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Freies Blatt · 1893-10-22 · 81 (22.10.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
81 (22.10.1893)
Date
1893-10-22
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seit* 6. Freies Blatt. den ■ Antisemiten vorgebrachte Fabel von der Mancncinwanderung rrciiidcr Juden ivird durch die bis 1890 fortgefnhrtcn Zahlen dcS Artikels völlig widerlegt. Tie jüdische Bevölkerung Preußens, die einen stärkeren (Geburtenüberschuß als die christliche auszuweisen hat, ist bis 185,8 im Bcrhältnifsc zur (^esaunntseclenzahl stetig perccntuell gewachsen, seitdem aber in steigendem proecntncllcn Rückgang. Aus 1000 Seelen koininen in Preußen 182t? 12 4l Juden, If>:)7 I.',02, 185,2 15, -10, 1858 II 07. 1871 12,-21, 18<> 12!K>, 1800 12 42. Ties Perhältniß findet seine Erklärung nicht in den Tauscn, deren Zahl verhältnißmäßig gering ist, sondern vor allen Tingen in einer starken Auswanderung bei geringer Einwanderung' v. Firks Nnichscheidet bei den Juden drei Zweige, den ipanischsn, orientalischen und deutschen! Zu dem letzteren, der in Preußen fast allein in Betracht kommt, da ihm 00-7 Perccnt der preußischen Juden angchören, rechnet er auch die sogenannten polnischen und russtschcn Inden, indem er daraus hinwcist, daß deren Bäter einst aus Tculschland »ach Polen gewandert sind und »och ihre Muttersprache.das Teutsche, wenn auch in einem verdorbenen Idiom, ist. Ans dem reichen Schatze der anderen Zahlen wollen wir nur noch antührcn, daß sich 4.'>98 Inden nach der Berufsstalistik mit der 2 a n d w i r t h s ch a f t beschäftigen, ein Bruchtheil, der, obwohl an sich nicht groß, doch viel größer ist, als man gemeinhin anniinnit. Eine sehr lehrreiche Zusammenstellung der in diesem Jahrhundert crlasscncn Judengesetzc macht cs begreiflich, warum vor der .Emaneipalion eine „Eindeutschung" unmöglich war. v. Firks fordert übrigens als Bedingung dieser Eindcubschung: Ansgcbcn der eigenen Sabbalhfeicr, der Spciseglp'cpe und' des Schlichtens. Tic ZllVcuvtrfolstMIst i» Rlimällicil. Wie der .Rnmäuischc l'l ohd" miltheilt, erhielten im Tistriete Baran die in. den Landgcuiernden ansässigen Juden von den Behörden die Aufforderung, ihr Heim' -,n verlassen. Sie wurden während der letzten jüdischen Feiertage zur Abreise gezivungcu und suchten-ihr Iliiterkommcn in Bacan. Tie Bewohner dieser Stadl planen »uu die O'rttttduug eines Bercincs zur Nnkeistm-nng der ihrer Eristen; beraubten Juden. , antisemitischen Vereinen und Versammlungen. - lliivcrsätschic mid (rbrinlich-Sociale., Tie im „2s>,mnoimt", und zwar am ,'PilHonriu'ii „ll nverlä!'ä>teil Tent >' chcn 2sy r l e"entpalteil wirser ichinerzlichen .Klageruf: mich ser ber ö»erreichische Bauer» oereiii" ivird als van der ,Seuche der Untreue" ergriffen bezeichnet. Weit, beniertenswenher sind aber einige Bereinsberichte, welche das Berdältniß der „Unver'alichten'' zn den Lbrinlich Seeialeu grell beleuchten. Jener „Schrift lener". der 'rüber Bergani gedient baue und jetzt dein iourualisnichcn Gesinde dee- T sunartluhrers angebört, sprach im „Le ursche» Po lksve rt i n" über seine traurige» Wahrnclimnmzen in verschiedenen Gegenden, iu denen Masten dcserlioncn verkamen, imd zog tan» die Hrcm'cv Bai'alle in Erörterung. Mit Ausdrücken wie ..Heclinavier Blatt" und „Preßöenlc" bezeichuete er das Organ, denen Mitarbeuer er früher war, und erzälille hieran' Folgendes: „Ter ehemalige Schönerianer, Spenglerineister Schick in Arems, der als Beranstalter der christlich weialen Metie mit mir unterhandelte, erhielt von mir vor der Ber iammlung die Erklärung, da» wir nicht daran denken, die Bcrsainmlnng im (-eringnen zu siöre», nur müßten wir dagegen Kerwahrung einlegen, das; der Berratbrr Bergani erfchemk. Schick betheuerle mir, die Christlich