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Freies Blatt · 1893-11-12 · 84 (12.11.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
84 (12.11.1893)
Date
1893-11-12
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Sehe 4. Nr. 84 Freies der südischcn VitctVitur hat mit dem polnisch-nationalen Zionismus nichts zu klm». Es wäre besser, wenn die galizischcn Inden sich bestreben würden, polnisch und deutsch richtig zu sprechen, als das Hebräische zur Eonversalionsiprachc zu erheben. Lebend ist nur jene Sprache, in welcher man denkt, nicht aber die man schreibt oder die man redet nach vorausgcgangcnen Nestexionen." So sind die Tausends i'ifii ^nden, die hinter den Herren von der „Kadimah" stehen'? lZtülistka vcrlciiqiict den Antisemitismus.'» Bor dem Bezirks-' gerichre Aiieigrund kam eine Ehrenbeleidigungsklage zur Perhandlung, welche der gewesene Tircctor der Tischierwaarenhallc, - Johann Bk a rk i n c k, gegen den Tischlcrmciftcr Earl Mimra, eine» „strammen" 'Antisemiten, angestrengt batte.' Die Berhandlung schloß damit, daß Mimra den'von ibm beleidigten Martine! nm Entschuldigung bat und sich zur Begleichung aller Gerichtskosten bereit'erklärte, Im Laufe der Gerichtsverhandlung wurde Gemeinderalh -sledlistka, Borstchcr der L ischlergenonenichast, als Zeuge vernommen. Bei seinem Berhör spielte sich folgende Secne ab: B > >v :'e r. E? wurde bedanviel, daß 2 i e eigenr.ich gegen Herrn Bl-irtinek a.stn>:':>. daß Tie '.l’iiima re.anlaßien, Mirrinek a»;»grcisen »nd Mimra nur Iln -u.um war? —;11f:if a: Meiin ich etwas lhnn will, 'o habe ich. auch die eaiubgc dazu — Bichter: Tic ''ollen es demstläger übel geiigninien haben, daß er einen gcwinen Beniiiaiin, den man für eine» Juten hielt, als Mitglu'd der Ma.nenöalle anfnablii e — I eoli>-1a: Erste»? ist Beuliiai», ear lein Jul.' zueiieu? ins bei uns gang Bebeni'ache. was Einer glaub!' — Bichl er: die Agitation gegen den -tläger soll überhauvl einen .ann'enün'chc» Hinterg-.ur.d haben? — Ietliska: Tagegen muß ich ent-, \1.prob sliren, be, unsgibt'» keine antiwmiljichcn i^iüudc! I ch v k r nab re mich 'eierlich dagegen. dcciß bei uns jemand ansg>"'.t:e''en u'ird. weil er Jude ist Men» Einer solide 'Maare inachk, i ■> er a Ti'chter,- >on n kiiiiiineri mich n ich's! Herr Ietlistka har somit öffentlich den Antisemitismus verleugnet. Werder: lbm "seine Parteigenossen diese schwache verzeihen? Mrüiciilischcr UiikcrsliilzliilsiSlitrtill. > Troß aller Agitarions-!linst.' der auu'eiiiirischen >Studenten, welche bei, der Neuwahl deS '.'luestchune? des Mekieini'chen lliirerstüllungsvereincS ihre Liste durch- 'eßdn wollte», siegten die B.eistnnigcn Eandidaten mit A4? gegen 27i> Stimmen. Beniertenswerrb ist der llmstand, daß sämmtlichc ilavische T:u':u!:u nir dir aiiliieiniti'che Ansschnßliste stinimken. Eine anrifcmitiftlic il'flInÜDCf.' Sir erhalte» folgende Zuschrift: Te'w gecbner Herr Redaclelre k Bin Bezug am da? im 'dreien Blaue" jiiiigsibiii iBummer S3 v. '>. Borer der? berichte:»' Fueiui», daß neuerdings ein Individuum durch die ,kort- 1'," i>:e ami'emiti'»!'»' Agitation dem 'Mahnst»» verrallen in, erlaube. ich mir, iii.'ii au' «'»rund genauester Iii'üriiiaiioii über nachstehenden Boriall Mit' 'bdilaiw, tu mach»,,. Enl: Tiensrmagd er'uhr am Ende der dritten Mache ihrer I:.1.;u:t. daß i! re Peoi.zevee Juten und. und gcrieih darüber iil imgeheiieie Au'regung — eine Fo:e>> der ständige» keelüre de? „Teut>cl>eu BolksblaneS". Pie glaubte nun, daß Anden an :B' einen „B'ilualniord" zu begehe» beabßchnr.eu, heaa:n hievlich Bach!? zu tobe» und wollte sich au? dem Fenster der uii .'einen Tie.ke gel.'aenen Mobnung hmabstürzen, um aich au? der eingebildete» "'•v.'