Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 81 (22.10.1893)
- Date
- 1893-10-22
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Beilage zum Freien Blatt, Drgan zur Abwehr des Antisemitismus. Seite xc VI. V*5 und jüdischö Ichalv Wagiicr. dcu große Mciskcc dromalijchcr Musik, dal mit feiner nor Oahren erschienenen Broschüre „Das Iudenkhum in der Miisik", worin er den jüdischen Tynsetzern jede Form in der musi falifcfidit (ionception abfpricht, die schneidendste Dissonanz angeschlagen, welche di^ GefnhlSfaike eines BolkeS crrönen machte. Aber gerade der Meister Jt>o\\ Banrenlh, der keinen Anlaß;nm Haß gegenüber dem IudenNfiini gehabt batte, weil ihn einer dieses Stammes dnrch Ein pfehlnflgen bei den Tbeaterintendantnrcn von Paris nnd Dresden zu dein gefeiert batte, was er in späteren Jahren geworden; gerade Richard Wa/neir konnte der jüdischen Talente nicht entbehren, welckze ihm seine lT<eriij»ifsührungen in musterhafter Weise dirigirten. Demungcachtel ist ui Deutschland der Äntiscmilismns;u einer unerläßlichen Begleit crscheiusting der wabren Richard Wagner-Verehrnng geworden. Thne an Wagnct's »infikalifcher Bedeutung;n mäkeln, muß doch zugegeben werdend daß auch andere 'Jcute noch etwas von Mnstk versieben, nnd diefe dächten nicht so wegwerfend über die musikalische Begabung der Inden.!?>» AiiKitieirt) seben wir, wie Ro'sini, der den ganzen musikalüchen (^eschmhck feiner Zeit beeinflußte, lebhaft Antbeil nahm an dem, was der jlidi'che Simagogeiicomponist und Eantor tliaumburg mit seinem großen Tempel in Paris geschaffenen Reformwerk leiüele, und ein Brief, den der berühmte sranzösifch italienische Meister an iger ricliteie, kann man ans gewisse freundschaftliche Beziehungen Beiden schließen, Rofsini's Brief lautete: für de, aus ein den Sa twifche. Herr Aamnbnrg! Lvilteu vrüüe ich weg'allig die drei Mnsiküiicke, uni deren LZidinmig Tie »iiäi beet.eu n-cUeu iKenebmigeli 2ie den Antür,ick meine» Tankes für tiefe Widinnnji, weiche ich mii Bergungen ae>.eplire, und nehmen Tie meine Glück ivuii'che j.i, Alne vorircnlichen Toinpoftlioiieii eiiigegen. Ter _Vitj.-bi liiusou*. der 'l-;a:|n üü und der „b'e emsirm" sind mit einer iiebiichen Melodie verfebeii ilijd bade» ibren beligiöfen Cbarakier gan; bewahrt. Tie Ttimme» sind von Meisterbauk geschrieben, Ich, bin de>>in sicher, daß Ihre Arbeiten von einem glaiiieiideii Er'olge gekloin si'in werde», uud dies isi der aufrichtigsie Bönii'ch, welchen ohnen bietet obr dank'r'ällter Beivnnderer 'cha^'n, den 2. Augnü o). :H'oiiini. <iin; Bierteljalirlmiiderk früher sehen wir in unserem Wien den bernhinls» Snlzer ganz besonders in der bauplstädtifchen (Gesellschaft bervorratzen. lir, der eigentliche Schöpfer des aus dem Urzustände gehobenen und ans seiner formlosen Umhüllung befreiten Synagogenge'anges, Kar als Vicöcrfänger neben Pifchek und Staudigl zu den besten Interpreten Schnberl'fcher Tonscfföpfungen gehört, so daß selten eine größere ninfikalifche Anfführnng statlfand, bei welcher nicht der beliebte Sbcreanror mit einem Bortrage miiwirkte. Aber nicht nur das kuust- - sinnige Publicum suchte seinen Umgang, wir finden unter seinen beste» rtreuntea die christlichen (ionipofiteure Franz Schubert, Ritter von Senfii.d. (Kapellmeister Drerler, Professor Würfel u. A. m. Sie betheiliglen nch alle an dem von Sulzer herausgcgebcnen Reformwerke Schir .-Veit ngd lieferten Prodncle,. welche so sanglich geschrieben find, daß iie n> b beiue ihre volle Popnlaritüt besitzen, Wir finden inner f.n Be'.ib.ern Tulier's auch den Patriarchen von Benedig und Primas v?» L almatien, den in der deutschen Nteralnrgeschichte rühmlich genannt:» uachherigeu ErIsischos von Erlau, vkobann fadislaiis Pnrler Ieliö orör, den Tichter von Schuberts „Allmacht", der i» völliger Ennncknug den jitdifchen Sänger nach Bortrag des die göttliche Größe in den A'atnrgewallen darilellenden z'iedes begeistert umarmte und küßte Zä w::d,:l,dlienmalen äußerte sich Iranz ViRt in sehr schmeichelhafter Weife über SuUer, und jerofsnor Tr. Ed Hanslick hat in Wort und Schrift dessen hohe Verdienste um die Kunst gewürdigt, Sulzer'S Bestrebungen sollten