Seeialeu in ptrems haben es sich ansdcücknch verbeten, daß Bergani spreche. Bergani werde geirisr nicht 'vrechen und auch kaum er'cheineu. Wie Christlich Sociale Wort ballen, bat sich ja dann gezeigt. Erlassen Sie mir, verehrte Ber'ammlung, die nähere Schilderung.jener widerlichen Seeue, wo Genossen über ihnen vor die Füße geivorfene Senel slnrzteu und P'asten -und Weiber dann ans die ivebilos am Boden -.'legenden mit Stöcken, Schirmen und Fäusten einhiebe», bis inebrere der Mißhanrelten aus .'iov'»m»de>i blutete» und mit zerrisiknen .»leidern und obne xor-'b-edeckiing dem Er>chlagenwerden enikainen. Ich ent'ernte mich znletzi ans dein Saal und höple noch, wie ein vor Wuth schier rasend, gewordener t'chechiicher Ordner' schrie: .Ist »och so ein deutscher Hund da. sa hau ich ihm den Schädel ein!' Angesichts diese-; Ereignisses werden wolsi nniimehr auch Jenen die Augen auigehen, die da noch immer meinen, man könnte »och von Fall zu Fall' mit den Christlich Socialen gemeinsame Sache machen. Als bezeichnend will ich nur noch hervorhcben, daß Bergani unter dem Bei'alle seiner aus Wien mitgcbrachtcn Gesellschaft auflrat und — bescheiden, wie ift Polak schon ist — das .Hoch Bergani! mit der Ailfforderung ablebnte, statt, des .Hoch Bergani .:ßu'ens lieber sein Blatt. nnanziell zn nm-rftützru." — lieber eine Favoritner Berkaninilnng wird im Schönerer Blaue berichtet: „Am 2 Oetober d. I. bien der .Ch r i stli ch - soc ia l e Berein in Wien' im X Bezirke eine Bersainlukung ab, welche den Zweck halle, die Gründling einer christlich socialen Bereinsieclion im .Wablbczirkc de-s deutsch¬ Nr. 81. nationalen Abgeordnete» Hauck anznbahnen. Selbstredend müßte eine solche Ablagerung des Wiener Wurstkessels eine Gegnerschaft zu dem unter Hauck'S Obinannschafl stehe,ide», ans Schöiiercr'scheii Grundsätzen fußenden .Favoritner Bnrgerverrine' zur Folge' habe», und daraus haben c« ja die christlich-socialen .Einigkeits'-Prediger offenkundig abgesehen, wie deren Krenzzüge i» dentsch- »ationale Wahlbezirke in jüngster Zeit genügsam beweisen. Gemeiüderath T r a in« bau er, der dnrch Wortbruch den BesähignngSnachweiS für die- Anfnahinc in die Gesellschaft Pattai Bergani und dergleichen erbracht hat, ist eifrigst um das Zustalidrkoiliiiicil einer christlich socialen Sectio» bemüht, in welcher der ehemalige tlangenloisec (unselige» AudenkenS!) und nunmehrige Favoritner Advoeal Dr. Tasch glaubwürdigen Berichlen zufolge die Obl»a»nsstelle einilehliien soll. Bevor noch 10 > Personen im Saale waren, rückteschon eine starke Ab theilnng Sicherheilswache -lln, versperrte den Haupleingang und besetzte den Hof, ja vier Mann nahmen. innerhalb des Saale« zunächst der Thüren Aufstellung, wa» dem Bersaiiiliillingsgesetze nicht entspricht. Bezeichnend ist auch die Weisung, die an der Gasthausschank gegeben ivurde: ,Tie anwcset.den Wachleute bekommen jeder einen Liter Bier! Ter Eintritt wurde durch die zahlreichen, unter Wache deistand ihres Amtes ivaltcnden Ordner auf jede mögliche Weise erschwert und vielen Personen, die nicht sofort als .Christlich Sociale' erkannt wurde», verwehrt; so fragte ma» mehrere Herren: .Sind Sie Wühler?', obwohl keine Wähler-, sondern eine BeretnSversammluiig statthatte, z>t der laut Inhaltes der Eintrittskarte ,Gaste ivillkoiiimen' geheißen waren. Die Eintrittskarten, mit ge heimcn Merkzeichen (Nadelstichen) versehen, wiilden von den Ordnern peinlichst aus die Echtheit geprüft, auseinaiidergelegt, gegen die Gasflainnte gehalten n. s. s., so daß eS nicht Bielen gelang, in den Saal zu koinmeii. Tcimoch warcit über 70 Deutsch-Nationale in der sehr mäßig besuchten Beisainmlnng anive-end, von welch.» sich Genosse Arnoscht, der beim Eintritt vom Bereinspiästdcnten Tr. Psenner in christlich socialer 2seise