nngebeuren Proieratiermancu, diest Arineeu von ArbcitS und Brotlo-en käme»'/ Wir richten ferner an Heer» Tr Pienncr die offene Anfrage, ob er >emäkS euvaS von bäuerlicher Leibeigenich-nr und Robot - gehört bat, und ob er davon euvaS iveiß, daß in Der Form des Mortuär und Laltdeminin der ganze Werth eines bäuerlichen BesttzeS stbon »ach kurzer Zeit einmal in den Sacket des geistlichen Frohnherrn stießen konnte, ilnd daß sich die Reichlhümer der Herren io ani eine ist-r dieselben -ehr mübelo>e. stir die armen Bauern aber sehr bedauerliche Weste,vermehrten ' .'leimt Herr Pstnner nicht die Geschichte von dem Familienreichthllm des Hanst'S '.'iechtenstein, und weiß er nicht, n>ie gcwifie bölnnstche Aristoti'älen in den Besitz ihrer riesigen Latifundien gctoinmen find'.- Wahrlich, Herr P'enner, wir und keine Anhänger deS Satzes „Eigemhum ist Diebstahl", aber wenn Sie mit uns einen historischen EpcnrS über die Provenienz gcwi'ier großer Bermögeiz, machen wollen, w stehen wir Ihnen zur Benügung. Wir wollen nur iehen, ob Sie, ein Anhänger deS . Besähigungsnachwei'kS, auch wirtlich die Be'ahignng besitzen/da« zu beneiscp, waS Sie immer so dreist dcbanvken. (Rohhcil und klicclamL.« Eine Wirlhin bar einer Jüdin einen Schlag ins . Gesicht versetzt nnd stst dafür vom Bezirksgerichte Landstraße zu cincr'Geldstrase verurthcilt worden. TaS Organ des Widner GeschäitsanitsemitlsmnS verherrlicht nun diese» Act der Rohheit, den eS „bei dem Tcinxerameine' »nierer seichen, aber auch reicheit Wiener Wirchinngn ganz ietbstverständlich" finde,: zugleich stellt es der strafgerichltich Vernrlheitle» auch da» Zeugniß ans. „daß sie nicht allein gut Bier und Wein',, iondern auch kräftige Fänstelein habe". Tie Giorifieirniig der Rohbeit wird alio mit einer GeichäftSrecianie. das Angenehme mit dem Nützliche» verbunden. 'Wacker! (Wer sind die Lcscr?» Welcher Diatiuu die Leser deS angeblich einzigen „deutschen TagblaltcS" ,„OstdeutscheRundschau"> m Wien sind, gebt au» den Name» derjenigen hervor, welche dicst'S nationale llnler>>eln»en durch kleine Geldspende» unterstützen. Wir finden hier folgende Namen: Tioorschal, Teltschik," Gorgosch, Chlnbn», Kwapil, Bcranck n. st w Für seine kL. oder 1 fl. hat jeder fein spcciellcs „Heil"; der eine bringt cs Hauck, der andere-Türl - dar. Auch Philippine v. Schönerer wird inil einem solchen bedacht, leider nicht a»ch, wie ehemals üblich, „ihres Nestes Inhalt". (Tic Hetze gegen jüdische Geschuwrnc in Galizien.s Im Jlmi eröfsnetcn die anlisemitischen Blätter' eine förmliche Hetze gegen die jüdstchen Geschivornen i» Galizien. Ten Anlaß dazu gab ihnen ein Vorfall, der sich vor dein Lenibcrgcr Schwurgerichte abspiclie rtnb über welchen sie berichteten: „Ein 4 -S