Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 83 (5.11.1893)
- Date
- 1893-11-05
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Freies Blatt. Nr. 88. Seite 1». l»'ott mit einem großen -Sterben an ihnen heinisnchen mußte. Und dies geschah, nachdem schon Einer aus ihrer Mitte mit mächtigem Griffe die Säulen des GolleSglanbens überhaupt erschüttert; schon hatte Spinoza geleln und sein „Eins und Alles-, seine unendliche Zdee von der Einheit alles Seiende», von der Begrenzung Lottes durch die Gesetze seiner eigene» 'Ralnr ausgesprochen. Die Epik hat ziemlich wenig anszuweisen. Das iVamhastefte darunter ist eine Ueberlragnng des Wigalois, die Wagenseil mit lheilt und die um 17t H ► von v\ofeL v. Witzenhausen angesertigt. Aus Wagenseil kennt sie Benecke, der ihrer in seiner Ausgabe dieses Epos Erwähnung inackl und so ungerecht darüber urtheilt, wie man's immer thiui wird, wenn man etwas ohne Ahnung des großen Zusammenhanges betrachtet, in dei» es gehör!. Er glaubte, dem Epos Wirnt ik Gravenberg's sei damit' „eine Ehre ohne Gleichen" widersahren. Schon das ist unrichtig. Wirnt v. Gravenberg hat seinen „Wigalois" nach einer Sage gedichtet, die ihm mündlich mitgetheilt wurde. Das kommt seiner Erzählung wohl zn statten; sie ist sehr lebendig und bewegt sich frei und gefällig: es ist ein schöner aIuB in der Handlung, eine große Ailinnth in der Sprache. Das Wert blieb vereinzelt: der Dichter hatte am Hose des Herzogs von Meran, wohl Berthold I V., des ersten, der diesen stolzen Titel erlangte, der das OHi'icf hatte, zwei seiner Töchter aus »önigslhroiien zu sehen, die eine aus dem von Ungarn, die unselige, vi/lbesungene Agnes ans dem von Frank reich, während die dritte als Herzogin in Breslau saß, die Anregung zu seinem Werke. Denn es war damals ein schönes und kunstsrohes '.'eben im deutschen Süden: dort sucht man, allerdings mit ungewissem Anspruch, die Heimat Walthers von der Bogel weide, dort stand die Wiege Lenlholds von Säbcn, der an oitniflfctt und Sünefidi Herrn Walther vergleichen dars, au Arische ihn säst noch übertrir'ft. Wirnt diente dort wohl als Edelknabe; daß er Angen zeuge des Todes seines Herrn war. berichtet er selbst. Es ist, nach Wirnt, an >tö»ig Arlus' Hose Brauch, daß a» teinein Tage gegessen werden dars. daran sich keine Abenteuer begeben. Ein abenteuerloser Tag bricht au; Frau Ginevra hat sich eben ohne t'Vleit in ihre tvemadier begeben: da erscheint ein rrember Ritter vor ihrem Acnftcr und bittet sie, einen kostbaren t'Mirtel als Geschenk von ihm anznnehiiien und össenllich zn tragen. Geschieht »as nicht, so will er die Taielrunder im »iampse bestelle». Aus Gawan's Rath lehnt die Königin die l>'abe ab, und ii«n folgt ein Kanu», in dem die besten Tafelrunder vor dem Fremden weichen. Zuletzt erliegt Gawan seiner Mrart, die ein oiuiberflürlcl noch steigert. Als Gefangener muß er dem Helden solgeu. Sie reiten durch Wildnisse, in denen der sremde ->lönig Herrn Gawan den Wuiidergürlel schenkt: zwölf'Tage währt die Fahrt, ehe sie in die. Heimat des Aremden kommen. Dort ivird (Hawaii O'alle der setiönen Florie, der Reichte des riönigs, und lebt ein Zahr lang selig an ihrer Seite. Darnach »immt er llr laub: nur aus drei Tage, wie er sagt. Den Gürtel laßt er zurüek lind ahnt nicht, daß ohne ihn Riemand den Weg