.t!:»-;:. Au' die Polizei geb-achr. bebauvrere sie, man bätic ihr die .'.u'r.e-chu-.k:.'« m d Blut abgezav'k. Bo» irgend einer Benetzung war ■ ..!' keine Te.ie zu '.reu Ta? hedauernsiverlhe Frauenziniuier mußte der r.ii d .utieuaiißali ^überg'ben ire.de» Am Aiisttilnise an diese Mitlheilniig sei '.ir: bemerkt, daß. r'-.rchar -aus Gründen der önemlichen Licherheil. in den M.: bsttib.u »er Pekizeiivachinann'ebakl keine Eremplare des „Teulsche» Bolks. . dnr'eii. Genehmigen Tie den Ausdruck vorzüglicher Hochachtung I-r. I!. Ei» ailliiciiiilischcr Gtiiicstrcich. Aus Salzburg schreibt /»!'.» niis: Ter Salzburger G.nieinderath hat den ärgsten Gegner der .stnurivstege und Dbcraiiiiscmilcn Trainer, der wiederholt den Bein.'bringen der uuü'reu»de zur Erhaltung von Tcnkniälcrn cnrgegeneekrcii» und jüngst erst über den Zeilpuntt der Riedcrreißnng d.? lunül isiari'ch iiiteressantcn Linzerlhorcs inlcrpcllirr hatte, in den Berir.iliungs'.atli des Salzburger — Museuins geruählt Eine» Pastenderen Sachker ihrer Knnstpslcge konnten die Salzburger nicht a,ifl>e:l Tie herrliche Sammlung in solchen Händen! Es ist diese hohlreud' Antwort, >r:lche nniorc gemcindcrürhlichen 'Antiieinitcn auf die Bemühungen unserer knnstsinuigcn .streife TalzbnrgS für das Liuzeril cr erlheiliei:, übrigens t'o unendlich bezeichnend für die Frivolilät der Aniisemiieir, daß vielleicht auch dieser «Geniestreich des Gcmeuideraihes nicht ohne günstige Folgen ist. '.'«achgeradc iniistc» doch alle s^ebikdeten ciiiieben, daß der Antisemitismus, nur ein Eollectiv- »aiue für jegliche Allotria .ist. In unserem-Gciiieindcrathc fühlen sich die Herren minier mehr in ihrer Domäne, mährend die nicht anti- S l a t t. semitischen Elemente aus Ekel und Uebcrdruß sich auS dem Nath der Ttadtväter hinanssehnen. So haben bereits der Bürgermeister Dr. v. Hueber, Bicebürgermeistcr Dr. Spänglcr und Gcmeinderath Schmu cd der fortgesetzten antisemitsschcn Angriffe halber ihre Dcmisston gegeben und dev Erstere nur auf stürmisches Verlangen seiner Partcigenoffen sich bereit erklärt, eine Wiederwahl anzunehmen? (Erkläret mir, Graf Ccriutmr!) Aus Lember g wird „ns geschrieben: Die „Gazcta Lkarodowa" setzt die Lcröffcirtlichnng der antisemitischen Artikel des Herrn Theophil Mernnowicz fort; auch in Lkilmmer 253 erschien ein solcher, gleichzeitig aber auch ein zweiter Aussatz, welcher mit Bcfricdignng die Fortschritte der Assimilationsbewcgung unter der jüdischen Bevölkerung Galiziens constatirte niid sogar für die Acilderiing der deutschen Fainilieiiiiamen galizischer Inden in .polnische eintrat. Eine Bchauplung. wonach es, wenn auch in ferner Zukunft, „natürlich" dazu kommen werde, daß die Juden den Glauben ihrer Väter abschwörcn werden, wird bei den gläubigeii Inden Galiziens selbstverständlich Acrgerniß erregen und infoferne wird ihnen auch der zweite Aufsatz, welcher ihren Abfall von der mosaischen Lehre vorherfagt, mißfallen. Allein der ganze Ton des letzteren uiitcrscheidct sich vorthcilhast von der Art, wie Herr Merunowic; gegen die Inden spricht, der zu ihrer Bckümpfnlig sogar die Abhandlung Dr. Leo Gellcr's „Die Ucbcrgrisfe der Börscschiedsgerichte" mißbraucht. Erkläret mir, Graf Derindur, diesen Zwiespalt der Natur! (Etiitralvcrcin dcntschcr.Staatsbürsirr .jüdischen Glanbens.) Am 