empfangen wurde, sofort, Engcrth und Stein int Bcrlanfe der Bersammlniig ziini Worte metocteii Tr. Psenner ctöffncte die Bersaminlung, wie er sagte, mit .blutendem Herzen' und versänmie unter Hinweis ans die draußen harrende k. k. Sicherheilswachc nicht, anzudenten, was derer harren würde, die sich etwa einer abweichende» 'Meinung Ausdruck zu geben erlaubten. Und wirklich tuurben einige Social- Tcinokraten, die die AuSsnhrungen Pjenner'S mit einem .Oho!' unterbrachen, von einer ans einen gegebenen Wink in der Stärke von zehn Mann in den Saal stürmenden Wachalnheilung ergriffen und förmlich ans drin Saale gc schleift. .Nachdem .dir v'nsi rein war, erschien Dr. Pueger in der Bcrianinilung. E« nn.ßle auf jeden Unbesangcncn den Eindruck ekliger Heuchelei anachen, als nun Tr. Psenner, nachdem die Social Deinokralen saninit lind sonders hinaus geworfen ivaren, den .anwesende» Herren Social-Deinokcaten' die .volle Nede sreiheii' znstcherle, und als »ach ihm De. Lueger mit wahrer Stentorstimme gegen .die anwesende» Social Temolralc»' losdonnerte, welche er inehriiials .Buben' nannte, .'ioinisch wirkle es daher insbcsonderS, als Dr. Lncger, sich in die Brust werfend, sagte: .Die aiiweieiidcii Soeial-Deinokralen »lögen sehen, daß ich mich nicht scheue, auch in die Höhle des Löwen'zu gehen'... Im klebrige» rcttele Dr. Lueger rednerisch die Ehre des Tages, den» der Name des Abgeordneten Prinzen Liech lenste in stand, wie in R'rems so auch hier, nur als .Zugkraft' ans der Ankündigung, ,a dessen -Nichterscheinen wurde nicht einmal begründet oder -entschuldigt; die übrigen Redner aber: Dr. Psennerj Tranibauer und Dr. Tasch, sprachen in einer Weile, die zur Entleerung des Saales geeigneter war als ein ganzes Wachcorps. Nach Lueger'S Rede bewies Tr. Psenner, daß seine Zustcherlnig, Redefreiheit walten zu lassen, einfach unwahr gewesen. Ein znm Worte gemeldeter Bersaininlungslheilnehmer erhielt das Wort erst, nachdem Dr. Psenner die Bersaminlung befragt und diese sich mit übergroßer Mehrheit für Redefreiheit ausgesprochen hatte. Rannt schickte sich jedoch der Mann q», das Wort zu ergreifen, als Geineinderath Tranibauer wie wüthend auf ihn losfnhr und schrie: .Was, Redefreiheit wollt'« öS? .Skandal' Freiheit wollt's! Aus Siras' dcrft'S heul' nix röd'n.' Tie Empörung über diese Ungezogenheit des Gemeinderalhes Tranibauer war allgemein und wurde von Tr. Pienuer schlau benützt, um mit der Erklärung: .Herr bin ich hier, S>« sind »nr die Gäste. Weil Sie nicht anständig sind, schließe ich hiemil die Bersaininlnng' — allen Erörlcrungen ein Ende z» mache». Selbstredend erhoben die anwesenden Deutsch -Nationalen Widerspruch gegen eine solche Hinterlist lind Bergewaltigitng, und Schmeichelworle waren cs jiidjt, mit welchen dieses Borgehen bezeichnet wurde. Auch diesen Widerspruch stichle Dr. Psenner. dadurch zu ersticken, daß er das Eindringen der SicherheitSwache in den Saal myitfte. Nach Absingiing der .Wachl am Rhein' n»d des Ritter Georg-LiedeS verließe» die Deutsch-Rationalen unter .Heil Bismarck!.Hoch Schönercr'- Rufen den Saal. Tie Wache »ahm einige Berhaslnngen vor." Der voranstehende Bericht ist ohne Zweifel sehr ergötzlich, namentlich jener Thcil desselben, welcher die Tapfeikcit der christlich socialen Ritter gegen die Social-Deinokraten schildert. Tasch und Tranibauer scheinen früher den Unvctfälschten beigezahlt worden zu sein. Tie unfreundlichen Anspielungen ans den Langenloiser. Aufenthalt des Einen uiid der „Wortbruch", d. h. Abfall von Schönerer, welcher dem Anderen ., vorgcworfen wird, lassen darauf schließen lAiitiscniitischcr Radfahrcrclub „Favorita".) Man schreibt n»s: Tie Leitung des seit einigen Jahren im X. Bezirke bestehenden RadsahrerclubS

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