in jenes '.'and zurüek finden kann. Ein halbes Zahr braneiit er diesmal zu der Reise, die er vordem iu weuigen Tilgen vollbracht. Umsonst sucht er'darnach den Weg in Floriens '.'and: alle Welltheile durchstreift der Suchende sruchtlos. So kehrt ei' nach »taridol zurüek, »üd sein und Floriens Lliud, (ihli von Galois, ist säst schon zwei Zähre alt. Bon den edelsten Rittern unterwiesen, wächst der rtnabe Hera». Früh gewinnt er volle .'iraft, srüh regt sich die Abenteiierlnst, die den Helden kündet. Zwanzig Zahre wird er so all, »ud »uu kann ihn nichts mehr halte». Er nimmt den Zaubergürtel und reitet aus, seinen Beiter zu suchen. Ein >inappe weist ihm >iaridol; ei» wundersamer Stein, der nur reine Menschen in seiner Rähe leidet, aus dem bisher .stönig Artus allein sitze» gedurst, empfängt ihn willig. Das bereitet ihm die beste Aufnahme. Artus uimiiil sich seiner an, Gawan wird sein Meister, ohne daß Bai er und Sohn einander erkennen. Zli Pfingsten ivird er mit dem Schwerte be wehrt nnd Tags daraus wird ihm eine große Ausgabe gestellt: eine Zungfrau, ein Zwerglein hinter sich, erbittet von Artus eine» Helden, der die Roth ihres von schweren Plage» heimgesuchten Herren mildern soll. Wigalois überniiiinil diese Ausgabe: die Zungfrau aber ist mit ihm angesichts seiner Zngend höchlich unzufrieden, und, um ihr seinen Werth zu erweisen, besteht der Züngling eine Reihe schwerer Proben. Eine» Burgherrn, der sich mit jedem seiner (väfte mißt und jeden bezwang, tödtet er: im wilden Walde rettet er eine Zungsrau, der zwei Riesen Gewalt anth»» wollen, erschlägt den einen, sendet den anderen mit der Dame als seinen Gefangenen an KönigArtns' Hof. Znzwischen ist ihm seine Führerin, die trotz seiner Thaten noch kein Berlrauen zu ihm hat, einfach durchgegange». Er holt sie ein, und fortab reiten sie nebeneinander.! Ein Fralienhündchen, das ihr wohl gefällt, hat er gefangen, seinen Besitzer, der ihm entgegentritt, überwindet,, er. Dan» treffen sie eine allein reisende Zungfrau; sie hat durch Aller Stimme» den Schönheitspreis davongetragen, den der Äönig ihres Landes für die Schönste ausgesetzt; der „rothe Ritter" aber habe ihr das Pferd sainmt dem sprechenden Sittich de» auögesetzlen Preis entrisse», um es feiner Freundin zii gebe», mib Riemand wagte ihm zu -hindern. Wigalois nimmt sich ihrer an. Der Räuber hält nocham Festorte; es ist' Graf Hojer v. Mannsfeld, eilte historische Persönlichkeit, die in den Wirren unter Heinrich VI. eine bedeutsaiile Rolle gespielt und im Rlife größter persönlicher. Tapferkeit gestanden. Am nächsten Morgen findet ein Zweikampf zwischen Beiden statt, nnd nach hartem Streite bleibt Hojer sieglos. Ailch dieser Bezwungene muß, wie die Früheren, an Artus' Hof, die Siege des Ritters mit dem Rade bezeugen. Er aber kehrt zu seiner Führern! zurück; die Zungfraii, der er ihr Recht ersiegt, begleitet ihn eilt Stück Weges und schenkt ihm beim Abschiede Pferd nnd Papagei, die er seiner Wegweiserin überläßt. Sie näch tigen bei einem Ritter, dem Wigalois berichtet, er wolle nach -Vornlin, dort das Abenteuer bestehen. Das ist auch seines Gast freundes Absicht; sie kämpfen um daS Anrecht daran, und der Ritter fällt von der Hand seines jungen Eigners, der nun in den Augen RerejäS, seiner Führerin, bewährt ist. -Run erst erfährt Wigalois