26. Dctobcr fand, wie die „Allgemeine Zeitung des Jndciithums" berichtet, in Berlin eine Plenar Bersammlnng des „Eentral- Vereines deutscher Staatsbürger jüdische» Glaubens" statt, zu welcher auch Damen geladen und zahlreich erschienen waren. D. N. Löwcnfcld erörterte die Frage, inwieweit und in welcher Nichluiig die Frauen die Bestrebungen des. Bcrcincs fördern könntcii. Er wies auf Birchow's Ausspruch von dem EroberungSzug der Frauen in unserer Zeit hin; der Eroberungszug der jüdischcii Franey. beunruhige ja schon die Synode. Er führte Professor Wagner als Vertreter des ästhetischen Antisemitismus an. Dieser Ausdruck bedeute, daß dem Anderen an dem äußeren Gcbahrcn der Juden, an Tracht und Haltung etwas »nangcnchm sei, daß die Juden hierin anders seien. DaS bedeute noch nicht schlechter sein, aber cs sei Ausgabe der Inden, sich zu aeeainmodircn. Der rtccdner ging zu Beobachtungen des täglichen Lebens, zum Verkehr ans der Straße, in der Pferdebahn, im Theater, über. Tie Juden seien nun einmal Slicftindcr und müßten daher bester sein als die Anderen. Ties gelte besonders für die Damen; darum richte er seine Worte besonders an sie und bitte sie, hiefiir in ihren Äreisen zu wirken. Ferner sei cs Aufgabe der Inden, den Verkehr mit Nichljudeu, der —• allerdings nicht durch jüdische Schuld — oft abgebrochen sei, zu suche», und hier hätten wiederum besonders die Frauen eine Ausgabe zu erfüllen, da die Anbahnung und die Aufrcchterhaltung des Famiticilverkehrs hauptsächlich in ihrer Hand liege. Auch hätten die Franc» die Pflicht, an gemcinnützigen Tingcil jeder Art lhcilzunchmen; sie müßten an solchen Mitarbeiten, aber nicht ans Eitelkeit, nicht, um genannt zu werden, sondern ans Gemeinsiil», der sic an solcher Arbeit selbst die schönste Befriedigung finden laste. Auf die in der daraufsolgendcn, lebhafte» Diöcnssiön mehrfach geäußerten Ansichten, daß die vom Referenten erwähnten Unarten im Verkehr doch zu geringfügig seien, um hierüber zu reden und von ihrer Abstellung etwas Ersprießliches im Kampfe gegen den AnriscmitiSninS zu erwarsten, erwiderte Tr. Löwen feld, daß diese Dinge klciü schicneii, daß sic aber in ihren Wirkungen durchaus nicht geringfügig seien: er glaube auch nicht, daß mau damit allein den Antiscmitismns aus der Welt schaffe, er wisse auch, daß dieser seine sociale Seite habe: aber dieser Gegenstand stünde nicht auf der Tagesordnung der Versammlung. Im Kampfe müßlc man aber auch kleine Mittel anwende», selbst wenn sic nur geeignet seien, dem Feinde eine» Fußbreit Boden abzugewiiliicii. — Dr. Pariscr hob besonders die Aufgabe der Frau,als Mutter und Erzieherin ihrer Kinder hervor. In der Frage der Mischehen nehme er den Staydpunkt ein, daß eine auf gegenseitiger Herzcnsncigung geschlossene Ehe zwischen Mann und Frau verschiedenen Glaubens das volle Maß der Rcligiosilül besitze; anders aber stände cs mit der heule besonders großen Zahl von Mischehen zwffchen reichen Jüdinnen und Aristokraten. Es dürfe sich kein jüdischer Vater, kein jüdisches Mädchen zu einer solchen Unstttlichkeik und Hcrabwürdigling hcrgcbe». Die Ausführungen der verschiedenen 7>ecdner fanden lcbhaflcn Beifall. l.Erklärung tincs deinschc» kffabbincrs.) In der „Eobkeuzer Zeitung" veröffentlichte der dortige Rabbiner Dr. M. Singer eine bcachtenswcrthe Erklärung, welche einige in einem Artikel deS gcuanntcn Blattes enthaltene „Unqcnauigkciten" richligslcllk. Herr Dr. Singer schreib!:

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