bald^in anderen Städten Nachahmung finde», und da war es vornehmlich Prag, welches in dem christlichen Mufikj birector nnd Eapellmeister Franz Skraup, dem Komponisten des | böhmischen Volksliedes „Wo ist mein Vaterhaus?", einen Mann fand,! der einschneidend für den Synagogengesang ,wirkte. Franz Skraup, der durch mehr als ein Tecennium weiter des Prager TempclchorrS I war, hat sich große Verdienste erworben, indem er als Erster die j Eompositioncii deS Wiener Cankors in Prag populär machte, dieselben 1 einführte, wenn er sie auch merklich änderte. Er hat auch die sogenannten Münchener, Gesänge dem Repertoire einvcrleibt und den choralen Gesang ans eine,Höhc gebracht, daß er znr damasigcn Zeit den Ruf der Berühmtheit erlangte. Als Eomponift hat er dem israeli-; tischen Gottesdienste mehrere für die hohen Festtage bestimmte, sehr! hübsche Piöeen gewidmet. Auch schriftstellerisch thätig gedachte er der jüdischen Musik und insbesondere der Reformbestrebungen Snlzcr's ehrend. Ueberhaupt war Fra»; Skraup eine durchaus tolerante Natur. Sein Wese» hatte etwas so Anziehendes, daß sich ihm Jeder gern näherte, seinen Umgang pflegte. Einige Decennien später begegnen wir gleichfalls einem christlichen GesaugSmeister/ dem Profesior am Prager Eonservatorium Franz Ar». Vogl, der sich für die Pflege deS Gesanges in der Synagoge wärmstens interessirte. Profesior Vogl war ein inniger Verehrer und Freund nicht nur der jüdischen Gcsangsliteratnr, sondern der jüdischen Borlänger ine Allgemeinen, deren er selbst ' eine stattliche Anzahl ausgebildet hak. Auch als Tonseyer hat er für diese Zwecke Manches geleistet, so wurde z. B. eine deutsche Pace „Das letzte Vicb" längere Zeit beim Abeiidgotlesdienst des VersöhniingssesteS am israelitischen Tempel zu Prag ausgesührt. Besonders verdient hat er sich gemacht, indem er die uralten in der weltberühmten Alt-Neusynagogc gesungenen Reciiative, welche, wie er behauptete, wahre Perlen sind, in eine wohlgeordnete musikalische Form brachte. Auch den hundertsten Psalm „Tem Ewigen ist die Erde" hat er in eine schöne Vertonung gekleidet. Jenseits der Leitha, in der zweitschönsten Tonanstadt, war vor mehr als einem Vierteljahrhiiiidert ein Mitglied des hohen nngarischcn Adels ei» stiller Verehrer der hebräischen Gesangswcise». Graf T. FestcticS, ein musikalisch gebildeter Dilettant, hat sich einmal als Eomponist versucht und schrieb für den Pester großen Tempel eine sogenannte Keduscha, d. h. Sanctus, Derlei für vornrtheilSlosc Menschen so wohlthnende Erscheinnngen zeitigte nicht nur die Hanplstadt. In vielen Provinzstäbte», wo sich fortschrittliche Jndengemeinden befinden, tragen die meist der katholischen Kirche angehörendeii Tcmpclorganistcn durch ihr verständnißvollcs Eingehen in die ihnen sympathisch erscheinenden Melodien zur Erhöhung des Gottesdienstes bei. Ja es wird dnrch das freundschaftliche Verhältniß zwischen jüdischen Fnnctionüreu und christliche» Organisten oft eine wohlthätige Wechsel' Wirkung der guten Beziehungen beider Eonsessionen herbeigesührt.' Derartige Züge von humane», toleranten Bestrebungen bilden ei» wohlthncndcs Gegenstück zu den Schmähungen, w-lckcn die vielvcrschricnc „Jttdenschule" ausgeseyt war, sie liefern den schlagenden Beweis, daß wahre, von edlen Gefühlen beseelte Menschen den Fortschritt in der rcsormirtcn jüdischen Musik ebenso sehr achten und anerkenne» als sic ihm gern ihre persönliche Mithilfe angedcihen lassen, und daß ihnen Überhaupt jede conscssioiielle Voreiiigenommeiiheit vollkommen fernstand/ Wenn ein paar junge Bürschchen mit mangelhaster musikalischer Bildung vornehm aus' die jüdischen Nknsiker herabsehen zu müsien glaube», so habe» sic außer der Autorität eines auch ansonst verstiegenen Meisters kanm »och die eines zweiten wahrhaften Musikers für sich. Inngbnnzlau, im Cctober. u. s. Man alionnirl das Freie Blakt in Der?lDminiitrntion, Vien, I., Scilmtiittc 10. Abonncinentvsircis: ganzjährig ö. W. 2 fl. 50 fr., halbjährig 1 fl. 25 kr., vierteljährig 05 kr. Vf.i: ■; Giuu i:i.ior ri iik r, — Verantwortlicher Redacteur: Josef Vorwahlner. — Druck von Th. Reißer Ae M. Werthuer, Wien.