die Alifgabe, die seiner harre. Ein heimtückischer Feind hat den Bater der schönen Königstochter Larie im Schlafe überfallen und getödtet. Seither geschehe» in ihreiil Lande durch Hubert mute Wunder ohne Zahl, den Weg in das Land des Berräthers aber weiß mir ein Thier, das alltäglich zu bestiimiiter Stunde vor dem einzigen Schlosse erscheint, das Larien geblieben. Wigalois wird in der Burg aufs Herzlichste ausgeuvmmen, und ihn ersaßt sofort glühende Liebe für Larie. Aul anderen Morgen folgt er dem räthselhaste» Geschöpf; er kommt vor eine Burg, vorder io:; Ritter turniren.^So wie der Züngling seinen Speer gegen Eine» davon entsendet, lodert die Waffe auf. So brennt Rächt für Rad» der ganze Gan sauimt der >iönigSburg; am Morgen blieb keine Spur noch Wirkung der Gtuth. Das Thier gewinnt Mensche» gestalt: es ist Lariens Bater. Bon ihm erfährt Wigalois, daß er von Gawan stamme. Bon ihm erhält er einen Speer, dem keine Rüstung widersteht, eine Blütlie, die gegen den giftigen Alhem des Pfetön, eines Drachen, schützt, mit dem er zunächst zu kämpfen haben wird. Wigalois scheidet; eben hat der Pfetän einer Znngfrau den Frellnd nimmt drei Rittern geraubt; Wigalois sticht dem Un thier seinen Speer ins Herz, aber noch im Sterben ist der Wurm stark genug, ihn mit einem Schlage niederznwerfen, seine Rüstung zn zerschmettern, das Roß;» tödten. Die Zungfrau sainmt den Geretteten hat mittlerweile ihr Schloß erreicht. Sie sendet »ach Wigalois, der besinnungslos darniederliegt. So findet ihn ein Fischer, der sainmt seinem Weibe noch nuf dem Fang aus ist. Sie berauben ihn, das Weib will ihn sogar lödten, nur daß. ihr seine Schönheit das Her; rührt. Sie besprengt ihn mit Wasser, ehe sie ftüchtet; in ihrer Hütte, bei Lampenlicht, mustern sie dann den Raub. Dieser Schimmer »errätI) sie, überrascht bekennen sie wo der Held zu finden sei. Wigalois wird in der Burg wohl ausgenommen und ausgerüstet. Durch, einen Urwald reitel er: eben hat er sein Roß angebunden, als ihn ein häßliches Weib, Rtiel, anläuft. Er unter - schätzt sie, will sein Schwert gegen kein Weib zücken, und wird so bezwungen; sie will ihn morden, da wiehert sei» Roß, und sie flüchtet, den» sie meint, der Drache käme, von dessen Tode sie noch nichts weiß. 'Endlich kömmt der Züngling vor die Burg seines Feindes; ei» Thor von Marmor fleht davor, ein Bach treibt vor der Pforte ein Mühlrcid, das mit Schwertern und mit Kolben bespickt ist; asts einem Sumpfe guillt giftiger Rebel, der jeden freien Ausblick nimmt. Er betet zu Gott; der Rebel sinkt davor, und das Wasser stockt im Fließen. Zwei Witter fallen ihn an; den einen tödtet er, der andere wird sein Freund und gibt ihm ei» Mittel, in die Burg zu gelangen. Dort bezwingt er den Burgherrn, wird aber selber schwer verwundet; die Burgfrau stirbt über der Leiche ihres Galle» vor Zammer, und ihre Hofdame» wolle» Wigalois tödten 'Rur das Eintreten eines Mannes rettet ihn: .Born Schlosse des Grafen Moralt, den er aus der Gewalt des Drachen gerettet, tritt er dann seine Herrschaft, an. Dort vermählt er sich mit Larie; dorthin kommen vier Sendboten aus Artus'.Rreise, unter ihnen Gawan. Bater und Sohn erkennen einander. Roch einen letzten Liampf für das Rechte hat Wigalois zu bestehen; fortab lebt er glücklich, ein reicher Ltönig an Larien's Seite.